by R-L-X

Zwei Jubiläumsmodelle zum 40. Geburtstag der Patek Philippe Nautilus – während die 5711/1P schnell auf Akzeptanz stieß, wurde der neue Chronograph 5976/1G besonders kontrovers diskutiert. Teil 2 unseres Reviews klärt, wie die extragroße Nautilus live wirklich wirkt.

Zum 30-jährigen Nautilus-Jubiläum im Jahre 2006 brachte Patek Philippe die Referenz 5980 heraus, einen Flyback-Chronographen, der sich in den folgenden Jahren sehr großer Beliebtheit erfreute und dessen Stahlvariante vor zwei Jahren aus dem Programm genommen bzw. durch eine Stahl-Rotgold-Version ersetzt wurde. Zum 10-jährigen der 5980 (und damit ebenfalls zum 40-jährigen der Ur-Nautilus – mehr dazu in Teil 1 dieses Reviews) bringt Patek Philippe nun also die 5976 in Weißgold.

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Nautilus Jubiläums-Chronograph 5976 in Weißgold

Wie in der Ursprungsversion, so findet man auch im Jubiläumsmodell das Automatikkaliber CH 28-520 C, einen Flyback-Chrono mit Schaltrad und Vertikalkupplung mit 28.800 Halbschwingungen und einer Gangreserve von 45 bis 55 Stunden.

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Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Denn der Chrono ist groß. Für Patek Philippe Verhältnisse schon geradezu gigantisch. Doch streng genommen war das die 3700/1A zu ihrer Zeit ja auch.

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Größeres Gehäuse – breiteres Band

Nur – wie groß ist “groß” nun wirklich? Die Pressemeldung vom 3. Oktober spricht von 49,25 Millimetern. Wie bitte? Fast 50 Millimeter? Bei einer Patek Philippe? Die Wahrheit sieht aber auch im Falle der 5976 weit weniger brutal aus. Gemessen zwischen 10 und 4 Uhr sprechen wir von einem Durchmesser von 44 Millimetern. Das ist zwar noch immer groß, klingt aber anno 2016 zumindest halbwegs zeitgemäß.

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Schon ordentlich groß

Andererseits wirkt eine aktuelle 5980/1AR neben der 5976 gerade einmal wie eine Midsize-Nautilus! Ohne direkten Vergleich allerdings, schauen die Proportionen der Großen dann wiederum erstaunlich stimmig aus. Gut, das Verhältnis zwischen satinierter Lünettenoberseite und der Gesamtfläche des Zifferblattes ist nicht ganz exakt getroffen, doch auch das fällt wenn, dann eher wieder im direkten Vergleich auf.

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Gut gelöst ist die Konstruktion des mit einem Saphirglas bestückten Rückendeckels. Optisch fällt hier nämlich überhaupt nicht auf, dass das Uhrwerk nicht mit dem Gehäuse mitgewachsen ist. Wie beim Jubiläumsmodell der 5711 hätte ich mir auch bei der 5976 aber ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Serienversion, etwa in Form eines besonders gestalteten Rotors gewünscht. Doch auch so lässt die Finissierung mit anglierten und polierten Kanten, Genfer Kreisschliff, gebläuten Schrauben und vergoldeten Gravuren keine Wünsche offen.

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Auf dem Zifferblatt glänzen neun Baguette- und drei Prinzess-Diamanten, wie schon beim Drei-Zeiger-Modell allerdings sehr dezent. Fast noch unauffälliger als bei jenem gestaltet sich die Prägung des Jubiläums-Schriftzugs. Dieser ist beim Chrono einzeilig aufgeführt, 1976 – 40 – 2016 ist oberhalb der Mittelachse zu lesen.

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Der Totalisator des Chronos nimmt den gesamten Platz zwischen Mittelachse und Minuterie bei 6 Uhr ein. Die zwei mit feinen konzentrischen Kreisen und Weißgoldumrandungen versehenen Skalenringe sind in verschiedenen Blautönen ausgeführt. Am äußeren Skalenring werden die gestoppten Stunden abgelesen, im Inneren die Minuten.

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Chrono-Hilfszifferblatt der 5976….

Auffällig, dass Patek Philippe somit, verglichen mit der 5980, eine genau gegensätzliche Anordnung bevorzugt.

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… und der 5980 als Vergleich

Per Korrekturdrücker auf acht Uhr wird das Datum verstellt, dessen Fenster wieder von einem Weißgold-Rahmen umrandet ist.

