by R-L-X

Urlaub auf dem Meer ist “in”. Passagiere können heutzutage unter jeder Menge ganz unterschiedlicher Kreuzfahrt-Konzepte wählen. Was den Gast an Bord eines Holland America Line Schiffes erwartet, das zeigt unser Reisebericht von der Volendam.

Bettenburgen, Hochhäuser auf See, das hat doch nichts mehr mit einem Schiff zu tun. Kommentare wie diese kommen immer mal wieder vor, berichte ich über moderne, große Kreuzfahrtschiffe. Für all jene Puristen, für die Fans klassischer Formen und Liebhaber ganz ursprünglicher Kreuzfahrt gibt es heute nun einen echten Leckerbissen.

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MS Volendam im Hafen von Sihanoukville, Kambodscha

Volendam ist eine Stadt in den Niederlanden. Nach ihr benannte die Reederei Holland America Line ihr seinerzeit neustes Kreuzfahrtschiff. 1999 war das und die Volendam damals mit etwas über 60.000 Tonnen bei weitem kein kleines Schiff.

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Klassisches Logo am Schornstein

2016 schaut die Kreuzfahrtwelt anders aus. Am 20. Mai wird mit der Koningsdam das neuste Schiff von Holland America getauft und bringt es auf stolze 99.500 Tonnen.

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MS Koningsdam, das neuste Schiff der Flotte (Foto: © Holland America Line)

Die Volendam gehört heute somit zu den eher kleineren Einheiten und darf Gebiete bereisen, die ein wenig abseits der klassischen Kreuzfahrtrouten liegen. Asien zum Beispiel. Meine Reise führt von Singapore über Thailand, Kambodscha und Vietnam bis nach Hongkong. 14 Tage dauert das, auf Grund unserer Road to Basel Berichterstattung von der Baselworld, kann ich allerdings erst in Bangkok zusteigen.

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Alle Zeitzonen im Blick

Der Flieger nach Bangkok ist hoffnungslos überbucht, dank eines Platzes im Oberdeck des ein wenig betagten Jumbos merke ich davon allerdings recht wenig, die neuen Business-Class Sitze der Lufthansa (kein Vergleich mit der alten “Rutsche”) lassen mich zehn Stunden später komplett erholt in Thailand ankommen. Eine Limousine bringt mich zum Schiff, welches in Laem Chabang liegt.

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Das Atrium der Volendam

Laem Chabang, das ist etwa zwei Stunden von Bangkok entfernt und liegt in Richtung Pattaya. Von Bangkok selbst sieht man auf dem Weg nichts. Ein wenig schade, vielleicht beim nächsten Mal. Zu sehen gibt es auf dem Weg auch so genug. Tempel, buntbemalte Busse, marode Straßen, irrer Verkehr.

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MIX Bar auf Deck 5

Im Hafen von Laem Chabang ist die Volendam das einzige Kreuzfahrtschiff. Und sie ist, das sieht man auf den ersten Blick, ein Schiff der alten Schule. Klassisch, die Linien, die Aufbauten, die zweifarbige Lackierung. Der dunkelblaue Rumpf ist ein Markenzeichen der Reederei Holland America Line, welche seit 1988 zur großen Carnival Corporation gehört.

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Die Volendam in Laem Chabang, Thailand

Das Boarding ist schnell und dank der mit zwei deutschsprachigen Crewmitgliedern besetzten Rezeption auch sehr unkompliziert erledigt. Nur wenige Minuten später bin ich bereits in meiner Kabine. Kabine 2546 gehört zur Kategorie Ocean View und könnte besser kaum liegen. Direkt neben dem vorderen Treppenhaus auf Deck 2, dem so genannten Main Deck.

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MIX Bar und Shops

Wer meine Reiseberichte, meine Kreuzfahrt Reviews verfolgt, der weiß, da gibt es eine Sache, die mich regelmäßig an den großen Schiffen der letzten Jahre stört: die Verteilung der Treppenhäuser. Standard sind mittlerweile zwei Treppenhäuser, eines etwa in der Mitte des Schiffes gelegen, eines hinten. Je nach Kabinenwahl sind lange Wege so vorprogrammiert.

