by R-L-X

Tudor überarbeitet zur Baselworld 2016 seine beliebte Heritage Black Steel Reihe und ergänzt sie um ganze drei neue Modelle. Ein Review.

Im November überraschte Tudor die Uhrenwelt mit einer neuen, zusätzlichen Version der Heritage Black Bay (hier geht’s zu unserem ausführlichen Hands-on). Doch Vermutungen, das Modell könnte schon mit dem neuen Manufakturkaliber ausgestattet sein, bestätigten sich nicht. Damals nicht. Ein paar Monate später sieht die Sache nun allerdings ganz anders aus.

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Die nun ersetzte Tudor Black Bay Black in ihrer ersten Version

MT5602 heißt das Werk, das in Zukunft die Black Bay Modelle befeuern wird. Das ist COSC zertifiziert und hat eine Gangreserve von 70 Stunden. Da schaut die ehrwürdige Rolex Submariner derzeit alt gegen aus, die bisherige Black Bay sowieso.

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Tudor Heritage Black Bay 2016

“Congratulations, you now have the vintage one!” Ein schwacher Trost, der einem stolzen Besitzer der bisherigen Black Bay Black auf der Baselworld zuteil wird. Vintage, discontinued, nur wenige Monate gebaut – stimmt schon. Ob sich daraus zukünftig aber auch ein gesuchtes Sammlerstück entwickelt, das wird man sehen. Möglich wäre es allerdings.

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Zumal die nun vorgestellten Black Bays mit Manufakturkaliber sich auch optisch von ihren Vorgängern unterscheiden. Wo früher der halbrunde Self-Winding Schriftzug seinen Platz hatte, prangt nun die Chronometerbestätigung ganz geradlinig auf dem Zifferblatt. Und auch die Tudor Rose ist weg, ersetzt durch das Schild. Überlebt hat die Rose noch auf der Krone.

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Rose auf der Krone dieser Black Bay Bronze

Neu gestaltet wurde auch das Stahl-Band. Es ähnelt nun noch mehr den alten Oysterbändern, inklusive Nieten an den Seiten. Die Bandglieder allerdings sind massiv und nicht, wie einst bei Nietenbändern üblich, gefaltet.

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Das neue Stahlband steht der Uhr ausgezeichnet. Hätte ich bisher grundsätzlich die Version mit Lederband bevorzugt , ich würde mich jetzt für das Oyster (darf man das eigentlich überhaupt so nennen?) entscheiden.

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Noch mit dem bisherigen Metallband, allerdings mit geraden Bandanstößen und entsprechender Lücke zum Gehäuse, kommt eine der komplett neuen Black Bay Modelle, die Black Bay dark mit PVD-Beschichtung und rotem Schriftzug.

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Als ich am Eröffnungstag der Baselworld die Pressefotos sah (ein erster Eindruck hier), dachte ich mir, das muss doch jetzt nun wirklich nicht sein. Das war vergangenen Mittwoch gegen elf Uhr.

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Gegen 13:30 des selben Tages hatte ich die Uhr dann am Arm. Und war hin und weg. Denn der rote Schriftzug, bei Puristen mögen sich auch weiterhin die Fußnägel hochrollen, der kommt mächtig fett.

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Die ganze Uhr ist optisch ein Knüller und weiß sich auf so ziemlich jedem Foto ganz gekonnt in Szene zu setzen.

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So mag man gar nicht mehr aufhören, den Auslöser zu drücken. Ob nun mit Stahlband oder, für meine Begriffe stimmiger, am textilen Nato – was für ein fotogenes, kleines Biest. Unglaublich.

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Dabei ist die Haupt-Neuheit doch eigentlich eine andere Black Bay. Die Bronze nämlich, die es ja dank eines kleinen Leaks (wir berichteten) schon ein paar Tage früher an die Öffentlichkeit geschafft hatte.

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Die Bronze wird geliefert im Set mit einem Lederband und einem Textilband, das Bezug auf die Submariner der Marine National nimmt.

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Beide Bänder stehen der Uhr gut, wobei meine Wahl wohl eher auf das Lederband fallen würde. Und mit Verzücken kann man sich schon vorstellen, was für eine gigantische Variation an coolen Lederbändern man zukünftig dann auch noch von Drittanbietern so zur Auswahl haben könnte.

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Wie bei den 41 Millimeter-Versionen mit Manufakturkaliber trägt auch das Zifferblatt der 43 Millimeter großen Bronze Black Bay das Tudor-Schild und den geraden Chronometer-Schriftzug. Statt Leuchtindexen in Balkenform allerdings setzt man hier bei 3, 6 und 9 auf arabische Ziffern.

