by R-L-X

In kaum einer deutschen Stadt ist die Dichte an 5-Sterne Hotels so groß wie in der bayrischen Landeshauptstadt. Eines der jüngsten ist das Rocco Forte The Charles. Ein Hoteltest.

The Art of simple Luxury steht auf dem kleinen Schreibblock, der auf dem großen Nachttisch von Room 407 bereit liegt. Es ist das Motto des The Charles Hotel München. Neben der Villa Kennedy in Frankfurt und dem Hotel de Rome in Berlin ist es das dritte Hotel der Rocco Forte Hotelgruppe in Deutschland.

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Das The Charles wurde im Oktober 2007 fertiggestellt. Das Mitglied der “Leading Hotels of the World” ist Teil der Anlage Lenbachgärten unweit des Hauptbahnhofs.

Wer das Münchner Bahnhofsviertel mit seinen unzähligen Hotels kennt weiß, dass es definitiv schönere Gegenden in der Landeshauptstadt gibt. Das The Charles allerdings liegt auf der anderen Seite des Hauptbahnhofs, am alten botanischen Garten.

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Die Lage lässt sich wirklich als ziemlich genial beschreiben. Vom Hauptbahnhof aus ist das Hotel bereits in Sichtweite. Der Charakter des Bahnhofsviertels ist aber schon an der nächsten Straßenecke verflogen, die Grünflächen des Botanischen Gartens sorgen für eine angenehme Ruhe. Trotzdem ist man binnen 5 Minuten zu Fuß an Karlsplatz und Kaufinger Straße. Die Lenbachgärten sind eine echte Oase, mitten in der Stadt.

Das The Charles sticht mit seiner gerundeten Bauweise und den Türmchen im Stil der großen Hotels der Côte d’Azur aus den übrigen eher modern gehaltenen Neubauten des Quartiers heraus. In der Auffahrt steht ein wunderschöner, großer Kastanienbaum. Der Doorman im klassischen Livree begrüßt mich freundlich.

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Hinter der großen Drehtür werde ich sogleich von den Mitarbeitern an der Rezeption in Empfang genommen. Die Herzlichkeit wirkt keinesfalls aufgesetzt, ich werde nach meinen Plänen gefragt und als die Rezeptionistin merkt, dass ich nicht so ganz genau weiß, wie ich zu meinem ersten Termin komme, steht sie mit Rat und Tat zur Seite.

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Trotz früher Ankunft bereits gegen 13 Uhr muss ich nicht lange auf mein Zimmer warten. Zimmer 407 gehört zur Kategorie der Deluxe Rooms. Wie die etwas günstigeren Classic Rooms, sind die Deluxe Zimmer ganze 40 Quadratmeter groß, liegen allerdings auf der Seite zum alten botanischen Garten und haben kleine, gerundete französische Balkone, während die Classic Zimmer mit Blick zur Straße angeordnet sind. Verblüffend, wie ruhig es in den Zimmern ist. Hier wurde schallschutztechnisch ganze Arbeit geleistet.

40 Quadratmeter sind eine Ansage und so wundert es nicht, dass man schon auf der Website betont, die größten Standard Zimmer der Stadt zu haben. Die Einrichtung ist luxuriös und doch angenehm schlicht. Übermäßigen Prunk sucht man hier vergeblich. Die Zimmer wurden von Olga Polizzi, der Schwester von Sir Rocco Forte, gestaltet. Einen Farbklecks in die sonst in warmen Beige- und Holztönen gehaltenen Zimmer bringen die Fotografien Hubertus von Hohenlohe. Neben seinem Spiegelbild sind hier typische Münchner Szenen zu sehen.

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Superior Deluxe Zimmer

Auffällig ist die Möblierung der Zimmer. Bei näherem Hinsehen entdecke ich, dass jedes Möbelstück aus anderem Holz gearbeitet ist und so gar nicht zusammen zu passen scheint. Ein Konzept, das zunächst zwar verwundert, im Ganzen dann aber doch wieder stimmig wirkt.

