by R-L-X

Prolog – Eine Seefahrt, die ist lustig.

Lange ist es her, dass ich das letzte Mal auf Kreuzfahrt war. Heute, am 24. Januar 2009 soll es endlich wieder so weit sein. Mit der Norwegian Gem, dem neusten Schiff in der NCL Flotte, geht es von New York aus auf eine 10-tägige Karibikreise.

Vorneweg ein paar Fakten über die NORWEGIAN GEM: ihr Bau begann am 7. Juni 2006 auf der Meyer Werft in Papenburg. In Dienst gestellt wurde sie am 1. Oktober 2007. Bei Reiseantritt ist sie somit knapp 16 Monate alt. Die GEM ist eines von vier Schiffen der Jewel-Class von NCL. Mit den Maßen von 294,13m Länge und 32,31m Breite, sowie einem Tiefgang von 8,2m gehört sie der so genannten Panamax Klasse an, was bedeutet, dass sie gerade noch so in den Panama Kanal passt. Eine Tatsache, die auf unserer Reise von untergeordneter Relevanz ist. Die Größe beträgt 93.500 GRT, bei Doppelbelegung können 2.384 Passagiere auf ihr reisen, welche von 1.154 Mitgliedern er Crew umsorgt werden.

Genug trockene Fakten. Beginnen wir mit den subjektiven Eindrücken eines Traumurlaubs.

Da wir das NCL Pauschalpaket gebucht hatten, mussten wir uns um Flüge, Hotels und Transfers keine Gedanken machen. Nach einem großartigen Hinflug mit Singapore Airlines wurden wir von NCL im Holiday Inn am JFK Airport untergebracht. Nicht das beste Hotel, welches ich kennen lernen durfte, aber für eine Übernachtung zweckmäßig und ausreichend.

Los geht’s.

Blick aus dem Hotelzimmer.

Sonntag – Heut‘ geht es an Bord, heut‘ fahren wir fort.

Heute, Sonntag, steht der Transfer nach Manhattan zum Kreuzfahrtterminal an. Alles verläuft reibungslos. Vor der Einschiffung steht erst einmal der Sicherheitscheck an. Die Koffer werden vorher schon am Eingang der Einschiffungshalle abgegeben, ehe man sich in die endlose Schlange einreiht. Wenn man ehrlich ist, die Koffer, sie werden uns eher entrissen. Doch so groß die Schlange auch ist, es geht sehr schnell voran. Negativ fällt das Personal auf. Es ist unfreundlich, man fühlt sich eher wie auf irgendeinem Amt als am Beginn einer x-tausend Dollar Reise. Fairer weise muss man sagen, dass NCL nichts dafür kann, das Personal wird vom New Yorker Hafen bzw. Cruiselink gestellt. Der Sicherheitscheck entspricht dem an Flughäfen, Metalldetektoren, Röntgen, das Übliche.

Erste Begegnung mit Norwegian Gem.

Schlangen bei der Einschiffung.

Nach dem Sicherheitscheck – guess what? – die nächste Schlange. Diesmal für die Einschiffung. Da wir Wiederholer sind, so genannte „Lattitude Members“, dürfen wir allerdings in die kurze Schlange und kommen sehr schnell dran. Pässe vorzeigen – wichtig, Kreditkarte vorzeigen – ganz wichtig – und schon bekommen wir unsere hübschen bunten Bordkarten.

Endlich an Bord.

Was dann folgt ist der Gang durch die modernen Gangways aufs Schiff. Und meine erste Begegnung mit dem Desinfektionsspender.

Desinfektionsspender, hier vor dem Magenta Restaurant.

Diese Spender stehen wirklich überall an Bord. An jedem Eingang zu jedem Restaurant, Bar oder anderen öffentlichen Räumen. Man hält die Hand darunter und automatisch fließt eine kleine Menge grünen Gels auf die Hand. Anfangs etwas befremdlich gewöhnt man sich schnell an den Geruch, der Erinnerungen an meine ungeliebte Dienstzeit im Krankenhaus aufkommen lässt. Die Benutzung ist obligatorisch. An den Eingängen zu den Restaurants stehen Mitarbeiter, die nichts anderes zu tun haben als jedem Gast mit großem Lächeln ein „God Mooorniiiiing“ entgegenzurufen und ihm unmissverständlich klar zu machen, doch seine Hände zu desinfizieren. Und ganz ehrlich – so dumm ist das nicht, denkt man an die immer wieder kehrenden Meldungen über Masseninfektionen auf Kreuzfahrtschiffen.

Wir betreten also das Schiff und suchen nach unserer Kabine. Die Zeiten, in denen jeder Passagier von einem Crewmitglied zu seiner Kabine begleitet wurde, sind wohl vorbei. Bei weit über 2000 Passagieren wohl auch etwas zu viel verlangt. Und so stehe ich erst einmal ein wenig verloren im – ja wo bin ich eigentlich? Deck 7, irgendwo in der Mitte glaube ich. Wo muss ich hin? Deck 5, vorne. Ok. Vorne ist – äh – da. Na dann auf.

Hilfreich: Wegweisertafeln.

Der Aufbau des Schiffs ist nur in der ersten Zeit verwirrend. Im Grunde aber recht logisch. Es gibt 15 Decks. Auf Deck 4 und 5 befinden sich Kabinen, Deck 6 und 7 beherrbergen die Gesellschaftsräume, Deck 8-11 wiederum Kabinen und auf Deck 12 und 13 findet man weitere Gesellschaftsräume, Pools, Sonnendecks etc. Dazu, und das ist das wichtigste, gibt es drei Treppenhäuser. Vorn, Mitte und Achtern. In welchem der drei man gerade unterwegs ist, kann man dabei an der Art der Bilder erkennen. Behält man sich das im Kopf, kann die Orientierung eigentlich nur noch daran scheitern, dass man grad nicht weiß, wo vorn und achtern ist und damit Backbord und Steuerbord. Genau das passiert aber relativ häufig, selbst ich habe da ab und an meine Probleme.

Er zeigt uns den Weg zu unserer Kabine. Man muss sich Brücken bauen.

Gut. Wir müssen also nach vorne und dann 2 Decks nach unten. Kabine 5524 liegt auf der Backbordseite, also in Fahrtrichtung links. Den schmalen Kabinengang ein Stückchen zurück und da ist sie auch schon. Sehr geschmackvoll eingerichtet, von der Größe her mehr als akzeptabel, eine schöne Nasszelle, viel Stauraum, Minibar, Tresor, Föhn, alles da. Keine Frage, hier lässt es sich gut leben. Einziges Problem: zwei Einzelbetten. Eines links an der Wand, eines rechts an der Wand.

Unsere Kabine, hier schon mit Doppelbett.

Blick vom Bett aus.

Die Nasszelle – Dusche (Grohe Rainshower) befindet sich links.

Das geht so natürlich nicht, kurz geschaut, ok, die Dinger sind nicht fest, also die Nachttischchen weg und die Betten zusammen geschoben. Doch was ist das? Zum Vorschein kommt eine alte Sandale, die unter dem Bett wohl überwintern wollte und jede Menge Sand und Schmutz auf dem Boden. Nun schaue ich mich mal genauer um in der Kabine. Staub in den Regalen und in der Nasszelle, Sorry, aber für ein 4 Sterne Plus Schiff absolut inakzeptabel. Ein großes Minus.

Unschöne Überraschung – Schmutz und Sandale unter dem Bett.

Ansonsten ist die Kabine wie das gesamte Schiff in einem hervorragenden Zustand, was in Anbetracht dessen, dass die GEM erst 16 Monate in Dienst ist aber auch nicht weiter verwundern sollte.

Wir fahren mit einem der Aufzüge hoch auf Deck 13 und bereiten uns für die Ausfahrt vor. Von Deck 13 gelangt man vorn über eine Treppe auf Deck 14, auf dem sich ganz vorne das stille Sonnendeck befindet. Keine Musik und die Bitte, sich dort nur leise zu unterhalten zeichnen diesen Ort aus. Und neben den üblichen Sonnenliegen gibt es hier große runde Rattan Betten, auf denen es sich richtig genial und relativ windgeschützt liegen lässt. Das mit dem „stillen“ Sonnendeck hat eine Gruppe französischer Gäste nicht ganz mitbekommen und so unterhalten sie mit ihrem Gegröle unfreiwillig die dort Ausharrenden.

Das „stille” Sonnendeck.

Verrazano-Narrows Bridge

Die Ausfahrt aus New York ist kalt und windig aber trotzdem ein Erlebnis. Bis zur Verrazanobrücke halte ich durch, danach muss ich mich definitiv aufwärmen. Also zurück nach Deck 13 in die Spinnaker Lounge. Diese befindet sich genau unterhalb des stillen Sonnendecks und ist riesig. Wir nehmen an einem Tisch Platz und eine gewisse Ernüchterung folgt. Alle 2 Minuten fragt ein anderer Steward, ob wir nicht etwas trinken möchten. Wir bestellen irgendwann 3 Coors Light, mit in der Hoffnung, dass wir jetzt unsere Ruhe haben aber weit gefehlt. Es kommen trotzdem alle paar Minuten Stewards, ob wir noch Cocktails möchten, noch mehr Bier usw. Als ob das nicht genug wäre, kommt auch noch ein Rosenverkäufer vorbei!!!

Das ist der Punkt, an dem ich denke, es reicht. Das halte ich nicht aus. Keine 3 Tage, erst recht keine 10!

