Im Dezember jährt es sich zum 25. Mal, dass mich der Virus „Armbanduhren“ infiziert hat. 25 Jahre, voll von Leidenschaft (oft genug mit der Betonung auf „Leiden“), geprägt von ewiger Suche, Zweifeln, Glück. Mein Gott, klingt das theatralisch. Aber jeder, den der Virus einmal gepackt hat wird wissen, was ich meine. Doch darf ich, sozusagen abschließend, mitteilen, dass ich mittlerweile eine vollkommene Zufriedenheit verspüre. Ja, ich fühle mich „angekommen“.

Objekt weltweiter Begierde: die „Pepsi“ GMT

Der Grund? Eine Kombination von vier höchst unterschiedlichen Uhren, die sich – für mich – perfekt ergänzen: der gelbe Diver Chronograph aus der Royal Oak Offshore Kollektion von Audemars Piguet, der IWC All-Time-Klassiker Big Pilot’s Watch als Le Petit Prince Edition, der Master Chronograph von Jaeger-LeCoultre und die 126600, ihres Zeichens beste Rolex aller Zeiten.

Die glorreichen Vier

Mit diesen glorreichen vier Superhelden der Horlogerie bin ich, selbst was Neuheiten angeht, ziemlich immun geworden gegen irgendwelche Haben-wollen-Gefühle. Sogar als die ersten Modelle der neuen „Pepsi“ im Forum auftauchten, blieb das, mit der Wartezeit auf mein persönliches Exemplar regelmäßig einsetzende, innerliche Drama wundersamerweise aus.

Erster Wristshot: die 126710BLRO auf der Baselworld 2018

Auch dem kurz darauf beginnenden weltweiten Hype auf Blau-Rot konnte ich mit äußerster Gelassenheit entgegenblicken. Schöne Uhr, klar. Aber bitte, was hat ausgerechnet sie, das die gesamte Uhrenwelt so dermaßen hysterisch werden lässt?

Hysterie gerechtfertigt? Die neue Rolex GMT

Deine Pepsi ist da – na dann…

Irgendwann aber kam dann der Anruf: sie ist da, die 126710BLRO. Meine 126710BLRO! Na gut. Wenn sie schonmal da ist, dann her damit. Die neue GMT, sie ersetzt bei mir das noch immer in der aktuellen Rolex-Kollektion befindliche „Vorgängermodell“, die 116710LN. Diese war über gut 10 Jahre kontinuierlich bei mir. 10 Jahre – für meine Verhältnisse fast schon ein Rekord.

Ausgepackt und angelegt: die eigene Pepsi

Nun ist’s also dann eben Zeit für einen Wechsel, etwas Abwechslung, etwas Farbe ins triste Rolex Stahlgrau. Blau-Rot statt Schwarz, Thomas Magnum ist zurück, holt die Hawaiihemden aus dem Schrank, den Ferrari aus der Garage!

Thomas Magnum wäre Blass vor Neid: Rolex GMT-Master II in farblich perfekter Umgebung

Die 126710 hat ein großes Zuhause

Die neue Pepsi kommt Tags darauf per Lieferdienst ins Haus. Und ja, spätestens bei Übergabe des Pakets setzt dann doch so etwas wie Herzklopfen ein. Überraschung: die Uhr kommt in der „M“ Box. Das ist ungewöhnlich für ein reguläres Stahl-Modell. Und es ergibt wenig Sinn, überlegt man, dass sich selbst die deutlich größere SD50 ja in die kleine „S“ Box quetschen muss. Muss man nicht verstehen, kann man nur so hinnehmen. Rolex folgt seinen eigenen Gesetzen und ein Nachteil ist die größere Box ja nun wirklich nicht.

Dicke Backen: die Hörner der 126710BLRo hätten eine Spur dünner ausfallen können

Ein wenig weiter auspacken und dann liegt sie auch tatsächlich vor mir, die neue Pepsi. In ihrer ganzen Pracht. Die Uhr, auf die, so scheint es, derzeit also wirklich jeder scharf ist. Die Uhr, die das schafft, wozu nicht einmal die Daytona in der Lage ist: einen Marktpreis zu erreichen, der mehr als das Doppelte des Listenpreises beträgt.

Spekulationsobjekt Pepsi-GMT

Hummel, Hummel – Mops, Mops

Was fällt auf? Zunächst einmal: die Unterschiede zur 116710 erscheinen marginal. Es ist – im Grunde – die gleiche Uhr geblieben. Hoffnungen, der oft als „Hummel“ oder „Mops-Gehäuse“ bezeichnete Kopf der Uhr mit seinen breiten Anstoßhörnern würde verschlankt, haben sich nicht erfüllt und auch der in Basel oft zitierte „neue Schliff“ fällt allenfalls nur äußerst subtil ins Auge. Ja, man sieht ihn, wenn man ganz genau schaut. Wirklich an etwas festmachen kann man ihn allerdings nicht. Ein wenig schade, zeigte man im vergangenen Jahr bei der 126600 doch recht eindrucksvoll, dass man die Sache mit den anmutigen Gehäuseproportionen über die Jahre nicht vollständig verlernt hat.

