by R-L-X

Die Rolex Milgauss Ref. 1019. Eine Ikone, die von ihren Besitzern gehegt und gepflegt wird. Es sei denn – man ist ein wenig cholerisch veranlagt. Michael Klan über eine Uhr mit einer eher ungewöhnlichen Geschichte. 

Da latsch ich am Sonntag über die Münchner Uhrenbörse, wie immer erstmal zu Freunden und den üblichen Verdächtigen, ehe ich tiefer einsteige und in die Niederungen der Italiener-Ecke eintauche….

Bei einem der oben erwähnten fällt mir ein Kästchen mit Teilen auf, das ziemlich verlassen in der Vitrine liegt. Auf meine Nachfrage kommt folgendes zu Tage:

“Ich hatte einen sehr pingeligen Kunden in den späten 80er Jahren (Anmerkung: der Erzähler hatte früher eine Rolex Konzession in Dänemark), der sich eine Rolex Milgauss 1019 gekauft hat. Nach 3 Monaten kam er wieder und meinte, daß die Uhr zu ungenau läuft für den Anspruch, den sie verkörpert. Also haben wir die Uhr, die sehr gut lief, bei uns behalten und auf 5s / Tag einreguliert. Der Kunde nahm sie dann wieder mit.”

Bei der Stufe der Erzählung kommt ein leichtes Lächeln auf sein Gesicht und sein Uhrmacher, der die 70 auch schon überschritten hat und dabei ist, fängt an zu glucksen und kichern. Er erzählt weiter:

“Nach 6 Wochen war der Kunde wieder da und monierte, daß die Uhr gleichmäßig 4 Sekunden vorgeht und daß er das nicht tolerieren könne, da er in seinem Geschäft wesentlich präziser arbeiten müsse. Also haben wir die Uhr wieder behalten und es gelang uns, die Uhr auf 3s / Tag zu regulieren. Der Kunde kam und nahm die Uhr wieder mit….”

Gegluckse und Gekichere….

“Das ging noch zweimal so, der Kunde (hatte ich schon erwähnt, daß er extrem pingelig war?) war nie zufrieden und eine Tages kam er ins Geschäft, schmiss uns eine Plastiktüte auf den Tresen und meinte : “Da habts Euren Scheixx!”

Er hatte, weil er unzufrieden war, seine Uhr etwas mit dem Hammer bearbeitet…

…meint der Erzähler und gibt mir unter Lachen das Kästchen mit den Teilen, die oben dargestellt sind – und die zum Verkauf standen.

Da bleibt einem erstmal die Spucke weg. Ok, jeder darf mit seiner Uhr machen, was er will, oder?

Die Geschichte geht aber weiter: Die beiden Herren schickten die Teile nach Genf, mit der Bitte um Reparatur. Es folgte aber nur ein abschlägiger Bescheid, eine Reparatur wäre da nicht mehr möglich, aber sie könnten E-Teile bestellen und eine komplett neue Uhr aufbauen…..

Gesagt, getan. Und dann zeigte er mir die Uhr, die eigentlich nicht zu verkaufen war. Eigentlich. Und deshalb hängt sie jetzt an meinem Arm: eine 1019 mit Tauschgehäuse, neuem Werk und Blatt – und nebendran – eine Uhr in Bröseln…….

 

Fotos & Text: © Michael Klan (tswisst)

 

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