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Atrium

Bei der Volendam ist das anders. Mit 238 Metern nach heutigen Maßstäben sowieso eher mittelgroß, findet man hier drei Treppenhäuser, und die sind auch noch perfekt verteilt. Besser geht’s nicht. Nettes Detail: in den Fahrstühlen liegt jeden Tag ein neuer Teppich aus, der anzeigt, welcher Wochentag gerade ist.

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Der Fahrstuhl verrät es: heute ist Sonntag

Die Ocean View Kabinen sind das, was man gemeinhin als Außenkabine bezeichnet. Sie liegen verteilt auf den Decks 1, 2 und 3. Die Balkonkabinen, hier Lido Suiten genannt, findet man auf Deck 6 und 7, die größeren Neptune Suiten und die Pinnacle Suite liegen ebenfalls auf Deck 7. Innenkabinen runden das Portfolio darüber hinaus nach unten ab.

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Balkon-Kabine “Lido Suite” auf Deck 7

Meine Ocean View Kabine hat eine sehr ordentliche Größe, ist hell und bietet jede Menge Stauraum, den man auch noch äußerst variabel nutzen kann. So lassen sich die Innenleben der groß dimensionierten Schränke nach Bedarf mit einem Griff umbauen. Mehr Ablage oder mehr Fläche zum Hängen von Kleidern? Beides geht. Das ist wirklich äußerst genial gelöst. Auch an einen Krawattenhalter ist gedacht.

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Ocean View Kabine 2546, gelegen auf dem Main Deck (Deck 2)

Zum großen Doppelbett gibt es auch noch eine Couch, die bei Bedarf als Zusatzbett fungiert. Alles äußerst großzügig dimensioniert, einzig das TV-Gerät wirkt da ein wenig klein. Am Schreibtisch steht neben einer US-Steckdose auch eine europäische bereit. So soll es sein.

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Alles da, was man braucht

Im Bad bietet ein Spiegelschrank viel Platz. Das Bad ist erstaunlich geräumig, einzig sieht man ihm das Alter, immerhin 17 Jahre, allmählich an. Das weiß auch Holland America und so werden bei jedem Werftaufenthalt eine gewisse Anzahl an Bädern erneuert. Einige Kabinen verfügen so bereits über neue Badezimmer mit geräumiger Dusche statt Badewanne. Meine wie gesagt noch nicht, was aber auch nicht weiter störend ist.

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Großzügiges Badezimmer mit Wanne

Stichwort Kabinenwahl, da sollte man an Bord der Volendam ein paar Dinge bedenken, speziell was die Kabinen auf Deck 3, dem Lower Promenade Deck angeht. Rund um das Deck verläuft die sehr großzügige und wunderschön holzvertäfelte Promenade. Hat man eine Kabine dort, laufen entsprechend die Passagiere vor dem Fenster vorbei. Die Scheiben sind zwar verspiegelt, dennoch vielleicht nicht jedermanns Sache.

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Der “Outdoor Walkaround” auf dem Lower Promenade Deck (Deck 3)

Zu Nutze machen sich diese spezielle Lage allerdings die Lanai Kabinen. Sie haben statt eines Fensters eine Balkontür. Und damit wird das Promenadendeck zum riesigen Balkon, zwei reservierte Liegestühle inklusive. Sehr schön. Vermeiden sollte man hingegen eine Kabine mit Sichtbehinderung. Denn diese Sichtbehinderungen, meist in Form von Stahlwänden, sind teils wirklich ganz erheblich.

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Lanai-Kabinen mit reservierten Liegestühlen auf Deck 3

Gar nichts falsch macht man hingegen mit den Lido Suiten, mit den Neptune und Pinnacle Suiten sowieso nicht. Bei den beiden letztgenannten hat man sogar Zugang zur Neptune Lounge, in der es den ganzen Tag Kleinigkeiten zu essen gibt und ein Concierge bei etwaigen Fragen hilft.

