Als bekennender Fan der Marke A. Lange & Söhne kommt man nicht umhin, sich auch mit der Historie der Marken zu beschäftigen. Denn das ist der Geist der Marke, den man noch heute in den Ateliers in Glashütte und auch in den aktuellen Uhren spüren und erkennen kann.

Und die Geschichte von A. Lange & Söhne ist unausweichlich mit Taschenuhren verbunden. Ein ganz besonderes Stück trägt die Seriennummer 42500. Es ist nicht weniger als die komplizierteste Uhr, die A. Lange & Söhne vor dem Neustart im Jahr 1994 angefertigt hat.

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Knapp 100 Jahre war diese Uhr nach ihrer Auslieferung nach Wien verschwunden. Doch dann tauchte sie überraschend und auf bemerkenswerte Art und Weise wieder auf.

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Erschaffen wurde dieses Kunstwerk in den Jahren vor 1902. Wie lange man insgesamt gebraucht hat ist nicht überliefert. Der Besitzer, ein Heinrich Schäfer aus Wien, holte diese Uhr mit der Nummer 42500 im August 1902 persönlich in Glashütte ab. Er zahlte damals 5600 Goldmark, was in etwa dem Wert eine prachtvollen Villa in Dresden oder dem Fünffachen des Jahresgehalts eine Lehrers entsprach. Hier der entsprechende Eintrag im Stammbuch von A. Lange & Söhne:

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Was mit der Uhr in der folgenden Zeit passiert ist kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Die Geschichte der 42500 geht am 20. September 2001 weiter. Ein Ehepaar aus München besucht die Manufaktur von A. Lange & Söhne und übergibt eben diese Taschenuhr an die Mitarbeiter des Hauses der Begutachtung. Ihre alte Nachbarin hatte ihnen diese Uhr mitgegeben, ob eine Reparatur überhaupt noch lohnen würde. Offenbar hatte diese ältere Dame vor dem zweiten Weltkrieg den Haushalt eines vornehmen Hauses geführt und am Ende dieser Tätigkeit als Dank diese Uhr geschenkt bekommen.

Sie funktionierte damals schon nicht mehr, aber die Dame des Hauses sagte ihrer Haushälterin, dass die Uhr ja zumindest den Goldpreis wert sei. Danach lagerte die Uhr, eingepackt in eine Kiste, etwas über ein halbes Jahrhundert im Keller der alten Dame aus München. Am 21. September 2001 bekam dann Jan Silva, bei Lange u.a. für die Restauration alter Taschenuhren zuständig, die 42500 in die Hände und die Geschichte dieser hochkomplexen Uhr fand mit der umfassenden Restauration eine Fortsetzung, nachdem man die rechtlichen Aspekte geklärt hatte und die Besitzerin der Uhr zugestimmt hatte.

Wie besonders das Auftauchen dieser Uhr war zeigt sich auch in der Reaktion von Herrn Reichel, dem Leiter des Glashütter Uhrenmuseums, in dem die Stammbücher des Hauses A. Lange & Söhne verwahrt werden. Er konnte es kaum fassen!

Die Restauration

Von der Vorderseite betrachtet fand Jan Silva eine fast makellose Uhr vor.

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Auch das Gehäuse war in gutem Zustand. Lediglich die Funktionen der Uhr waren nicht in Gang zu setzen. Und offenbar fehlte auch der Schleppzeiger des Chronographen wie auch das Uhrglas. Zifferblatt und restliche Zeiger waren in ausgesprochen gutem Zustand.

Die Rückseite der Uhr hielt dann aber doch eine Überraschung bereit, die Jan Silva sicher nicht mal befürchtet hatte. Dass eine so alte Uhr inkl. dem Uhrwerk ohne je statt gefundene Restauration nicht im besten Zustand ist war ja zu erwarten.

So sollte die Uhr eigentlich im Inneren aussehen, wenn der Zustand optimal ist.

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Doch dann kam der Schock. So sah die Uhr im Inneren tatsächlich aus.

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Ein Gemisch aus Schmutz, Rostblüten und altem Schmiermittel verklebt und verbacken mit den Uhrwerkteilen. Manche Teile hatten sich bereits im Rost aufgelöst. Vor allem die Teile des Chronographen waren zerstört.

Einige Detailaufnahmen:

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Der Schock saß tief. Die veranschlagte Zeit für die Restauration belief sich auf mehrere Jahre. Doch wie sollte man ein solches Meisterwerk restaurieren? Mit modernen Hilfsmitteln oder nach alter Art, alles von Hand hergestellt? Sollten alle Funktionen wieder hergestellt werden? Und wie geht man mit den noch zu gebrauchenden Originalteilen um? Erneuert man die Schliffe, auch wenn man damit den Charme der Uhr zerstört?

