by R-L-X

Turnbull & Asser ist der wohl bekannteste Shirtmaker rund um Londons Jermyn Street, ja vielleicht sogar der ganzen Welt. Wir waren zu Besuch, beim Maßschneider von Jordan Belford, Gordon Gekko, Jay Gatsby und James Bond.

James Bond sitzt auf seinem Platz, am Pokertisch des Casino Royale in Montenegro. Eben noch war ihm der eigenkreierte Drink, welchem er den Namen Vesper gab, ganz und gar nicht bekommen. Doch Dank des in seinem Aston Martin DBS befindlichen Defibrillators ging das Ganze noch einmal glimpflich aus.

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Das Bild von Daniel Craig am Pokertisch, mit weißem Hemd und schwarzem Querbinder, ist weltberühmt. Es hängt auch in einem kleinen Geschäft in der Bury Street in London. “Thank you for the Magic Shirts……..” ist darauf zu lesen. Geschrieben hat den Dank Daniel Craig persönlich.

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Wir sind bei Turnbull & Asser, dem wahrscheinlich bekanntesten und traditionsreichsten aller Hemdenmacher hier im Bereich der Jermyn Street. Wir betreten das Hauptgeschäft, Jermyn Street Ecke Bury Street, ohne Voranmeldung. Einfach mal reinschauen, dachten wir uns.

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“Oh! Sie sind aus Deutschland? Na dann herzlich Willkommen bei Turnbull & Asser.” Wow! Mit so einer Begrüßung, und dann auch noch in der Heimatsprache, hatten wir nun wirklich nicht gerechnet.

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Ob er uns ein bisschen was zeigen darf, fragt Liam deVanney und bittet uns ins Untergeschoss. Hier, unter einer Glasscheibe, liegt es: das Hemd von James Bond, von Daniel Craig, aus Casino Royale. Daneben in himmelblau: das Hemd, welches Sean Connery schon 44 Jahre zuvor in 007 jagt Dr. No trug. Beide Hemden – von Turnbull & Asser.

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Durch nicht nur Connery & Craig stattete man hier aus, jeder Schauspieler, der in die Rolle des britischen Geheimagenten schlüpfte war mindestens einmal hier zu Gast.

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Craigs bekanntes Shirt aus Casino Royale war streng genommen gar nicht ein Shirt, erzählt uns Liam. Gleich eine ganze Reihe von Hemden schneiderte man ihm auf den Leib, je nach Szene mal etwas enger, mal etwas weiter geschnitten, sodass es auch bei den Kampfszenen nicht aus der Form geriet. Eben ein “Magic Shirt”.

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Wann immer es in Hollywood – und Pinewood – um klassische Herrengarderobe geht, wird man in der Jermyn Street vorstellig. Ob nun Robert Redford als Great Gatsby, Johnny Depp in Charlie und die Schokoladenfabrik, Heath Ledger in seiner Rolle als Joker oder Leonardo Di Caprio im Wolf of Wallstreet, sie alle trugen Hemden von Turnbull & Asser.

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Robert Redfort als Jay “The Great” Gatsby – © Turnbull & Asser

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Blick in das Bespoke Geschäft in der Bury Street

Oder, um bei der Wall Street zu bleiben: Michael Douglas als Gordon Gekko – sein blaues Hemd mit weißem Kragen – Turnbull & Asser. David Niven, Charlie Chaplin, Colin Firth, Donald Southerland, Sir Richard Attenborough, sie alle gehen, respektive gingen ein und aus, ließen bei Turnbull & Asser Maß nehmen.

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Michael Douglas als Gordon Gekko in Wallstreet – © Turnbull & Asser

Doch ist ein Maßhemd nur etwas für die Größen aus Showbiz, Kunst, Politik und Wirtschaft? Natürlich nicht. In erster Linie kommt es auf die innere Einstellung zum Produkt “Hemd” an.

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Liam erzählt ein wenig von seinen Kunden. Kunden die hier schon seit Jahrzehnten vorbei kommen oder inzwischen die Hemden in ihrer Größe nur noch telefonisch oder per Mail bestellen. Das Schöne: an so einem Hemd kann man theoretisch wirklich einige Jahrzehnte lang Freude haben.

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Die Stellen, die den größten Verschleiß aufweisen, Kragen und Manschetten, können einfach getauscht werden. Solange der Stoff noch verfügbar ist, im gleichen Muster, ansonsten wird, wie etwa beim Hemd von Gordon Gekko, weißer Stoff vernäht.

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Und was, wenn der Kunde mit der Zeit zu sehr dem guten Essen frönt? Auch das sei kein Problem, erklärt Liam. Man könne Stoff hinzufügen, so dass es nicht weiter auffalle. Er erzählt von einem Kunden der anrief um “ein paar” Hemden ändern zu lassen. Mit dem Taxi kamen dann vier ganze Säcke voll Turnbull & Asser Shirts aus mehreren Jahrzehnten.

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Die Manschettenknöpfe von James Bond

Bei der Menge wäre es wohl günstiger gekommen, sich einfach einige neue Hemden fertigen zu lassen, doch der Herr hing eben an seinen alten Stücken. Faszinierend.

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Turnbull & Asser fertigt nicht nur Hemden 

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Und genau hier sind wir an jenem Punkt, den ich zuvor mit “innerer Einstellung” meinte. In unserer Gesellschaft ist man dazu übergegangen, Hemden als Wegwerfprodukt anzusehen. Man trägt sie eine Saison, vielleicht auch zwei, je nachdem, wie lange sie eben halten oder der Schnitt noch “in” ist, danach wandern sie auf nimmer Wiedersehen in die Tiefen des Kleiderschranks oder gleich in die Altkleidersammlung.