Dazu muss man folgendes wissen: auf dem Schiff kann man zwar so viel essen wie man will, das ist im Reisepreis inbegriffen, Getränke allerdings zahlt man extra. Einzige Ausnahme: Eiswasser und Eistee kann man sich den ganzen Tag kostenfrei im Garden Café an Automaten holen, dazu noch ein paar Säfte, Kaffee und Tee beim Frühstück. Alles andere kostet und das nicht zu knapp. Günstig sind Softdrinks mit 1,75 USD pro 12oz Dose (etwas mehr als unsere 0,33l). Teurer wird’s dann schon beim Bier. 3,95 kosten die „Domestics“, Imports ab 4,50. Wodka u.ä. gibt es ab 5,25 USD. Es gibt bestimmte Specials wie beispielsweise den Beer Helmet, in dem dann 6 Bier zum Preis von 5 geliefert werden – mit jeder Menge Eis, oder die Softdrink Flatrate für 6,95 pro Tag. Nachteil dabei – man läuft den ganzen Tag mit einem nicht unbedingt ansehnlichen Becher durch die Gegend.

Alle Preise sind – auch das wundert den gemeinen Deutschen anfangs – netto. Automatisch wird eine Autogratuity (also Tip) in Höhe von 15% hinzu gebucht, liegt das Schiff in einem Hafen kommt z.T. noch Tax dazu. So werden aus 3,75 für ein Bier dann ganz fix 4,87.Bezahlt wird das Ganze bequem und bargeldlos mit der bunten Bordkarte. Wie bei einer Kreditkarte erhält man einen Beleg zum unterschreiben, sowie einen Durchschlag. Das Verwirrende dabei: auch hier gibt es noch einmal eine extra Zeile für Tip. Wer also denkt, er sei mit der Autogratuity aus dem Schneider, wird eines Besseren belehrt. Denn den Zettel ohne nochmaligen Tip zu unterschreiben, bringt zumindest anfangs ein schlechtes Gewissen mit sich. Wo wir schon beim Tip sind. Ebenfalls werden automatisch pro Gast und Tag 12 USD vom Bordkonto abgebucht. Ob man das will oder nicht. Dieser Tip geht an den Teil der Besatzung, der nicht im direkten Servicebereich in den Bars arbeitet. Das ist an sich in Ordnung, im Grunde aber auch nichts weiter als eine verdeckte Erhöhung des Reisepreises. Zumal die Entscheidung, wem man für was wie viel Trinkgeld gibt, schon einem selbst überlassen sein sollte. Ein System also, dass mich nicht gänzlich überzeugt hat.

Man muss jedoch dazu sagen, dass man sehr schnell das dauernde Fragen nach Getränken weniger als nervend sondern eher als zuvorkommend wahrnimmt. Schüttelt man mit dem Kopf, ist das in Ordnung und man erntet auch keine bösen Blicke. Dass immer eine Servicekraft zur Stelle ist, wenn man etwas will, hat schliesslich auch etwas für sich.

Wir wechseln zu einer der Couchen am Fenster und genießen die letzten Blicke auf Manhattan.

Kultsofas von Bretz.

Der Ausblick vom „Bett“, ein paar Stunden zuvor.

Solche Sitzgelegenheiten findet man überall auf der Norwegian GEM.

Genial! Überall auf dem Schiff findet man die skurrilsten Sofagebilde der Firma Bretz (www.bretz.de). Die Möbel laden förmlich zum sich drauf lümmeln ein. Die krassen Farben und Formen bilden einen schönen Kontrast zum anderen Interieur, wirken aber dennoch nie fehl am Platz. Nicht dass ich mir so etwas – sogar Betten stehen hier und da herum – unbedingt daheim in die Wohnung stellen würde, aber hier auf der GEM gehören die Kultsofas zu meinen liebsten Sitzgelegenheiten.

Hach wie schön.

Zurück in die Kabine und schick gemacht, denn anschließend geht es ins Grand Pacific Restaurant zum Abendessen. Das Grand Pacific ist eines von drei Hauptrestaurants und das Einzige, in dem um etwas festlichere Kleidung, also Stoffhose und langes Hemd gebeten wird. Eine lange Schlange am Eingang verheißt nichts Gutes. Wir erhalten einen Beeper, der uns durch Vibration und Blinken anzeigt, wenn unser Tisch frei ist. Etwa 40 Minuten Wartezeit wird uns prognostiziert, was im Endeffekt auch ziemlich exakt hinkommt. Also zurück in eine der Bars und mit einem Drink die Wartezeit verkürzen.

Eine Treppe wie in Titanic….

…führt ins Grand Pacific Main Restaurant.

Wie beschrieben gibt es drei Hauptrestaurants an Bord. Das Grand Pacific ist das Größte und Eleganteste. Etwas kleiner ist das Magenta. Beide Restaurants verfügen über eine gemeinsame Küche, daher sind die Gerichte die Gleichen. Die Speisekarte besteht aus einem täglich wechselnden Teil und einigen Standardgerichten, die man immer erhält. Eiswasser und Eistee werden auch hier kostenlos serviert, alles andere kostet Geld. Die Weinkarte ist recht reichhaltig, für 30 bis 40 USD erhält man durchaus akzeptable Weine, nach oben hin geht es bis in den 4-stelligen Bereich hinein.

Das Magenta Main Restaurant.

Das dritte Hauptrestaurant ist das Garden Café, ein riesiges Selbstbedienungsrestaurant in dem es im Grunde alles gibt, nur mit der wenig festlichen Stimmung die ein SB Restaurant halt herüberbringt. Daneben gibt es noch ein paar kleinere Bars, speziell an Deck, die je nach Witterung geöffnet sind und an denen man ebenfalls Speisen erhält, sowie ein Restaurant, welches 24 Stunden geöffnet hat und so tatsächlich Essen rund um die Uhr ermöglich.

Garden Café – das Selbstbedienungsrestaurant.

Sitzgelegenheiten im Garden Café.

Das Blue Lagoon, 24h am Tag geöffnet.

Zusätzlich befinden sich über das Schiff verteilt insgesamt sieben Spezialitätenrestaurants, die asiatische, französische, italienische Küche, sowie Tex-Mex und Steaks anbieten. Für diese Restaurants fällt ein pauschaler Aufpreis pro Person an. Dieser Aufpreis (meist 20 USD) richtet sich also nicht danach, was man isst sondern ist immer fällig. Besondere Gerichte wie etwa Hummer o.ä. kosten darüber hinaus noch einmal extra (etwa 10 USD).

Französische Küche im „Le Bistro“.

Das „La Cuccina” bietet italienische Speisen.

Asian Food mit Teppaniaki, Sushi & Co.

Nachdem der Beeper Alarm schlägt werden wir zu unserem Tisch geführt. Das Ambiente im Grand Pacific ist wirklich sehr schön und feierlich, die Treppe erinnert an den Titanic Speisesaal. Das Essen ist durchaus akzeptabel, kommt aber von der Finesse bei weitem nicht an das heran, was ich von früheren Kreuzfahrten auf der Arkona gewöhnt war. Die Portionen sind relativ übersichtlich, wenn auch nicht klein. Da man aber im Normalfall sowieso den ganzen Tag essen kann ist das gar nicht mal schlecht. Der Service ist äußerst bemüht und zuvorkommend, daran gibt es absolut nichts zu beanstanden.

Nach dem Essen lassen wir den Abend bei einem Wodka in der sehr gemütlichen Star Bar ausklingen.

Abends ein gemütlicher Treffpunkt: Die Star Bar.

Montag – Good morning sunshine.

Die Nacht war angenehm, sieht man davon ab, dass die Betten die ganze Zeit auseinander rutschten und einer von uns beiden permanent drohte, herunter zu fallen. Nun, im Grunde muss man schon sagen, die Betten sind ziemlich weich. Aber ok. Das Schiff ist halt für den amerikanischen Markt gebaut. Man hätte ja auch Aida buchen können. Also wenn ich ehrlich bin, so gut hatte ich wohl doch nicht geschlafen. Meine Laune dementsprechend.

Es ist etwa halb zehn als wir uns auf den Weg ins Garden Café machen. „God Mooorniiiiiiiing“ tönt es aus dem brutalstmöglich gut gelaunten philippinischen Besatzungsmitglied.

Nettes Detail: Jedes, wirklich jedes Besatzungsmitglied trägt eine Plakette auf dem neben seinem Namen auch sein Heimatland steht. Die Vielzahl der Herkunftsländer ist definitiv atemberaubend.

Das Desinfektionsmittel einwirken lassend betreten wir also das Garden Café. Und meine Laune wandelt sich augenblicklich in das Gegenteil derer des o.g. Besatzungsmitglieds. Es ist voll. Nein, das trifft es nicht ganz. Es ist vollkommen überfüllt. Das Garden Café zieht sich über eine Länge von knapp 100 Metern über Deck 12 achtern. Einmal 100 Meter vor, einmal zurück, nicht ein Tisch frei. Überall stehen Leute und warten, es ist grausam. Kaum zu glauben, doch auf den 200 Metern des Laufens (oder lassen wir es 170 Meter sein) verschlechtert sich meine Laune noch einmal. Ich dachte, das sei gar nicht möglich. Genervt ergreife ich die Flucht. Es gibt schließlich auch im Grand Pacific Restaurant Frühstück, wenn auch kein Buffet. Also runter auf Deck 7.

Vor lauter wartenden Menschen kommt man hier noch nicht einmal aus dem Aufzug! Soll das nun jeden Tag so werden? Ich bekomme meinen ersten richtigen Ausraster (ja, sowas gibt es bei mir) an Bord und renne wutentbrannt und ziellos durch das Schiff. Gott sei Dank ist das ja sehr groß und man kann lange lange laufen ohne irgendwo anzukommen.

Die Monitore zeigen an, wo es noch freie Plätze gibt. So ganz verlassen sollte man sich darauf allerdings nicht.

Ich reiße mich zusammen. Was tun? Ich habe Hunger. Und wenn ich Hunger habe bin ich noch unleidlicher. Ich muss jetzt unbedingt etwas essen. Also zurück in die Kabine. Theoretisch kann man auch hier ohne Aufpreis frühstücken, allerdings muss man das am Abend vorher ankündigen. Ich hole Schal, Mütze und Winterjacke aus dem Schrank und begebe mich ins Great Outdoor. Dieses befindet sich wie der Name schon sagt – draußen. Und zwar direkt im Anschluss an das Garden Café. Meine Frau ist von dem Vorschlag äußerst begeistert, macht aber gute Mine zum Bösen Spiel und greift sich ebenfalls ihre Jacke. Siehe da, im Great Outdoor gibt es massig Platz, sogar überdachten. Die Laune steigt.

