Welche Person ist diejenige, die man übers Jahr gerechnet am meisten sieht? Die Ehefrau, respektive Freundin? Der beste Kumpel? Der Arbeitskollege? Die lieben Eltern? Bei mir war es lange Zeit – Herr P.

Kleine Foto-Lovestory am Rande – die 126600 am Strande

Herr P. war Bankberater. Er hatte die Hoheit über den Schlüssel zum Tresorraum. Fünf Tage die Woche arbeitete Herr P. in meiner Filiale. An mindestens dreien davon besuchte ich ihn. Woche für Woche.

Professional for Professionals

Warum? Wenn man nach deutschen Gesetzen verpflichtet ist, seine Adresse im Impressum einer Website anzugeben, auf der es in erster Linie um teure Uhren geht, malt man sich diverse Szenarien aus, was da so alles passieren könnte. Eines allerdings ist ihnen allen gemein: in keinem dieser Szenarien will man seine geliebten Uhren bei sich daheim lagern haben.

Auf Zodiac-Tour: die SD50 in ihrem Element

Also weg mit dem Zeug. Doch wohin? Zur Bank natürlich. Ins Schließfach. Als Herr P. mit mir den Mietvertrag durchging, konnte er freilich noch nicht einmal im Ansatz erahnen, was, respektive wen er sich da ins Haus geholt hatte. Reichte so ein Unterschriftenzettel, wie er ihn für mich bei unserem ersten Gespräch anlegte, bei normalen Kunden gewöhnlich für mehrere Jahre, so war bei mir allerspätestens nach drei Monaten ein neuer fällig.

Hot-Tub-approved!

Nach einiger Zeit musste ich nicht einmal mehr mein Anliegen vortragen. Mein bloßes Erscheinen in der Bankfiliale allein genügte, und wortlos griff Herr P. zum magischen Schlüsselbund. Selbst am Thema Uhren nicht ganz uninteressiert, entwickelte sich zwischen uns über die Jahre so manches Fachgespräch und nicht selten verabschiedete man sich mit einem „bis Morgen“.

Männeruhr auf der Isle of Man

Watchswitching. Jeden Tag eine andere Uhr. Es musste sein. Ich war süchtig danach. Es ging nicht anders. Zu verschieden waren die – lange Zeit noch ausschließlich Rolex – Modelle. GMT-Master, Submariner, Explorer, Datejust, Daytona, fünfstellig, sechsstellig oder Vintage. Jede hatte doch verdammt nochmal ihren eigenen Charme und ich war ihnen allen hoffnungslos verfallen.

Sunset. Weil die „Big Red Sub“ eben auch romantisch kann

War es dem vielen Reisen geschuldet oder der vorzeitigen Pensionierung des Herrn P. (Berichte, dies hätte etwas mit meinen vielen Besuchen zu tun, halte ich persönlich für stark übertrieben) – irgendwann wurde mein Bedürfnis nach immer wechselnden Uhren geringer. Meine Besuche bei der Bank, sie dezimierten sich. Zweimal die Woche, dann nur noch jeden Freitag, irgendwann alle zwei Wochen. Man muss sich das mal überlegen! Zwei Wochen mit ein und derselben Uhr! Lange Zeit einfach nur undenkbar!

Eine echte Oyster

Tja. Und dann kam sie. Die 126600, SD50, die Sea-Dweller, die eigentlich eine große Red-Sub ist. 11 Wochen ist es nun her, dass ich sie endlich abholen durfte. Und dieser Tag – änderte alles. Ehrlich!

Feelin‘ blue

Seit 11 Wochen will dieses optisch nahezu perfekte Meisterwerk kaum mehr von meinem Handgelenk weichen. Einzig (markante) Uhren anderer Hersteller schaffen es seither noch, mein Interesse zu wecken, doch die anderen „Krönchen“, sie führen ein tristes Dasein im Keller meiner Bank. Tragisch!

Sonnenbad an Bord der Seabourn Quest

Dabei habe ich es wirklich versucht. Immer wieder. Ich schwöre es! Doch Submariner und GMT, bislang meine absoluten Favoriten, wirken, ist man die SD 50 gewohnt, einfach nur mickrig, wie Mid-Size Modelle. Von der ach so begehrten neuen Stahl-Daytona will ich hier gar nicht erst sprechen. Ein Wechsel von 126600 zu 116500 und man fragt sich unweigerlich: was ist das da? ein Damenmodell? Unmöglich! Untragbar.

Lässigste Sea-Dweller aller Zeiten

Letzten Monat war es 21 Jahre her, dass ich meine erste Rolex kaufte. Für sechs Jahre, ich schrieb das sicher schon einmal an anderer Stelle, war sie das, was sie sein sollte. Meine erste und letzte, meine einzige, DIE Rolex. Dann begann die Sucht. Und die nahm zwischenzeitig schon fast abartige Züge an. Wie viele kamen und gingen? Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen. Zu viele jedenfalls.

Ready for departure

Heute nun, 21 Jahre später, scheint es, als hätte ich letztlich dann aber doch noch genau das gefunden, was ich zuvor immer gesucht hatte. Die eierlegende Wollmilchsau. Die Einzige. Die Exit Rolex.

Same place – different trunk

Was Modelle der Marke mit der Krone angeht, kann ich nun also in vollkommener Zufriedenheit Giovanni Trapattoni zitieren. „Ich habe fertig.“ Nicht mehr und nicht weniger. Von nun an wird definitiv nur noch bei anderen Marken „gewildert“.

Meeresbewohnerin am Strand von St Mary’s

Herzlichen Glückwunsch noch einmal nach Genf. Ihr habt da mit der Jubiläums-Sea-Dweller ein echtes Meisterstück herausgezaubert. Die beste Rolex aller Zeiten. Allerdings auch eine, die – für mich – alle anderen mit einem Mal obsolet macht. Ob das so ganz im Sinne des Erfinders war? Schade, dass Herr P. in Pension ist. Gerne hätte ich mit ihm ein wenig darüber philosophiert, wenn ich mal wieder – keine – neue Uhr aus dem Schließfach geholt hätte.

Luxusuhr trifft Luxusschiff: mit der Seabourn Quest in Invergordon

P.S.: dieser Text stellt einzig und allein den momentanen Gemütszustand des Autors dar. Nicht auszuschließen, dass er sich am Eröffnungstag der nächsten Baselworld von selbst zerstört. Der Text. Nicht der Autor.

 

 

Fotos & Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2017

 

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