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Ein Hemd allerdings als ein Kleidungsstück anzusehen, welches einen jahrzehntelang durchs Leben begleitet, keinen modischen Trends unterliegt, im Zweifel sogar “mitwächst”, zeugt das nicht von tiefem Respekt gegenüber dem Herstellungsprozess, den Materialien, ja den Menschen, die so etwas erschaffen?

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Turnbull & Asser in der Bury Street

Ein Hemd fürs Leben. Eben ein magisches Hemd. Eigentlich doch ein sehr schöner Gedanke.

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Der Einstieg in die Welt eines Hemdes von Turnbull & Asser beginnt bei derzeit 165 GBP für die bereits fertigen Hemden in Standardgrößen (Stock). Spezielle Wünsche, etwa besondere Ärmellängen, gibt es in der Made to Measure Collection ab 205,50 GBP.

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Das Bepoke Maßhemd beginnt gar nicht so weit darüber. Schon mit 235 GBP ist man, je nach Material, dabei. Einziger Haken: bei Erstbestellung muss ein Minimum von sechs Stück abgenommen werden.

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Die Qual der Wahl hat man hier zwischen tausenden verschiedener Stoffe und Muster, einem Dutzend verschiedener Kragen- und etlicher Manschettenformen. Darüber hinaus kann man natürlich jede Kleinigkeit selbst wählen, seinen es die Knöpfe, die Farbe der Knopflöcher, Art, Muster, Farbe und Sitz des Monograms und vieles, vieles mehr.

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Schablone für die Hemden von Ronald Reagan

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Für so ein Bespoke Shirt werden zunächst etwa 15 bis 20 verschiedene Maße des Kunden genommen. Diese werden anschließend auf eine Schablone aus Papier übertragen und zur Manufaktur nach Gloucester gesendet. Nach etwa zwei Wochen ist das Probehemd fertig.

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Der Mann, der nicht Bond sein wollte – Sean Connery beim Maß nehmen – © Turnbull & Asser

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Der Mann, der nie Bond sein wird – luxify Redakteur an gleicher, historischer Stelle

Dieses soll der Kunde dann erst einmal tragen. Und waschen. Und tragen. Und waschen. Insgesamt drei- bis viermal. Dann erst wird noch einmal der Sitz des Hemdes überprüft und auch der Kunde hat noch einmal die Möglichkeit, Anpassungen vornehmen zu lassen. Erst im Anschluss werden seine ganz persönlichen Maßhemden gefertigt.

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Noch ein paar Accessoires?

Solange sich die Größe nicht ändert, ist das Nachbestellen dann kein Problem, kann telefonisch, via E-Mail oder ganz klassisch per Brief erfolgen. Oder man kommt eben persönlich vorbei, im Maßatelier oder auch im Ladengeschäft in der Jermyn Street.

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Den Weg in dessen Untergeschoss, dort wo James Bonds Hemden zu bestaunen sind, finden nun auch zwei asiatische Kundinnen. “Wir brauchen ein Hemd für unseren Vater.”, sagen sie. Auf die Frage, ob er schon Hemden von Turnbull & Asser besitze und, wenn ja, in welcher Größe, antworten die beiden ein wenig irritiert “Er ist in etwa so groß wie Sie, naja, vielleicht auch ein wenig kleiner.”

Mit dieser recht vagen Aussage kann sich Liam natürlich nicht zufrieden geben. Denn selbst Magic Shirts können schließlich nicht zaubern.

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Turnbull & Asser finden Sie in der 71-72 Jermyn St., St James’s, London SW1Y 6PF, das Bespoke Geschäft liegt nur ein paar Meter weiter in der 23 Bury Street, London SW1Y 6AL. Telefonisch sind beide Geschäfte über die +44 (0)20 7808 3000 zu erreichen.

Besonders empfehlenswert, neben der Website des Geschäfts, ist auch der hauseigene Blog “Off the Cuff”.

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Fotos: © Johannes Braunwarth Knöbel (JBK), Percy Christian Schoeler (PCS)
Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2015

2 Kommentare


  • von Markus Kühn vor etwa 10 Monaten

    Lieber Percy (bitte etschuldige die vertraute Anrede, doch ich lese nun schon seit mehr als 10 Jahren täglich im RLX Forum und so ist es eben, wie wenn man einen lieb gewonnenen Schauspieler auf der Straße sieht; man glaubt ihn zu kennen – hat man doch schon so viel gemeinsam “erlebt”…),

    es ist dies mein allererster Kontakt mit “Euch” ( wie gesagt, ich fühle mich zwar als “Mitinsasse” in unserer gemeinsam mit Leidenschaft gewählten Selbsthilfegruppe, bin dann aber doch eher und primär der Inaktive), doch heute muss es sein, heute ist der Moment gekommen, dass ich loswerden möchte, dass es Spaß macht mit Dir / mit Euch und dass es mir

    Danke fürs “Mitnehmen”! Und Danke fürs Machen; für Eure Mühen!

    Herzliche Grüße

    Markus


  • von Markus Kühn vor etwa 10 Monaten

    ..sorry, dicke Finger.

    Der letzte Satz hätte noch weitergehen sollen: (…) einfach gefällt, was ihr und vor allem wie Ihr es macht.

    Danke!


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