Rolex GMT-Master II, Ref. 126710 BLRO

Viel mehr ins Auge fällt da – natürlich – das neue Jubilé-Band. Endlich gibt es wieder eines für die GMT und ganz ehrlich, dass es wieder eines gibt, das finde ich nun wirklich ganz große Klasse. Denn kein anderes Band trägt sich so lässig wie das Jubilé mit seinen feinen Bandgliedern. Kein anderes Band spaltet allerdings auch dermaßen die Fans. Jubilé – man hasst es oder man liebt es. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es eigentlich keine Meinungen.

Campari mit Pepsi – ob das schmeckt?

Rolex setzt den Sparstift an

Allerdings – was ist das denn? Bei der ersten Anprobe kommt ein wenig spontane Verwunderung auf. Denn muss ich bei den Modellen mit Oysterband regelmäßig ein Bandglied entfernen, um den perfekten Sitz an meinem Arm zu erhalten, passt das Jubilé in Standardlänge gerade mal eben so. Sind da vielleicht noch irgendwelche Zusatzelemente in der Box? Fehlanzeige! Wer deutlich muskulösere (oder einfach nur dickere) Handgelenke hat, muss Zusatzglieder ordern. Hat Rolex hier etwa den Sparstift angesetzt? Ganz zu verstehen ist diese Politik jedenfalls nicht.

Jubilé trifft Oysterlock: die Schließe der neuen GMT

Ein wenig mehr Spielraum allerdings geben die drei wählbaren Bandpositionen in der Schließe, sowie die Schnellverstellung Easy-Link. Insgesamt lässt sich die Bandlänge allein innerhalb der mit einem Sicherheitsbügel ausgestatteten Kasten-Schließe so bereits um einen guten Zentimeter variieren.

Easylink-Verlängerung

Zu perfekt ist auch nicht gut

Wer die alten Jubilébänder der 4- und 5-stelligen Referenzen gewöhnt ist, der wird von der Haptik der Neuauflage unter Umständen ein wenig enttäuscht sein. Nicht etwa, weil diese nicht perfekt verarbeitet wäre, nein, eher das Gegenteil ist der Fall. Die nun massiven Bandelemente lassen ein wenig die Leichtigkeit (böse Zungen sprechen auch von der leicht billigen Anmutung) der alten, hohlen Versionen vermissen. Der Unterschied zwischen Jubilé- und Oysterband, er fällt, den Tragekomfort betreffend, dadurch längst nicht mehr so sehr ins Gewicht, wie dies früher der Fall war.

Massive Bandglieder

Eher ästhetische Probleme macht das gewählte Design im Bereich der Übergänge von Bandanstößen und Gehäusehörnern. Dieser schaut, gelinde gesagt, gewöhnungsbedürftig aus. Wirken Band und Gehäuse in der Draufsicht wie aus einem Guss, so entlarvt die Seitenansicht die in ihrer Höhe über die Hörner stehenden Außenglieder. Eine Lösung, die alles andere als einen Schönheitspreis verdient hat. Zumal es schwerfällt, hat man diesen Missstand einmal bemerkt, zukünftig darüber hinweg zu sehen.

Ästhetisch fragwürdiger Übergang

Doch egal wie, die Kombination GMT und Jubilé ist vom Grundsatz her eine Schöne, eine Begehrenswerte, gerade, weil sie eben im Rolex Sportmodellprogramm etwas so Besonderes ist.

Traumhafte Farben: die Pepsi in freier Wildbahn

Magnum ist zurück

Etwas Besonderes ist und bleibt natürlich auch die zweifarbige Cerachrom Keramiklünette. Zwar ist es für mich noch immer nicht nachvollziehbar, warum man das Modell mit exakt der über Jahre dem Weißgoldmodell vorbehaltenen Pepsi Lünette statt einer vermutlich deutlich einfacher zu produzierenden rot-schwarzen „Coke“ Version herausbrachte, doch warum klagen angesichts solch unglaublich farbenprächtiger Aussichten.

Stahl- und Weißgoldmodell der BLRO-GMT

Die Pepsi GMT, sie ist eben nicht einfach nur Blau-Rot. Sie zelebriert jene beiden Farben in immer wieder neuen Kombinationen. Beinahe bei jedem leichten Drehen des Handgelenks verändert sich die Uhr, spielt mit dem Umgebungslicht, der Sonne, den Wolken. Von unglaublich hässlich bis wunderschön ist so ziemlich alles dabei, wobei letztgenanntes im täglichen Gebrauch mit sehr großem Abstand überwiegt.

Sie kann auch hässlich: die Cerachrom Lünette als „Pink Lady“

Kleine Krone – große Neuerung

Wenig erkennbar: das neue Uhrwerk, Kaliber 3285. Einzig eine zusätzliche, kleine Rolex-Krone bei 6 Uhr weist darauf hin, dass hier ein Next Generation Uhrwerk seine Arbeit verrichtet. Ansonsten merkt man diese Neuerung höchstens noch an der nun umgekehrten Verstellung der Uhrzeit. Und an der deutlich längeren Gangreserve von 70 Stunden, sofern man die Uhr wirklich einmal so lange ablegt.