Nicht stimmig hingegen ist der Flat Screen. Er ist, zumindest in meinem Zimmer, schief befestigt, was einfach störend wirkt. Zudem ist das interaktive On-Demand System nicht mehr zeitgemäß. Es reagiert zwar erfreulich schnell auf die Befehle der Fernbedienung, was heutzutage ja leider keine Selbstverständlichkeit ist, allerdings ist die Auswahl, speziell im Audiobereich viel zu klein. Da auch die Radiosender nicht funktionieren und auch so gut wie keine Musik-TV-Sender verfügbar sind, bleibt es ruhig auf dem Zimmer. Viel zu ruhig, denn auch ein iPod Dock sucht man vergebens. Schade.

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Frei nach Loriot: der Flat Screen hängt schief

Durchdacht hingegen ist die Position der Minibar in Augenhöhe und auch der darunter befindliche Safe kann überzeugen. Genügend Platz für 15″ Laptop, iPad, DSLR Kamera nebst Objektiven und vielem mehr, so ein Safe ist eine Wohltat.

Ausreichend Platz bieten auch die Schränke und Schubladen. Als Stadthotel wird das The Charles meist für zwei bis drei Nächte gebucht, doch auch für einen Wochentrip zu Zweit kommt man Stauraumtechnisch keinesfalls in Bedrängnis.

Ebenfalls mehr als ausreichend ist das Badezimmer. Es ist riesig, verfügt über eine große Badewanne, eine begehbare Dusche, einen beheizten Spiegel und eine fühlbar angenehme Fußbodenheizung. Toilette und Bidet sind mit einer Glastür abgetrennt.

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Blick ins Bad

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Badprodukte der Eigenmarke: 100% natürlich und organisch

Das Zimmer ist insgesamt sehr sauber. Dem Interieur sieht man seine mittlerweile sechseinhalb Jahre nicht an, lediglich einige Ausbesserungen an der Wand glänzen im Tageslicht merklich hervor. Oder, ist auch das Teil des Designkonzepts? Möglich wäre es.

Ruhesessel mit Ottomane und Sofa sind sehr bequem, das Bett ist es sowieso, einzig beim Schreibtischstuhl hat man das Gefühl dass hier die Funktion zugunsten der Form das Nachsehen hatte.

Trotz der vor meinem Fenster in voller Blüte stehenden großen Kastanie, ist das Zimmer sehr hell und einladend, die Größe, die Großzügigkeit überzeugt sofort.

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Willkommen in Zimmer 407

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Deluxe Zimmer 407

Hell ist es überall im Hotel. Auch auf den Gängen. Hier dringt das Tageslicht durch die hohen Fenster zum Innenhof hinein. Vom Gang aus führen drei Aufzüge zu den verschiedenen Stockwerken des Hauses.

Im 1. Untergeschoss befindet sich der Spa Bereich. Für maximale Diskretion lässt sich auf jedem Stockwerk schon beim Rufen des Aufzugs per speziellem Knopf das Wunschziel wählen, sodass der Lift dann non-stop bis zum Wellness Bereich fährt und man, selbst gehüllt im wunderbar flauschigen Bademantel, nicht auf andere Hotelgäste stößt. Ein äußerst durchdachtes Detail.

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The Charles Spa mit großem Schwimmbad

Fünfzehn Meter misst der Pool des The Charles Spa in der Länge und ist somit der größte Indoor-Hotelpool in ganz München. Hier kann man tatsächlich ernsthaft schwimmen, ohne nach drei Zügen schon wieder am anderen Ende angekommen zu sein. Finnische Sauna, Dampfbad, Ruheraum und ein Fitness-Center sind ebenso wie die fünf Anwendungsräume weitere Bestandteile des 800 Quadratmeter großen Spa.

Man fühlt sich einfach wohl, im Spa des The Charles. Im Ruheraum warten Tees, frisches Obst und Zeitschriften. Lediglich die Decke dieser Relaxing Area könnte mal wieder einen neuen Anstrich vertragen.

Im Spa wie überall im Hotel sind die Reminiszenzen an die Bayrische Landeshauptstadt allgegenwertig, wenn es auch teils etwas Hintergrundwissen erfordert, sie zu erkennen. So ist das große Wandmosaik einer Rotkoralle eine Anspielung auf die Wittelsbacher Königsfamilie, welche als wichtigste Sammler dieser Spezies galt.

