Plastikmüll, dieses Wort ist derzeit in aller Munde. Und diese Formulierung entbehrt bereits für sich genommen nicht einer gewissen Tragik. Denn schon bei rund einem Viertel der Meeresfische findet man heute Plastik-Partikel im Magen. Am Ende kommt jener Abfall also über die Nahrungskette wieder zu uns zurück. Liebe geht durch den Magen? Unvernunft letztlich irgendwie auch. Skurril.

Luxify Breguet Race for Water Lausanne

Der futuristische Race for Water (R4W) Katamaran

Seit einigen Monaten findet in immer mehr Köpfen ein Umdenken statt. Nicht zuletzt die hohe mediale Präsenz dieses Themas dürfte ihren Teil dazu beigetragen haben. Auch ich greife inzwischen nur noch mit schlechtem Gewissen zum Plastikstrohhalm, ärgere mich, wenn ich im Flugzeug Zucker und Serviette zusammen mit einem Plastiklöffel in einer Plastikverpackung serviert bekomme, nehme meine eigenen Einkaufssackerl mit zum Supermarkt.

Retten wir wirklich den Ozean?

Gleichzeitig aber frage ich mich das eine ums andere Mal, ob wenn wir in einem so hoch technisierten und sowieso schon auf Abfallvermeidung und Recycling bedachten Land wie Deutschland auf unsere Plastikstrohhalme verzichten, dies Global überhaupt einen Unterschied machen wird. Ob jener Strohhalm, auf den ich beispielsweise in einer Cocktailbar in Frankfurt verzichte, jemals überhaupt den Weg ins Meer genommen hätte? Ganz ehrlich, ich habe da so meine Zweifel.

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Das weitaus größere Problem liegt ganz woanders auf der Welt. Ansätze vor der eigenen Haustüre können zwar ein kleiner Schritt sein, dienen sie aber oft nicht nur der Beruhigung des eigenen Gewissens? Die weitaus größere Frage ist da – wie bekommt man die Sache global in den Griff?

Eine Reise an den Genfer See

Ich bin in Lausanne am schönen Genfer See. Hier treffe ich auf Marco Simeoni. Marco ist ein Schweizer Unternehmer, der 2014 seine IT-Firma an die Swisscom verkaufte. Seither widmet er sich der Rettung der Weltmeere. Dazu gründete er eine Stiftung. Race for Water heißt sie und was die so alles macht, das erzählt er heute hier, im berühmten Hotel Beau Rivage Palace.

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Marco Simeoni auf der R4W

Die Konstellation wirft zunächst einmal eine Frage auf. Warum bin eigentlich gerade ich hier? Wie kamen sie auf mich? Denn so wichtig das Thema auch ist, ist es nicht wirklich vordergründig eines für einen Luxus Blog.

Was mache ich hier eigentlich?

Des Rätsels Lösung: Race for Water hat einen großen Partner. Und der heißt Breguet. Es geht also auch um Uhren an jenem Tage, doch dies soll heute wirklich nur ein Randthema bleiben. Warum Breguet bei dem Thema „mit im Boot“ sitzt, erklärte Breguet Präsident Marc A. Hayek kürzlich in einem Interview. Als Manufaktur, deren Ursprünge bis zurück ins Jahr 1775 datieren, sei es wichtig, das große Ganze zu sehen. Es gehe somit auch um das Erbe, welches man den kommenden Generationen hinterlasse. Ergibt durchaus Sinn.

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Marco Simeonis Breguet Marine 5517 trägt die Umrisse des Katamaran auf dem Zifferblatt

Marco Simeonis Handgelenkt ziert somit auch eine ganz spezielle Breguet, als er in Lausanne vor die Presse tritt. Eine, die ausschließlich für die Race for Water Crew gestaltet wurde. Marco berichtet von seinem Projekt und den Erfolgen des Jahres 2018. Was direkt auffällt: Race for Water verfolgt einen anderen Ansatz als viele der weiteren sich dem Thema widmenden Initiativen. Denn hier geht es weniger darum, Plastik, welches bereits im Meer schwimmt, aus jenem zu entfernen. Vielmehr ist das Ziel, zu verhindern, dass weiteres Plastik überhaupt erst ins Meer gelangt.

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Nur ein Bruchteil schwimmt an der Oberfläche

Plastikabfälle einzufangen, die bereits im Meer schwimmen, ist sicher eine gute Idee, die Bilder von wahren Müllteppichen ein medial gut einzusetzendes Bild, keine Frage. Es gibt dabei aber ein Problem: nur etwa 10% des Plastiks im Meer nämlich schwimmt an dessen Oberfläche und ist darüber hinaus auch noch so groß, dass man es überhaupt herausfischen kann. Die restlichen 90% zersetzen sich in kleinste Partikel und sinken in tiefere Gefilde ab. An sie ist somit kein Herankommen mehr.

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Modell der R4W bei der Pressekonferenz in Lausanne

Marcos Ansatz im Kampf gegen Plastikmüll hingegen beginnt an Land. Denn rund 10% des dort vorhandenen Plastiks landet früher oder später im Meer. Bedenkt man, dass in den kommenden zehn Jahren mehr Plastik produziert werden soll als im Zeitraum der 1950er Jahre bis heute zusammen, ist klar, dass wirklich akuter Handlungsbedarf besteht.

