by R-L-X

Bergkäse gegen Handy. Diesen Tauschhandel kann man im Hubertus Alpin Lodge & Spa Balderschwang guten Gewissens eingehen. Was folgt ist ein (fast) ungestörtes Wellness-Erlebnis, wie unser Reisebericht zeigt.

Spanner sind das Letzte! Da kommt man grad aus der wunderbar heißen, holzbefeuerten Außen-Sauna, will sich auf die schönen Liegen legen – und wird angegafft. Von Einheimischen. Nicht irgendwie verschämt, nein. Ganz offen tun sie das, mit einem Blick, gemischt aus Arroganz und Unverständnis.

Einheimische Spanner am Wellnessbereich

Ist man im Spätsommer zu Gast im Hubertus Alpin Lodge & Spa in Balderschwang, solche Begegnungen gehören dazu. Mehr noch, sie sind eine Attraktion. Denn wenn die Kühe abends dem 2.000 Quadratmeter großen Spa-Bereich immer näherkommen und die Badenden beobachten, sorgt das jedes Mal für große Heiterkeit unter den Gästen.

Adlerhorst Suite

Die Kühe sind allgegenwärtig. Ihre Kuhglocken sind das Erste, was man am Morgen hört und sie begleiten einen durch den gesamten Tag. Ja hat man gar ein zum Zwischenhof der beiden Hotelgebäude gelegenes Zimmer, kommt einem der Klang fast schon wie Dolby Surround vor.

Kein Zweifel, wir sind hier in den Bergen. Auf 1.044 Höhenmetern, um genau zu sein. Das Hubertus, vor über 65 Jahren als Traubels Metzgerei und Ferienappartements gegründet, wird heute in zweiter bzw. nunmehr dritter Generation betrieben.

Familiär geht es zu, im Hubertus. Man fühlt sich weniger als Hotelgast denn als guter Freund, der zu Besuch ist. Ein lockerer Umgang, eine Herzlichkeit, die einfach Spaß macht.

Schon bei der Ankunft merkt man, dass hier manches anders ist. Wo Hotelvorfahrten normalerweise ein eher ungemütlicher und meist etwas stiefmütterlich behandelter Bereich sind, ist man im Hubertus bereits mittendrin im Geschehen. Hier sitzt man als Gast und sonnt sich bei einem Gläschen Wein oder einem leckeren Bier, müde Wanderer können ihren strapazierten Füßen in einem Brunnen Erholung gönnen.

Noch gemütlicher geht es im Inneren des Hotels weiter. Vom Eingang gelangt man direkt in die Lobby, welche auch gleichzeitig Barbereich ist. Fellbezogene Hocker und andere urige Möbelstücke verströmen alpinen Flair, wirken dabei cool, statt kitschig und so manches davon möchte man am liebsten mit nach Hause nehmen. 

Traubels Bar

Dieser Stil setzt sich in den Zimmern fort. Insgesamt gibt es im Hubertus Alpin Lodge & Spa 66 Zimmer und Suiten. Bemerkenswert dabei: diese teilen sich auf nicht weniger als siebzehn Kategorien auf, jede mit ihrem eigenen Stil. So ist wirklich für jeden etwas dabei.

Deluxe Zimmer Liebesnest

Mein Zimmer gehört zur Kategorie Loggia. Es ist eine Juniorsuite von 38 Quadratmetern mit einer kuschligen Bettlandschaft. Diese ist umrahmt von einem großen Vorhang, der zum einen als Mückenschutz, zum anderen aber auch als Sichtschutz zu den gegenüberliegenden Zimmern dient.

Juniorsuite Loggia

Überall im Zimmer finden sich kleine, durchdachte Herzlichkeiten, liebevolle Stilelemente: Wärmflasche und Decke für die kühleren Nächte zum Beispiel, ein Rucksack für die Wanderer oder Spa-Taschen für Wellnessfans. Einziges Manko: die darin bereitgestellten Bademäntel sind zwar durchaus kuschlig, laden sich aber unangenehm elektrisch auf.

