Am 25. Mai feierte eine komplett neue Uhrenlinie Premiere. Ihr Name: Iron Walker. Ihr Hersteller: Wempe. Wempe Glashütte. Die Premiere der vielleicht wichtigsten und größten Uhrenlinie für das traditionsreiche, eigentlich ja in Hamburg ansässige Familienunternehmen, war minutiös geplant. Großer Social Media Trommelwirbel inklusive. Schade nur, dass eine Werbeanzeige, geschaltet bereits vor dem großen Tag in einem Print-Magazin, im Vorfeld ein wenig der Spannung nahm.

Große Spannung auf die neue Wempe Kollektion

Wie auch immer. Die Neugierde der Uhrenwelt auf die Modelle der nun bereits dritten Uhrenlinie aus der Glashütter Sternwarte blieb dennoch ungebrochen. Nach einem kurzen Blick an jenem 25. Mai hatte ich gestern nun endlich Gelegenheit, den Großteil der Uhrenfamilie bei Wempe in Wien in Ruhe begutachten zu können. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an das großartige Team vom Wempe Wien und die stundenlange Geduld mit mir.

Was die Menge an Modellen angeht, hat Wempe definitiv nicht gekleckert, sondern wahrlich geklotzt. Ganze 16 verschiedene Varianten umfasst die Startkollektion. Sie beginnt bei klassischen Drei-Zeiger-Uhren in den Größen 36 und 40 Millimetern, jeweils erhältlich mit blauem, schwarzem und silbernem Blatt und wahlweise mit Automatik- oder Quarz-Antrieb.

Darüber rangieren zwei 42 Millimeter messende Chronographen und zwei Tauchermodelle gleichen Durchmessers, jeweils mit blauem oder schwarzem Zifferblatt. Alle Modelle verfügen eine Datumsanzeige mit farblich auf das jeweilige Zifferblatt abgestimmter Datumsscheibe.

Wempe Iron Walker: 16 Uhren zu fairen Preisen

Die Preise, sie beginnen bei 1.675 Euro für die Damenmodelle in Quarz und 2.275 Euro für jene mit Automatikwerk. Die entsprechenden Herrenmodelle liegen jeweils 100 Euro darüber. Die Taucheruhren sind für 2.975 Euro erhältlich, die Chronographen wechseln für jeweils 3.675 Euro den Besitzer. Soweit die schnöden Fakten.

„Unser gesamtes Wissen über Stahluhren steckt in dem markanten Design der Linie Iron Walker“ – so wird Kim-Eva Wempe auf der Facebook-Präsenz des Juweliers zitiert. Und schaute man sich die ersten Pressebilder an, mochte so manch einer mit leicht süffisantem Lächeln bemerkt haben, dass an jener Aussage nicht der geringste Zweifel bestünde.

Bekannte Designelemente, kreativ neu zusammengefügt

In der Tat ist es denn auch kein allzu großes Geheimnis, dass man beim Gehäusedesign die ein oder andere Anleihe zu APs Bestseller Royal Oak entdecken kann. Auch Freunde von Vacherons Overseas werden Parallelen sehen. Ein bisschen IWC Ingenieur hier, ein wenig Rolex Oysterquartz dort, gemischt mit ein paar Einflüssen der Patek Nautilus. Ja, ich denke, jetzt sind alle Kandidaten genannt, die man, so man will, in der Iron Walker Linie verorten kann.

Um so erstaunlicher aber der Live-Eindruck. Denn trotz der, na sagen wir mal, leichten Design-Inspiration an der ein oder anderen Stelle, wirken die Iron Walker Modelle deutlich eigenständiger, als so manche Hommage an das Design Gerald Gentas, welche wir in den letzten Jahren bei namhaften Schweizer Herstellern entdecken durften.

Am Handgelenk schließlich wird klar, dass es Wempe hier tatsächlich geschafft hat, aus der ein oder anderen bekannten Zutat etwas Neues zu schaffen, das optisch direkt überzeugen kann.

Die Stahlarbeiter standen Pate beim Namen Iron Walker

„Iron Walker“, dieser Name soll Bezug nehmen auf die Stahlbauarbeiter, welche zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts beim Bau von Hochhäusern zum Einsatz kamen. Zwar will mir auch bei der Livebeschau der Kollektion dieser Gedankengang nicht so ganz in den Sinn kommen, zumindest aber hat man mit den Modellen ein ordentlich schweres Stück Stahl am Handgelenk.

