by R-L-X

Seit diesem Jahr ist die Schweizer Manufaktur Roger Dubuis Partner des italienischen Reifenherstellers Pirelli. Die Excalibur Spider Pirelli Automatic Skeleton ist eines der farbenfrohen Produkte dieser Partnerschaft. Ein Review.

Roger Dubuis, die kleine, aber feine Manufaktur aus dem Schweizerischen Meyrin, deren Uhren im meist hohen fünstelligen und sechsstelligen Preisbereich angesiedelt und allesamt mit dem Genfer Siegel versehen sind auf der einen Seite, Pirelli, der Reifenhersteller, dessen Reifen auf performanten Fahrzeugen so ziemlich jeder Preisklasse zu finden sind, auf der Anderen. Auf den ersten Blick klang diese auf dem SIHH angekündigte Partnerschaft nicht so ganz schlüssig. 

Doch sieht man dann die Roger Dubuis Excalibur Spider Pirelli Automatic Skeleton, weiß man sofort, was Sache ist und worauf diese Partnerschaft abzielt. Vorausgesetzt zumindest, einem ist die aktuelle Reifenpolitik der Formel 1 nicht ganz fremd. Rot, gelb und blau erstrahlen die Details der drei auf jeweils 88 Stück limitierten Editionen, exakt die Erkennungsfarben der Formel 1 Reifen Soft, Supersoft und Wet. 

Die Gehäuse der drei Sondermodelle bestehen aus schwarzem DLC-Titan, sind skelettiert und messen 45 Millimeter. Das integrierte Titangehäuseband ist, ebenso wie die Aufzugskrone, mit blauem, rotem – oder eben gelbem Kautschuk vulkanisiert.

Skelettierung und Titan sorgen dafür, dass man die Excalibur Spider Pirelli am Handgelenk trotz ihrer stattlichen Größe so gut wie überhaupt nicht spürt. Beeindruckend, wenngleich so eine vergleichsweise leichte Uhr vielleicht auch nicht jedermanns Sache ist. 

Die Farbgebung ist übrigens längst nicht die einzige Verbindung der Uhr zur Formel 1 und den dort genutzten Pirelli Reifen. Schaut man auf das Kautschukband, stellen sich ebenfalls unweigerlich entsprechende Assoziationen ein. 

Die Oberseite erinnert nicht nur an die Formel 1 Reifen nach dem Rennen, sie besteht auch eben genau daraus. Aus dem Reifen eines Siegerautos der Saison 2016. Hierzu wird ein Stück des Reifens bei Pirelli mit Tech-Kautschuk vermischt und kommt dann als Inlay in das Uhrenarmband. 

Die Struktur wählte man dabei exakt so, dass sie aussieht wie ein Rennreifen, der in der Auslaufrunde noch Gummi von der Strecke aufgelesen hat. 

Die Unterseite des Bandes und dessen Seiten, eben alle Teile, die Hautkontakt haben, sind indes aus hypoallergenem Kautschuk gefertigt. Die Unterseite zeigt sich dabei im Profil eines Intermediate Reifens und trägt den Produktcode des jeweils für das Bandinlay verwendeten Reifens. 

Ausgerüstet ist das Band mit einer speziellen Doppelfaltschließe, die, dank Feder, sehr einfach und zuverlässig zu schließen ist. 

Nun kann man sich zu Recht fragen, wie viele Krümel des Originalreifens letztlich wirklich im Armband der Excalibur Spider Pirelli landen. Eine Frage die am Ende dann auch nur Pirelli selbst beantworten könnte, das aber mit Sicherheit nicht tun wird. Doch andererseits, was zählt ist die Idee. Und die wird dem uhrenaffinen Formel 1 Fan sicherlich gefallen. 

72.500 Euro wird jeder der zukünftigen Besitzer der Pirelli Editionen für sein Stück Formel 1 DNA ausgeben müssen. Das mag viel klingen, ist aber, gemessen an den Preisregionen, in denen Roger Dubuis unterwegs ist, als eher günstig zu betrachten. 

Im Preis inbegriffen: die exklusive Einladung zu einem Rennen. Wie das dann aussehen kann, das zeigt unser Bericht aus Spielberg vom Formel 1 Österreich Grand Prix (hier noch einmal zum Nachlesen). 

Pirelli bietet seit diesem Jahr übrigens eine sogenannte “Color Edition” für Straßenreifen an. Der Reifen zum Auto zur Uhr – sicherlich ein nicht ganz uninteressantes Detail für den ein oder anderen Kunden der Roger Dubuis Edition. 

Doch zurück zur Uhr selbst und hier – zum Uhrwerk. Alle drei Farb-Editionen der Excalibur Spider Pirelli sind mit dem 2015 erstmals vorgestellten, hauseigenen Kaliber RD 820 SQ ausgerüstet. 

Das vollends skelettierte Uhrwerk besteht aus 167 Teilen, bringt es mit einem Federhaus auf 60 Stunden Gangreserve bei einer Frequenz von 4 Hz (28.800 A/h). 

Herzstück des Kalibers sind die als fünfzackiger Stern ausgeführten Brücken auf Vorder- und Rückseite. Wie für die Erlangung des Genfer Siegels verlangt, sind sie, genau wie die übrigen Werkteile, aufwändig finissiert. 

Das RD 820 SQ ist ein Automatikkaliber. Verbaut ist ein kompakter Mikrorotor, der sich auf der 11-Uhr Position schön beobachten lässt. 

Die Skelettierung des Werkes ist beeindruckend, stundenlang könnte man so dem RD 820 SQ bei der Arbeit zuschauen. 

Allerdings leidet durch diese ganz spezielle Optik die Ablesbarkeit der Uhr selbst. Wer einfach nur aufs Handgelenk schaut, weil er schnell die Uhrzeit wissen möchte, bleibt also nicht nur auf Grund der schönen Optik ein wenig länger mit seinen Augen an der Uhr hängen.

Abhilfe hätten hier beispielsweise komplett farbige Zeiger bringen können. Die schmalen, mit Leuchtmasse versehenen Zeigerspitzen jedenfalls gehen im Alltag ein wenig unter. 

Ob das allerdings für die zukünftige Zielgruppe ein K.O. Kriterium darstellt, das darf getrost bezweifelt werden. 

Mein Fazit: ein Stück Formel 1 am Handgelenk – mit der Excalibur Spider Pirelli gelingt es der Manufaktur Roger Dubuis, auch in Kreisen der Motorsport-Königsklasse von sich Reden zu machen. Eine außergewöhnliche Uhr in spannender, unverwechselbarer Optik und definitiv ordentlich High Tech im Inneren.

Datenblatt: 

  • Modell: Roger Dubuis Excalibur Spider Pirelli – Automatic Skeletton
  • Gehäuse: 45 mm, DLC-Titan, Titangehäuseband und Krone mit blauem, rotem oder gelbem Kautschuk vulkanisiert, wasserdicht bis 5 bar 
  • Armband: schwarzes Kautschukband mit einer Einlage aus einer Mischung von Tech-Kautschuk und einem Stück Kautschuk des Pirelli Reifens eines Sieger-Fahrzeugs der Saison 2016; Doppelfaltschließe 
  • Uhrwerk: Manufakturwerk, Kaliber RD820SQ, skelettiert, Automatik, 28.800 A/h (4 Hz), 60 Stunden Gangreserve
  • Preis: 72.500 Euro (UVP Deutschland)
  • Limitierung: jeweils 88 Exemplare in Blau, Rot oder Gelb

 

 

Fotos & Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2017

 

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