by R-L-X

Nach Vorstellung der “Funky Colour” Diver Chronos im vergangenen Jahr, bekennt Audemars Piguet 2017 nun auch bei der klassischen Royal Oak Offshore Diver Farbe. Ein Uhren-Review in etwas anderer Umgebung.

Gelb! Ausgerechnet gelb! Die Chance stand 1:7. Und dann das. Gelb! Schwierig. Gelinde gesagt. Halt! Worum geht’s hier überhaupt? Um eine Uhr natürlich. Nein, nicht irgendeine. Um die Offshore Diver aus APs Royal Oak Reihe.

Audemars Piguet Royal Oak Offshore Diver, Ref. 15710ST.OO.A051CA.01 

2005 überraschte Audemars Piguet mit einer Taucherversion der Royal Oak Offshore. Die Scuba, Ref. 15340ST, wurde exklusiv für Wempe produziert und erschien in einer Auflage von gerade einmal 175 Stück in Edelstahl und 35 Stück in Rotgold.

Audemars Piguet Royal Oak Offshore Diver, Ref. 15710ST.OO.A038CA.01 

Zur großen Verwunderung der AP Gemeinde, fand das begehrte Stück anschließend nicht seinen Weg in die reguläre Kollektion. Erst fünf Jahre später, 2010 also, präsentierte AP ihren ersten ganz offiziellen Offshore Diver in Form der Referenz 15703ST.

Audemars Piguet Royal Oak Offshore Diver, Ref. 15710ST.OO.A002CA.02 

Weitere fünf Jahre später, zum SIHH 2015, erhielt das beliebte Modell ein Upgrade in Form eines Sichtbodens (hier geht’s zur Vorstellung) und war von da an nicht nur mit schwarzem, sondern auch mit weißem Blatt erhältlich. Neue Referenz: 15710ST.

Audemars Piguet Royal Oak Offshore Diver, Ref. 15710ST.OO.A027CA.01 

Jene 15710ST bekam dieses Jahr nun äußerst farbenfrohen Zuwachs in Form gleich fünf neuer Varianten. Die Farben: weiß, blau, orange, grün und – gelb!

Audemars Piguet Royal Oak Offshore Diver, Ref. 15710ST.OO.A070CA.01 

Mit der Schwarzen hatte ich eigentlich geliebäugelt, die weiße auch noch freudig willkommen geheißen und auch mit der Blauen, so es denn unbedingt bunt sein muss, hätte ich irgendwie meinen Frieden gefunden. Aber: gelb?

Unter dem Kunstlicht in meinem Büro, in Kombination mit der heutigen Hemdenwahl, wirkt das fast schon Neon leuchtende, breite Kautschukband irgendwie deplatziert. Was hätte hier jetzt die Schwarze gut ausgeschaut. Oder die Weiße. Oder zumindest die Blaue. Aber Gelb?

Ich schaue durch das Bürofenster – die Sonne scheint. Also Ärmel hochkrempeln und raus. Ein Blick aufs Handgelenk: ah! Schon viel besser. Bisserl Hautbräune noch und dann könnte das vielleicht doch noch passen. Alles klar. Ausprobieren. Wo? Wie wäre es mit – den Bahamas?!

Klingt gut. Also nichts wie hin nach Nassau (mehr zur Reise selbst gibt es in diesem Artikel zu lesen). Auf dem Flug dorthin habe ich Zeit, mir die Offshore Diver erst einmal ein wenig genauer anzuschauen.

Zur Gehäuseform der Royal Oak und dessen Entstehung muss ich glaube ich an dieser Stelle nicht mehr wirklich viel schreiben. Sie ist einfach Kult (wer gerne mehr erfahren möchte, dem sei das Review von 15400ST und 15202ST empfohlen).

Die 15710ST misst 42 Millimeter. Das ist nach heutigen Verhältnissen gar nicht mal mehr so überdimensional. Eher normal. Entsprechend perfekt passt sie an meinen Arm. Zunächst etwas ungewohnt für mich ist einzig das sehr breite Kautschukband.

