Ich musste selber nachschauen, doch es war tatsächlich die Baselworld 2008, auf der Rolex die Day-Date II vorstellte. Eine moderne Interpretation der legendären President’s Watch von 1956 im großen 41 Millimeter Gehäuse. Das Feedback damals auf die neue Uhr war gemischt. Hauptkritikpunkt: man veränderte nicht nur die Größe der Uhr, man veränderte auch ihren Charakter. Die Proportionen passten nicht so richtig.

Rolex Day-Date II, Ref. 218206 – Bild aus dem luxify Kalender 2013

Doch nun, sieben Jahre später, hat man sich an das neue Gesicht gewöhnt, die Day-Date II erfreut sich mittlerweile größter Beliebtheit. Sollte man meinen. Als nun auf der Baselworld 2015 eine weitere Variante der Day-Date, die Day-Date 40 vorgestellt wurde, war die Verwunderung entsprechend groß. Noch eine Day-Date? Nur einen Millimeter kleiner als die Day-Date II? Was soll das?

Was das sollte, stellte sich schnell heraus. Beim Blick nämlich in die übrigen Vitrinen des Rolex Standes. Eine Uhr fehlte da nämlich. Die Day-Date II. Die werden doch wohl nicht? Eine Rückfrage bringt Gewissheit. Oh doch! Rolex hat die Day-Date II eingestellt. In allen Versionen und das nach gerade einmal sieben Jahren! So etwas gab es noch nie!

Was ist da passiert, in Genf? Lief die Day-Date II doch nicht so gut? Fand sie nicht die Gunst des neuen CEO Jean-Frédéric Dufour? Man wird es wohl nie erfahren. Während der Messe jedenfalls war zu hören, dass der eigentliche Grund für die unerwartete Ablösung im ebenfalls neu vorgestellten Kaliber 3255 liegen würde.

Dieses neuentwickelte Uhrwerk sollte in keinem anderen als dem absoluten Spitzenmodell präsentiert werden und da stand die Day-Date II wohl irgendwie im Wege.

Letztlich muss man sagen, dass die neue Day-Date 40 im Grunde genommen aber sowieso die Uhr ist, auf die wir alle bereits 2008 gewartet hatten. Sie führt die DNA der klassischen Day-Date fort, spielt wohltuend mit denselben Proportionen, wie das 36-Millimeter Modell und lässt den Verlust der Day-Date II dadurch recht gut verschmerzen.

Wie jene gibt es auch die Day-Date 40 in vier Grundversionen. Die drei Goldmodelle 228238 (18 Karat Gelbgold), 228239 (18 Karat Weißgold) und 228235 (18 Karat Everose-Gold) sind mit einer geriffelten Lünette ausgestattet, während die polierte Lünette dem Platin Modell 228206 vorbehalten ist. Wie schon die Day-Date II wird es die Day-Date 40 – zumindest vorerst – ausschließlich mit Präsident-Band geben.

Dieses hat nun neue Anstöße, die mehr wie „aus einem Guss“ wirken sollen und unter die Lünette reichen. Wie schon bei anderen Modellen stehen die Bandglieder über die Gehäusehörner heraus. Eine Designphilosophie, die nicht immer jedermanns Sache ist.

In den Bandgliedern sollen Keramikeinsätze für einen geringeren Verschleiß und somit eine längere Lebensdauer der Bänder sorgen.

Die Präsident-Armbänder sind mit einer verdeckten Crownclasp-Faltschließe ausgestattet., eben typisch Day-Date.

Die Optik der Uhr ist rundum gelungen, sie liegt perfekt am Arm und wirkt etwas kleiner und wesentlich gefälliger als der ein Millimeter größere Vorgänger. Von diesem wurde die Zifferblattgröße übernommen, sodass wohl die unzähligen bisherigen Zifferblattvarianten auch für das neue Modell verfügbar sind.

Ergänzt werden sie von einer Reihe neu präsentierter Zifferblätter, die zum Teil auch die Designsprache der vergangenen Jahrzehnte wieder aufnehmen. So beispielsweise das „vertikale Linien“, welches dem Tapestry Blatt früherer Datejust-Modelle aus den 70er und 80er Jahren ähnelt, oder das hochfein gearbeitete „Viertekreismotiv“ Blatt, welches Erinnerungen an die Rolex Tru-Beat weckt.

Auch die neuen, applizierten römischen Ziffern waren – ähnlich – schon in den 80ern auf Datejust-Blättern zu sehen. Neu hingegen ist das „diagonale Linien“ genannte Blatt welches in Eisblau der Platinversion vorbehalten ist.