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Akuter Handlungsbedarf – an Land!

Vermeiden, dass Kunststoffabfälle überhaupt ins Meer gelangen, dafür hat Marco eine ganz eigene Lösung. Die liegt in der Umwandlung von nicht mehr benötigtem Plastik in Energie. Hierfür hat Race for Water eine spezielle Anlage konstruieren lassen. Ein Prototyp ist seit vergangenem Jahr in Frankreich in Betrieb.

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Rund 1.500 Tonnen Plastik können damit jährlich verarbeitet werden. Im Gegensatz zum Recycling, bei dem das Plastik zunächst in sieben verschiedene Plastikfamilien getrennt und dann gereinigt werden muss, können hier alle Arten von Plastik sofort verarbeitet werden.

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Bei 800 Grad werden die zuvor geschredderten Abfälle durch ein thermochemisches Verfahren zu Synthesegas, welches gereinigt und in Wasserstoff umgewandelt wird. Die bei der Verbrennung entstehenden Schadstoffe werden in Filtern aufgefangen. Der Wasserstoff wird letztlich in eine Brennstoffzelle eingespeist, die den Strom liefert. Die gewonnene Energie reiche für rund 30.000 Menschen, so Marco.

Plastikmüll – ein anderer Lösungsansatz

Die gesamte Anlage ist dabei so konstruiert, dass sie in ein paar Überseecontainer passt und vor Ort nur wenig Standfläche benötigt. Das macht sie beispielsweise auch für kleinere Inseln interessant. Um die Anlage zu promoten, hat Marco die Crew seines futuristisch anmutenden Race for Water Katamaran im April 2017 auf eine 5-jährige Tour rund um die Welt geschickt.

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Der Katamaran, 2009 / 2010 in Kiel gebaut, wird hauptsächlich mittels Solarenergie betrieben. Zu diesem Zweck befinden sich auf einer Fläche von 512 Quadratmetern Sonnenkollektoren an Deck. Große Lithium-Ionen Akkus speichern die gewonnene Energie und geben sie an die vier Elektromotoren ab.

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Für den Fall, dass die Sonne einmal länger nicht scheinen sollte, hilft ein 40 Quadratmeter großer Zugdrachen. Zusätzlich kann das Schiff mittels Solaranergie Wasser per Elektrolyse in Wasserstoff umwandeln und diesen in entsprechenden Druckflaschen speichern.

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Auf ihrer Reise hat die Race for Water bislang zu 72% auf Sonnenenergie, zu 20% auf Windenergie und zu 8% auf Wasserstoff zurückgegriffen. Die Tour mitverfolgen kann man via Internet über raceforwater.com.

Eine 5-jährige Mission um die Welt

Auf ihrer 5-jährigen Reise läuft das Schiff insgesamt 38 Stationen an. An Bord werden dann Gespräche mit Regierungsangehörigen und anderen Entscheidungsträgern geführt. Doch auch Schulklassen sensibilisiert die Crew für das Problem des Plastikmülls. Insgesamt werden so während der Reise bis zu 50.000 Besucher an Bord erwartet.

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Die örtlichen Regierungen für den Schutz der Weltmeere zu gewinnen ist keine einfache Mission. Denn am Ende ist alles eine Sache der Wirtschaftlichkeit. Rund 3 Millionen USD kostet eine Anlage. Hinzu kommen die Kosten für die Müllsammler vor Ort. Denn ohne finanziellen Anreiz wird niemand liegen gebliebenes Plastik von Stränden o.ä. entfernen. Dies eingepreist, kalkuliert Marco die Kosten auf 30 bis 35 Cent pro Kilowattstunde.

Aus Plastik werde Strom

Genau hier liegt die Attraktivität gerade für kleinere Inselstaaten. Die Kosten der dort häufig zur Stromgewinnung eingesetzten Dieselgeneratoren liegen mit bis zu 70 Cent pro Kilowattstunde (etwa auf Rapa Nui) meist weitaus höher. Anders sieht es allerdings bei kontinental gelegenen Großstädten aus. Hier sind die Kosten der Stromgewinnung deutlich niedriger. In Lima beispielsweise liegen sie nur bei rund 10 Cent pro Kilowattstunde.

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Die Crew der Race for Water

Bereits an vier Destinationen aber hatte man Erfolg. Dort werden ab 2020 die ersten Anlagen stationiert. Unter den Standorten sind die Osterinsel und Bora-Bora. Wie wichtig es ist, das Problem der Plastikabfälle landseitig anzugehen, zeigte kürzlich erst ein einstündiges „Beach Clean-Up“ auf Rapa Nui. 50 Freiwillige sammelten an vier Stellen der Insel allein in jener Stunde 528 Kilogramm Müll auf.

Südamerika – Südsee – Asien

Bis Ende 2021 ist die Race for Water noch auf unseren Ozeanen unterwegs. Nach den Südsee Inseln stehen diverse Destinationen in Asien auf der Reiseroute. Es bleibt zu hoffen, und letztlich uns allen zu wünschen, dass Marco mit seinem Team auch hier Erfolg hat.

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Fotos: © Julien Girardot (7), Peter Charaf (4), PCS (4)

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