Das Great Outdoor am Heck. Die vorderen Tische gehören noch zum La Cuccina.

Das Frühstücksbuffet ist wirklich sensationell. Im Grunde gibt es nichts, was es nicht gibt. Obst in Hülle und Fülle, etliche Joghurts, Müslis zum selbst zusammenstellen, Wahnsinn. Aber hey! Sind wir hier um gesund zu frühstücken? Nicht wirklich! Also. Omelette nach Belieben. Einfach sagen, was man rein haben will und es wird gemacht. Frisch vor Deiner Nase. Rührei, Speck, Würstchen, Rösti, Country Potatoes, süße Schweinereien in jeder Form, dutzende Gebäcke, Croissants, Muffins, Bagels, Cinnamon Rolls, ALLES!!!!!!!!! ARGH! Mir läuft jetzt noch das Wasser im Mund zusammen!! Es gab so viel Auswahl, dass ich manche Sachen erst nach sieben oder acht Tagen entdeckt habe.

Gut genährt und richtig glücklich stellt sich die Frage – wohin jetzt. Da es tags zuvor in der Spinnaker Lounge recht gemütlich war, ist die Entscheidung schnell getroffen. Rein in die gemütlichen Sofas und dem Treiben beiwohnen. Morning Trivia hat es da. Ein kleines Quiz, die Gäste sitzen in Grüppchen und versuchen die Fragen (Wer spielte James Bond in Moonraker?) zu lösen. Da die Fragen auf den amerikanischen Markt zugeschnitten sind und für mich unlösbar scheinen, kommt ein Mitmachen nicht in Frage, ist aber auch nicht nötig.

Das ist das Geniale am so genannten Freestyle Konzept. Man kann alles mitmachen, muss aber nicht. Keine Animateure, die einen zu etwas drängen, was man nicht will, man kann sich den Urlaub genau so gestalten, wie man das selbst möchte.

Noch ist es kalt.

Während des Morning Trivias füllt sich die Spinnaker Lounge zusehends, ist schnell bis auf den letzten Tisch besetzt. Meine Überlegung, warum das so ist, wird von einer schiffsweiten Lautsprecherdurchsage umgehend beantwortet.

„HELLO, HELLO, HELLO! THIS IS YOUR ASSISTENT CRUISE DIRECTOR! IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIT’S
BINGOOOOOOOOO TIME!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“

Ah! Das ist es also. Bingo. Cool. Das habe ich auf der Arkona auch mitgemacht. Eine Karte, 5 Spalten, 5 Reihen, also 25 von 75 möglichen Zahlen. Dann ein Lottogerät mit eben 75 Kugeln, die Kugeln werden nach und nach gezogen und wessen Karte als erstes voll ist, der muss BINGO! Rufen und hat gewonnen. Bingo halt. Nun, auf der GEM läuft das alles etwas anders. Es werden vier Spiele gespielt, in den ersten drei Spielen muss man geometrische Figuren „voll“ haben, im letzten Spiel dann die ganze Karte. Der Assistent Cruise Director, der mit der manchmal schon beinahe unangenehm guten Laune, erklärt die Regeln ganz genau. Und ich staune nicht schlecht.

Bingo wird während der gesamten Kreuzfahrt 1-2x am Tag gespielt. 16 Karten, also 4 pro Spiel kosten dabei 29,95 USD. Das ist der günstigste Preis, wenn man mitmachen will. Zusätzlich gibt es so genannte Power Machines. Dort werden bis zu 36 Bingokarten pro Spiel gleichzeitig hinaufgeladen und gespielt. Man selbst muss sich nur noch vor das Gerät setzen und – nichts tun. Alles geschieht vollautomatisch. Der Spielspaß an der Sache will sich mir nicht ganz eröffnen. Die Preise für diese Power Machines fangen bei 59 USD an und gehen bis hoch auf 149 USD. Wohlgemerkt, pro Bingo Session!

Darüber hinaus gibt es noch das beliebte „I want it all“ Paket, bei dem neben der größten Power Machine noch 16 normale Karten dabei sind (damit man sich nicht langweilt), ein T-Shirt (I’m Bingoliscious) und 5 Gewinnstrips. Die kosten, wenn man sie so kauft 20 USD und beinhalten garantiert einen Gewinn von mindestens einem USD. Was macht man damit? Einfach Felder aufreißen und nachschauen was man gewonnen hat. Was hat das mit Bingo zu tun? Eigentlich nichts. Im Grunde wäre es leichter, den Mitspielern direkt 20 Dollar abzuziehen und dafür 5 Dollar auszuzahlen, aber hey, das würde ja nicht so viel Spaß machen.
Besonders tricky: die Gewinne, wie gesagt, mindestens 1 USD pro Streifen bekommt man nicht so, man bekommt sie auch nicht auf sein Bordkonto gebucht, von dem ja der Einsatz abgebucht wird, nein. Man muss sie sich abholen. Wo? Im – ha! – im Bordcasino!!!!! Dort kann man seinen Gewinn dann gleich via Jetons in gefühlten 2000 Automaten verspielen.

Schlangen bei der Ausgabe der Bingo Power Machines.

Ich spiele also dann doch nicht mit sondern schaue nur zu. Und das lohnt sich. Kaum hat Joe Peach, so nennt sich die immer gut gelaunte Stimme nämlich, verkündet, dass man nur 70 dieser Power Machines hat, springt das gesamte Publikum entsetzt auf und stellt sich brav in drei Reihen an. „I want it all“ ist erwartungsgemäß der Renner. Am Ende gewinnen vier Leute Beträge von jeweils 220 bis 430 USD, im schlechtesten Fall – zwei oder mehr haben gleichzeitig ein Bingo – müssen sie sich das Geld teilen. Es sind fast immer die Besitzer der „I want it all“ Maschinen, die gewinnen, Spieler mit normalen Bingokarten haben kaum eine Chance. Der mehrere tausend Dollar große Jackpot, mit dem laufend geworben wird, wird nur ausgezahlt, wenn im vierten Spiel die gesamte Karte in unter 46 (?) Nummern gelöst wird. Eine Anforderung, die während der gesamten Kreuzfahrt nicht geknackt werden wird. Aber egal. Zuschauen macht Spaß.

Nach dem Bingo ist das Wetter schön und auch schon etwas warm geworden, also in die Rattan Lounger auf dem stillen Sonnendeck gelegt, die Franzosen sind heute erfreulicherweise woanders, und gechillt.

Wie ich schon geschrieben habe, gibt es an Bord Spezialitätenrestaurants, für die eine „Cover Charge“ anfällt. Man muss dort vorher einen Platz reservieren, da sie z.T. nicht besonders groß sind. Bereits am Abend zuvor hatte ich für heute einen Tisch in „Cagney’s Steakhouse“ auf Deck 13 bestellt. Die Cover Charge beträgt 20 USD pro. Person. Was uns erwartet, ist ein wunderschönes Restaurant mit wirklich erstklassigem Service. Die Steaks sind hervorragend, die Cover Charge gut investiert. Zum Essen gönnen wir uns einen Rotwein (Peter Lehmann – 42 USD).

Cagney’s Steakhouse.

Nach diesem hervorragenden Mahl gibt es noch einen Wodka (Belvedere – 5,75 USD) in der Star Bar direkt nebenan. Anschließend geht es in den Nachtclub, die „Bliss Ultra Lounge“ zu einem Absacker.

Die Bliss Ultra Lounge besteht aus seitlich jeweils zwei Bowling Bahnen, die während der gesamten Kreuzfahrt meist besetzt waren, und dem eigentlichen Club. Dieser ist interieurmäßig so ziemlich das schärfste, was ich jemals gesehen habe. Schaut Euch die Bilder an, es ist im Grunde mit Worten nicht zu beschreiben. Leider waren wir fast immer die einzigen Gäste. Dementsprechend wenig Stimmung kam auf, was wirklich sehr schade war. Grund mag aber auch der Termin unserer Kreuzfahrt ausserhalb der Ferienzeit und das somit etwas höhere Durchschnittsalter an Bord sein.

Bowlingbahnen im Bliss Ultra. Links spiegeln sich weitere Spielautomaten.

Nachtclub Bliss Ultra.

Himmelbetten und andere Sitzgelegenheiten.

Eines der Separees.

Ein weiteres Separee.

Dienstag – Und wenn ich nicht hier bin, bin ich auf dem Sonnendeck.

Die gute Nachricht vorweg – die Schiffsuhren wurden letzte Nacht um eine Stunde nach vorne gestellt. Bedeutet: eine Stunde weniger schlafen. Man hat also mehr vom Tag.

Kurz nach Sieben weckt mich die Morgendämmerung, die durch unser Fenster scheint. Ein fantastischer Sonnenaufgang lässt das Herz aufgehen. Ah! Hatte ich schon erwähnt, dass unsere Kabinenstewards inzwischen eine Gesamtunterlage auf unsere Betten gelegt hatten? Die überdeckt jetzt beide Betten. Das hindert die Betten zwar weiterhin nicht, sich nachts auseinander zu bewegen, aber immerhin fällt man dazwischen nicht mehr auf den Boden sondern liegt in so einer Art Hängematte dazwischen. Außerdem haben wir jetzt eine große Decke statt zweier kleiner. Da macht das Decke klauen nachts einfach noch mehr Spaß.

Sonnenaufgang.

Die herrenlose Sandale und der Sand wurden am Vortag auch entfernt, in sofern alles wunderbar. Die Nacht war dementsprechend auch sehr geruhsam. Aus den Fehlern des Vortags lernend brechen wir diesmal schon gegen 8 Uhr auf zum Frühstück. Und siehe da, das Garden Café ist – naja – es ist nicht leer, aber es sind tatsächlich vereinzelt Tische frei. Ah so! „God morrniiiiiiiiiiing!“ – Die Begrüßung heute hatte einen etwas anderen Dialekt, war aber nicht minder freundlich.

