by R-L-X

Gut, besser, Special Vehicle Operations. Die Spezialisten des Londoner Jaguar Land Rover Technikzentrums machen aus dem an sich schon luxuriösen Range Rover den Range Rover SV Autobiography. Ein Fahrbericht des 5,0l V8 Supercharged SV mit 550 PS und langem Radstand.

Ein Autotest Ende Februar, das klingt nach südlichen Gefilden. Marbella? Die Algarve vielleicht oder doch die Côte d’Azur? Nun, wie wäre es stattdessen einfach mal mit was Urigem? Bayern zum Beispiel. Hohenkammer. Das liegt auf halbem Wege zwischen Ingolstadt und München, nahe der A9 und dem Flughafen.

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Range Rover SVAutobiography im Sonnenlicht. Wunschvorstellung…

Wintereinbruch in Süddeutschland, schon im Landeanflug auf den Franz Josef Strauß Flughafen sehe ich weit und breit nur – weiß. Na bravo. Das kann ja was werden. Wobei, heute geht es ja nicht um irgend ein Cabriolet oder einen Sportwagen, heute geht es um eine echte Geländewagen-Legende! Den Range Rover. DEN Range Rover. Die neue Spitzenversion des Spitzenmodells von Land Rover. Und der kann sicher auch Schnee ganz gut ab.

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… vs. kalter Realität im winterlichen Bayern

Ob die Location, quasi auf halbem Wege zwischen Audi und BMW mit Absicht gewählt wurde? Schwer zu sagen. Die direkten Mitbewerber jedenfalls sind eher andernorts zuhause. Mitbewerber? Also bitte. Ein Range Rover ist schließlich ein Range Rover. Der steht über den Dingen, hat sich sein eigenes Terrain geschaffen, lange bevor irgendwelche SUV meinten, dort wildern zu müssen.

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Dennoch, Zeiten ändern sich und da nun zunehmend die Super-Luxus-Klasse auch bei Offroad-Fahrzeugen Einzug erhält, kontert Range Rover mit dem SVAutobiography. Der wird tatsächlich so geschrieben, auch wenn’s komisch aussieht. SV, das steht für Special Vehicle und weist darauf hin, dass das Fahrzeug im Special Vehicle Operations Technikzentrum (SVO) entwickelt wurde. Ca. 40% aller Range Rover Bestellungen entfallen in Deutschland auf das bisherige Spitzenmodell Autobiography. Wieviele Kunden wohl zukünftig zum SV greifen?

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Gerade einmal zwei dieser Fahrzeuge hat Jaguar Land Rover mit zum hübschen Schloss Hohenkammer mitgenommen. Aus gutem Grund, denn der SVAutobiography wird bei SVO nur auf Kundenbestellung gefertigt. Zur Wahl stehen heute also einmal die knapp 5 Meter lange Normalversion in blau als Rechtslenker, zum Anderen die noch einmal 20 Zentimeter längere Langversion in grau und mit Lenkrad auf der – für mich – richtigen Seite.

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Grau, passend zum Wetter könnte man nun meinen, trifft’s aber nicht ganz. Denn so langsam zeigt sich die Sonne, der Schnee verschwindet. Grau trifft’s aber auch bzgl. des Range Rovers nur zur Hälfte. Der ist nämlich in Corris Grey Duo Tone lackiert, einer exklusiv dem SV Autobiography vorbehaltenen Zwei-Farb-Lackierung, deren oberer Teil immer in Santorini Black gehalten ist und die sich Land Rover mit geschmeidigen 11.934 Euro bezahlen lässt.

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Range Rover SVAutobiography mit langem Radstand

Dafür erhält man allerdings auch ein echtes Alleinstellungsmerkmal das schon auf den ersten Blick erkennen lässt: das hier ist kein gewöhnlicher Range Rover. Für die SVAutobiography Modelle stehen drei Motorisierungen zur Wahl: der 4,4 Liter SDV8 Diesel mit 339 PS und 740Nm, der 3,0 Liter SDV6 Hybrid mit 340 PS Systemleistung und 700 Nm, sowie der 5,0 Liter V8 Supercharged SV, der mit 550 PS noch einmal 40 PS mehr leistet als im “normalen” Range und es auf 680 Nm Drehmoment bringt.

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Die 550 PS Version ist ausschließlich im SVAutobiography erhältlich und kostet in der Kurzversion 183.500 Euro, in der Langversion 196.000 Euro und damit mehr als das Doppelte des “Einsteigermodells” Range Rover HSE 3,0 TDV6 (96.400 Euro).

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Frei nach Oscar Wildes fällt meine Wahl heute somit auf die 550 PS Langversion, die mit einem kleinen Ausflug durch die Sonderausstattungsliste auf stattliche 224.572 Euro kommt.

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Doch beim Umfang der serienmäßigen Ausstattung kann man sich eigentlich auch schon nicht wirklich beklagen. Speziell, nimmt man auf den hinteren Sitzen Platz. “Exclusive Business-Class-Sitze mit Massage- / Klimafunktion und 4-fach elektrisch verstellbarer Lendenwirbelstütze im Fond mit Neigungsverstellung des oberen Teils der Front-Rückenlehne, exklusive Mittelkonsole mit Kühlabteil, Getränkehalter, abnehmbares Ablagefach für Kopfhörer sowie elektrisch ausfahrbare Tische mit USB-Ladeanschluss, Beleuchtung im Fußraum und Unterschenkelauflage für den hinteren Beifahrersitz” nennt es die Preisliste, abkürzen könnte man das Ganze einfach nur mit “FETT”.

