by R-L-X

Gleich drei Handaufzug-Cosmographen aus dem Hause Rolex haben es in den Katalog der 95. Dr. Crott Auktion geschafft. Alle drei sind auf ihre Art einmalig, eine von ihnen aber in ganz besonderem Maße. 

Manchmal realisiert man auf den ersten Blick gar nicht, was man da grad in Händen hält. Eine Handaufzugsdaytona, ja. In Gold. Ok. Ausgerüstet mit einem Zifferblatt in Diamant-Pavé und einer Lünette mit Diamant-Baguettes. Ja, klar, sowas hat Rolex auch gemacht. Machen sie ja bis heute. Muss man halt mögen. 

Doch das, was da als Katalog Nummer 37 (Link) am 6. Mai versteigert wird, das ist so viel mehr als eine “typische Rolex der 80er Jahre”. Das ist ein Stück Geschichte und davon abgesehen die wahrscheinlich seltenste Daytona aller Zeiten! 

Beginnen wir mit ein bisschen Daytona Historie. In den 80er Jahren gab es bis zur Präsentation der Automatik-Daytona mit Zenith El Primero Werk im Wesentlichen zwei Daytona Modelle. Die Referenz 6263 mit schwarzer Tachymeter-Lünette und die 6265 mit Metall-Lünette. Zu beiden Referenzen kommen wir später noch einmal. 

Neben den Stahlversionen gab es die beiden Cosmographen auch in Gold, als 6263/8 und 6265/8. Soweit also die Auswahl der damaligen, nicht gerade sonderlich beliebten “Standard” Daytonas. 

Mit der 6269 hatte Rolex aber noch etwas besonders Feines im Programm. Diese spezielle Gelbgold-Daytona verfügt über eine Lünette, die mit 44 Brillanten besetzt ist. Passend dazu: das Pavé-Zifferblatt mit gelbgoldenen Hilfszifferblättern. Heute ist die 6269 ob ihrer Seltenheit bei Sammlern ziemlich beliebt. 

Ja und dann gab es da noch die Referenz 6270. Erstmalig auf der Basler Messe 1984 der Öffentlichkeit präsentiert, war sie das Spitzenmodell der Daytona Reihe. Statt der Brillanten ist die Lünette der 6270 mit 28 Diamanten im Baguette-Schliff versehen. 

Nur etwa 20 Uhren dieses Typs wurden im Laufe der Jahre gefertigt, ausschließlich für ganz besondere Kunden. Einige der Uhren, man spricht von insgesamt nur acht Exemplaren, wurden für den Sultan von Oman mit einem speziellen Diamant-Pavé Zifferblatt mit 240 Diamanten und neun Saphiren als Stundenindexen produziert, dessen Hilfszifferblätter in einem tiefen, ins Lila gehende Blau erstrahlen. 

Für Aufmerksamkeit sorgte die Referenz 6270 zuletzt im Mai 2014, als ein Exemplar im Rahmen der Genfer Frühjahrsauktionen bei Christies für über 1 Million US-Dollar (905.000 CHF) den Besitzer wechselte. 

Knappe drei Jahre später halte ich nun die direkte Schwester (Seriennummer der Uhr bei Christie’s: 8.439.969, Seriennummer der Uhr bei Dr. Crott: 8.439.968) der Million-Dollar-Watch in Händen, respektive habe ich sie sogar am Arm. Wow! 

Die Ausstrahlung dieser Uhr muss man einmal live gesehen haben. Weder Fotos können dieses Funkeln herüberbringen, noch vermag’ ich die Faszination, die von diesem Stück ausgeht, in Worte zu fassen. 

Dieser Faszination jedenfalls sind auch schon andere vor mir erlegen. Die Uhr war einst Teil der Sammlung eines sehr prominenten Uhrenfans und Rolex-Liebhabers. Entsprechend ist der Zustand der Uhr auch knappe 32 Jahre nach ihrer Erstauslieferung sehr gut. 

Dieses Stück Rolex Geschichte, das bereits 1985 einen geradezu absurden Listenpreis von knapp 70.000 Schweizer Franken hatte (zum Vergleich, die “normale” Daytona kostete damals 2.250 DM in Stahl bzw. 15.150 DM in Gold) wird mit einem Schätzpreis von 450.000 bis 800.000 Euro geführt. 

Ein paar Jahre zuvor, am 25. August 1979 um genau zu sein, lag der Listenpreis der 6263 allerdings noch ein ganzes Stück niedriger. 1.600 DM wurden seinerzeit für den Cosmographen in Stahl aufgerufen. 

Der Käufer des Exemplars aus Katalog Nummer 36 (Link) ließ sich noch ein zweites Rolex Band für 270 DM mitgeben, 110 DM wurden ihm seitens Wempe Frankfurt erlassen. Nicht weiter verwunderlich, denn zu dem Zeitpunkt wird auch diese Daytona, beachtet man die Seriennummer, schon einige Monate auf einen Käufer gewartet haben. 

Ohne die genauen Hintergründe zu kennen, liegt es nahe, dass die Uhr an einen echten Sammler ging. Denn dieser hob so ziemlich alles, was es zur Uhr gab, auf. Booklets, Kalender, Box, Zertifikat, Kaufquittung, ja sogar die über die Jahre angefallenen Servicequittungen sind noch vorhanden. 

Viel getragen allerdings hat er die Uhr augenscheinlich nicht. Denn der Zustand ist auch nach dieser langen Zeit erstaunlich. Beim Fotografieren tat es mir da schon fast weh, keine Tube Polywatch zur Hand zu haben, um die Kratzer aus dem Plexyglas zu entfernen. 

Egal, diese tun der Uhr definitiv ebenso keinen Abbruch wie die spätere Servicelünette. Bezüglich des Erhaltungszustands möchte ich an dieser Stelle einfach die Bilder sprechen lassen. 

Dieser Rolex Oyster Cosmograph Daytona, Referenz 6263, kommt mit an einem Jubilé-Band, ein Oysterband, Ref. 78350/19 wird mitgeliefert. Der Schätzpreis liegt bei 40.000 bis 55.000 Euro. 

Auch in Katalog Nummer 35 (Link) gibt es eine Handaufzug-Daytona zu sehen, die die Herzen von Sammlern höher schlagen lässt. Die Referenz 6265 mit schwarzem “Big Red” Blatt stammt laut Seriennummer aus 1980 und kann ebenfalls mit reichlich Zubehör aufwarten. 

Neben Box, Umkarton und Booklets ist auch hier das (unausgefüllte) Garantiezertifikat vorhanden, welches Dank des typischen grünen Seitenklebers eindeutig der Uhr zugeordnet werden kann. 

Was den Zustand der Uhr angeht, lasse ich auch hier wieder die Bilder für sich sprechen. 

Der Schätzpreis dieser Daytona wird mit 25.000 bis 40.000 Euro angegeben. 

Die 95. Auktion von Auktionen Dr. Crott findet am Samstag den 6. Mai 2017 um 12:00 Uhr im SkyLoft des Sheraton Frankfurt Airport Hotel & Conference Center statt. Vorbesichtigungen sind am Vortag, Freitag den 5. Mai 2017 von 14 bis 20 Uhr, sowie am Auktionstag selbst zwischen 8:30 und 11 Uhr möglich.

 

Fotos & Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2017

 

 

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