Fragen über Fragen, die dann aber ein jehes Ende nahmen. Im August 2002, exakt 110 Jahre nach dem Verkauf der 42500, erreichten die Fluten des Jahrhunderthochwassers auch die Stadt Glashütte und durchspülten bei A. Lange & Söhne auch das Kellergeschoss, in dem der Tresor stand. Gott sei Dank lagerte die 42500 im Dachgeschoß. Aber andere historische Taschenuhren, manche bereits restauriert, wurden Opfer des Hochwassers. Und diesen galt in den nächsten zwölf Monaten das Hauptaugenmerk.

Erst danach, im Jahr 2003, konnte die Restauration der 42500 beginnen. Jan Silva und sein Team hatten eine Aufgabe vor sich, die größer und anspruchsvoller nicht hätte sein können! Und dessen war man sich mehr als bewusst!

In Insgesamt über 5000 Arbeitsstunden würde die Uhr wieder zu dem, was sie schon einmal war: zu einem funktionierenden Kleinod und zu einem lebendigen, funktionstüchtigen Teil der eindrucksvollen Geschichte der Marke A. Lange & Söhne.

Man fand den schmalen Grat, alte Teile in ihrem originalen Charme zu erhalten, auch wenn sie nicht der Perfektion entsprachen, zu der man heute im Stande ist. Diejenigen Teile, die neu anzufertigen waren hat man mit modernsten Methoden, streng am Original, aber optimiert mit Blick auf die Funktion, hergestellt.

Die Uhr besteht aus 833 Einzelteilen (alles, was sich abschrauben lässt) und alleine das Werk wiegt über 100 Gramm

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Die ersetzten Teile wurde auf der jeweiligen Unterseite mit „fecit 2004“ markiert, so dass man später ursprüngliche Originalteile und neue Teile auseinander halten kann.

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Das oben gezeigte Bild zeigt das Uhrwerk nach der Restauration. Das folgende Bild zeigt alle Einzelteile der Uhr und parallel dazu (jeweils darüber, etwas dunkler in der Anmutung) die neu angefertigten Teile

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Die Restauration dauerte von 2003 bis Ende 2006, also mehr als drei Jahre. Es mussten im Zuge der Restauration nicht nur neue Teile angefertigt, sondern meist auch Werkzeuge, Formen und Verfahren entwickelt werden. Eine riesige, höchst respektable Herausforderung, der man sich bei A. Lange & Söhne gestellt hat.

Die Gravur des Gehäuses wurde nach einem Entwurf von Professor Carl Ludwig Theodor Graff ausgeführt. Prof. Graff war seinerzeit der Direktor der Königlich Sächsischen Kunstgewerbeschule in Dresden und gewann im Jahr 1890 einen Wettbewerb, den Johannes Dürrstein ausgeschrieben hatte. Ziel dieses Wettbewerbes war die moderne, zeitgemässe Gestaltung von Taschenuhrgehäusen. Dürrstein war zudem damals der Generalvertreter für A. Lange.

Auf der Vorderseite zeigt das Gehäuse im Zentrum den Kopf der Göttin Minerva (hier eine Reproduktion auf dem Einband einer Monografie, die ich weiter unten erwähne).

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Und hier das Original

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Zu sehen sind die typischen Füllhörner, schnäbelnden Vogelpaare und floralen Elemente. Graf arbeitet auch mit Gottfried Semper zusammen und an der Frauenkirche wie auch am Schloss Albrechtsburg mit.

Die Rückseite der Uhr trägt in der Mitte das Monogramm „GS“.

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Ein weiteres Beispiel für die Gestaltung einer Taschenuhr von A. Lange & Söhne nach Prof. Graff.

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Der Prozess der Restauration war auch für A. Lange & Söhne so ungewöhnlich, dass man anlässlich dieses Mammutprojektes eine sehr schön gestaltete Monografie herausgegeben hat

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In selbiger ist die Uhr, ihre Geschichte wie auch Restauration, aber auch die Funktionen genau beschrieben. Ein ganz tolle Bereicherung für eine jede Bibliothek!

Hier noch zwei „vorher – nachher“ Beispiele:

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A. Lange & Söhne nahm die Taschenuhr 42500 auch als Thema auf und baute eine technisch zwar anders konstruierte, optisch aber sehr ähnliche Grande Complication als Armbanduhr

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Als Vergleich noch mal die 42500

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Auch die Rückansichten sind ähnlich

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und historisch

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Exakt das macht für mich den Reiz der Marke A. Lange & Söhne aus.

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Auf den Punkt gebracht wurde es mit dem Titel der Lange Kataloge, die alljährlich erscheinen: Tradition – Neuester Stand.

Well done A. Lange & Söhne!

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Fotos: © A. Lange & Söhne

Text: © Sascha 2014

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