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Gediegen: Platz für eine Flasche Champagner und zwei Gläser

Ebenfalls Inklusive: ein Meridian Signature Reference Soundsystem mit 1.700 Watt Leistung und 29 Lautsprechern inkl. Subwoofer und das Multimediasystem mit zwei 10,2″-Bildschirmen im Fond samt Fernbedienung und zweier kabelloser Kopfhörer.

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Reinsetzen, wohlfühlen, gemütlich dahingleiten und die Landschaft mit 225 bzw. optional auch 250 km/h an sich vorbeiziehen sehen. Der beste Platz des Range Rover SVAutobiography ist zweifelsohne “hinten rechts”.

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Doch so gerne ich mich nun durch die Gegend chauffieren lassen würde, der Reiz, die Power des Supercharged auch einmal selbst auf die inzwischen komplett schneefreien Straßen zu bringen, überwiegt dann doch. Fahrerwechsel.

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Für den SVAutobiography gibt es einen besonderen Schlüssel mit polierter Seite, Schriftzug und spezieller Riffelung.

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Diese findet sich an verschiedenen Stellen des Innenraums wieder, etwa an der Umrandung des Start-Stopp-Knopfes oder  am Drehknopf des 8-Stufen-Automatikgetriebes.

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Auf geht’s. Ein wenig durch die Dörfer, etwas Landstraße, ein Stück unbegrenzte A9, ja sogar ein kleines bisschen Offroad auf der (vergeblichen) Suche nach einer ganz besonderen Fotolocation.

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Der beste Platz ist hinten Rechts, aber vorne Links, da kann’s auch äußerst spaßig sein. Denn wenn die 550 PS die gut zweieinhalb Tonnen des Luxus-Range beschleunigen, 5,5 Sekunden gibt Land Rover für den Sprint von 0 auf 100 km/h an, fühlt sich das schon ziemlich brutal an. Brutal zwar, dennoch aber erstaunlich zivilisiert, vor allem akustisch.

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Die Lenkung gibt sich recht direkt, was gerade bei schneller Autobahnfahrt in Zusammenspiel mit der hohen Sitzposition und der zwar sportlichen aber nicht wirklich ultraharten Federung erstmal ein wenig ungewohnt ist.

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Als Sonderausstattung verfügt “mein” Range Rover unter anderem über eine adaptive Geschwindigkeitsregelung mit Stauassistent und erweitertem Bremsassistenten, Spurverlassenswarner und Verkehrsschildererkennung. Serienmäßig an Bord ist dagegen ein erweiterter Einparkassistent sowie ein Surround-Kamerasystem mit eigener Waschdüse.

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Gegen Aufpreis gibt es auch ein Head-up Display, welches beim Testwagen aber leider nicht verbaut ist. Für mich ein sinnvolles Extra, allein schon damit man seinen Blick nicht immer zum Tachodisplay senken muss.

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Ausgestattet ist der SVAutobiography dafür noch mit ein paar weiteren Extras, etwa mit einem ausziehbaren Kofferraumboden in Figured Macassar, der das Beladen erleichtern soll. Serienmäßig hingegen ist die ebenfalls recht praktische sensorgesteuerte 2-geteilte elektrische Heckklappe, die nun auch durch Bewegen des Fußes funktioniert und den Zugang zum zwischen 550 und 2.345 Liter fassenden Laderaum freigibt.

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Dieser ist beim Testwagen nicht vollständig nutzbar. Grund hierfür ist das, abgesehen von der Sonderlackierung, mit 7.344 Euro teuerste Extra: das Event-Sitzsystem. Ausklappbare Ledersitze bieten zwei Personen die Möglichkeit, Events bequem von der heimischen Heckklappe aus zu verfolgen.

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“Ja wo laufen sie denn?” – Fußstützen gehören ebenfalls noch zum Event-Sitzsystem

Dekadent? Schon irgendwie. Aber auf der anderen Seite auch extrem lässig. Hier sitzen und mit einem Glas Champagner ein Poloturnier verfolgen, stilvoller geht’s wohl kaum. Im normalen Leben sicherlich ein sinnloses Extra, für mich vielleicht gerade deshalb mein Lieblingsfeature des SVAutobiography.

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Bevor ich zu meinem Fazit komme, zunächst noch drei offizielle Presse-Bilder, die den SV in angemessenem Umfeld, bei schönem Wetter und vor allem frisch gewaschen zeigen. Einfach, weil er es verdient.

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Nun aber – mein Fazit: 196.000 Euro Grundpreis. Ein Range Rover, zu dessen Preis man theoretisch auch zwei bekäme. Das ist ohne Zweifel eine Ansage. Land Rover erobert mit dem Range Rover SVAutobiography die Klasse der Super-Luxus-SUVs, zeigt Präsenz in der Lücke, die Bentley, Lamborghini & Co. liebend gerne für sich alleine gehabt hätten. Das Team der Special Vehicle Operations hat ganze Arbeit geleistet und dem Spitzenmodell eine stilvoll-dezente Art des Luxus spendiert. Ein Auto, das einfach Spaß macht, ob nun in Marbella, an der Côte d’Azur oder eben in Hohenkammer, Ende Februar.

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Der Land Rover Range Rover ist zu Preisen ab 96.400 Euro erhältlich, die SVAutobiography-Modelle beginnen bei 171.300 Euro. Mehr Informationen auf landrover.de.

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Fotos: © Land Rover (8), PCS (20)
Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2016

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