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Beheizte Liegen vor Rotkorallen-Mosaik

In mit Klarlack überzogenem Weiß erstrahlen die Zimmertüren und ergeben so mit der hellblauen Wandfarbe der Gänge die so typisch bayrische Farbkombination.

Die Kalkstein-Bäder der Zimmer und Suiten schmücken Reliefs der Nymphenburger Porzellanmanufaktur und in der Lobby stößt man auf Originalgemälde Franz von Lenbachs, dessen Haus, welches heute das Lenbach-Museum beheimatet, nur wenige Meter entfernt ist und welcher ebenfalls Namensgeber des Quartiers ist.

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Lenbach-Gemälde in der Hotelbar

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Lichtdurchflutete Gänge

Architekt Christoph Sattler ließ sich beim The Charles, übrigens benannt nach dem Vater Sir Roccos, Baron Charles Forte, vom zeitlosen Design der 30er Jahre inspirieren. Stilelemente des Art déco machen sich speziell in der großzügigen Lobby bemerkbar, die Sattler-Stufe, jene drei Abstufungen, die an den Decken zu finden sind, werden von den Fußbodenleisten wieder aufgegriffen.

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Leicht gerundete Fassade und Rahmen aus Baubronze

Über 160 Zimmer und Suiten verfügt das The Charles Hotel. Besonders beeindruckend sind die 73 Quadratmeter großen Executive Suiten. Die Schlafzimmer der insgesamt 12 Ecksuiten befinden sich in den beiden Türmen des Gebäudes und verfügen so über einen 180 Grad Panoramablick, hinaus auf den alten Botanischen Garten.

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Executive Suite 405

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Arbeitsbereich der Executive Suite

Noch größere Faszination übt allerdings das oberste Stockwerk des Hotels aus. “The 8th Floor” besteht aus insgesamt vier Suiten, zweier Deluxe Suiten, einer Deluxe Junior Suite und der 200 Quadratmeter großen Monforte Suite. Zusammen gebucht ergibt sich so ein 450 Quadratmeter großer Suitenkomplex, der allen Anforderungen, nicht nur von Staatsgästen genügt. Schusssicheres Glas rundum, Kameraüberwachung und Direktaufzug von der Tiefgarage sind nur einige der Annehmlichkeiten des achten Stocks.

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Monforte Suite – benannt nach dem Geburtsort der Familie Forte

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Traumhafter Blick über München

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Essbereich der 200 Quadratmeter Suite

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Arbeitszimmer

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Das Bad der Monforte Suite

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Kameras überwachen den 8. Stock

Den Gästen der 160 Zimmer des Hotels steht die stattliche Zahl von 170 Mitarbeitern, davon 34 Auszubildenden gegenüber. Auffällig ist, dass niemand ein Namensschild trägt. Der Gast solle sich hier zuhause fühlen, willkommen bei Freunden. Und diese tragen schließlich auch kein Namensschild. Klingt nachvollziehbar, überzeugt in der Praxis aber nicht wirklich. Manchmal möchte man halt doch ganz gerne wissen, mit wem man es zu tun hat.

So muss auch der Barkeeper leider namentlich unerwähnt bleiben, der mir beim Aperitif ein willkommener und äußerst souveräner Gesprächspartner ist. Dass er erst im zweiten Lehrjahr ist, das hätte ich nicht gedacht, ist aber ein weiterer Beweis für die hohe Qualität der Mitarbeiter.

Die Bar ist an diesem Abend äußerst leer. Gerade einmal zwei Tische sind besetzt und man muss einsehen, dass die Lage ihres dazu beiträgt. Die Lobby strahlt für einen abendlichen Barbesuch nur wenig Gemütlichkeit aus. Eine Tatsache, der man mit einem Umbau Rechnung tragen wird. Die Bar soll zukünftig einen Teil des Hotelrestaurants DAVVERO einnehmen.

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Hotellobby und Bar

Zum Drink eine Tageszeitung? Der Barkeeper hält immer eine Auswahl bereit. Lieber ein wenig auf dem iPad surfen? Auch das ist möglich, denn überall im The Charles ist WLAN verfügbar. Dieses ist, nicht unbedingt typisch für ein Hotel dieser Klasse, sogar gratis.