Neben einem schicken, gläsernen Badezimmer, separater Toilette und genügend Schrankraum gibt es auch noch einen Wohnbereich mit Sitzgruppe, einen Schreibtisch, sowie einen großen Balkon.

Von diesem aus fällt der Blick auf einen Steinkreis, an dem das morgendlichen Yoga stattfindet. Und zur Linken sind sie dann wieder: die Kühe. Sie grasen. Und sie machen dies, untermalt vom Läuten ihrer Kuhglocken, äußerst genüsslich und hingebungsvoll. Fast könnte man neidisch werden.

Aber nur fast, denn hungrig geht im Hubertus keiner ins Bett. Inkludiert ist neben einem reichhaltigen Frühstück (für Langschläfer bis 11:30 Uhr, das kann man gar nicht groß genug betonen!), einem vitalen Lunchbuffet und Kuchen am Nachmittag auch das Abendessen. Das besteht aus 4 Gängen und steht jeden Tag unter einem anderen Motto. Heute: die Kulinarische Alpenüberquerung.

Auswahl am Morgen

Ist man relativ viel in Hotels unterwegs, denkt man das ein oder andere Mal, man habe schon alles gesehen. Doch dann gibt es diese Situationen, in denen man weiß, dass man mit seiner Annahme aber mal sowas von falsch liegt. So geht es mir, als die Vorspeise, “Kalte & warme Schmakerl – Quer durch den Alpenraum als kleines ‘Tischbuffet'” serviert wird.

Frühstücksbuffet

Vorspeisenbuffet las ich erst. Ja ok. Klar. Kennt man. Sowas ist mal mehr, mal weniger gut, wirklich überraschend allerdings – nein, nicht wirklich. Doch falsch gedacht! Denn dieses Buffet wird wirklich an den Tisch gebracht.

Tischbuffet Quer durch den Alpenraum

Auf einem Holzbrett sind allerlei Leckereien drapiert, angefangen von typischen Salaten über leckeren Schinken und Süppchen bis hin zu einem echten, kleinen Käsefondue mit Kerze. Ja gibt’s das denn! Dazu: frische kleine Brezn. Das kann doch kein Zufall sein!

Terrasse am Tag

Der ganze Gang sieht nicht nur gut aus, alles schmeckt absolut hervorragend. So hervorragend, dass ich meine liebe Mühe habe, anschließend noch die weiteren Gänge, zur Auswahl stehen beispielsweise ein Pikanter Topfenschmarrn mit Zwetschgenchutney oder Filet vom Zander auf Ratatouille, sowie zum Dessert Marillenknödel mit Vanillesauce, auch nur ansatzweise aufzuessen. 

Bauernstube

Kein Zweifel, auch kulinarisch ist das Hubertus eine durchweg positive Überraschung. Auf eventuelle Unverträglichkeiten und Allergien wird dabei optimal eingegangen.

Die Atmosphäre auf der Terrasse, abends nach Sonnenuntergang und bei Kerzenschein ist traumhaft romantisch, bei schlechterem Wetter warten im Gebäude alternativ sieben Themenstuben, allesamt wieder extrem liebevoll und stimmig eingerichtet.

Fast ist es da schon schade, dass das Wetter so gut ist und man draußen sitzen “muss”.

Edelweiss

Nein, man darf nicht klagen. Das Wetter ist optimal und Seitens des Hubertus Alpin Lodge & Spa wird den Gästen da auch tagsüber so einiges geboten. Wie wäre es zum Beispiel mit der “SonnenAufgangsTour”? Treffpunkt in der Hotellobby. Um 5:30. Ja, klar. Kann man machen. Vielleicht aber dann doch lieber Yoga um 9:00? Oder Qi Gong um 17 Uhr?