Die Uhren zeigen jede Menge Präsenz, wirken aber dennoch sehr elegant. Speziell das Drei-Zeiger-Modell wirkt trotz seiner Größe von 40 Millimetern in der Draufsicht fast schon zierlich. Im Zusammenspiel mit einer Bauhöhe von 9,75 Millimetern ist sie für mich definitiv die Überraschung der Kollektion. Eine äußerst edle, elegante und doch sportliche Armbanduhr, die speziell mit dem silbrig-weißen Zifferblatt ein echter Augenschmaus ist.

Deutlich heftiger kommt da der Iron Walker Chrono daher. Er ist mit seinen 42 Millimetern nicht nur im Durchmesser größer, mit 13,95 Millimetern baut er noch dazu auch wesentlich höher.

Zwei Chronographen und zwei Taucheruhren

Statt drei wie bei den Drei-Zeiger-Modellen stehen bei ihm lediglich zwei Zifferblattvarianten zur Wahl. Beim blauen Blatt sind die Totalisatoren in Blau gehalten, beim Schwarzen sind sie silberfarben abgesetzt. Ein bisschen schade, dass man nicht auch eine „Panda“ Variante mit silbrig-weißem Blatt und schwarzen Hilfszifferblättern ins Programm genommen hat, aber wer weiß. Was nicht ist, mag ja noch werden.

Auch bei den ebenfalls 42 Millimeter großen und 11,7 Millimeter hohen Taucheruhren ist die blaue Variante die Klassischere. Die schwarze Version darf mit weißen und blauen Akzenten an Zifferblatt und Zeigern ein wenig poppiger daherkommen.

Die innenliegende Drehlünette lässt sich über eine zweite Krone verstellen. Diese Art Technik ist bekannt etwa von Aquatimer oder Offshore Diver. Bei der Wempe Iron Walker erfolgt die Verstellung stufenlos und selbstverständlich nur entgegen dem Uhrzeigersinn.

Armbänder mit Tauchverlängerung oder verdeckter Schließe

Das schwere Gliederarmband verfügt über eine Faltschließe mit Sicherheitsbügel und ausklappbarem Verlängerungselement, welches den Umfang um 17 Millimeter erweitert. Eine darüber hinaus gehende Feinverstellung findet sich nicht. Auch ein gerade diesem Modell sicher gut stehendes Kautschukband ist derzeit noch nicht im Programm. Ein weiterer Punkt, um den man die Kollektion über die Jahre noch erweitern könnte.

Mit der großen Kastenschließe hebt sich das Tauchermodell ein wenig vom Rest der Linie ab. Denn allen anderen Modellen gönnt Wempe Armbänder mit verdeckter Faltschließe, ebenfalls mit einem kleinen Sicherheitsbügel, ausgestattet mit einem Wempe Schriftzug.

Kommen wir an dieser Stelle zu einer weiteren Frage, die mich im Vorfeld sehr neugierig gemacht hat. Wie schaut es mit der Verarbeitungsqualität aus? Schließlich setzt Wempe bei Gehäuse und Band der Iron Walker auf fein satinierte Flächen mit gebrochenen, polierten Kanten, wie man diese sonst fast nur von Uhren kennt, die preislich auf einem ganz anderen Level liegen.

Verarbeitungsqualität: auch hier begeistert die Iron Walker

Ich denke, die Makroaufnahmen zeigen es: das Ergebnis ist mehr als beeindruckend. Es ist – nahezu perfekt. Das Spiel von Ecken und Kanten, von Flächen und Fasen, es ist genau so, wie man sich dies wünscht. Die Iron Walker spielt in ihrer ganz eigenen Art mit dem Licht, sodass das Hinschauen jedes Mal aufs Neue einfach nur Spaß macht.

Erwähnt sei an dieser Stelle auch, dass es Wempe geschafft hat, die hübsche Bodengravur immer genau gerade auszurichten. Auch da gibt sich so mancher größere Hersteller ja deutlich weniger Mühe.

Lediglich ein kleiner Wermutstropfen sei erwähnt: eben jener Sicherheitsbügel der verdeckten Faltschließe nämlich. Er hatte bei manchen der von mir begutachteten Modelle ein wenig Spiel bzw. rastete nicht 100% genau ein. Hier gibt es also ggf. noch etwas Potenzial zur Nachbesserung.

Davon abgesehen aber zeigt sich die Iron Walker Linie von einer Hochwertigkeit, die es mit Uhren in weitaus teureren Preislagen aufnehmen kann. Diese Fertigungsqualität in diesem Preissegment ist wirklich sensationell.