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Das Blau des PVD-beschichteten Messing-Zifferblatts wirkt ebenfalls wunderschön, obgleich es in Kontrast zum Platin noch eine Spur deutlicher in Szene gesetzt wird als das beim relativ grauen Weißgold der Fall ist.

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Interessantes Detail: die zentralen Stunden- und Minutenzeiger beider Jubiläums-Modelle sind aus Weißgold gefertigt, doch während bei der 5711 ein zentraler Sekundenzeiger aus rhodinierter Bronze zum Einsatz kommt, besteht die zentrale Chrono-Sekunde der 5976 aus sabliertem Stahl. Das erkennt man zwar nicht, hilft aber vielleicht dabei, beim nächsten Uhrenstammtisch zu punkten.

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Auch bei der 5976/1G kommt die Doppelfaltschließe zum Einsatz

Was uns zur essentiellsten und bislang noch unbeantworteten Frage bezüglich des neuen Nautilus-Chrono führt: wie trägt sich die 5976/1G-001? Und diese Frage ist dann doch gar nicht einmal so leicht zu beantworten.

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Wechsel von polierten und satinierten Flächen – Markenzeichen der Nautilus-Reihe seit 1976

Vorweg anmerken muss ich, dass die Uhren bei meinem Shooting bzgl. ihrer Armbänder unterschiedlich eingestellt sind. Kann der Weißgold-Chronograph mit voller Bandlänge aufwarten (für mein Handgelenk im Umfang deutlich überdimensioniert), so bekomme ich die Platin-Nautilus kaum über die Hand. Hier fehlen also ein paar Glieder, gemessen am eigentlichen Auslieferungszustand.

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Vielleicht auch dem geschuldet wirkt die 5976/1G erheblich schwerer als die 5711/1P. Das Gewicht ist nicht zu unterschätzen und erinnert an goldene 44 Millimeter Sportmodelle anderer Hersteller. Überraschung dann aber am Arm: der Chrono wirkt keinesfalls so überdimensioniert, wie ich dies im Vorfeld vermutet hätte.

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Alles etwas größer beim neuen Chrono

Auffällig ist einzig, dass das Gehäuse in Höhe der Bandanstöße ein wenig vom Handgelenk absteht. Die typische Nautilus-Gehäuseform ist eben sehr geradlinig und somit nur gering nach unten gebogen. Das fällt bei 40 Millimetern nicht auf, bei 44 Millimetern hingegen schon, zumindest im Falle meiner Handgelenke. Störend ist dies allerdings nicht.

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Was tun, sprach Zeus? Nun, wohl die wenigsten werden in die glückliche Situation kommen, zwischen beiden Nautilus Jubiläumsmodellen wählen zu müssen. Insofern spare ich mir an dieser Stelle auch ganz galant eine Antwort auf die Frage, welche von beiden die bessere, schönere oder eher begehrenswerte Nautilus ist.

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Gehäusefinish in Perfektion

Nicht unwichtig für Sammler in dem Zusammenhang: beide Modelle kommen in jener speziellen Schatulle, die eine naturgetreue Replika der Original Kork-Box von 1976 darstellt. Leider kann ich mir diese bei meinem Besuch in Genf nicht ansehen, sodass ich an dieser Stelle auf ein Bild der Patek Philippe Website zurückgreife.

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Korkbox der Nautilus Jubiläumsmodelle (Foto: © Patek Philippe)

Mein Fazit: in Genf geht bei meinem Besuch alles seinen gewohnten Gang. Kein Wunder, denn Sorgen muss man sich angesichts des Absatzes der Nautilus Jubiläumsmodelle wohl wirklich nicht machen. Auch die größten Zweifler werden erkennen, dass zwischen Produktbildern und der Wirklichkeit manchmal eben doch ein himmelweiter Unterschied liegen kann.

Mit 5711/1P und 5976/1G hat Patek Philippe zwei begehrenswerte Jubiläumsmodelle auf den Markt gebracht und auch wenn eine Neuauflage der klassischen Zwei-Zeiger Stahl-Nautilus durchaus einen gewissen Charme gehabt hätte, so sind die beiden Vertreter in Edelmetall eine würdige Einstimmung auf die kommenden Jahrzehnte der Nautilus.

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Happy Birthday, Nautilus! 

Mein Dank geht an dieser Stelle an Patek Philippe für die Möglichkeit des Fotoshootings und den damit verbundenen Besuch in Genf.

 

Fotos & Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2016

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