Mit welchem Blatt auch immer, über die Day-Date 40 kann man kaum mehr Worte verlieren, weil sie sich letztlich selbst erklärt. Sie ist eben – die Day-Date. The President’s Watch, nicht mehr und nicht weniger. Seit bald 60 Jahren.

Und sie ist letztlich dann doch „nur“ die Verpackung für die eigentliche Sensation der Baselworld, das Kaliber 3255. Es ist das erste Uhrwerk einer neuen Generation und soll Standards setzen hinsichtlich Ganggenauigkeit, Gangreserve, Stossfestigkeit, Zuverlässigkeit und Unempfindlichkeit gegenüber Magnetfeldern.

Zusätzlich zur Überprüfung des reinen Uhrwerks durch die Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres COSC wird nun auch die fertig montierte Uhr diverser Tests unterzogen. Hierzu wurden neue Verfahren und Geräte entwickelt, die reale Alltagssituationen simulieren und somit für eine noch nie da gewesene Genauigkeit beim täglichen Tragen sorgen sollen.

Die Ganggenauigkeit soll so im Bereich von +- 2 Sekunden am Tag liegen (abweichend ist auch von -2 +3 Sekunden die Rede) und somit die Anforderungen der COSC Prüfung mal eben verdoppeln.

Die Gangreserve steigt gegenüber der 31xx Kaliber um etwa 50% auf nunmehr über 70 Stunden. Verantwortlich hierfür ist unter anderem ein neues Federhaus, dessen Wandstärke um 50% reduziert wurde und so mehr Platz für die Feder bietet.

Fast die Hälfte des Zuwachses an Gangreserve fällt auf eine neue Hemmung. Rolex nennt die aus einer paramagnetischen Nickel-Phosphor-Legierung gefertigte Hemmung Chonergy. Sie basiert auf der traditionellen Schweizer Ankerhemmung, im Vergleich zu jener aber der Wirkungsgrad um 15% erhöht wurde. So wurde die Stärke der Ankerplatten um die Hälfte reduziert, wobei die Kontaktfläche gleichzeitig verdoppelt wurde. Das Hemmungsrad wiederum ist nun durchbrochen ausgeführt und damit weniger träge als zuvor.

Im Gegensatz zu dem im vergangenen Jahr vorgestellten Kaliber 2236 verfügt das 3255 überraschenderweise nicht über die Syloxi Spirale sondern über eine blaue Parachrom Breguetspirale aus magnetunempfindlicher Niobium-Zirkonium-Legierung. In Basel hieß es dazu, dass auch weiterhin die Werke der Herrenmodelle mit Parachrom bleu ausgerüstet würden, Syloxi hingegen den kleineren Modelle vorbehalten sei.

Die Feinregulierung erfolgt beim Kaliber 3255 über vier Microstella Schrauben, das bereits bekannte Paraflex-Antischocksystem sorgt für Stossfestigkeit.

Optimiert wurden ebenfalls Räderwerk, Aufzugsrotor und Aufzugskrone, deren Einstellpositionen, bei noch weniger Spiel, nun klarer und leichter zu finden sein sollen.

Optisch ist das neue Werk sofort als Rolex Perpetual Kaliber zu erkennen. Zwar ist der große Rotor nun, ebenfalls für mehr Stossfestigkeit, stärker durchbrochen, doch setzt man auch beim neuen Kaliber auf die berühmten roten Umkehrräder, vergoldeten Abdeckungen und eine durchgehende Unruhbrücke.

Es dürfte klar sein, dass das 3255 Kaliber nur den Anfang macht und wir die „next Generation“ Uhrwerke in den kommenden Jahren als 3235, 3285 etc. in weitaus mehr Modellen sehen werden. Wesentlich unklarer ist da die Zukunft der Datejust II. Wird sie die kommenden Jahre im Programm bleiben? Oder folgt auf Day-Date 40 dann Datejust 40? Nach Basel 2015 ist diesbezüglich nichts mehr wirklich sicher.

Mein Fazit: die Day-Date 40 ist die Uhr, auf die bereits vor sieben Jahren schon alle gewartet hatten. Sie führt die Designsprache der Day-Date konsequent fort, ist ein ästhetisches Meisterwerk und beherbergt noch dazu das neuste und wohl beste Kaliber, welches Rolex jemals gebaut hat. Once again – well done, Rolex!

Die Preise der Rolex Day-Date 40 sollen vermutlich bei 30.200 Euro (Ref. 228238 18k-Gelbgold), 32.500 Euro (Ref. 228239 18k-Weißgold und Ref. 228235 18k-Everose-Gold), sowie 54.000 Euro (ref. 228206 Platin) beginnen. Ein Auslieferungsdatum ist derzeit noch nicht bekannt.

Fotos & Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2015

Fotos vom Kaliber 3255: © ROLEX SA

 

 

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