Auf Grund des wunderbaren Wetters lassen wir die freien Tische im Garden Café links liegen und begeben uns direkt ins Great Outdoor. Frühstück bei blauem Himmel, die Sonne scheint einem so richtig prall ins Gesicht, es ist HERRLICH!!!!!!

Nach dem wie üblich reichhaltigen Frühstück zwei dieser vorzüglichen Rattanmöbel okkupieren, kurz in die Kabine, Badehose und Sonnencreme holen und dann – genießen. Und heute gebe ich es mir mal so richtig. Wir sind hier schließlich nicht zum Spaß. Gegen 11:30 werden die riesigen Kugelgrills angeworfen. Also nichts wie hin. Gegrillte Hühnchen, Schweinesteaks und Nudeln warten. Alles mal probieren. Dazu einen Bierhelm Coors Light. Anschließend, ja was ist das denn? Eine Entdeckung, die mein Leben verändern sollte. Hamburger!! Frisch zubereitet, mit allem drauf, was man will. Und ich spreche hier nicht von Mc Donalds oder Burger King Größe. Das sind richtig prächtige Fleischpallets. Schätzungsweise ein halbes Pfund dürften die schon auf die Waage bringen. Und – boa – verdammt lecker!!

Weber oder Outdoorchef?

Mittagsbuffet im „The Grill”.

Bali Hai – auch hier gibt es Burger.

In der Sonne liegen, Cheeseburger essen und Bier trinken. Ja, das muss wohl Urlaub sein.

Gegen Nachmittag noch vom Gebäckbuffet naschen und abends ins Garden Café. Dort gibt es, neben asiatischen und indischen Gerichten, Roastbeef, Lamm, Suppen, Pizzas, Salate, Nudelgerichte, frisch zubereitet nach Wahl, Bacon, Ham, Würstchen und – Burger!! Sogar noch besser als an Deck, mit noch mehr Zutaten, also dick Mayonnaise drauf, gleich 2 Scheiben Käse, 2 Tomaten, Salat, viel Bacon, dazu Pommes und Krautsalat. Wofür habe ich schließlich die vergangenen Wochen fast 9 Kilo abgenommen?

Der Burger ist erwartungsgemäß gut, medium rare wie ich ihn wollte, das Bier dazu süffig, Pizza und alles andere sind ok aber kein wirkliches Highlight.

Danach ab in die Spinnaker Lounge. Bei mehreren nötigen Diet Cokes und Belvedere Wodka reift, rund um mein unerträgliches Völlegefühl die Erkenntnis – so geht es definitiv nicht weiter. Vorsatz für morgen – weniger essen!

Wodka Auswahl – Teil 1.

Wodka Auswahl – Teil 2.

Mittwoch – Caribbean Queen

Was für eine Nacht. Trotz des Wodkas brachte mich das Völlegefühl fast um.

Wuff.

Der hier wartete übrigens abends zuvor auf unserer Kabine. Ich fand nämlich heraus, dass man abends das Drehschild an der Tür auf „Turn down Cabine“ drehen sollte, dann schlagen die Kabinen-Stewards das Bett auf, wechseln ggf. noch einmal die Handtücher und man findet dieses putzige Geschöpf auf seinem Bett.

Pro Kabine gibt es übrigens neben den Hand- und Badetüchern auch zwei grün-weiß gestreifte Strand- und Pooltücher. Die gehören einem während der gesamten Reise. Abends legt man sie, wie die normalen Handtücher auch, auf den Boden und der Zimmerservice tauscht sie aus. Zusätzlich kann man die Tücher tagsüber auch am Pool gegen Frische tauschen lassen. Verlieren allerdings sollte man Sie besser nicht. 25 USD werden ansonsten dem Bordkonto belastet. Ans nach Hause mitnehmen braucht man angesichts der Farbkombination wohl sowieso nicht ernsthaft denken.

Aus dem gestrigen Ergebnis gelernt eilen wir auch heute wieder recht früh ins Great Outdoor zum Frühstück. „Good Morrrning!“ Ein kurzes 360° Feedback nehmend entscheide ich mich für einen Tisch im überdachten Bereich, trotz des Sonnenscheins. Ein fünf Minuten später folgender und ebenso kurzer wie heftiger Regenschauer gibt mir recht. Und so sehe ich, genüsslich meinen Cinnamon naschend, den anderen Passagieren beim flüchten zu.

Angesichts meines gestrigen Völlegefühls ist es erstaunlich, mit welchem Genuß ich einen Teller nach dem anderen in mich hinein futtere. Ich ändere daher kurzerhand meine Strategie von „weniger essen“ in „weniger oft essen“.

Die Sonne scheint und es scheint, dass es heut’ so bleibt.

Es gibt in den SB Restaurants keine Tabletts. Das ist auch gut so, damit wirkt es nicht ganz so kantinenmäßig. Man nimmt sich also jeweils einen Teller (oder zwei oder drei) und füllt sich diesen voll. Besteck steht auf jedem Tisch. Es ist richtiges Besteck in einer Stoffserviette eingewickelt. Also kein dünnes Papiertüchlein. Zusätzlich auf dem Tisch, die Grundutensilien jeden guten amerikanischen Essens: Ketchup, Senf und fünf (sic!) verschiedene Arten von Süßungsmitteln, davon alleine drei verschiedene Süßstoffe! Teller und Bestecke werden laufend abgeräumt. Wie das Besteck liegt und ob noch etwas auf dem Teller ist, ist dabei irrelevant. Den Blick einen Moment über den Horizont schweifen lassen – schwupps ist das Essen weg.

Auch ist es bei den amerikanischen Gästen üblich, die Teller so voll zu machen, dass man sie gerade noch eben so transportieren kann, wobei ein Blick auf den Boden zeigt, dass viele auch gerne über diese natürliche Grenze hinaus gehen. Gegessen wird allerdings dann nur, was man grad will. In der Regel sind das zwischen 40 und 70% des Tellerinhalts. Der Rest wird stehen gelassen. Das lässt manchmal schon etwas Verwunderung in einem hochkommen. Aber man ist im Urlaub und will sich ja nicht zu viel aufregen.

Das Frühstück ist wieder mal ein Genuss, gut gesättigt muss ich mich nun erstmal etwas bewegen. Knapp 100 Meter durch das Restaurant, dann noch 30 Meter und man ist am Pool. Das muss erstmal reichen. Am Pool dann das große weiß-grüne Erwachen! Überall herrenlose Handtücher auf den Liegen. Reservieren und dann frühstücken gehen scheint auch hier Usus.

Handtücher – mittlerweile nicht mehr herrenlos.

Für die etwa 2.300 Passagiere stehen tatsächlich nur etwa rund 900 Sonnenliegen zur Verfügung. Real hatten wir aber nie ein Problem, irgendwo auch 3 Liegen nebeneinander zu bekommen. Also, keine Panik, es sind immer genügend frei.

Wenn es mal regnet: überdachte Rattanbetten.
So auch diesmal. Ziemlich schnell finden wir ein paar Liegen. Gegen frühen Mittag tauchen die ersten Inseln auf. Und mit ihnen lauter kleine Wolken mit fiesen kleinen Regenschauern. Einer trifft genau unser Schiff. Rechtzeitig schaffen wir es aber noch auf eines der großen Rattanbetten im überdachten Seitenbereich des Pooldecks. Minuten später scheint aber auch schon wieder die Sonne. Gegen 13 Uhr kommen wir dann auch in unserem ersten Hafen an. Es ist Charlotte Amalie auf Saint Thomas, U.S. Virgin Islands.

Tölpel!

Der Lotse kommt.

Gefahr!

Ein wenig Panik habe ich in mir, denn schon 20 Minuten später ist Treffpunkt für unseren Landausflug, und zwar VOR dem Schiff. Denke ich an das Chaos, was auf der Arkona mit ihren 500 Passagieren bei jedem Landgang eintrat, mag ich mir das bei knapp 5-facher Menge gar nicht vorstellen. Aber nichts da. Alles läuft extrem problemlos, gesittet und schnell ab. Nach nicht einmal 5 Minuten sind wir draußen. Schnell am Schiffsfotografen vorbei, wartet auch schon jemand mit einem Schild „Magen’s Bay Beach Getaway“ auf uns.

Der Schiffsfotograf macht Bilder, wo er nur kann. Später in virtuelle Rahmen und Hintergründe eingefügt sind diese an Kitsch kaum mehr zu überbieten. Kaufen kann man die Bilder dann für Preise von plus minus 20 USD pro Bild. Wenigstens benutzt er eine Nikon.

Wir müssen uns aufstellen. Alle hintereinander. In Zweierreihe. Dass wir uns nicht auch noch an der Hand halten müssen ist das Einzige, was in der Kindergartenzeit anders war. Dadurch läuft allerdings alles sehr gesittet ab. Drängler werden sofort gemaßregelt. Nix für typische Deutsche also.

Mit einem Offenen Van-Bus-Sonstwas geht es zum Strand. Über einen Berg. Ich habe ein wenig Angst angesichts des Gefälles aber der Einwand des Fahrers, die Bremsen würden alle 6 – 12 Monate überprüft (was ist das denn für ein Intervall?) lässt mich hoffen.

“Busse“ auf Saint Thomas.

In Magen’s Bay angekommen stürmen wir direkt zum Strand. Drei Dinge erwarten uns da. In absteigender Reihenfolge sind das: 1. Ein wirklicher Traumstrand, einer der 10 schönsten der Karibik, wobei das jede Insel von sich behauptet, aber der hier ist wirklich wirklich wirklich schön. 2. Eine Horde Menschen mit lilafarbenen Handtüchern, Gäste des Schiffes Carnival Valor und 3. Eine schwarze Wolke direkt über uns. Kaum habe ich sie entdeckt, sehe ich es am Ende des sicher 2 Kilometer langen Strandes auch schon weiß werden. Die Regenfront kommt in rasender Geschwindigkeit auf uns zu, gerade noch schaffen wir es unter eines der schützenden und wohl aus gutem Grund dort hin gebauten Wartehäuschen.

