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Raynald Aeschlimann ist Vice President & International Sales Director von Omega SA. Im luxify Interview erklärt er, warum er gerade Frankfurt als Standort der vierten Omega Boutique gewählt hat und worin die Vorteile dieses Konzepts liegen.

Vor der neuen Omega Boutique am Frankfurter Goetheplatz sind Arbeiter gerade dabei, den roten Teppich für die Eröffnungsfeier am Abend zu verlegen. Ich bin auf dem Weg zum Hotel Frankfurter Hof. Hier, im Bücherzimmer, treffe ich Raynald Aeschlimann. Er trägt einen Omega Seamaster Planet Ocean Chronographen in Roségold mit Lederband und erscheint mir äußerst entspannt.

Raynald-Aeschlimann

luxify: Noch drei Stunden bis zur Eröffnung der neuen Omega Boutique in Frankfurt. Macht Sie so etwas gar nicht mehr nervös?

Raynald Aeschlimann: Da bin ich immer etwas gesplittet. Natürlich bin ich nervös, aber eher, weil ich weiß, dass wir jetzt den Service bieten müssen, den der Kunde erwartet. Und diese Erwartungen sind heute viel größer als noch vor 13 Jahren bei unserer ersten Boutique Eröffnung. Auf der anderen Seite aber gibt mir so ein Tag das Gefühl, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Und das macht mich froh.

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l: Frankfurt ist mittlerweile nach München, Hamburg und Berlin die vierte Omega Boutique in Deutschland. Was hat den Ausschlag gegeben, gerade Frankfurt zu wählen?

R.A.: Im Jahr 2000 eröffneten wir unsere erste Boutique in Zürich. Damals war das Ziel, in 10 Jahren 50 davon in den besten Städten der Welt zu haben. Ein ehrgeiziges Ziel von Herrn Hayek. Er wollte mit den Boutiquen unsere Kundschaft abholen. Die ersten Wunschziele standen sehr schnell fest und ich will ehrlich sein, Frankfurt gehörte damals nicht dazu. Hamburg übrigens auch nicht.

Mittlerweile sind wir bei 120 Boutiquen und sind sozusagen auf dem nächsten Level. Wir haben begonnen, die Marke zu konsolidieren, haben mit einigen Partnern aufgehört und decken die Nachfrage der Kunden über die Boutiquen.

Frankfurt, das darf ich als Schweizer sagen, ist eine sehr wichtige Stadt, eines der Wirtschaftszentren. Auch der Standort hier am Goetheplatz passt perfekt zu uns, da waren wir ja fast schon gezwungen, hierher zu ziehen. Die Boutique hat hier den richtigen Auftritt. Wissen Sie, wir sind keine Nischenmarke und auch kein, ich mag dieses Wort eigentlich nicht, Top-Top-Luxus. Uns findet man auf der 5th Avenue, nicht auf der Madison. Und so ist das auch hier. Wir sind in der Nähe des Luxus, aber auch wieder direkt am Traffic.

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l: Sind in naher Zukunft noch weitere Boutiquen geplant? Etwa in Düsseldorf oder auch Stuttgart?

R.A.: Um ehrlich zu sein, heute geplant – nein. Aber natürlich ist man immer auf der Suche und einige Vorschläge gibt es auch schon.

l: Wie ist das, werden die Boutiquen von Konzessionären betrieben oder von Omega SA bzw. der Swatch Group selbst?

R.A.: Das ist ein bisschen abhängig vom jeweiligen Land. In Deutschland etwa betreiben wir die Boutiquen selbst, in manchen Ländern wie beispielsweise Österreich und der Schweiz, oder auch jetzt in Paris, haben wir Franchise Partner. Der Kunde merkt ja den Unterschied nicht und deswegen brauchen wir Partner von denen wir wissen, dass die Zusammenarbeit passt. So haben wir mit Bucherer bereits gute Erfahrungen.

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l: Wo sehen Sie den Vorteil der Boutiquen im Vergleich zu traditionellen Konzessionären?

R.A.: Die Produktpalette an sich ist ja die gleiche, da gibt es natürlich erstmal keinen Vorteil. Aber mit der Boutique entführen wir den Kunden in eine eigene Welt, in die Omega Welt. Das ist ein anderes Kauferlebnis, dazu trägt auch die besondere Schulung, das Training der Angestellten bei. Das hat einen hohen Wert und das lässt sich bei einem Multibrand-Partner so nur schwer umsetzen. Das Boutiquen-Konzept stellt aber kein Misstrauen gegenüber unseren Partnern dar. Immerhin haben wir etwa 3.000 Points of Sale.

l: Alle Welt spricht von Asien und dass Europa kaum mehr eine Rolle spielen würde. Wie sehen Sie das? Welche Rolle spielt Europa, speziell Deutschland bei der strategischen Ausrichtung von Omega noch?

