by R-L-X

Auch 2017 schafft es Richard Mille wieder, eine der beeindruckendsten, innovativsten – und teuersten Neuheiten vorzustellen. Der RM 50-03 Tourbillon Schleppzeigerchronograph Ultralight McLaren F1 entsteht in enger Kooperation mit dem berühmten Formel 1 Team. Ein Review.

Reden wir heute mal über – Gewicht. Das einer 1-Euro-Münze zum Beispiel. 7,50 Gramm bringt diese auf die Waage und ist damit ein klein wenig schwerer als das gesamte Uhrwerk der neuen Richard Mille RM 50-03 Tourbillon Split Secs Chronograph Ultralight McLaren F1. Die Uhr ist das erste Produkt einer neuen Kooperation zwischen der Manufaktur (mehr über Richard Mille gibt es hier) und dem McLaren-Honda Formel 1 Team. 

Richard Mille RM50-03 McLaren – Prototyp, noch mit roter Krone und Glasumrandung

Sieben Gramm, soviel – oder eher so wenig – wiegt das Werk der Richard Mille RM 50-03. Möglich wird eine solch ultraleichte Bauart einerseits durch Verwendung von High-Tech-Materialien wie Grade-5-Titan oder TPT Karbon für Basisplatine und Brücken, andererseits durch Weglassen alles nicht Benötigten, sprich einer starken Skelettierung des Werks. 

Befestigt ist das Kaliber RM50-03 direkt am Gehäusemittelteil. Die Konstruktion mit einem abgeschrägten TPT-Karbon Käfig ermöglicht den Verzicht auf einen Gehäusering und widersteht dabei Belastungen von 5.000 g. Bei der Optik dieser Aufhängung ließ man sich bei Richard Mille von der Querlenker-Struktur eines McLaren-Honda Formel 1 Rennwagens inspirieren. 

Nicht die einzige Parallele. So lassen auch die beiden Anzeigen zwischen 10 und 2 Uhr Ähnlichkeiten zu denen im Cockpit des Rennwagens erkennen. Zwischen 12 und 2 Uhr findet man dabei eine Drehmomentanzeige, die Informationen über die Spannung der Zugfeder liefert. Zwischen 53 und 65 dNmm ist sie im optimalen Bereich. 

Links daneben, zwischen 10 und 12 Uhr, findet man die Gangreserveanzeige. Auf rund 70 Stunden bringt es die RM 50-03. Das Federhaus der Uhr braucht dabei nur 6 statt wie sonst 7,5 Stunden für eine Umdrehung, was für ein ideales Verhältnis zwischen Leistungskraft einerseits und Gleichmäßigkeit andererseits sorgen soll. Der Energieverbrauch des Chronographen wurde dank eines neuen Schleppzeigermechanismus, einem 6- statt bisher 8-Säulen-Rad und Rattrapante-Zangen im neuen Design um 50% reduziert. 

Finale Version der RM50-03 mit Details im McLaren-Orange

Gestartet und gestoppt wird der Chronograph mit dem Drücker auf 8 Uhr. Per Betätigung des Drückers auf 4 Uhr wird der Schleppzeiger zum Ablesen einer Zwischenzeit angehalten, ohne den Chrono selbst zu beeinflussen. Der Drücker auf 10 Uhr setzt die Zeiger zurück. Inspiriert wurden die ausgehöhlten Drücker ebenfalls vom McLaren-Honda F1 Racer. Sie sollen an die Luftansaugkanäle des Boliden erinnern. 

Die Krone wiederum folgt der Form der Rennfelgen des britischen Herstellers und ist mit einer Drehmomentbegrenzung versehen. Dieses Sicherheitssystem soll ein versehentliches Überdrehen verhindern. 