Gleiches gilt für die Wasserdichtigkeit. So sind alle Modelle der Linie bis 10 bar (100 Meter) wasserdicht. Auch das ist bei so mancher Uhr im zehn- bis zwanzigfachen Preissegment ja bis heute nicht Standard. Die Tauchermodelle schaffen sogar 30 bar (300 Meter).

Bei der Iron Walker setzt Wempe auf bewährte Uhrwerkstechnik

Und was erwartet uns unter dem mit der Glashütter Sternwarte verzierten, verschraubten Bodendeckel? Wempe vertraut bei der Iron Walker auf bewährte ETA Technik. So sind in den Taucher- und Drei-Zeiger-Automatikmodellen Werke vom Typ ETA 2892-A2 verbaut, die Quarzvarianten der 36- und 40-Millimeter Modelle treibt ein ETA E64.111 an.

Beim Chronographen setzt Wempe auf das ETA Valjoux 7753. In Glashütte, wo die Werke montiert, mit einem Sekundenstopp versehen und feinreguliert werden, schafft man es übrigens auch, die Gangreserve entsprechend anzupassen. Verfügen die Automatikwerke der ETA standardmäßig über 42 Stunden, bringt es das 2892 bei Wempe auf 50, das 7753 gar auf 54 Stunden.

Was folgt ist die deutsche Chronometer-Prüfung nach ISO 3159, bei der nicht einfach das Uhrwerk, sondern die bereits zusammengesetzte Uhr getestet wird. Nur wenn die mittlere Gangabweichung nicht mehr als 2 Sekunden pro Tag beträgt, dürfen sich die Uhren „Chronometer“ nennen. Dies trifft auf alle Uhren der Iron Walker Linie zu.

Fazit

Mein Fazit: eine etwas holprige Produkteinführung und ein nicht unbedingt ganz selbsterklärender Produktname können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Wempe mit der Iron Walker eine echte Sensation in die eigenen Schaufenster gebracht hat. Eine Kollektion, die das Beste aus dem eigenen Wissen über Stahluhren vereint, das ein oder andere bekannte Designmerkmal aufnimmt und daraus ein durchaus eigenständiges Produkt schafft. Die Iron Walker beeindruckt durch hochwertige Verarbeitung und einen dafür sensationellen Preis. Mein persönlicher Favorit: die 40 Millimeter Drei-Zeiger-Automatik. Mehr Uhr fürs Geld – danach muss man wahrlich lange suchen. Ein großes Kompliment nach Glashütte und Hamburg.

Modelle und Preise im Überblick

Wempe Glashütte I/SA Iron Walker Damenuhr (36mm)

  • Ref. WI00 0001 – Quarz, weißes Blatt – EUR 1.675
  • Ref. WI00 0002 – Quarz, schwarzes Blatt – EUR 1.675
  • Ref. WI00 0003 – Quarz, blaues Blatt – EUR 1.675
  • Ref. WI10 0001 – Automatik, weißes Blatt – EUR 2.275
  • Ref. WI10 0002 – Automatik, schwarzes Blatt – EUR 2.275
  • Ref. WI10 0003 – Automatik, blaues Blatt – EUR 2.275

Wempe Glashütte I/SA Iron Walker Herrenuhr (40mm)

  • Ref. WI00 0004 – Quarz, weißes Blatt – EUR 1.775
  • Ref. WI00 0005 – Quarz, schwarzes Blatt – EUR 1.775
  • Ref. WI00 0006 – Quarz, blaues Blatt – EUR 1.775
  • Ref. WI10 0004 – Automatik, weißes Blatt – EUR 2.375
  • Ref. WI10 0005 – Automatik, schwarzes Blatt – EUR 2.375
  • Ref. WI10 0006 – Automatik, blaues Blatt – EUR 2.375

Wempe Glashütte I/SA Iron Walker Taucheruhr (42mm)

  • Ref. WI20 0001 – Automatik – schwarzes Blatt – EUR 2.975
  • Ref. WI20 0002 – Automatik – blaues Blatt – EUR 2.975

Wempe Glashütte I/SA Iron Walker Chronograph (42mm)

  • Ref. WI30 0001 – Automatik – schwarzes Blatt – EUR 3.675
  • Ref. WI30 0002 – Automatik – blaues Blatt – EUR 3.675

Weiterführende Informationen

Mehr Infos über die Iron Walker Kollektion von Wempe Glashüte I/SA gibt es auf der Homepage wempe.com.

Fotos: © PCS 2020

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