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Snacks in der Neptune Lounge auf Deck 7, dem Navigation Deck

Ab der Lido Suite aufwärts ist auch eine eigene Minibar vorhanden. Die Ocean View hat so etwas nicht, ein paar Softdrinks stehen aber bereit (natürlich kostenpflichtig), dazu gibt es einen immer wieder frisch gefüllten Icebucket. Das reicht.

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Die Rimowa Koffer sind gut bewacht

Erstmal rein in die Badehose und rauf an Deck, ein wenig sonnen. Doch was ist das? – die Sonne geht grad unter! Verdammte Zeitverschiebung. Na gut, dann eben morgen.

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Sonnenuntergang, hier in Kambodscha

Alternative? Etwas essen wäre nicht schlecht. Aber wo? Probieren wir doch einfach ganz ungezwungen das Buffet Restaurant, das Lido aus. Das findet man normalerweise auf einem der obersten Decks, hinten und so ist es denn auch bei der Volendam. Einmal den überdachbaren Poolbereich mit den zwei Hot Tubs queren, schon steht man im Lido Restaurant. Zwei Buffetbereiche gibt es, einmal auf der Backbord und einmal auf der Steuerbordseite.

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Lido Restaurant auf Deck 8 (Lido Deck)

Sie sind, wie eben das Schiff auch, ein wenig kleiner dimensioniert, allerdings wirklich ausreichend. Die Auswahl der Speisen variiert von Tag zu Tag, könnte aber ein wenig grösser sein. Pizza zum Beispiel fehlt am Abend, ebenso muss ich auf meine geliebten Burger verzichten. Immerhin erhalte ich aber einen diesbezüglich nicht unwichtigen Hinweis. Bis 17 Uhr am Pool gäbe es sie, die Burger. Ok. Ich habe das auf meiner Liste.

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Nur ein kleiner Teil der Nachtisch-Variationen

Das Essen im Buffetrestaurant unterscheidet sich, was Geschmack und Qualität angeht, nicht stark von dem auf den Schiffen anderer US Reedereien. Wer dort glücklich ist, der wird es definitiv auch hier sein.

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Martini Flight gefällig? Oder darf’s dann doch lieber ein Grey Goose sein?

Anschließend zieht es mich an die Bar. Die Frage ist nur – an welche. Denn es gibt davon einige an Bord. Die Oceanbar, das Mix, die Poolbar? Ich entscheide mich für die Bar im Crow’s Nest. Eine Fügung des Schicksals, denn dort lerne ich auch direkt die Vorteile der Happy Hour kennen.

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Crow’s Nest auf Deck 9 (Sports Deck)

Zwischen 21 und 22 Uhr, sowie am Nachmittag zwischen 16 und 17 Uhr, gibt es im Crow’s Nest den zweiten Drink für einen Dollar. Das gilt für alle Getränke bis 7,95 Dollar, was die meisten Softdrinks, Biere, Spirituosen, Cocktails und die Hausweine umfasst.

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Diverse Biere vom Faß gibt es im MIX

Hier kann man tatsächlich richtig Geld sparen und dazu den hervorragenden und sehr aufmerksamen Service von Barkeeper Juvy und seinem Team genießen.

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Die Bar im Crow’s Nest

Davon abgesehen ist das Crow’s Nest, gelegen oberhalb der Brücke und versehen mit einem 270° Panoramablick, auch noch einer der schönsten Orte auf dem Schiff. Und einer der kühlsten. Gefühlt hat es hier maximal 16 Grad, Sakko oder Hoodie sind da ratsam.

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Abends wird hier getanzt

Sakko habe ich eh an, schließlich ist der Dress Code smart casual. Das wird hier an Bord allerdings ein wenig lockerer ausgelegt. Smart casual, das steht in etwa für “bitte nicht in Badekleidung”.

