by R-L-X

Die Baselworld ist für Rolex-Fans in diesem Jahr eine ganz besondere Messe. Denn noch nie wurde der Wandel der Marke so sichtbar, wie 2016. Ein paar ganz persönliche Gedanken zu den Rolex-Neuheiten.

Beginnen wir doch mal mit einem Songtext. “Stillstand ist der Tod, geh’ voran, bleibt alles anders” dichtete Herbert Grönemeyer 1998. Zehn Jahre zuvor fragte er noch “Was soll das?”. Was das mit Rolex zu tun hat? Zumindest soviel, als dass diese beiden Titel mir beim Schreiben meiner Gedanken zu den diesjährigen Rolex Neuheiten gleich mehrfach in den Sinn kamen.

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Neuzugang bei den Rolex Cellini Modellen

Rolex wird modern. Und diese Aussage alleine kann schon erschrecken. Vergangenes Jahr Facebook, 2016 nun Instagram. Die ehrwürdige Schweizer Manufaktur geht social media und teaserte ihre Fans im Vorfeld der Baselworld mit ganzen drei Videoclips an. Der spannendste von ihnen, Nummer 1, zeigte die Leuchteigenschaften verschiedener Uhren. Eine davon, das war schnell klar, musste die Daytona sein.

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Da leuchtet nix, da funkelt’s nur: neue Rolex Pearlmaster 39

Die Gerüchte, es würde etwas mit den Stahl-Modellen passieren, verdichteten sich in den Tagen vor der Messe. Wirklich? Die Stahl-Daytona? Ausgerechnet das Modell, welches in den vergangenen Jahren eher stiefmütterlich behandelt wurde, da es sich schließlich sowieso ganz von allein verkaufte? Das klang schon ein wenig unwahrscheinlich.

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Der Mittwoch aber brachte Gewissheit. Tatsächlich. Zwei neue Modelle des Cosmograph Daytona, beide mit der bereits vom Everose- bzw. Platinmodell bekannten Cerachrom Keramiklünette. Mehr noch: die beiden bisherigen Stahl-Daytonas, Ref. 116520 müssen den neuen 116500 Modellen weichen. Das erfolgreichste, begehrteste aller Modelle – discontinued nach 16 Jahren. Ein Paukenschlag.

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Neue Rolex Daytona Modelle Ref. 16500: das schwarze Blatt wird vom Vorgänger übernommen, das Weiße ist neu

Was war da los? Ging die Nachfrage etwa so stark zurück? Oder ließ man sich von den Wünschen der Fans weltweit inspirieren, die die Keramiklünette auch am Stahlmodell herbeisehnten? Rolex orientiert sich an den Wünschen der Fans? Was soll das? Echt jetzt? Kann nicht sein. Nein. Bestimmt nicht!

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Hmmm. Vielleicht aber doch? Schließlich lässt man auch das für den arabischen Markt vor vielen Jahren schon einmal dagewesene Day-Date Blatt mit aufgesetzten Ziffern in Hindi wieder aufleben. Auch dies sicherlich auf Wunsch der dortigen Kunden.

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Day-Date 40 in Platin für den arabischen Markt (Foto: © WatchAnish, instagram @watchanish)

Ein weiteres Indiz gefällig? Bitteschön: die “neue” Rolex Explorer. Was an der so neu ist, das zeigt sich erst, schaut man ganz genau hin. Es sind die Zeiger. Sie sind nun vergrößert worden. Die zu kleinen Zeiger, speziell der zu kurze Minutenzeiger, waren ein Kritikpunkt seit Einführung der Referenz 214270.

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Nun also korrigiert man und spendiert der schlichten Schönheit unter den Sporties auch noch Leuchtmasse auf den großen Indexziffern 3, 6 und 9. Das klingt dann doch tatsächlich nach einem offenen Ohr in Richtung Online-Feedback der Foren und Social Media Kanäle.

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Die Explorer ist ein gelungenes Update. Aber auch eine Neuheit? Nun, was diesen Begriff angeht, da verschwimmen bei Rolex dieses Jahr so ein wenig die Grenzen. Denn stellt man auf den Pressekonferenzen die Explorer etwa als Neuheit vor, wird über die – in der Tat wirklich neue – Medium-Referenz der Yacht-Master in Stahl, die Yacht-Master 37, kein Wort verloren. “Only new dial” heißt es da. Wirklich?

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Auch das neue Blatt des größeren Bruders Yacht-Master 40 bleibt unerwähnt, ebenso das wunderschöne neue blaue Blatt der Weißgold-Daytona. Und dass sich bei der Daytona Gelbgold und Rolesor, also der Bicolor, nicht nur das Design der Lünette, sondern auch die Referenznummer geändert hat – geschenkt. Auch sie gibt es daher nicht bei der Produktvorlage, sondern nur im Schaufenster zu sehen.