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Exklusiv der Black Bay Bronze vorbehalten bleiben auch die durchbohrten Hörner des Gehäuses. Vintage eben. Oder Retro. Wie man es auch nennen möchte.

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Die zwei zusätzlichen Millimeter im Durchmesser merkt man natürlich am Arm. Dennoch ist die Bronze immer noch angenehm proportioniert. Das hohe Case, mittlerweile ja sowas wie das Markenzeichen der Tudor-Modelle, findet man natürlich auch bei Ihr.

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Dafür gibt es bei der Bronze aber keinen farblich abgesetzten Ring um den Tubus. Sehr schön. Der Rückendeckel besteht aus Stahl unterscheidet sich aber, dank PVD-Beschichtung, optisch kaum vom restlichen Gehäuse.

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Statt des MT5602 ist in der Bronze das MT5601 verbaut. Die beiden Werke unterscheiden sich in ihrem Durchmesser. Beim MT5602 beträgt der 31,8 Millimeter, beim MT5601 sind es 33,8 Millimeter.

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Und noch einen weiteren Nachwuchs gibt es aus der Black Bay Familie zu verkünden: die Black Bay 36, wie der Name schon sagt, in 36 Millimetern und ohne Tauchlünette.

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Ein bisschen erinnert sie an die alte Rolex Explorer, ein wenig an ein Bild von Marlon Brando, auf dem er seine Rolex Submariner (oder war es doch die GMT?) ohne Lünette in die Kamera hält. So oder so, die 36er Black Bay ist eine richtig schöne Uhr geworden, die als Einsteigermodell allerdings ein planes statt wie die anderen Versionen ein leicht gewölbtes Glas verbaut bekommt und auch auf das Manufakturwerk verzichten muss. Stattdessen greift man auf das altbewährte 2824 zurück.

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Mein Fazit: Oha. Da könnte ich jetzt Romane schreiben. Aber ich versuche mich kurz zu fassen. Tudor bedient sich einmal mehr ganz frech an der Historie. Der Eigenen, aber irgendwie auch der, der großen Mutter. Und das mit voller Absicht. Man will die Marke wieder dort positionieren, wo Hans Wilsdorff sie einst sah. Rolex Uhren zum günstigeren Preis. Oder nennen wir es eine preisgünstige, qualitativ aber ebenfalls hochwertige Alternative zu Rolex.

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Tudor sieht sich selbst als “Startup” der Uhrenszene, mit einem Team von 200 Mitarbeitern hat man, so scheint es zumindest, derzeit ziemlich viele Freiheiten und darf all die Modelle herausbringen, für die Rolex zu – wie nenne ich es jetzt am besten? – zu sehr Rolex ist.

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Tudor tut das Flirten mit der Retro-Welle nicht weh. Im Gegenteil. Auf Grund von Design und vor allem Preis erreicht man eine neue, jüngere Käuferschicht. Ein kluger Plan, ein Plan der aufgehen dürfte. Ein Plan aber, bei dem das Mutterhaus aufpassen muss, dass man sich irgendwann nicht einmal ein Stück weit selbst kannibalisiert. Doch, um noch einmal Bezug zu meinen Gedanken bzgl. der Rolex Neuheiten (den kompletten Artikel gibt es hier) zu nehmen: sie werden schon wissen, was sie tun.

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Die neuen Modelle der Heritage Black Bay (rote, blaue und schwarze Lünette) kosten 3.140 Euro mit Leder- und Textilband, bzw. 3.430 Euro mit Stahl- und Textilband und sind voraussichtlich ab August 2016 im Handel erhältlich.

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Bereits im Juli 2016 kommt die Black Bay Dark mit PVD Beschichtung. Sie wird 3.880 Euro (Leder- und Textilband) bzw. 4.170 Euro (Stahl-PVD- und Textilband) kosten.

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Die Black Bay Bronze gibt es schon ab Mai 2016 für 3.730 Euro (Leder- und Textilband), die Black Bay 36 wird ab Juni 2016 ausgeliefert und kostet dann 2.360 Euro (Leder- und Textilband) bzw. 2.650 Euro (Stahl- und Textilband).

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Fotos & Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2016

 

Ein Kommentar


  • von Rudi Köhler vor etwa einem Jahr

    Super Seite, tolle Bilder und Informationen. Danke!


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