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MIX, again

Nach dem zweiten Drink der Happy Hour geht’s für mich schlafen. Mission „gib dem Jetlag keine Chance“. Im Bett wartet ein Elefant auf mich. Süß. Ich liebe Handtuchtiere. Schokolade gibt’s auch, na dann gute Nacht.

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Ey, Du Hund! Was machst Du mit meiner BOOM?

Tag zwei beginnt für mich recht spät, gerade noch rechtzeitig allerdings, um das Frühstück im Lido einzunehmen. Auch das unterscheidet sich nicht wirklich von dem auf anderen, größeren Schiffen. Es ist alles da, was man erwartet und was man sich wünscht.

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Lido Restaurant

Die Wartezeiten, selbst an den Omelette-Stationen, sind ok, nur das Instant-Rührei, das ist nicht wirklich meins. Mein Wunsch, ein frisches Rührei zubereitet zu bekommen, sorgt zunächst für fragende Blicke, letztlich aber kommt man meiner Bitte nach und das, was dann gezaubert wird, das entspricht dann schon mehr meinem Geschmack.

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(Instant) Rührei am Morgen

Auf geht’s zum ersten Sonnenbad. Jetzt aber! Auffällig: die Anzahl der Liegen rund um den Poolbereich ist, gemessen an der dann doch nicht gerade kleinen Passagierzahl, äußerst gering. Auf dem umlaufenden Deck darüber gibt es gleich gar keine Liegen, das vordere Sky Deck ist zwar groß, wirkt durch den grauen Stahlboden allerdings nicht ganz so einladend. Wenn das mal nicht zu Engpässen führen wird.

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Funktionell gestaltet: Deck 10, das Sky Deck

Das Gegenteil ist der Fall! Am Pool sind immer eine ganze Reihe an Liegen frei. Die meisten Gäste bevorzugen es, an den Tischen im Schatten zu sitzen und davon wiederum gibt es reichlich an Bord. Passt also.

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Die Vilebrequin Turtles kommen zu ihrem ersten Asien-Einsatz

Nach einer halben Stunde muss aber auch ich erstmal in den Schatten. Die Sonne in Thailand, sie ist dann doch selbst für mich ein wenig zu heftig. Außerdem steht gleich meine persönliche Seenotrettungsübung an.

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Der Lido Pool auf Deck 8 mittschiffs…

Da ich das Schiff ja erst später bestiegen habe, muss die Übung nun also nachgeholt werden. Das passiert auf Deck 3, dort, wo man normalerweise auch die Rettungsboote besteigen würde. Im Falle eines Falles läuft das Prozedere hier allerdings etwas anders ab, als auf anderen Schiffen.

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… kann bei schlechtem Wetter auch überdacht werden

Bei Holland America gliedert man es nämlich in drei Phasen, jeweils ausgerufen durch einen eigenen Alarm. Erster Alarm: nichts tun aber auf weitere Durchsagen warten, zweiter Alarm: in die Kabine gehen, Notsachen packen und Weste anlegen, dritter Alarm: zu den Booten kommen.

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Rettungsboote der Volendam im Einsatz (natürlich nur zum tendern)

Das Konzept ist verständlich und erscheint logisch. Auch dass man bereits bei der Übung den Weg zu seinem Rettungsboot kennen lernt, ist gut und ergibt meiner bescheidenen Meinung nach mehr Sinn als die sonst üblichen Ansprachen an den Sammelpunkten innerhalb des Schiffes, zu denen man es im Ernstfall evtl. dann vielleicht sowieso nicht mehr schafft.

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Das Atrium – immer wieder ein Blickfang

Nach erfolgreich absolvierter Seenotrettungsübung kann es dann auch losgehen. Die Volendam verlässt Thailand und nimmt Kurs auf Kambodscha. Weiter geht es – in Teil 2 des Reiseberichts.

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Leinen los für die Volendam

 

Fotos & Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2016

 

 

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