Was ist schon so besonders an einem Chronometer? Die Zertifizierung als solches schaffen schließlich Jahr für Jahr hunderttausende an Uhren. Zertifizierter Chronometer zu sein, das gehört heutzutage quasi zum guten Ton, will man als Uhrenhersteller in einer gewissen Liga mitspielen.

Drehen wir die Zeit ein wenig zurück. So etwa 70 Jahre. Damals galt ein Chronometer nämlich nur dann als Chronometer, wenn er von einem astronomischen Observatorium als solcher zertifiziert wurde. Bereits seit den späten 60er Jahren (Neuchatel) bzw. frühen 70er Jahren (Genf) des 19. Jahrhunderts gab es dafür richtige Wettbewerbe, in denen sich die Kaliber, unterteilt nach Größen, untereinander messen mussten.

Ab 1945 wurde eine zusätzliche Wettbewerbskategorie geschaffen. Eine für Kaliber bis 30 Millimeter, sprich eine für Armbanduhren. In den folgenden, insgesamt 23 Wettbewerben wurden gut 5.000 Armbanduhren eingereicht, von denen aber nicht einmal 2/3 die hohen Anforderungen erfüllten.

Im Hause Zenith war es Ephrem Jobin, der vor diesem Hintergrund das Kaliber 135 entwickelte. 1948 wurde es vorgestellt und gewann von 1950 bis 1954 fünf aufeinanderfolgende Chronometer-Preise des Observatoriums in Neuchatel. Insgesamt brachte es das Werk international sogar auf ca. 200 Auszeichnungen.

Ephrem Jobin ging in der Konstruktion des Calibre 135 komplett neue Wege, die zum Teil die Entwicklung von Uhrwerken bis zum heutigen Tage beeinflussen. So setzte er auf ein größeres Federhaus, um den Isochronismus und die Gangdauer zu verbessern. Auch die Unruh vergrößerter er und erreichte damit eine höhere Präzision. Als Folge davon musste das bislang um die Mittelachse liegende Minutenrad nun dezentral untergebracht werden.

Das Zenith Kaliber 135 nutzt den maximal zulässigen Werkdurchmesser von 30 Millimetern optimal aus und schlägt mit einer Frequenz von 18.000 Halbschwingungen. Für die Tests in spezielle Gehäuse geschalt, wurde das Serienmodell in einem wunderschön geformten 35-Millimeter Stahl-Gehäuse ausgeliefert.

Nur rund 11.000 Exemplare dieser Uhr wurden im Zeitraum zwischen 1949 und 1962 produziert. Auffällig ist unter anderem die riesig wirkende Aufzugskrone, die stattlichen Dauphinezeiger und die kleine Sekunde bei 6 Uhr.

Die Uhr hat einen Druckboden, zusätzlich wurde bei diesem Exemplar aber später ein verglaster Rückendeckel verbaut, durch den man das wunderbare Werk beobachten kann. Auktionen Dr. Crott gibt für diesen Zenith Chronometer mit der Werknummer 5362772 einen Schätzpreis von 3.300 bis 5.000 Euro an. Ein attraktiver Preis für ein echtes Stück Uhrengeschichte. Mehr Informationen und Bilder zu Lot Nummer 303 gibt es auf uhren-muser.de.

Die 93. Auktion von Auktionen Dr. Crott findet am 14. Mai 2016 ab 12:00 Uhr im SkyLoft des Sheraton Hotel am Frankfurter Flughafen statt. Vorbesichtigungen sind am Freitag, 13. Mai 2016 von 14:00 bis 20:00 Uhr, sowie am Auktionstag selbst zwischen 8:30 und 11:00 Uhr möglich.

 

Fotos & Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2016

 

 

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