Ein Teil Campari, ein Teil Wermut, ein Teil Gin – das Grundrezept eines Negroni ist schnell erklärt. Alle drei Zutaten in ein mit Eiswürfeln gefülltes Tumbler-Glas geben, Orangenscheibe, -schale oder -zeste hinzu und dann so lange im Glas rühren, bis dieses auch an der Außenseite eiskalt ist – fertig ist der Negroni.

Negroni Belmond Hotel Cipriani Venice Venezia Venedig Luxify

Negroni an der Bar des Belmond Hotel Cipriani in Venedig

Der gute Graf Negroni und seine hochprozentige Erfindung

Erfunden hat’s der Graf Negroni, der der Geschichte nach, einst in Florenz einen mit Gin verlängerten Americano bestellte. Irgendwann um 1919/1920 herum soll das gewesen sein, der Negroni ist somit ein fast 100 Jahre alter Cocktail!

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Venedig am Abend – wunderschön, egal bei welchem Getränk

Mein erster Negroni ist noch nicht ganz so lange her. Vorletzten Sommer saß ich im Schwarzen Kameel in Wien und war auf der Suche nach einer Alternative zu einem der hier ja so beliebten „Weißen Spritzer“. Serviert bekam ich einen Negroni und es war augenblicklich um mich geschehen. Der Negroni ist ein herrlicher Aperitif, der mich immer so ein wenig an die Art Hustensaft erinnert, die man als Kind auch dann am liebsten noch packungsweise weiter getrunken hätte, wenn man eigentlich schon längst wieder kerngesund war.

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Die Bar des Cipriani bei Nacht

Die ersten Selbstversuche verliefen enttäuschend

Eher ernüchternd allerdings fielen meine nun folgenden ersten Mixversuche daheim aus. Ein Teil Campari, ein Teil Wermut, ein Teil Gin – das kann ja eigentlich nicht so schwer sein. Und doch, meine ersten eigenkreierten Negroni schmeckten, man kann es nicht anders sagen, grauslich.

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Der perfekte Negroni?

Der Schuldige hierfür ward schnell gefunden. Natürlich nicht ich selbst. Wo kämen wir denn da hin? Nein! Es war der Wermut. Ein Getränk, mit dem ich zuvor nur sehr wenig Berührungspunkte hatte. Wermut ist Wermut, dachte ich mir. Martini Rosso hatte mein Supermarkt nicht, also gab es irgend einen anderen roten Wermut. Ein großer Fehler!

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Prost! Walter Bolzonella lädt zur Negronitime

Walter, übernehmen Sie!

„Der Wermut personalisiert den Negroni“ erklärt mir Walter Bolzonella, der Bar Manager des Belmond Hotel Cipriani in Venedig, bei dem nicht nur während der Filmfestspiele halb Hollywood am Tresen Platz nimmt. Bei meinem Besuch in jenem legendären Hotel (mehr dazu im Reisebericht) frage ich ihn, was das Geheimnis eines perfekten Negroni sei. Und zu meiner großen Freude weiht er mich dann auch direkt in seine Bar-Künste ein.

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Ein Negroni wird nicht einfach gemixt. Er wird zelebriert!

Beginnen wir mit dem Bitter. Grundsätzlich muss es hier nicht immer Campari sein. So haben beispielsweise auch Martini und einige andere Hersteller entsprechende Kreationen im Programm. Doch im Regelfall greift man beim Negroni dann eben doch auf das Original zurück. Campari also. Check.

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Der Gin – oder: manchmal ist weniger mehr

Ebenfalls recht einfach ist die Sache mit dem Gin. Der sollte nicht zu ungestüm sein, Gins wie etwa Hendricks oder Monkey 47 dürfen gerne ihren Weg in einen Gin Tonic finden, für den Negroni allerdings sind sie nicht die optimale Wahl.

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Gleich ist er fertig, der perfekte Negroni

Walter setzt hauptsächlich auf zwei Gins, die er für die Zubereitung des Negroni verwendet: den Star of Bombay und den Standard Tanqueray (ohne Ten). Für die Ladies bevorzuge er Star of Bombay, für die Gentlemen eher Tanqueray. Hätten wir das auch geklärt. Check.

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Gerührt, nicht geschüttelt – ob James Bond damit wohl einverstanden wäre?

Das große Geheimnis, es liegt im Wermut

Das führt uns zum Wermut. Und hier wird’s nun kompliziert. So finden sich nicht weniger als 15 verschiedene Sorten der aromatisierten Weine an der Bar des Cipriani. Welchen davon er denn jetzt nun aber für seinen perfekten Negroni nimmt, möchte ich wissen.

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Allerlei Geheimnisse an der Bar

Walter lacht und deutet auf eine Kristallflasche. Dann lüftet er deren Geheimnis. Denn der darin befindliche Wermut ist nicht etwa einer der 15 zur Auswahl stehenden, es ist eine Kombination aus gleich vier Verschiedenen!

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Die vier Sorten Wermut für den Cipriani Vermouth

Hierzu kombiniert Walter Vermouth Lo Scuro und Il Chiaro, beide aus dem Hause Poco Noto, dazu den bekannten Antica Formula von Carpano, sowie Vermouth Riserva Speciale Rubino aus dem Hause Martini. Zu den zwei traditionellen Wermuts aus dem Piemont gesellen sich also zwei aus der Toskana. Schließlich trank Graf Camillo Negroni seinen ersten Negroni an der Bar des Caffè Casoni in Florenz. Anzunehmen also, dass man diesen damals mit toskanischem Wermut zubereitete.

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Walter und seine – nun nicht mehr ganz so geheimen – Ingredienzien

Der perfekte Negroni – das Rezept!

Wie lange er am perfekten Mischungsverhältnis dieser vier Wermuts experimentiert hat, sagt Walter mir zwar nicht, die Leser von Luxify haben es da nun aber in jedem Fall deutlich einfacher. Denn für sie verrät Walter die genaue Rezeptur. Für den originalen Wermut Speciale des Belmond Hotel Cipriani benötigt man somit:

  • 50% Poco Noto Lo Scuro (Vermouth Toscano)
  • 5% Poco Noto Il Chiaro (Vermouth Toscano)
  • 30% Martini Riserva Speciale Rubino (Vermouth di Torino)
  • 15% Carpano Antica Formula (Vermouth di Torino)

Und nun: Viel Vergnügen beim Nachmixen… It’s Negronitime!

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Diesen Ausblick zum Negroni gibt es allerdings nur im Belmond Hotel Cipriani

Negroni trinken und Gutes tun

Übrigens: vom 4. – 10. Juni 2018 findet die offizielle „Negroni Week“ statt, die 2013 von Campari und der Zeitschift imbibe ins Leben gerufen wurde. Die Idee dahinter: Negroni trinken und dabei etwas Gutes tun. Fast 1,5 Millionen US-Dollar kamen auf diesem Wege bisher wohltätigen Organisationen zugute, davon alleine über eine halbe Millionen US-Dollar im vergangenen Jahr. Mehr zum Projekt und den teilnehmenden Bars und Restaurants auf der ganzen Welt unter negroniweek.com.

Fotos: © PCS 2018

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