Pooltime: auch das kann die GMT naturgemäß ab

Gerade in den ersten Tagen fällt genau das allerdings äußerst schwer. Und so zeigt sich beim täglichen Genuss schnell noch eine kleine Kuriosität. Eingangs schrieb ich von meinen perfekten vier Uhren. Mit 42 Millimetern (Audemars Piguet), 43 Millimetern (Rolex), und 46 Millimetern (IWC) sind diese deutlich größer als die Standard Rolex-Modelle. Einzig die Jaeger-LeCoultre misst ebenfalls 40 Millimeter, wildert als elegante Dress-Watch allerdings auch auf einem anderen Gebiet.

Wer hat hier bei wem geklaut? Österreichischer Polizeiwagen in verdächtiger Farbgebung

Kurzum – die klassische 40 Millimeter Rolex und ich – das will spätestens seit dem Kauf der SD50 (mehr zur besten Rolex aller Zeiten gibt es hier) einfach nicht mehr so recht zusammenpassen. Letztlich mit ein Grund, warum ich meine 116710LN in den vergangenen 12 Monaten nicht ein einziges Mal mehr getragen habe.

40 Millimeter Freude!

40 Millimeter sind nicht gleich 40 Millimeter

Aber: auch die 126710BLRO misst 40 Millimeter. Das gleiche Gehäuse, die gleichen Maße. Im Grunde müsste also auch sie mir zu klein sein. Doch – Überraschung – die Uhr wirkt rein subjektiv größer. Liegt es an der farbigen Lünette? Liegt es am sehr präsenten Jubiléband, an der von mir in diesem Zusammenhang bevorzugten äußerst lockeren Trageweise? Ich kann es nicht abschließend sagen. Fakt aber ist, in den nächsten Monaten werden sich wohl erst einmal – fünf Uhren – um den Platz an meinem Handgelenk streiten müssen. Und wer da, zumindest in den kommenden Wochen, als Sieger hervorgehen wird, das scheint bereits jetzt festzustehen.

Geht nur schwer vom Arm: die 126710 auf dem Weg zum „Daily Beater“

Letztlich doch nur eine GMT

Doch noch etwas Weiteres ist Fakt: die neue Pepsi GMT ist eine wunderbare Uhr. Ihr Aufpreis von 300 Euro zur „Batman“ 116710BLNR alleine schon durch das neue, so genannte Next-Generation-Uhrwerk mehr als gerechtfertigt. Die derzeit aufgerufenen, vermeintlichen Marktpreise von 16.000 bis über 20.000 Euro allerdings stehen in keinerlei Relation zum Gebotenen, sind daher für mich auch nicht einmal ansatzweise gerechtfertigt. Denn letztlich sprechen wir hier dann eben doch nur von einer einfachen Stahl-GMT, wenn auch einer besonders schönen.

Rolex GMT-Master II 126710BLRO

Fazit

Mein Fazit: Pepsi ist die Farb-Kombination des Sommers 2018, die 126710BLRO eine sehr gefällige Re-Inkarnation des einst für Pan-Am-Piloten entwickelten Farbkonzepts einer leicht ablesbaren Fliegeruhr mit 24-Stunden-Anzeige. Ein extrem aufgeheizter Sekundär-Markt und die oftmals mangelnde Möglichkeit, sich auch nur einen Wartelistenplatz zu ergattern, lassen die Uhr aber auch zu einem der größten Spekulationsobjekte der letzten Jahre werden.

Wem das alles den Wunsch nach einer Pepsi-GMT dennoch nicht verleidet, der sollte vielleicht einfach ein wenig warten. Denn gut möglich, dass sich derzeitige Aufpreise und Wartezeiten bereits im Laufe des kommenden Jahres schon deutlich relativieren. Mit dem so „gesparten“ Geld, kann man sich ja bereits heute die Wartezeit versüßen, etwa mit der Pepsi der Tochtermarke Tudor (hier im Review).

Rolex GMT-Master II 126710 BLRO

Datenblatt:

  • Modell: Rolex Oyster Perpetual GMT-Master II, Ref. 126710 BLRO
  • Gehäuse: 40 mm, Oystersteel Edelstahl, wasserdicht bis 100 Meter, Saphirglas mit doppelt entspiegelter Zykloplupe
  • Armband: fünfreihiges Jubilé Metallarmband, Ref. 69200, massive Elemente in satiniertem und poliertem Oystersteel, Oysterlock Sicherheitsfaltschließe mit Easylink-Verlängerung um 5 mm.
  • Uhrwerk: Manufakturwerk, Kaliber 3285, Automatik, 28.800 A/h (4 Hz), ca. 70 Stunden Gangreserve
  • Funktionen: 24-Stunden-Anzeige, unabhängig verstellbare, springende Stunde für eine zweite Zeitzone, Minute, Zentralsekunde mit Sekundenstopp, Fensterdatum bei 3 Uhr
  • Preis: 8.400 Euro (UVP Deutschland)

Fotos: © PCS 2018

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