Tropischer Regenschauer an Magen’s Bay.

Flagge bekennen! NCL (grün-weiß) gegen Carnival (dunkelblau-lila).

Keine 10 Minuten und der Spuk ist vorüber. Es hört auf zu regnen, wird heller, dann blauer Himmel und Sonnenschein. Knapp drei Stunden sind wir in dieser traumhaften Umgebung, der Strand ist so groß, dass sich lilafarbene und grün-weiß gestreifte Handtücher gut verteilen und man in manchen Abschnitten wirklich alleine ist.

Traumstrand Magen’s Bay.

Nach der wiederum abenteuerlichen Rückfahrt, auf der mir der Fahrer freudig auf der steilen Abfahrt erzählt, dass es ja hier „so cool“ sei, weil man auch mit Alkohol Auto fahren dürfe, erreichen wir das Cruise Center und gehen noch ein wenig durch die Mall.

Die Pier von Charlotte Amalie.

Heckansicht.

Nach einem so anstrengenden Tag ist der Hunger groß, der Durst sowieso. Und da ich ja seit dem Frühstück nichts mehr gegessen habe, meinen Vorsatz also vollkommen in die Tat umgesetzt habe, entscheide ich mich für einen Cheeseburger im Garden Café und einen Teller mit anderen Dingen zum probieren. Auch dieses Mal bleibt die Erkenntnis, dass das Essen im Garden Café von der Qualität und vom Geschmack zwar etwas schwankt, über durchschnittlich jedoch nur vereinzelt hinausgeht. Dafür schmeckt das Coors Light – natürlich wieder die Helmet Promotion, man will ja sparen – konstant hervorragend.

Beer, Beer, Beer & Beer.

Ah so. Das relativ frühe Abendessen (vor 18 Uhr) ist nicht nur bekömmlicher sondern trägt auch dazu bei, dass wir immer ohne Probleme einen freien Tisch finden. Ab 19 Uhr ein Ding der Unmöglichkeit. Nach einer Diet Coke an Deck geht es früh und müde ins Bett, auf dem heute Abend schon ein Hase wartete.

Donnerstag – 36° und es wird noch heißer

Schon kurz nach 7 Uhr eilen wir in’s Great Outdoor. „Gut Moanin!“ Ah! Wunderbar. Man lernt viele Dialekte kennen. Vorbei an den Buffets des Garden Cafés schaufle ich mir schon mal ein paar Cinnamon Rollen auf den einen Teller, einen Zweiten fülle ich mit drei verschiedenen Melonenarten, Ananas und vielen vielen Grapefruitscheiben. So für die Gesundheit und so.

„Gouten Morrghen“ – Oh? Der Kapitän persönlich!

Kapitän Mikael Hilden aus Finnland spricht viele Sprachen. Jeden Tag meldet er sich einmal über Bordlautsprecher und gibt Daten zu Position und Wetter durch. In Englisch, Deutsch, Spanisch und – noch einer Sprache, von der ich vermute, dass es finnisch ist. Noch nie habe ich einen Kapitän erlebt, der so präsent ist. Man sieht ihn überall. Beim Frühstück begrüßt er Passagiere im Garden Café, tagsüber begegnet man ihm auf dem Sonnendeck, in einer Lounge oder wo auch immer. Nett auch die Tatsache, dass ein Teil der Besatzung mit in den Restaurants essen kann, allerdings nur zu den Nebenzeiten wenn sie den Passagieren keinen Platz wegnehmen. Die Besatzung bekommt das gleiche Essen wie die Passagiere, eine Tatsache, die auch nicht unbedingt selbstverständlich ist, aber durchaus einen gewissen Charme besitzt.

Mikael Hilden, Kapitän auf der Norwegian GEM.

Das Frühstück ist wieder lecker, beim Einlaufen in St.John’s, Antigua und im Anblick der vielen Kreuzfahrtschiffe schmeckt es besonders gut. Danach geht es zum Stingray Snorkel. Mit Bussen fahren wir über die Insel. Die Busse sind zwar nicht groß aber zumindest überdacht. Angekommen erwarten uns schöne Papageien und Affen. Ein Angestellter der Lokalität erklärt uns, worauf es beim Umgang mit den Stachelrochen ankommt. Er erklärt dies mit einem solchen Dialekt und derart leise, dass ich NICHTS verstehe. Das Einzige, was ich mitbekomme: man soll nicht drauftreten. Na ganz toll. Danke.

Die Ausflugsgruppen formieren sich.

Stingray!

Mit dem Boot geht es hinaus aufs Meer zu einem künstlichen Ponton. Das Erlebnis ist fantastisch. Alle Bedenken verschwinden augenblicklich. Die Zeit mit den Rochen ist angemessen lang, danach, wieder an Land, Rumpunsch für alle (kostenlos!!) dann Busfahrt zurück. Gesamtzeit 3 Stunden. Das lässt noch ein wenig Zeit für ein paar Fotos im Hafen bevor es wieder an Bord geht.

Auf der Rückfahrt.

Im Hafen von St. John’s.

Bei jedem Aus- und Einstieg muss man durch eine Sicherheitskontrolle. Das Schiff verfügt über Ausgänge auf den Decks 4, 5, 6 und 7, wobei für Gewöhnlich die Ausgänge auf Deck 4 genutzt werden. Geht man von Bord, wird die Bordkarte durch den Computer gezogen, kommt man zurück muss man zusätzlich sein Gepäck durch ein Röntgengerät (Smith-Heimann, Made in Wiesbaden) schicken und selbst durch einen Metalldetektor laufen. Dieser ist allerdings nicht so empfindlich eingestellt. Gürtel und Uhr können anbehalten werden.

Schlange vor der Sicherheitsschleuse.

Das Sicherheitsteam, welches auch auf dem Schiff Streife läuft, kommt übrigens aus Nepal. Viel hat es nicht zu tun an Bord. Denn das Schiff ist vollüberwacht. Im Grunde gibt es keine Stelle an Deck und in den Gesellschaftsräumen, in der man nicht gerade in Reichweite von mindestens zwei Kameras ist. Big Brother is watching you. Amerikanisches Schiff halt. Aber ganz ehrlich – als störend habe ich das nicht gefunden. Meine kompletten Fingerabdrücke musste ich ja sowieso schon bei der Einreise in die USA scannen lassen.

Sundowner.

An Bord zurück dauert es nicht lange, bis wir wieder auslaufen. Uns erwartet ein wunderbarer Sonnenuntergang an Deck. Der Hunger treibt uns dann aber erneut bereits gegen 18 Uhr in’s Garden Café. Neben dem mittlerweile obligatorischen Cheeseburger, der an diesem Tag wirklich noch ein Stück besser ist als sowieso schon, esse ich nicht mehr wirklich viel. Der nette Mensch am Hamburger Bräter grinst auch immer schon bis über beide Ohren, wenn ich anmarschiere und inzwischen habe ich eine Sonderstellung, bekomme sogar meine Buns, also die Brötchen getoastet. Wow!

Woran ich mich dann doch immer wieder versuche ist der Nachtisch. Doch für meine Geschmacksnerven bleibt er ungenießbar. Grausam süß, selbst das Schokoeis wird noch mit Marshmellowstückchen getuned. Auch der riesige Schokobrunnen kann mich nicht überzeugen. So bleibt es bei Cookies, die sind wenigstens manchmal ok, und frischem Obst in rauhen Mengen.

Nach dem Essen lauschen wir in der Spinnaker Lounge noch den Karaoke Versuchen der Passagiere. Köstlich besonders der Titanic Klassiker „My Heart will go on“, performed von einer älteren japanischen Passagierin. Da können einem die Tränen kommen. Und das gleich aus vielerlei Gründen.

Danach: „LADIES AAAAAAAAAAND GENTLEMEN – IIIIIIIT’S BIIIIIIIIIINGOOOOO TIME!!!!“. Der 5000 Dollar Mega Jackpot winkt. Und wird natürlich nicht geknackt.

Die große Pool Party fällt dem stürmischen Wettwe zum Opfer. In der Kabine dann ein trauriges Erwachen! Unser Hund ist weg! Dafür haben wir jetzt aber einen Elefanten.

Freitag – Die rote Sonne von Barbados

Frühstück erneut gegen 7 Uhr, diesmal allerdings innerhalb des Garden Cafés, denn das Wetter ist gelinde gesagt bescheiden. Es gießt und es schaut nicht nach einem der 5-Minuten Regenfälle aus. Ein gut gelauntes „Good Moooorniiiing“ gibt es natürlich trotzdem.

Frühstück in gewohnt hervorragender Qualität, Abstriche beim Rösti, die werden jetzt aus breiteren Kartoffelspänen gemacht. Vielleicht ist die andere Reibe kaputt gegangen. Das Schiff liegt übrigens schon im Hafen von Bridgetown, Barbados. Nach dem Frühstück erwartet uns eine etwas skurril anmutende Rettungsübung im Pool. Crewmitgliedern wird das Überleben im Wasser und das Besteigen einer Rettungsinsel gezeigt.

Rettungsübung im Pool.

Die normale Rettungsübung für Passagiere wird noch vor dem ersten Auslaufen, also noch im Starthafen veranstaltet. Sie beschränkt sich allerdings auf das Läuten des Warnsignals (7x kurz, 1x lang) und dem Zusammenkommen in den Sammelstationen. Dort wird gezeigt, wie man seine Rettungswesten anlegt. Das ist dann auch schon alles. Auf zum Bingo.

Rettungswesten befinden sich im Kleiderschrank.