Alles zu anstrengend? Dann vielleicht das Gin & Tonic Tasting oder die Verkostung regionaler Produkte in Traubels Speiss? Und danach ein bisschen Champions League schauen? Klingt schon machbarer.

Empfehlenswert auf jeden Fall, so man mit dem eigenen Auto anreist und dieses ein wenig Fahrspaß bietet: die Fahrt über den Riedbergpass. Da muss man zwar sowieso entlang, bei An- und Abreise, aber warum nicht ein, zwei, drei, viermal mehr (mehr zum Riedbergpass gibt’s im Roadtrip-Bericht des Mercedes-AMG C 63S Cabriolets).

Egal wie auch immer man seinen Tag verlebt, die Erlebnisse, die Bergluft, das gute Abendessen, irgendwann ist man reif fürs Bett.

Blick ins Bad der Loggia Juniorsuite

Oder – doch nochmal an Traubels Bar vorbeischauen? Schließlich schaut’s da am Abend noch gemütlicher aus, als es das tagsüber sowieso schon tut. Wer auf Gin Tonic steht, kommt hier garantiert auf seine Kosten, was Wodka, Whiskey & Co. angeht, ist das Angebot allerdings durchaus noch ausbaufähig.

Und wer nach dem zweiten oder dritten Drink merkt, dass er vielleicht doch noch etwas essen könnte: an der “WunderBar” gibt’s jeden Abend Käse aus dem Bregenzerwald.

Ein schönes Stück Allgäuer Bergkäse erhält außerdem, wer sein Handy bei Anreise an der Rezeption abgibt und es dort auch bis zur Abreise belässt. Mobile Fastenzeit nennt das die Familie Traubel. “FunkStille”, für viele ein – vielleicht sogar der – Luxus in unserer heutigen Zeit.

Bergkäse gegen Handy – letztlich kann man sich getrost auf diesen Deal einlassen, denn was Handyempfang oder auch schnelles Internet via (übrigens kostenfreiem) WLAN angeht, lebt man in Balderschwang tatsächlich und im wahrsten Sinne des Wortes noch hinterm Berg.

Statt Handyklingeln unterbrechen hier somit nur die Kuhglocken die idyllische Ruhe, liegt man am 32° warmen Außenpool des Spa-Bereichs mit seinen insgesamt fünf Saunen, vier Ruhebereichen und dem einzigartigen und für Ungeübte anfangs äußerst schmerzhaften Fußrefelexzonenparcours.

Vorsicht Sonnenbrand

Und wieder werde ich mit großen Augen angeschaut. Die Spanner sind zurück. Was ist hier wohl die größere Attraktion? Die Kühe für die Gäste – oder – vielleicht doch eher umgekehrt?

Glocken für den Almabtrieb

Mein Fazit: ein Aufenthalt im Hubertus Alpin Lodge & Spa ist herrlich entspannend. Der Wellnessbereich ist großzügig, das Essen sehr gut, das Team extrem herzlich. Das Hotel ist perfekt für Paare und Familien jeden Alters geeignet, die eine idyllische Location für ausgedehnte Wochenendtrips aber auch ganze Urlaubswochen suchen.

Beachten sollte man, dass Kinder unter 16 Jahren den Wellnessbereich nur bis 15 Uhr mitnutzen dürfen. Und für die Haustierfreunde: Hunde sind (gegen Gebühr) im Hubertus herzlich willkommen. Einzige Ausnahmen sind Wellnessbereich und Restaurant. Wer selbst beim Essen nicht auf die Anwesenheit seines Vierbeiners verzichten möchte, dem wird aber sogar ein eigener Tisch in der Teestube gerichtet. Weitere Infos gibt es auf der Homepage des Hotels

Teestube

Mein Tipp: nicht versäumen sollte man die Kulinarische Alpenüberquerung am Dienstag.

Brezn!!

 

Fotos & Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2017

 Ihre Meinung interessiert uns