by R-L-X

Manchmal muss man eben einfach Glück haben. Wie Philipp von RolexPassionReport, dem eine Rolex Submariner angeboten wurde, zu der er einfach nicht “Nein” sagen konnte. Ein Bericht über eine Uhr, die es so wahrscheinlich nur noch ein einziges Mal auf der Welt gibt.

Philipp präsentiert uns die einzige noch komplett originale Rolex Submariner A/6538, die bislang entdeckt wurde. Eine Uhr, die sich noch exakt in der Konfiguration befindet, wie sie einst an das Britische MoD (Ministery of Defense) ausgeliefert wurde.

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Die A/6538 Big Crown UK Military Submariner ist für sich schon eine der vielleicht bedeutendsten Military Subs, die es zu entdecken gibt. Etwa 21 bis 50 Exemplare wurden überhaupt nur gefertigt. Diese Submariner A/6538 hat eine Prototyp-Lünette, verfügt über die vom MoD geforderten fixen Federstege und ist auf der Rückseite mit der Gravur des MoD versehen. Ursprünglicher Eigentümer dieser Bigcrown war die Royal Navy in Plymouth, U.K.

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In der Deckelinnenseite sieht man, dass die Referenz 6540 ausgestrichen wurde, stattdessen wurde dann A/6538 als Referenz eingraviert. III.57 bedeutet das dritte Quartal 1957. Der Bodendeckel verfügt über die H.S. 10 – CD Gravur, die interne Seriennummer lautet 49.09x. Das macht diese Submariner zur frühesten der derzeit drei bekannten A/6538 in Originalzustand. Die Werknummer liegt überdies nur eine Nummer neben der in John Goldbergers Buch “100 Superlative Rolex” abgebildeten Uhr.

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Philipp wurde vom Sohn des Besitzers kontaktiert und hat die Uhr sofort in Portsmouth abgeholt. Nachfolgendes Bild entstand direkt nach der Übergabe. Gut zu sehen sind die vielen Kratzer im Plexiglas, aber auch, in welch gutem Zustand sich das rote Dreieck auf der Lünette und die rote Schrift auf dem Blatt befinden. Die Radium-Leuchtmasse hat eine schöne Patina und es macht schon so bereits den Anschein, als sei die Oberfläche des Blattes unbeschädigt.

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Diese A/6538 ist laut Philipp in 100% originalem Zustand. Sie ist so, wie sie seinerzeit ausgeliefert wurde und somit etwas, was es is in der Form bisher noch nicht zu sehen gab. Zwei weitere Exemplare mit dem originalen 3-6-9-Blatt und roter Tiefenangabe 200/660 sind zwar bekannt, doch bei einer wurde die Leuchtmasse aufgefrischt, bei der anderen fehlen die festen Federstege. Somit ist Philipps Fundstück die bislang einzig wirklich komplett originale A/6538 Military Big Crown! Noch während Philipp in Großbritannien war, erhielt er Anfragen nach besseren Bildern. So polierte er kurzerhand das Plexiglas mit ein wenig Zahnpasta um die Schönheit unter dem Glas zu enthüllen.

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Nach späterem, stundenlangem Polieren des Glases von beiden Seiten, vorsichtigem Abnehmen und Reinigen der Prototyp-Lünette, machte sich Philipp an das Blatt. Ganz behutsam reinigte er es mit einer weichen Bürste, natürlich mit Mundschutz um den Radium-Staub fernzuhalten. Das Endresultat ist hier zu sehen. Das Glas scheint an den Seiten vom Radium-Staub mit den Jahren regelrecht “vereist” worden zu sein.

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Besonders gut ist diese “Vereisung” in der Seitenansicht zu sehen. Diese einzigartige Transformation kommt durch den Radium-Staub zustande, der das Plexiglas auf der Innenseite angreift.

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Fast schon Kunst sind für Philipp die Linien der Uhr, wie scharf die Kanten gezogen sind. Allein diese Fasen…

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Die Submariner – ohne Glas. Dieses recht ungewöhnliches Bild entstand, nachdem Philipp das Blatt gereinigt hatte. Mit dem Ergebnis ist er mehr als zufrieden.