Nun, ehrlich gesagt ist das nur die halbe Wahrheit. Denn die kostenlose Verbindung, angeblich mit 512k Geschwindigkeit, ist ernüchternd langsam und so reizt es doch, einen kostenpflichtigen High Speed Pass hinzu zu buchen. Dennoch – eine faire Regelung.

Der High Speed Pass kostet 10 Euro für eine Stunde oder 20 Euro für 24 Stunden. Wobei wir beim Thema Preise wären. Natürlich erwartet man von einem 5-Sterne Superior Hotel keine Schnäppchen, dennoch kann man die aufgerufenen Beträge für Minibar & Co. noch als angemessen bezeichnen. So kosten Softdrinks oder das obligatorische Tegernseer 5 Euro. Für einen Tanqueray Ten werden an der Hotelbar 11 Euro aufgerufen, das zugehörige Tonic von Thomas Henry schlägt mit 5 Euro zu Buche. Da verlangen andere Hotelbars teils empfindlich mehr!

Das alles bringt auf Wunsch natürlich auch der Zimmerservice und da ein Club Sandwich für mich zu einem Hoteltest einfach dazu gehört, habe ich, wieder zurück auf Zimmer 407, denn auch gleich den freundlichen Concierge am Telefon. Binnen der avisierten Zeit von 15 Minuten klingelt es auch schon an der Tür. Das Sandwich ist perfekt, das Bier sowieso, der Service einmal mehr über jeden Zweifel erhaben. Einzig der knapp zwei Tage über Mindesthaltbarkeitsdatum befindliche Senf trübt das Bild, wenn auch nur ganz leicht. 20 Euro kostet das Club Sandwich bis 22:30 Uhr, danach werden vier Euro mehr fällig. Hinzu kommt in jedem Fall eine “Lieferpauschale” von 3 Euro pro Bestellung.

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Wenn es Nacht wird, über München…

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… dann ist die Zeit für ein Club Sandwich gekommen

Am darauffolgenden Morgen beuche ich das Frühstücksbuffet. Wobei “Morgen” hier durchaus relativ zu verstehen ist. Denn, äußerst genial, das Buffet ist für Langschläfer an Wochenenden bis 14 Uhr bestückt. Das würde ich liebend gerne öfter erleben!

Die Auswahl des Buffets ist groß, speziell die an Backwaren gar gigantisch. Vom Service allerdings hätte ich mir, zumindest an diesem Tag, ein wenig mehr Aufmerksamkeit gewünscht. Hier ist durchaus noch etwas Luft nach oben.

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Frühstück im Davvero Restaurant

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Auch hier begrüßen Bilder von Hubertus von Hohenlohe die Gäste

Geschmacklich hingegen ist man dort schon angekommen. Die Croissants, erhältlich in zwei verschiedenen Größen, sind mit die besten, die ich jemals kosten durfte, der Honig kommt frisch von der Wabe und wer es gerne etwas bayrischer mag, für den stehen Brezn und Weißwürste bereit.

Die Qualität der dargebotenen Speisen ist hervorragend. Großer Beliebtheit erfreut sich auch das Angebot, sich seinen eigenen Gemüsesaft mixen zu lassen.

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Honig von der Wabe am Frühstücksbuffet

Beim anschließenden Check-Out an der Rezeption stoße ich wieder auf die inzwischen liebgewonnene Mischung aus Professionalität und Herzlichkeit. So geht ein leider viel zu kurzer Aufenthalt im The Charles Hotel für mich zu Ende. Was bleibt ist die Erkenntnis, in München zukünftig gerne wieder hier bei Rocco Forte zu übernachten. Eben ‘bei Freunden’.

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Wunderschöne Architektur

Fazit: the Art of simple Luxury – dieses Konzept lebt man im The Charles Hotel München fürwahr. Wer auf Luxus in einer angenehm leichten Form steht, wer ein Faible für Design hat und wer perfekten Service auf Augenhöhe schätzt, für den ist das The Charles definitiv einen Besuch wert. Lage und Zimmergröße könnten besser nicht sein. Eine klare Empfehlung!

Das The Charles Hotel finden Sie in der Sophienstrasse 28 in 80333 München.

Website des Hotels: www.charleshotel.de

Telefon: +49 89 544 555 0

Fotos & Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2014

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