Es dauert ein wenig, bis ich die perfekte Einstellung gefunden habe, denn trägt man die Uhr zu eng, ist das, gerade bei höherer Außentemperatur, unangenehm, weil dann das Band an der Haut klebt. Zu locker sollte es aber auch nicht sein, da sonst das doch recht schwere Gehäuse zu viel Spiel hat.

In meiner gelben 15710ST werkelt, wie in den anderen sechs Varianten auch, das Kaliber 3120 mit automatischem Aufzug und 60 Stunden Gangreserve. Das mit 21.600 Halbschwingungen arbeitende Manufakturkaliber ist mit einem sehr schön verzierten Rotor in 22-karätigem Gold ausgerüstet, dessen Aufzug in beide Richtungen funktioniert und der sich durch das Saphirglasfenster im Bodendeckel bei der Arbeit beobachten lässt.

Gemessen an den Gesamtproportionen der Uhr wirkt das Werk mit seinen 26,6 Millimetern Durchmesser ein wenig klein. Kein Wunder, ist es doch auch in der 15400, sowie zuvor schon der 15300, zuhause. Ob daher, wie bis 2015 üblich, ein massiver Boden ohne Sichtfenster der Diver besser stünde, ist Geschmackssache.

Vergangenes Jahr stellte AP mit den Diver Chronos, Ref. 26703ST, die ersten “Funky Colours” vor (das Review gibt es hier noch einmal zum Nachlesen). Aufzugskrone, Drehkrone zur Einstellung der Tauchzeit, sowie Totalisatoren sind dort aus schwarzer Keramik gefertigt. Bei den Non-Chronos hingegen setzt man auch weiterhin auf Kautschuk.

Audemars Piguet Royal Oak Offshore Diver Chrono, Ref. 26703ST (aktueller LP: 28.100 Euro)

Die blauen Kronen sind so sehr griffig und lassen sich entsprechend gut bedienen.

Klar sagen muss man aber, dass die Verstellung der Tauchzeit über eine außenliegende Drehlünette, wie das bei den meisten Taucheruhren der Fall ist, wesentlich einfacher von der Hand geht als mit dem Auf- und Zuschrauben der entsprechenden Krone bei der AP. Auf der anderen Seite ist eine versehentliche Verstellung der Skala hier so definitiv und garantiert ausgeschlossen.

In fünf neuen Varianten war die Diver dieses Jahr auf dem SIHH zu sehen (mehr zu den SIHH Neuheiten von Audemars Piguet gibt es hier). Die gelbe #15710ST.OO.A051CA.01, die grüne #15710ST.OO.A038CA.01, die orangene #15710ST.OO.A070CA.01 und die blaue #15710ST.OO.A027CA.01 eint der blaue Tauchring um das farbige Méga Tapisserie Blatt, sowie das farblich passend zum Blatt gehaltene Kautschukband. Bei der weißen #15710ST.OO.A010CA.01 ist der Tauchring in Weiß gehalten.

Alle Uhren werden mit einem zweiten Kautschukband in Blau geliefert (die Blaue Diver hat ein zweites Band in Gelb dabei), welches die Uhren ein wenig dezenter wirken lässt.

Andererseits: dezenter? Wozu? Wer sich für eine orangene, grüne oder gelbe Funky Colour entscheidet, der macht das ganz bewusst. Und gerade der Einklang von Band- und Blattfarbe wirkt.

Seien wir ehrlich. Für eine Luxus-Uhr sind diese Farben fast schon unanständig bunt. In Verbindung mit der Feinheit des Gehäuses der Royal Oak, den Kanten, der Satinierung, der Schliffe allgemein, prallen da zwei Welten aufeinander, die an sich so gar nicht zusammenpassen, sich aber dennoch – oder gerade deshalb – einfach perfekt ergänzen.

In den kommenden Tagen muss die Diver beweisen, was sie kann. Im harten Einsatz an Bord eines Segel-Katamarans (mehr dazu hier). Wie einst auf der Alinghi im America’s Cup. 

Ok. Das ist jetzt etwas übertrieben, denn mein “Einsatz” an Bord der Yacht begrenzt sich weitestgehend darauf, mich auf dem Trampolin zwischen den beiden Rümpfen zu sonnen und dem Skipper bei der Arbeit zuzusehen.

