by R-L-X

Im vergangenen Jahr präsentierte A. Lange & Söhne seinen Tourbograph Perpetual “Pour le Mérite”. Ein gar nicht mal so kleines Meisterwerk, welches gleich fünf äußerst beeindruckende Komplikationen vereint. Ein Review.

Beginnen wir mit etwas Namenkunde. Tourbograph Perpetual “Pour le Mérite”, so nennt A. Lange & Söhne ihr Highlight, welches sie vor knapp einem Jahr anlässlich des SIHH enthüllten. Und aus dieser zunächst vielleicht etwas seltsam anmutenden Bezeichnung kann man sich im Grunde schon all jene Spezialitäten ableiten, die diese Uhr zu einem echten Meisterstück Glashütter Uhrmacherkunst machen.

Bei einem “Tourbograph” handelt es sich um eine Kombination aus Tourbillon und Chronograph. Das gab’s bei Lange schon zweimal, zum ersten Mal übrigens bereits 2005. Die 2017 vorgestellte Ref. 706.025 setzt daher da noch einmal was drauf. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn auf dem Grundkaliber sitzt ein Ewiger Kalender (Perpetual Calendar).

Auf den äußerst seltenen und ungewöhnlichen Antrieb mittels Kette und Schnecke schließlich, weist der Zusatz “Pour le Mérite” hin. Der Tourbograph Perpetual ist erst die fünfte Uhr, die diesen Namen trägt, welcher an den einstigen preußischen Orden für besondere wissenschaftliche Verdienste erinnert.

Kette und Schnecke, Tourbillon, Chronograph, Ewiger Kalender. Was vergessen? Ja! Denn, der zusätzliche Drücker bei 10 Uhr lässt es schon vermuten, es handelt sich bei diesem Tourbograph auch noch um einen Schleppzeigerchronographen.

Ordentlich viel Technik also, die natürlich auch ihren Platz benötigt. Auf 10,9 Millimeter Höhe und 32 Millimeter Durchmesser bringt es so allein das Werk mit der Bezeichnung L133.1. In den Dimensionen findet man anderswo zum Teil auch schon komplette Uhren! Das Gehäuse zum Super-Kaliber misst vergleichsweise zeitgemäße 43 Millimeter, baut aber dafür stolze 16,6 Millimeter hoch. Zweifelsohne, keine Uhr für zierliche Handgelenke, vom Gewicht ganz zu schweigen. Denn die gerade einmal 50 Stück dieses Modells, die man bei A. Lange & Söhne baut, erscheinen ausschließlich in Platin.

Optisch folgt das Gehäuse dem Stil der bereits bekannten Modelle der 1815 Kollektion. Die Hochglanzpolierte, bombierte Lünette wirkt äußerst edel, dazu gibt es polierte Bandanstöße und eine feine Satinierung der Gehäuseseiten, an denen auch die Korrekturdrücker für den ewigen Kalender eingelassen sind. Das Zifferblatt des Tourbograph Perpetual ist dem Aufbau alter Taschenuhren des Hauses nachempfunden. Das silberne Blatt verfügt über arabische Ziffern und eine klassische Eisenbahn-Minuterie.

Das Tourbillon sitzt auf der 6 Uhr Position, weit nach hinten versetzt. Ein Zugeständnis an den neuentwickelten und auf dem Kaliber aufbauenden Kalendermechanismus. Sehr schön integriert ist es dennoch: mit Hilfe einer erstmals geschwungenen Tourbillon-Brücke in Schwarzpolitur. Für die Decksteine des Tourbillon-Käfigs, die auf Goldchatons sitzen, wählte man Diamanten.

Das Hilfszifferblatt bei 3 Uhr teilen sich die Monats- und die Schaltjahresanzeige, während bei 9 Uhr der Wochentag und der Minutenzähler des Chronos abzulesen sind. Auf 12 Uhr schließlich thront das Zeigerdatum auf einer Mondphasenanzeige, welche eine Genauigkeit von 122,6 Jahren besitzt.

Zur besseren Ablesbarkeit sind die Zeiger des Tourbograph zweifarbig gestaltet. Gebläute Stahlzeiger für Zeit bzw. Zeitmessung, rhodinierte Goldzeiger für das Kalendarium. Die Rattrapante-Funktion verfügt über einen vergoldeten Chronographen-Zeiger und einen gebläuten Rattrapante-Zeiger.

Die zwei Kolonnenräder des Mechanismus lassen sich gut durch das im Bodendeckel eingelassene Saphirglas beobachten. Ebenso wie die wirklich beeindruckende Finissierung des Handaufzugwerks L133.1 mit seinen gebläuten Schrauben, den verschraubten Goldchatons, den Brücken, dekoriert mit dem Glashütter Bandschliff, den Platinen aus naturbelassenem Neusilber, sowie der handgravierten Chronographen-Brücke.

Insgesamt bringt es das Manufakturwerk auf 684 Einzelteile, von welchen allein 206 der Kalenderfunktion zuzurechnen sind. Die Kette des Antriebs zählt A.Lange und Söhne in dieser Auflistung dabei als nur ein Teil. Würde man ihre Einzelteile noch hinzurechnen, sprächen wir sogar von 1.319 Teilen, auf die es das L133.1 bringt.

Mein Fazit: der Tourbograph Perpetual “Pour le Mérite” ist schon ein faszinierendes Stück Uhrmacherkunst. Die Kombination von Kette & Schnecke, Tourbillon, Chronograph Rattrapante und ewigem Kalender ist nahezu einzigartig, der Aufwand, der allein in die Finissierung floss, bemerkenswert. Eine Uhr für wahre Sammler, für echte A. Lange & Söhne Afficionados. Den 50 glücklichen zukünftigen Besitzern kann man da nur gratulieren.  

Datenblatt:

  • Modell: A. Lange & Söhne Tourbograph Perpetual “Pour le Mèrite”, Ref. 706.025
  • Gehäuse: 43 mm, Platin, Saphirglas, Sichtboden mit Saphirglas
  • Zifferblatt: Silber massiv, argenté
  • Armband: Alligator-Lederband, schwarz, Faltschließe in Platin
  • Uhrwerk: Manufakturwerk, Kaliber L133.1, Handaufzug, 21.600 A/h (3 Hz), 36 Stunden Gangreserve, Ankerhemmung, Antrieb über Kette und Schnecke, Tourbillon
  • Funktionen: Stunde, Minute, Chronograph mit Rattrapante-Funktion und 30-Minuten-Zähler, ewiger Kalender mit Datum, Wochentag, Monat, Schaltjahres- und Mondphasenanzeige
  • Auflage: 50 Exemplare
  • Preis: 480.000 Euro

 

Fotos & Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2018

 

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