Glücklicherweise hat man uns heute auf einen späteren Ausflug zum“ Turtle & Shipwreck Snorkle“ umgebucht. Und so kommt pünktlich zum Start der Tour die Sonne raus. Es ist der genialste Ausflug überhaupt. Mit einem Powerboat geht es zunächst zu einer Stelle im offenen Meer, wo immer wieder Schildkröten hinkommen, weil sie dort gefüttert werden. Sie sind dort also freiwillig und nicht für touristische Zwecke gefangen wie Tags zuvor etwas die Stachelrochen. Danach geht es weiter zu einem Schiffswrack mit unglaublich vielen Fischen ehe der Ausflug am Strand bei Rumpunsch bis zum Abwinken endet.

Turtles!

Das Schiffswrack.

Generell sind die Ausflüge zwar nicht billig, aber allesamt hervorragend organisiert. Die meisten der von uns gebuchten Ausflüge hätte ich so privat und ohne mich vor Ort auszukennen nicht auf eigene Faust unternehmen können. Pro Hafen kann man zwischen 30 – 50 Ausflügen wählen!

Mit dem Powerboat geht es an den Kreuzfahrtschiffen vorbei, zurück zum Hafen. Etwas Zeit für eine Runde im Shopping Center ist noch. So kaufen wir einige Kleinigkeiten, Mitbringsel, Postkarten. Das Übliche halt.

Wer übrigens denkt, den Alkoholpreisen an Bord durch Zukäufe an Land zu entkommen, der irrt. Alkohol, der an Land gekauft wird, wird an Bord konfisziert. Böse Zungen behaupten, das Röntgengerät in der Sicherheitsschleuse diene primär diesem Zweck.

Die konfiszierten Flaschen erhält man am Ende der Reise wieder zurück. An Land gekaufte Weine können hingegen an Bord getrunken werden. Hierzu erhebt das Schiff aber ein „Entkorkungsentgelt“ in Höhe von 15 USD pro Flasche.

Die Auswahl an Alkoholika an Bord allerdings lässt kaum einen Wunsch offen. Dabei kosten alle Getränke überall an Bord das gleiche und sind auch überall erhältlich. Notfalls läuft ein Mitarbeiter quer durchs ganze Schiff um an einer der Spezialbars das gewünschte Getränk zu holen.

Auswahl besonderer Biersorten an Bord.

Wieder einmal legen wir relativ früh ab, der Himmel ist schon wieder zugezogen und so will auch das Coors light nicht wirklich schmecken, vielleicht auch, weil man statt Coors light diesmal Miller light servierte.

Abends essen wir dann zur Abwechslung mal wieder im Grand Pacific Main Restaurant, das zu der frühen Stunde ohne Wartezeit zu erreichen ist. Ein sehr gutes Steak, welches natürlich an das im Bezahlrestaurant nicht ganz heran kommt, dazu eine Flasche Marques de Caceres für 35 USD.

Die James Bond Nacht erlebe ich dann nicht mehr. Zu fertig bin ich vom Ausflug und da das Abendprogramm immer erst gegen 23 Uhr anfängt entsteht, geht man gegen 18 Uhr Essen, eine kaum überbrückbare Pause.

In der Kabine wartet heute ein Schwan. Na dann Gute Nacht.

Samstag – The best is yet to come

Wieder früh aufgestanden heute, die Betten driften jetzt nachts auch nicht mehr so auseinander, das ist ganz angenehm. Und wo sind wir frühstücken? Richtig! Im Grand Outdoor. „Monniiiiing“. Ich grüße voller Inbrunst zurück, denn ich freue mich über dieses HAMMERGEILE Wetter!!! Was ein Tag. St. Maarten ruft. Rösti ist immer noch dick geraspelt, esse daher lieber einen Cream Cheese Bagel mehr. Die Ration an Cinnamon Schnecken habe ich auch schon halbiert, die Anzahl an Grapefruit Scheiben dafür verdoppelt. Ja, in mir geht ein Wandel vor.

Cinnamon Rolls, Grapefruits und Melonen zum Frühstück.

Unser Ausflug, der uns auch auf die Französiche Seite der Insel bringt (St. Martin), geht erst nachmittags los. So ist Zeit für einen ausgiebigen Stadtbummel. Philipsburg war mein Highlight im Vorhinein und es sollte mich nicht enttäuschen. Das Wetter ist der Wahnsinn, die Stadt hat sich in den letzten 15 Jahren gewaltig verändert. Wir laufen die Frontstreet hinauf, die Barefoot Avenue wieder hinunter. Es ist alles so wunderschön, mehr geht einfach nicht. Nach 2 Stunden fahren wir mit dem Wassertaxi zurück zum Kreuzfahrtterminal, an dem, stellvertretend für die ganze Reise, enttäuschend wenig Schiffe liegen, aber auch das soll mir den Tag nicht verderben.

Kapitän Hilden beim Anlegen.

St. Maarten.

Der Taxistand.

Gegen 14 Uhr startet der Ausflug in großen klimatisierten Bussen. Während bisher meist nur 20-30 Personen auf einen Ausflug gingen sind es diesmal 4 große Busse, sprich fast 200 Menschen. Wir haben einen recht witzigen Busfahrer – denke ich zumindest anfangs. Nach 3 Stunden wirklich ununterbrochenem Reden und laufender Witzigkeiten bin ich dann doch eher genervt. Zuviel des Guten. Der Ausflug selbst führt uns zwar nach Marigot, wie ich das wünschte, einen Abstecher zum Flughafen, genauer zum berühmten Strand, auf dem die Flugzeuge zum greifen nah über einen hinweg landen, gibt es aber leider nicht. Dafür einen unnützen Aufenthalt in einem Souvenirshop. Nächstes Mal weiß ich es besser. Egal.

Nach drei Stunden sind wir zurück am Schiff, welches schon 20 Minuten vorher hätte auslaufen sollen. Gut, auf 200 Gäste wartet man dann doch mal.

Kreuzfahrtterminal.

Die Liegezeiten auf dieser Reise waren allesamt extrem kurz bemessen. Zu kurz, um einen Ausflug und etwas auf eigene Faust zu unternehmen. Für zukünftige Reisen empfiehlt es sich, da ein Auge drauf zu haben.

An Bord erwartet uns ein Sonnenuntergang, der nicht ganz das hält, was er verspricht. Essen geht es ins Garden Café. Was heißt Essen? Ich nehme natürlich wieder einen Cheeseburger, den Besten auf der gesamten Reise, danach ein paar Scheiben Obst. Draußen ist es unglaublich mild, es weht kaum ein Wind was daran liegt, dass das Schiff extrem langsam unterwegs ist. Der Weg von St. Maarten nach Tortola ist kurz. Und so nutzen wir die Gelegenheit und verbringen den restlichen Abend im Jacuzzi auf dem Pooldeck. 38°C warmes Wasser ist fast schon ein Stück zu warm, das eiskalte Bier (Coors light, natürlich im Helmet) tut sein Übriges und irgendwann wird’s mir leicht schwindelig. Aber auf angenehme Art.

Tag und Nacht heiß begehrt: die Jacuzzis.

Gegen 22:30 leiste ich der kleinen weißen Maus, welche heute unter der Bettdecke wartet, Gesellschaft. Was für ein Tag.

Sonntag – Oh, say! Can you see by the dawns early light.

Heute heißt es früh aufstehen. Der Kapitän fehlt diesmal beim Frühstücksbuffet. Er muss im Hafen von Road Town anlegen. „Good Morning“ heißt es am Eingang vom Garden-Café. Herrjeh! Wie kann man so früh so gute Laune haben? Immerhin ist es erst 6 Uhr!!

Apropos Uhrzeit. Im Prospekt steht groß, man solle seine Uhr daheim lassen, da man sie hier nicht brauchen werde. Auch im Bordfernsehen sieht man, wie jemand seine Uhr, seinen Wecker in die Mülltonne wirft. Borduhren sind mit Schildern wie „Just in case you were wondering“ oder „Not that it matters“ ausgestattet. Absolut lachhaft, den an Bord geht alles genau nach Uhrzeit, Restaurantöffnungszeiten, Landausflüge, ohne Uhr ist man also komplett aufgeschmissen. Nicht dass das schlimm wäre. Ich schaue ja oft und gerne auf meine Uhr, aber ein wenig veräppelt kommt man sich schon vor.

Von wegen!

Das Great Outdoor hat widererwartend doch schon geöffnet, nicht ganz so viel essen, denn in einer Stunde geht es mit Delfinen schwimmen. Das „nicht ganz so viel“ schlägt sich dann in einem Bagel weniger nieder. Ob’s was nutzt? Mal sehen.

Los geht es zu dem Ausflug, der so viel kostet, wie alle anderen bisher zusammen mit den kleinen Van-Bus-Wasauchimmer Gefährten, wie wir sie schon vom ersten Hafen kennen. Gott sei Dank hier nicht über Berge und die Fahrt dauert auch nur 5 Minuten. Da wir in der einzigen „Ich kann schwimmen, irgendwie kann ich schon schwimmen“ Gruppe gelandet sind, können wir wirklich mit Delfinen, naja mit einem Delfin schwimmen, während die anderen Gruppen, 4 insgesamt, nur hüfthoch am Beckenrand stehen und mal streicheln dürfen. Ein großartiges Erlebnis ist es auf jeden Fall, auch wenn ich mir das Ganze etwas anders vorgestellt hatte, irgendwie freier. Und irgendwie auch länger. Aber wie auch immer, es war wirklich atemberaubend. Hätte ich es nicht gemacht, ich hätte es bereut. Im Anschluss kann man qualitativ leider nur mäßige DVDs und maßlos überteuerte Fotos von seiner eigenen Dolphin Expirience erwerben, dann geht es zurück zum Schiff.

Cappy!

So long and thanks for all the fish.