Dennoch, die Diver ist auch so den Elementen gnadenlos ausgeliefert. Sonne, Sand, Wind und jede Menge Wasser. Salzwasser. Das muss sie abkönnen, die Diver.

Bis 300 Meter ist sie laut Angaben von AP wasserdicht. Das muss sie an meinem Arm allerdings nicht unter Beweis stellen. Die wenigen Zentimeter fürs Foto übersteht sie aber erwartungsgemäß vollkommen unbeschadet.

Und wie gut sie dabei ausschaut. Das Wasser, augenblicklich durch die karibische Sonne getrocknet, hinterlässt eine Salzkruste auf der ikonischen Lünette. Ja, das passt. Die Diver ist hier wahrlich in ihrem Element. 

Und dann diese Farben! Gelb mit Blau – ein Blick auf die am Mast wehende Flagge der Bahamas, ein Blick auf die Farbe des Himmels, des Meeres und die Erkenntnis: es kann keine bessere Uhr für diesen Moment geben, als die gelbe Diver! Wenn eine Uhr das Prädikat “Urlaubsuhr” verdient, dann sie. Kein Zweifel.

Auf meinem Flug von Nassau zurück habe ich viel Zeit für Beobachtungen. Viele schöne Uhren sind an den Handgelenken meiner Mitreisenden zu entdecken. Viele schöne Uhren? Ich blicke auf mein eigenes Handgelenk und muss schmunzeln. Viele – langweilige – Uhren. Denn keine von ihnen ist auch nur ansatzweise so verdammt cool, verkörpert so extremes Urlaubs-Feeling, wie meine quietschgelbe Offshore!

Zurück in Deutschland. Zurück im Büro. Unter dem Kunstlicht meiner Schreibtischlampe, in Kombination mit der heutigen Hemdenwahl, mag das fast schon Neon leuchtende, breite Kautschukband der Diver ein wenig deplatziert wirken. Doch das ist mir herzlich egal. Denn jedes Mal, wenn ich auf mein Handgelenk schaue, bin ich wieder zurück auf den Bahamas.

Mein Fazit: Mut zur Farbe! Klar, die Royal Oak Offshore Diver ist in jeder Variante eine wunderschöne Uhr, doch die Funky Colours setzen da nochmal eins drauf. Der gemeine Uhrenliebhaber wird dazu neigen, sich wenn überhaupt, dann für die blaue oder die weiße Variante zu entscheiden. Ein bisschen funky, aber bloß nicht zuviel. Das ist schon ok, doch so richtig wirkt die Uhr erst in Grün, in Orange – oder in Gelb. Der perfekte Begleiter im Urlaub, und die richtige Medizin gegen den grauen Alltag daheim.

Datenblatt:

  • Modell: Audemars Piguet Royal Oak Offshore Diver, Ref. #15710ST.OO.A051CA.01
  • Gehäuse: 42 mm, Edelstahl, wasserdicht bis 30 bar (300 Meter), Sichtboden mit Saphirglas
  • Armband: Kautschukband, gelb, Dornschließe, Wechselarmband in Kautschuk, blau
  • Uhrwerk: Manufakturwerk, Kaliber 3120, Automatik, 21.600 A/h (3 Hz), 60 Stunden Gangreserve
  • Preis: 20.100 Euro (UVP Deutschland)
  • Varianten: 15710ST.OO.A027CA.01 blau, 15710ST.OO.A038CA.01 grün, 15710ST.OO.A051CA.01 gelb, 15710ST.OO.A070CA.01 orange, je 20.100 Euro, 15710ST.OO.A010CA.01 weiß, 15710ST.OO.A002CA.01 schwarz mit schwarzem Zifferblatt, 15710ST.OO.A002CA.02 schwarz mit weißem Zifferblatt, jeweils 19.200 Euro

 

Vielen Dank an Audemars Piguet Deutschland für die freundliche Zurverfügungstellung der Testuhr im Rahmen dieses Reviews, sowie an das Fremdenverkehrsamt der Bahamas und The Moorings für die Unterstützung. Die Wristshots und Unterwasseraufnahmen entstanden mit Hilfe des Catalyst Unterwassergehäuses für iPhone. Auch hier ein herzliches Dankeschön!

 

 

Fotos & Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2017

 

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