Aufschluss darüber, in welchem Modus sich der Stellmechanismus gerade befindet, gibt eine Funktionsanzeige auf der 3-Uhr Position. W für Winding (Aufziehen), N für Neutral und H für Hands (Zeiger stellen). Besonderheit: die Baugruppe des Stellmechanismus ist außerhalb des Uhrwerks montiert und lässt sich so im Servicefall recht einfach wechseln, ohne dass etwa Zeiger oder Zifferblatt entfernt werden müssten.

Waren Elemente wie Krone oder Umrandung des Saphirglases beim in Genf gezeigten Prototypen noch in Rot gehalten, so werden diese bei der finalen Version dann in McLaren-typischem Orange erstrahlen. 

Doch sprechen wir noch einmal über das Gewicht. Sieben Gramm für ein Uhrwerk mit Tourbillon und Schleppzeiger-Chronograph sind an sich ja schon beeindruckend genug. Nun schafft die RM 50-03 McLaren F1 allerdings noch ein weiteres Superlativ. Denn die gesamte Uhr wiegt nicht einmal 40 Gramm. Inklusive Band, versteht sich! Das macht sie zum leichtesten mechanischen Chronographen aller Zeiten.

Neben Titan und TPT-Karbon kommt dafür ein weiteres Material zum Einsatz, welches in der Uhrmacherei bislang völlig unbekannt war. Es hört auf den Namen Graph TPT, allgemein auch Graphen genannt. Darunter versteht man Kohlenstoffatome, die wie Bienenwaben angeordnet sind und so eine Schicht bilden, die nur so dick ist wie eben ein Atom. Schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts bekannt, gelang es erst 2004, Graphen zu isolieren. Ein Durchbruch, der den Professoren André Geim und Konstantin Novoselov sechs Jahre später den Physik-Nobelpreis einbrachte. 

In Kooperation mit der Universität Manchester, McLaren Applied Technologies und Noth Thin Ply Technology entsteht bei Richard Mille nun also auch eine Uhr, die Graphen verwendet. Und wo? Beim TPT-Karbon, erkennbar an der charakteristischen wellenförmigen Streifenstruktur, werden 600 Schichten parallel angeordneter Fasern zusammengefügt. Keine der Schichten ist dabei dicker als 30 Mikrometer, eine CNC-Maschine sorgt dafür, dass jede Schicht zur vorherigen um 45° gedreht ist. Die Schichten sind von einem Kunstharz durchtränkt. Und dieses wiederum ist mit Graphen versetzt. Im Anschluss wird das Verbundmaterial bei einer Temperatur von 120°C und einem Druck von 6 bar gehärtet.

Das dreiteilige Gehäuse der 44,5 x 49,65 Millimeter großen und 16,1 Millimeter dicken Uhr soll dadurch nicht nur extrem leicht sondern auch besonders widerstandsfähig sein. Für den richtigen Zusammenhalt der Gehäuseteile sorgen insgesamt 20 Spline-Schrauben aus Titan Grade 5.

Nur 75 Exemplare der RM 50-03 McLaren F1 wird es geben, erhältlich sind diese ausschließlich über die Richard Mille Boutiquen (in Deutschland: Maximilianstraße 34, 80539 München). Zusätzlich zur Uhr erhalten die zukünftigen Besitzer übrigens auch noch ein Modell des McLaren-Honda Rennwagens von 2017 im Maßstab 1:5. 

Fehlt noch was? Ach ja – der Preis. Und da wir ja heute über Gewicht reden, formuliere ich es mal so: käme man nämlich auf die Idee, jene Uhr nun wiederum in 1-Euro-Münzen zu bezahlen, so entspräche dies dem Gewicht von fast zwölf McLaren MP4-30 Formel 1 Boliden. Und bevor jemand nun noch zum Taschenrechner greifen muss – wir sprechen von 8,1375 Tonnen 1-Euro Münzen oder, wenn es doch lieber Giralgeld sein darf, über 1.085.000 Euro. 

 

 

Fotos: © Richard Mille (8), PCS (7)
Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2017

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