Es bleibt noch Zeit für einen letzten Bummel rund um das Hafengebiet. Um 12 Uhr dann nehmen wir Platz auf dem Sonnendeck. Nicht mehr auf dem Stillen sondern oberhalb des Pooldecks, denn die Stimmung und die Band ist richtig gut. Interessant auch die Musik, die während der Auftrittspausen der Band vom Band kommt. Von Modern Talking über Snap bis hin zu Daniel Kübelböck ist alles dabei. Ich werde den Verdacht nicht los, dass ein Werftarbeiter in Papenburg seine selbstgebrannte CD damals in der Anlage vergessen hat und diese seither dort ihre Runden dreht.

Aktivitäten an Bord – die Rock climbing wall,

Fußball, Basketball, Tennis,

Golf,

Jogging, Schach, Shuffleboard, und und und.

Da alle Ausflüge vorbei sind gibt es Bier. Ein Helmet nach dem Anderen wird vom extrem freundlichen Personal geliefert. Dazu Hot Dogs und Grillzeugs. Ey, wo sind meine Vorsätze hin? In Tortola gelassen? Nach dem zweiten Helmet trinke ich nur noch alleine weiter, meine bessere Hälfte geht bereits gegen 14:30 schlafen.

Ich hingegen habe noch etwas vor. Denn: Heute ist SUPERBOWL!!!!! Da wir ja eine Stunde vor Florida sind, Zeitzonentechnisch, beginnt die Übertragung bei uns um 19 Uhr. Übertragen wird in jedem öffentlichen Raum und an Deck. Die Stimmung ist der Hammer. Leider wird das Wetter immer schlechter, sodass ich vom Great Outdoor, wo es heute Chickenwings, Mozzarellasticks & Co. gibt, in die voll besetzte Spinnaker Lounge wechsle. Frau ist auch wieder wach, interessiert sich aber nicht wirklich für das Spiel und legt sich lieber wieder hin.

Großereignis an Bord: der Superbowl. Auch tags drauf läuft die Wiederholung von früh bis spät.

Je weiter das Spiel fortschreitet, desto rauer wird die See. In der Spinnaker Lounge, ganz vorne gelegen, verliert man mittlerweile den Boden unter den Füßen. Er sackt unter einem weg wie in der Achterbahn, im nächten Moment drückt es einen die Beine in den Bauch.

Zum Thema Seegang: die GEM reagiert trotz Stabilisatoren recht stark auch auf leichteren Wellengang. Eine Bewegung zur Seite ist eigentlich immer zu spüren, bei stärkerem Seegang ist das Schlingern in alle vier Richtungen immens. Von einem Schiff dieser Größe hätte ich das in der Theorie nicht erwartet. Es hängt sicherlich aber auch mit der hohen Geschwindigkeit von meist 24 Knoten zusammen, mit der wir fuhren.

Die Stimmung steigt im packenden vierten Quarter des Spiels. Die Steelers gewinnen, die halbe Spinnaker Lounge freut sich, die andere Hälfte weniger. Zu erkennen auch an den jeweiligen Teamshirts.

Das Aussendeck ist wegen des Sturms inzwischen gesperrt worden, also gehe ich schlafen. Ahso. Heute liegt eine Cobra im Bett.

Montag – Monotonie in der Südsee, Melancholie bei dreißig Grad.

Ooooooh man. Das war doch ein wenig viel Bier gestern. Heute länger geschlafen, daher ist das Garden Café „Good Morniiiiiiing“ – „nicht so laut!“ Ziemlich voll. Und auch im Great Outdoor sind nur wenige Tische frei. Egal. Wir brauchen ja nur einen. Mit dem Wetter, genauer mit den Temperaturen habe ich mich ziemlich verschätzt. Nach dem Wetter gestern Abend zog ich Jeans und schwarzes Poloshirt an. Es ist unerträglich. Immer noch sehr warm. Was ein Glück.

Das Frühstück verändert sich. Die Cinnamons haben immer weniger Nüsse drauf. Die gehen wohl langsam aus. Danach etwas durchs Schiff bummeln und Fotos machen. Alles muss ja festgehalten werden. Und das dauert.

Bekanntes Bild in der Zigarrenlounge.

Virtuelle Tänzerin hinter der Cocktail Bar.

Dann gehe ich kurz zur Rezeption um mir einen Platz für eine der Schiffsbesichtigungen zu sichern. Klar, sagt mir die freundliche Dame und legt mir zugleich eine Liste hin. Kostet 189 USD Dollar pro Person. Bitte was?????? Nun. Die Schiffsbesichtigungen gibt es als normale Besichtigungen, da ist die Frage wann, und als Deluxe tour. Hier darf man auch beim Sushi machen zusehen und es geht Steak essen. Wer’s braucht.

Und da ist es wieder. Das Gefühl, ausgenommen zu werden wie eine Weihnachtsgans. Spa mit Sauna? 20 USD. Massage? Ab 90 USD. Alles wird dabei als Super Angebot dargestellt. Als „Once in a lifetime expirience“, als Super Duper Special Chance. Kein Gang durch das Atrium, ohne dass man angesprochen wird. Das hinterlässt einen gewissen Beigeschmack. Das amerikanische Publikum aber scheint Gefallen daran zu finden, ist immer total begeistert.

Das Atrium mit psychodelischer Großleinwand.

Den Nachmittag verbringe ich wie den Nachmittag zuvor. Nur ohne Bier diesmal. Abends wird das Essen im italienischen Restaurant „La Cuccina“ gecancelt, nachdem es Frau nicht so gut geht. Doch seekrank? Nööööööö. Ich esse dann alleine noch einen Burger, der leider nicht an den letzten heranreicht. Danach probiere ich noch ein Stück Pizza mit Mozzarella, Schinken und Ananas. Man könnte sie wohl auch Hawaii nennen. Egal wie man sie nennt, sie war eklig und es vergehen keine 20 Minuten, bis ich Magenkrämpfe bekomme. Da auch zwei Belvedere nichts helfen lasse ich die Silvester Party (sind wir dafür nicht eh ein wenig spät dran?) ausfallen und gehe ins Bett.

Das Stardust Theater, in dem Abends die Shows gezeigt werden.

Dienstag – The stakes are high but darlin’ don’t be shy.

Früh schlafen gehen bedeutet früh aufstehen. Noch früher, weil die Schiffsuhren vergangene Nacht um eine Stunde zurückgestellt wurden. Geweckt werde ich von Wellen, die an unser Fenster schlagen. Und unser Fenster liegt etwa 6 Meter über dem Meeresspiegel!

Es rumpelt, es schaukelt, es kracht. Ein Wahnsinn. Endlich merkt man so richtig, dass man auf einem Schiff ist. Das Garden Café dementsprechend ein bisschen leerer als sonst, an draußen sitzen kann man heute nicht denken. Der Kapitän trinkt genüsslich seinen Kaffee und schaut seinen Passagieren beim hin und her schwanken zu. Zu allem Überfluss haben die Cinnamon Schnecken noch weniger Nüsse drauf, die Grapefruitscheiben sind schlecht geschnitten. So kann ich nicht arbeiten!!

Irgendwas läuft hier schief.

Was tun heute? Seetag, Decks gesperrt, ab in die Spinnaker Lounge. Wird schon was los sein. Es ist. Morning Trivia! Wunderbar. Die meisten Sofas sind schon besetzt, eines noch frei. Wir nehmen Platz. Der Kapitän hat mittlerweile das Tempo wegen der rauen See auf 19 Knoten gesenkt, weswegen das Schiff nun ein wenig ruhiger fährt. Schade eigentlich.

Warum ich das weiß? Heute, am letzten Tag der Kreuzfahrt habe ich endlich den Brückenbesichtigungsraum auf Deck 11 entdeckt. Nicht, dass es jeden Tag im Bordprogramm gestanden hätte.

Die Brücke. Ganz schön leer.

Das was die Jungs da vorne auf den Monitoren haben, sieht man auch hier.

Zusätzlich noch das……

… und das.

Schiffsinfos.
Das Bordprogramm: jeden Abend liegt es in der Kabine und informiert über alles Wichtige des nächsten Tags. Seite 1 und 2: die besten Möglichkeiten, an Bord Geld auszugeben und ein Paar Infos zum jeweiligen Hafen, Seite 3 alle Aktivitäten des Tages, Seite 4 alle Öffnungszeiten an Bord. Gefüttert wird das Ganze dann mit 3 – 10 Werbezetteln. Das Bordprogramm, es heißt Freestyle Daily, ist auch auf Deutsch erhältlich. Positiver Nebeneffekt – hier fehlen die Tonnen an Werbung.

„LAAAAAAAAAAAAAAAIDIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIES AAAAAAAAAAAAAAAAAAAND GENNNNNNNNNNNNNNTLEMEEEEEEEEEEN!!!! THIS IS YOUR ASSISTENT CRUISE DIRECTOR SPEAKING! IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIT’S BIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIINGOOOOOOOOOOOO TIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIME!!!!!!!!!!!!!!!!! WE HAVE THIS AMAZING HUGE JACKPOT TO GIVE AWAY T-O-D-A-Y!!!!!!!!“

Jaja, alles klar. Heute gibt es zusätzlich unter allen Teilnehmern über die gesamte Reise eine Kreuzfahrt zu gewinnen. Aaaaaaaber nur, wenn derjenige auch anwesend ist. Die Spinnaker Lounge bricht aus allen Nähten. Die Verlosung findet zwischen den 4 Bingo Spielen statt. Eine ältere Dame gewinnt, augenblicklich verlassen hunderte enttäuschter Gesichter die Lounge. Das Bingo geht weiter, die Gewinne liegen heute auf Grund der hohen Teilnehmerzahl etwas höher, zwischen 320 und 450 Dollar pro Spiel. Nach dem Spiel gibt es Ärger. Drei ältere Damen und ein Herr fühlen sich betrogen. Sie hatten nicht mitbekommen, dass der Jackpot nur ausgespielt wird, wenn Bingo innerhalb von 46 gezogenen Zahlen erzielt wird und sich jeder das „I want it all“ Package für 149 USD gesichert. Assistent Cruise Director Joe Peach, der mit der immer gut gelaunten Stimme und dem an diesem Tag überhaupt nicht dazu passenden Gesichtsausdruck, erklärt dem Quartett, dass sie beim nächsten Mal besser zuhören sollen und entschwindet. Tja, Bingo ist kein Spaß. Bingo ist knallhartes Geschäft.

