by R-L-X

Uhren, die mehr Zeit im Tresor denn am Handgelenk verbringen, kennt wohl jeder. Selten aber handelt es sich dabei um so beliebte Modelle wie den Cosmograph Daytona von Rolex.

Sie sind der Traum eines jeden Uhrensammlers: Safe Queens. Uhren, die einst gekauft, dann aber die meiste Zeit ihres Daseins in einer dunklen Box, dem Safe oder Schließfach fristen mussten.

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Beim ein oder anderen eigentlich beliebten Modell fragt man sich, wie kann das sein? Und auch wenn man die Wahrheit nur selten erfahren wird, ein bisschen mutmaßen, munkeln, fantasieren, das darf erlaubt sein.

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Wie etwa bei dieser Rolex Daytona, deren Seriennummer 5582378 auf einen Produktionszeitraum um 1978 schließen lässt. Ausgeliefert zum Konzessionär Wempe in Hannover, stieß der Cosmograph zunächst wohl nur auf wenig Interesse.

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Dann aber, es ist der 23.12.1980, ein Dienstag, der Tag vor Heilig Abend, hat doch noch jemand Erbarmen mit ihr. Die Uhr, Referenz 6263, wird verkauft. Zum vollen Listenpreis von 1.600 DM, abzüglich 50 DM für – was auch immer.

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Auf dem Zertifikat wird der 24.12.1980 eingetragen. Die Daytona ist vermutlich also als Weihnachtsgeschenk gedacht. Zur offiziellen einjährigen Garantie gibt es die zweijährige, erweiterte Wempe Garantie hinzu.

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Wempe-Garantiebooklet, Originalzertifikat und Kaufquittung werden mit der internen Wempe-Lagernummer, sowie der Referenz der Uhr versehen, dann landet die 6263 in ihrer Brettchenbox samt Seepferdchen Umkarton unter dem Weihnachtsbaum (natürlich wieder reine Spekulation).

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Ob sie beim Beschenkten – vierzehn Bandglieder deuten auf eine stattliche Persönlichkeit hin – dann allerdings auf so viel Gegenliebe stößt, das ist angesichts des Zustands nach nun fast 36 Jahren fraglich. Denn die Uhr schaut noch immer fast so neu aus, wie damals.

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Vielleicht war der Besitzer aber auch einfach so glücklich mit der Uhr, dass er diese nur selten, nur zu besonderen Gelegenheiten anlegte. Dafür spräche, dass sie in der langen Zeit immerhin mindestens fünfmal beim Service, unter anderem bei Rolex Deutschland war. Bei einem der Services wurde wohl auch die Leuchtmasse der Indexe erneuert und das Gehäuse poliert.

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Jetzt aber ist sie wieder “am Markt”. Weitaus beliebter als 36 Jahre zuvor – und selbstverständlich weitaus teurer. 27.000 bis 35.000 Euro gibt das Auktionshaus Dr. Crott als Schätzpreis für seine Katalog Nummer 420 an.

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Von “Kultuhr” ist dort die Rede, von einem Traum für jeden Rolex-Aficionado. Sicher nicht übertrieben.

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Die 6263 ist aber nicht das einzige Daytona Komplettset der 94. Dr. Crott Auktion, die am 12. November wie gewohnt im Loft des Sheraton Hotels am Frankfurter Flughafen stattfindet.

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In Katalog Nummer 402 nämlich sehen wir die Nachfolgerin der 6263, die Referenz 16520.

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Im Gegensatz zum Handaufzugswerk der 6263 kommt bei der 16520 ein Chronographenwerk mit automatischem Aufzug zum Einsatz. Nicht irgendeines. Das Erste! El Primero aus dem Hause Zenith, von Rolex für die eigenen Belange modifiziert.

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Gerne würde ich zu dieser Uhr auch eine kleine Geschichte spinnen, einzig zum Kaufdatum, dem 5. August 1995, will mir sorecht nichts einfallen.

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Gut, die Zeiten hatten sich in den dazwischenliegenden Jahren auch enorm geändert, die 16520, seinerzeit eine der begehrtesten Uhren überhaupt, lag sicherlich nicht lange beim Konzessionär Becker am Hamburger Gänsemarkt, bis sie einen glücklichen Käufer fand.

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Warum der weiße Cosmograph mit der Seriennummer S861282 in der Folgezeit dann allerdings so selten getragen wurde? Eine ausgezeichnete Frage.

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Sogar der originale grüne Aufkleber auf dem Gehäuseboden ist noch vorhanden. Vielleicht nicht gerade hygienisch, zumindest aber “sammlerisch wertvoll”.

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Jener Rückendeckel gibt übrigens auch keinerlei Informationen, ob die Uhr schon einmal im Service war.

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Neben dem Chronometer- und Garantiezertifikat ist auch das Booklet und die zeitgenössische Kissenbox Teil des Sets.

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6.225 DM – das war der damalige Listenpreis der 16520. Dafür bekommt man auch diese Daytona heute nicht mehr, der Schätzpreis für die November-Auktion liegt bei 8.000 bis 12.000 Euro.

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Fotos & Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2016

 

 

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