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A propos Referenznummern. Hier räumt man gründlich auf. Abgesehen von der Everose Daytona am Lederband hören nun alle Cosmographen auf die Referenz 11650x, wobei das x wie üblich für den Materialcode steht (0 für Stahl, 3 für Rolesor jaune, 5 für Everose Roségold, 6 für Platin, 8 für Gelbgold und 9 für Weißgold). Einheit besteht nun wie gesagt beim Design der Lünetten, hier verfügen alle Modelle über die zur Mitte hin zentrierte Anordnung der Tachymeterskala, bei der Gehäuseform herrscht allerdings weiterhin Durcheinander. Egal. Sie werden wissen, was sie tun.

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Womit wir auch schon direkt bei einem komplett neuen Modell wären. Die Air-King ist zurück. Mit einem – sorry – heillosen Durcheinander an Schriftfonts, Farben, Ziffern. Was ist das? Was soll das? Wie gesagt, sie werden wissen, was sie tun.

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“Die neue Air-King ist eine Hommage an die Flugpioniere und an die Rolle der Oyster in der Blütezeit der Luftfahrt.” heißt es im Pressetext. Ergibt durchaus Sinn, bei einer Uhr, die den Namen Air-King trägt. Nichts gegen form follows function, aber bitte – ein wenig ästhetischer darf’s dann doch sein. Wobei man sagen muss, mit jedem Blick wird die Uhr zumindest interessanter, spannender. Das ist ja auch schon was.

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Technisch ist die Air-King im Grunde dann aber doch gar kein gänzlich neues Modell. Das abgeschirmte Werk und das Gehäuse stammen von der Milgauss, das Blatt mutet ein wenig so an, als sei es von der bisherigen Explorer entliehen. Alles in Allem eine für Rolex mehr als ungewöhnliche Neuheit. Aber eine, die zweifellos auch ihre Fans finden wird.

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Der wahre Star am Rolex Stand, der versteckt sich ein wenig. “Datejust 41” steht neben den neuen Modellen in Rolesor. Stahl mit Gelbgold, Stahl mit Roségold, Glatte Lünette, Geriffelte Lünette, Oysterband und erstmals auch Jubiléband!

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Leider hat Rolex der Uhr zwar kein Super-Jubiléband mit verdeckter Schließe spendiert, aber sei es drum. Jubilé steht der Datejust 41 – wäre hätte es auch anders erwartet – richtig gut.

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Aber: was ist diese Datejust 41 denn nun eigentlich? Bei der Day-Date II ging es letztes Jahr größenmäßig ein Stück zurück zur Day-Date 40, die Datejust II darf ihre 41 Millimeter behalten. Nur ein neuer Name der altbekannten Datejust II also? Oder doch eine gänzlich neue Uhr im neuen Gehäuse? Es ist in den Fenstern der Messestands und selbst live am Arm schwer zu beurteilen. Schlanker schaut es schon aus, auch die Lünette wirkt weniger wuchtig. Also ja, dann wohl schon neu.

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Aber: ich sprach ja eben vom wahren Star, der sich versteckt hat. Wo? genau hier. In der Datejust 41. Dort werkelt nämlich nun das neue Kaliber 3235. Wie das im letzten Jahr mit der Day-Date 40 vorgestellte Kaliber 3255, verfügt auch das 3235 über eine um ca. 50% erhöhte Gangreserve von 70 Stunden, maßgeblich erreicht durch ein dünnwandigeres Federhaus, ein effizienteres Räderwerk und die Chronergy Hemmung. Ebenfalls an Bord: die Parachrom-Spirale, ein beschleunigter Selbstaufzug und ein vereinfachter Einstellmechanismus der Krone.

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Neues Rolex Kaliber 3235 (Foto: © Rolex)

Über 90% beträgt der Anteil neuer Komponenten beim Kaliber 3235, 14 Patente stecken im Uhrwerk und die Ganggenauigkeit ist mit +-2 Sekunden doppelt so hoch wie vom COSC gefordert. Verbaut wird das 3235 zunächst nur in den neuen Modellen der Datejust 41, also Stahl-Gelbgold und Stahl-Everose. Die Stahlversion Datejust II bleibt zunächst unverändert.

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Die Kombination von Stahl und Everose Roségold findet man neben der Datejust 41 übrigens auch bei der brandneuen Yacht-Master 40, Referenz 116621. Mit schokobraunem Blatt eine tolle Produkterweiterung bzw. Neuheit.

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Mein Fazit: Rolex auf der Baselworld 2016 – überraschende Neuigkeiten, die aber auch Fragen aufwerfen. Öffnen sich die Schweizer zukünftig mehr den Wünschen ihrer Kunden? Werden wir unter dem neuen CEO Jean-Frédéric Dufour zukünftig eine in jeder Beziehung “modernere” Rolex erleben? Wie geht es weiter? In den vergangenen Jahren wurde die komplette Modellpalette erneuert. Was kommt jetzt? Kleinere Updates? Neue Materialvarianten? In jedem Fall werden wir die neuen Kaliber zukünftig auch bei den anderen Modellen sehen. Nach und nach. Aber führt das auch zu optischen Änderungen? Wir werden es erleben. Bleibt alles anders? Mit Sicherheit!

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Fotos & Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2016

 

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