R.A.: Wir haben derzeit 3 Marken unter den Top 5 in China und Omega ist Nummer 1. Ja, Asien ist wichtig. Was Europa angeht, gibt es aber noch Hoffnung. Gerade in Deutschland und Großbritannien sind wir sehr erfolgreich. Hier lebt der Handel, das sieht man auch sehr schön an unserer Boutique in Hamburg, eben nicht nur von Touristen. Unsere Modelle der Seamaster und Speedmaster Reihe sind hier in Europa sehr beliebte Uhren und so stecken wir unsere technischen Innovationen auch in diese Linien. Das Keramikgehäuse kommt in einer Speedmaster. Die 15.000 Gauss Uhr ist eine Seamaster Aqua Terra.

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l: Die Dark Side of the Moon, aber auch die anderen Neuheiten der Baselworld 2013, haben auch bei uns hier auf luxify ein extrem positives Feedback nach sich gezogen.

R.A.: “We’ll bring this brand to the top” hat Herr Hayek einmal gesagt. Omega hat als Marke viel zu sagen, hat viel Erfolg. Das ist die Leistung von Herrn Hayek. Vor 30 Jahren machte er die Armbanduhr zum Statement am Handgelenk. Gerade in Deutschland und Österreich gibt es viele Kunden, die sich für die Uhren, die Technik interessieren. Ich genieße das.

Omega ist in einem Segment tätig, in das sich viele mit Hilfe eines Brandings, eines Logos einkaufen wollen. Aber das funktioniert auf Dauer nicht. Auch darf man seine Kunden nicht für dumm verkaufen, etwa, indem man die Preise immer weiter erhöht, ohne dafür eine entsprechende Gegenleistung zu bieten.

l: Da gäbe es in der Tat gleich einige Beispiele. Zum Schluss aber noch ein paar eher persönliche Fragen. Welches ist momentan Ihre Lieblingsuhr?

R.A.: Sehen Sie, das ist eine gute Frage. Und die wird mir auch öfters mal gestellt. Ich habe da einmal eine gute Antwort darauf gehört. Die hieß, immer die, die als letztes am Handgelenk war. Aber ich glaube, für mich ist es die klassische Speedmaster Moonwatch. Sie ist einfach eine Ikone, sie hat diesen Pioneer Spirit, die Legitimität aus der Vergangenheit. Sie ist die Uhr, die Omega darstellt. Für immer.

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l: Wenn wir die Produkte der Swatch Group einmal kurz außen vor lassen? Auf welche Uhr würde dann Ihre Wahl fallen? Gibt es einen Klassiker, bei dem Sie sagen, ok, der ist zwar nicht von uns aber trotzdem eine ziemlich perfekte Uhr?

R.A.: Oh ja, den gibt es. Zu meinem runden Geburtstag habe ich mir eine Fifty Fathoms von Blancpain gekauft. Die wollte ich schon immer haben und trage sie gerne in meiner Freizeit zur Jeans. Sie ist eine unglaublich schöne Uhr, jung und speziell. Aber ok, Sie fragten ja nach einer Uhr außerhalb des Konzerns. Da fällt mir eine ein. Schon mein Großvater war Uhrmacher und er hatte eine Le Parc. Mit schwarzem Chronographenblatt und schwarzer Tachymeterskala. Diese Kombination bleibt für mich ungeschlagen. Die Marke gibt es aber schon lange nicht mehr. Aber, wer weiß.

l: Als Magazin und Portal für Luxus darf eine Frage zum Abschluss nicht fehlen. Wie definieren Sie ganz persönlich Luxus?

R.A.: Eine interessante Frage. Ich gehe ja auch gerne einkaufen und wir sind ja alle irgendwie Verkäufer. Luxus ist für mich, wenn die Emotionen an einem Produkt die Rationalitäten beim Einkaufen überholen. Luxus, das ist Qualität, das sind Werte und das ist Service.

Herr Aeschlimann, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Eröffnung der Omega Boutique Frankfurt, heute Abend.

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Das Interview führte Percy Christian Schoeler

Fotos: © Omega (4), PCS (3)

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