Was folgt ist ein sehr interessanter Vortrag der Offiziere über das Leben an Bord, gefolgt von einem Interview mit dem Kapitän und anschließendem Frage und Antwort Spielen. Die Frage einer Europäerin, was denn mit den ganzen Essensresten passiere und warum die Passagiere nicht nur das auf den Teller nehmen, was sie dann auch essen können, erntet vom Kapitän ein Nicken, vom Rest der Gäste Blicke des Unverständnis. Sie interessiert nur, wie groß das Schiff ist, wie stark.

Kaum wurde die letzte Frage gestellt (von mir!!!!), verkündet Joe Peach welcher mit mürrischer Miene den Saal betritt, Freudestrahlend dass nun „SUPER JACKPOT BINGO TIME“ sei. „THIS JACKPOT HAS TO GO RIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIGHT NOOOOOOOOOOOW, FOLKS!!“. Diesmal aber wirklich. Egal wie lange es dauert. Toll. In Windeseile stürmen die Menschen nach vorne um ihm und seiner Crew die 70 Power Machines zu entreißen. Den Jackpot, der diesmal ja wirklich gehen muss, teilen sich gleich mehrere Gewinner. Also doch nicht so der Big Deal, aber vielleicht haben sie ja die Kosten für die Power Machines der letzten Male wieder drin. Auszahlung wie üblich im Casino.

Ach ja, das Casino. Riesig groß, hunderte Automaten und immer gut was los. Selbst noch 10 Tagen Karibikkreuzfahrt sieht man hier noch kreidebleiche Gestalten. Ob sie diesen Raum jemals verlassen haben?

Das Casino oder eher ein Teil davon.

Auch an Deck kann gespielt werden.

Nach Bingo werden wir freundlich aber bestimmt aus dem Saal gebeten.

Normalerweise sind alle Räume während des Tages geöffnet. Auch wenn kein Service geboten wird kann man zumindest reinschauen (Restaurants) oder sich hineinsetzen (Bars und Lounges). Allerdings gibt es fast jeden Tag irgendwelche Privatveranstaltungen, was speziell an einem Tag, an dem man nicht an Deck kann, etwas nervig ist.

Hier hat sich ein Regiefehler versteckt. Wer findet ihn?

Das macht heute aber dann doch nicht so viel. Denn für 18 Uhr habe ich zum Abschluss noch einmal einen Tisch in „Cagney’s Steakhouse“ reserviert. Und fürwahr. Was für ein Abschluss! Der Service, noch freundlicher als beim ersten Mal, faktisch vielleicht der beste Service den ich überhaupt irgendwo genossen habe, hervorragendes Essen, das Filetsteak habe ich diesmal „blue“ bestellt. Davor gibt es überbackene Austern, eine Hummercremesuppe, als Nachtisch flambierte Banane und danach nochmal Eis. Dazu – ein 1999er Dom Perignon für wirklich erstaunlich preiswerte 189 USD!!

Dom Perignon zum Abschluss.

Ein wunderbarer letzter Abend also, der noch bei einem Glas Grey Goose in der Star Bar endet. Wobei, er endet nicht wirklich. Denn bis 1 Uhr nachts müssen die gepackten Koffer vor der Tür stehen. Also zurück in die Kabine und alles in die Koffer geworfen. Mist. Sie gehen nicht zu. Alles wieder raus und sorgfältig zusammen legen. Passt. Ein Koffer bleibt, schließlich brauchen wir ja noch was für die Nacht. Der Rest reiht sich vor der Tür ein.

Tiere gibt es heute keine, im Gegenteil, unsere bisherigen nehmen sie uns alle weg. Sauerei.

Unsere Koffer waten auf den Abtransport.

Mittwoch – Why do all good things come to an end.

Um 6 Uhr wache ich auf. New York ist noch nicht in Sicht. Trotzdem langsam mal aufstehen, den Rest zusammenpacken. Als die Verrazanobrücke in Sichtweite kommt, schlüpfe ich in meine langen Unterhosen und in die dicke Jacke und gehe an Deck. Ist das Kalt. Das gesamte Deck vereist und verschneit, klirrende Kälte, dazu starker Wind. Das Gesicht friert ein. Egal. Die Einfahrt in New York MUSS man erleben. Zähne zusammen beißen.

Ein eisiger Morgen.

Immer ein Erlebnis.

Wenig später geht es zum Frühstück. Kein „Moooorning!“, weil ich heute über das Great Outdoor komme. Das Garden Café, wie nicht anders zu erwarten, gerammelt voll. Klar, wenn alle zur gleichen Zeit essen müssen. Durch Zufall doch noch einen Tisch bekommen. Die Grapefruits schmecken nicht mehr, die Cinnamon Rolls gibt’s nur noch ohne Nüsse, als ob die drohende Ausschiffung alleine nicht schon schlimm genug wäre.

Ausgeschifft wird nach Farben. Wir sind light blue. Ob das was mit unserem Coors light Konsum der vergangenen Tage zu tun hat – eine böswillige Unterstellung!

Noch ist etwas Zeit, ein letztes Mal streife ich die Decks ab, verabschiede mich von „meiner“ GEM, dann, gegen 11 Uhr wird light blue aufgerufen. Auschecken, über die Gangway von Bord ins Cruise Terminal, unfreundliche Cruiselink Mitarbeiter kommandieren einen herum. Keine Frage, man ist wieder in der Realität angekommen. Koffer nehmen, Einwanderungskontrolle. Fingerabdrücke abgeben, Zollerklärung ausfüllen, danach ist man draußen und findet sich im New Yorker Chaos wieder.

Good bye!

Das war es also. Und das Fazit?

Epilog – Ihr müsst sie nur einmal, mit meinen Augen seh’n.

Könnte noch viel mehr schreiben, viel mehr Bilder einstellen. Aber – wer soll das lesen? Alleine ich brauche so schon eine Stunde. Das kann man niemanden zumuten.

Also. Die Preisfrage: Würde ich es wieder machen? Eine Kreuzfahrt? Jederzeit! Aber – auch wieder mit NCL? Nun. Sicherlich gibt es einige Dinge, die mir extrem gegen den Strich gingen. Die Aufpreis Politik, speziell bei Trinkgeldern, Getränkepreisen und auch Ausflügen, die in 10 Tagen eine stattliche Rechnung von fast zweieinhalb tausend USD zusammen kommen lässt,
ist zumindest mehr als fragwürdig. Der günstige Kreuzfahrtpreis relativiert sich so sehr stark. Andererseits – so viel anders wird dies bei anderen Linien auch nicht gehandhabt. Hinzu kommt, dass ich mich lieber unter internationale Gäste mische, als mit 2000 Deutschen eine kleine Karibikinsel zu bevölkern. Aber das ist sicher Ansichtssache und ich gebe zu, diesbezüglich nicht ganz unvoreingenommen zu sein.

Ebenfalls negativ auf dieser Reise – die viel zu kurzen Aufenthalte in den Häfen. Das war zum Teil recht ärgerlich.

Das Essen an Bord ist ok, wenn auch meist kein großes Highlight, sieht man von den Restaurants mit Cover Charge ab. Satt wird man, und man findet immer etwas, was einem schmeckt. Wer Sterneküche will, muss auf andere Schiffe ausweichen. Da ist die Frage, wie wichtig einem das ist oder eher, wie viel Wert es einem ist.

Positiv hingegen, das Freestyle Konzept. Denn man kann sich wirklich jeden Tag so gestalten, wie man es möchte, ohne Zwänge. Das ist sehr angenehm. Lust auf feierlich – kein Problem. Lust auf Legere, jederzeit möglich. Und das, ohne dass man sich dabei zu sehr in die Quere kommt. Die oft beschriebenen Frauen in rosa Nikki Hausanzügen, ja es gibt sie. Aber sie fielen, zumindest auf dieser Kreuzfahrt, nicht wirklich auf.

Alles in allem habe ich den Urlaub definitiv genossen. Es war Erholung und Entspannung. Ja, ich würde es wieder machen. Auch oder gerade mit NCL nun, da ich weiß, was mich erwartet. Und wer vor der Entscheidung steht, eine solche Reise zu buchen, dem hilft dieser Bericht hoffentlich ein wenig bei der Entscheidungsfindung. Eine Kreuzfahrt, eine solche Kreuzfahrt ist sicherlich ein bisserl – anders. Aber absolut lohnenswert.

Traumschiff: “The beautiful Norwegian Gem”.
Die Norwegian Gem wird auch 2010 wieder auf der beschriebenen Route unterwegs sein. Los geht es am 3., 13. und 24. Januar, sowie am 3. Februar 2010 zu Preisen ab 899,- Euro für die Innen- bzw. 999,- Euro für die Außenkabine.

Ab 2011 wird San Juan auf Puerto Rico als erstes Ziel angelaufen, dafür fällt Bridgetown, Barbados aus dem Programm. Scheinbar wegen der großen Nachfrage wird dann neben der Norwegian Gem zusätzlich das Schwesterschiff, die Norwegian Jewel eingesetzt. Termine für die Gem sind der 1., 11. und 22. Januar, sowie der 1. Februar 2011, die Jewel fährt jeweils einen Tag später.

Text & Fotos: © Percy Christian Schoeler

Ein Kommentar


  • von try this out vor etwa 9 Monaten

    I just want to say I am just new to weblog and definitely liked your web site. Almost certainly I’m going to bookmark your blog . You certainly come with terrific articles. Cheers for sharing with us your blog site.


 Ihre Meinung interessiert uns