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Diese vom SBS georderte Ref. A/6538 ist vielleicht die wichtigste Submariner, die Rolex jemals ausgeliefert hat. Es ist die erste UK Military Sub mit der Prototyp-Lünette aus Neusilber, die später so ikonisch für alle Submariner Uhren von Rolex wurde. Der Zustand ist außergewöhnlich, wie man auf den Bildern erkennen kann. Gut zu sehen ist auch, dass diese Prototyp-Lünette wesentlich höher baut, sodass die große 8-Millimeter Brevet-Aufzugskrone in geschlossenem Zustand immer noch nah am Gehäuse anliegen kann und die Uhr so wasserdicht bis 200 Meter ist.

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Wie dick die Submariner Ref. A/6538 ist, erkennt man auf dem nachfolgenden Bild sehr gut. Diejenigen, die schon einmal eine Big Crown Submariner in Händen hielten wissen, dass diese ohnehin recht dick sind. Doch durch die Lünette wirkt diese A/6538 geradezu riesig.

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Gut zu sehen ist hier der Zustand der Neusilber Lünette und wie hoch sie baut. Auch die A/6538 Gravur und der feste Federsteg sind klar erkennbar.

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Noch eine Nahaufnahme der 8-Millimeter Brevet Krone und der Prototypen-Lünette. Sie ist breiter als bei herkömmlichen 6538 Modellen und baut, wie man sieht, wesentlich höher, sodass man die Aufzugskrone weiterhin betätigen kann.

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Interessant ist der Grünspan zwischen Stahlgehäuse und Neusilber-Lünette. Eine typische Patina, die man öfters beobachten kann.

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Kommen wir zur Gravur des Bodendeckels. H.S.10 CD, gefolgt von der Seriennummer 49.09x. H.S. steht für “Hydrographic Survey”, die Abteilung der Britischen Admiralität, die für das Anfertigen von Karten und Zeichnungen zuständig war. Sie waren auch verantwortlich für die Beschaffung und Wartung der Uhren der Royal Navy. CD bedeutet, dass die Uhr an einen “Clearence Diver” abgegeben wurde, einen speziellen Taucher, der mit Hilfe von Sprengstoff Unterwasser-Hindernisse beseitigt, um so Häfen und Schifffahrtsrouten passierbar zu machen. Später wurden unter diesem Begriff auch andere Unterwasserarbeiten zusammengefasst. Die Clearence Diver Einheiten formierten sich erst während und nach dem zweiten Weltkrieg um Häfen in Mittelmeer und Nordeuropa von Wracks, Sprengfallen und ähnlichem zu beseitigen.

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Die Werknummer der Uhr liegt, wie bereits erwähnt, nur eine Nummer neben jener, die in Goldbergers Buch zu finden ist. An einem der Zahnräder fehlen drei kleine Zähne. Dadurch ist das Uhrwerk blockiert. Die Uhr wird also einen Service benötigen, doch Philipp wird sie erst einmal so lassen, wie sie ist. Offen bleibt, wie es eine A/6538 geschafft hat, dem späteren “Upgrade” durch ein so genanntes “Burford” Blatt zu entkommen, dem Blatt, das in den frühen 1960er Jahren in nahezu alle Uhren eingebaut wurde. Philipp erinnert sich, dass der Verkäufer davon sprach, sein Vater habe in seiner Laufbahn auch auf U-Booten gedient und war in den 60er Jahren so auch im Fernen Osten unterwegs. Vielleicht liegt hier der Grund für die noch heute vorhandene Originalität. Er war einfach fernab von daheim und hatte diese Uhr mit sich.

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Wenn Sie mehr wissen möchten, zur Geschichte dieser und der anderen bekannten Rolex Submariner A/6538, dann lesen sie den ausführlichen Artikel von Philipp hier in unserem Forum. 

 

Fotos & Text: © rolexpassionreport.com
Frei aus dem Englischen übersetzt von Percy Christian Schoeler (PCS) 2016

 

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