by R-L-X

Ist der Sommer vorbei, wächst die Sehnsucht nach der Ferne. Begleiteten Sie mit uns die Europa 2 auf einer kulinarischen Reise durch das östliche Mittelmeer und blicken Sie in unserem Reisebericht hinter die Kulissen des besten Kreuzfahrtschiffes der Welt.

Der Sommer. Das ist meine Jahreszeit. Blauer Himmel, Sonnenschein. Mehr brauche ich nicht zum Glücklich sein. Dann lässt sich auch das Fehlen des Meeres ertragen. Und 2015 konnte ich mich bezüglich des Sommers nun wirklich nicht beklagen.

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MS Europa 2 ankert vor Lemnos

Ende September, Anfang Oktober aber, da ging der Sommer dann aber doch zu Ende. Hatte ja auch lange genug durchgehalten. Von Tag zu Tag merkte man mehr, wie die Sonne so langsam ihre Kraft verlor. Der Herbst war da. In seiner ganzen Schönheit. An den Abenden verfärbte sich der blaue Himmel golden. Weitere schöne Tage, und doch untrügliches Zeichen, dass, genauso langsam wie auch sicher, nun die unbequemere Jahreszeit Einzug erhält. Die Stimmung an solchen Tagen ist einzigartig. Schön und doch irgendwie traurig. Sie hat etwas von Abschied.

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Sunset im Yacht-Club

Mit dem Ende des Sommers wuchs der Wunsch nach Ferne in mir. Der Wunsch nach wärmeren Gefilden, der Wunsch nach Meer. Und natürlich der Wunsch nach Kreuzfahrtschiffen. Ganz besonders der nach der Europa 2.

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Nun, Wünsche sind dafür da, ihnen nachzugeben. Und so wartete nur wenige Tage später mein Traumschiff auf mich. Vorgestellt habe ich MS Europa 2 ja bereits in der Premierensaison. Dieses Mal wenden wir uns daher einem anderen Thema zu. Einem, das auch heute noch die meisten Menschen als Erstes mit einer Kreuzfahrt verbinden.

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Weinbar auf MS Europa 2

Es geht – natürlich ums Essen. Wie funktioniert das eigentlich so, auf dem besten Kreuzfahrtschiff der Welt? Was wird an Bord selbst hergestellt, was zugekauft? Woher kommen die Waren? Fragen über Fragen. Doch zunächst ein paar allgemeine Fakten.

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Der erste Abend an Bord – geht es besser?

Mit Indienststellung der Europa 2 vor nun etwas mehr als zweieinhalb Jahren führte Hapag Lloyd Kreuzfahrten ein interessantes Gastronomie-Konzept ein. Spezialitätenrestaurants sind zwar mittlerweile auf vielen Schiffen Standard, gleich vier von ihnen für gerade einmal etwa 500 Passagiere, dieses Verhältnis wird man allerdings nur auf wenigen Schiffen vorfinden.

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Ein weiterer Unterschied zu anderen Schiffen: auf der Europa 2 sind all diese Restaurants bereits im Reisepreis enthalten. Aufpreise, Zuzahlungen, Cover Charges oder wie dies noch so alles genannt wird, die gibt es hier nicht.

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Vorbereitungen im Sakura

Im Frühjahr 2015 nun hatte die Europa 2 ihren ersten Werftaufenthalt. Das ist ungewöhnlich früh, denn normalerweise passiert das bei Kreuzfahrtschiffen erst nach fünf Jahren. Hapag Lloyd wählt für sein Spitzenschiff allerdings einen Turnus von 2 Jahren, damit wirklich immer alles nagelneu ausschaut. Neben kleineren Schönheitsreparaturen standen auch zwei etwas offensichtlichere Umbauten an.

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Eine dieser Änderungen betrifft das Sakura. Das Sushi-Restaurant ist dem Buffetrestaurant Yacht-Club angegliedert und unterschied sich optisch bislang nicht wirklich von diesem. Das war ein wenig schade und so stand schon recht schnell fest, dass hier mehr Eigenständigkeit Einzug erhalten soll.

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Nun erstrahlt die Bestuhlung in einem kräftigen Dunkelblau, ikonische Leuchter setzen das Restaurant ins rechte Licht. Am Abend flackern zusätzlich dutzende Kerzen (natürlich keine echten) auf den filigranen Raumtrennern. So richtig asiatisch wirkt die Szenerie zwar nach wie vor nicht, dennoch aber ein wirklich sehr gelungenes Update.

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Sashimi von Thunfisch und Lachs, serviert auf gestoßenem Eis

Hier im Sakura lernte ich vor zwei Jahren Sushi lieben und hier esse ich es auch heute noch am liebsten. Die Karte hält jede Menge Klassiker und auch das ein oder andere Experimentelle bereit. Gestartet wird mit gesalzenen Edame-Bohnen, danach folgt die klassische Miso-Suppe. Maki, Nigiri, California Rolls, Sashimi, Tempura, das alles von einer Qualität, wie man sie selbst an Land nur äußerst selten findet. Das Sakura ist und bleibt meine Lieblings-Sushi-Bar. Ach, wenn ich sie denn nur öfter besuchen könnte.

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Tekka Maki, Sake Maki, Nigiri

Das Sakura liegt als einziges Spezialitätenrestaurant auf Deck 9. Die drei anderen findet man auf Deck 4, so auch das Serenissima, das Italienische Restaurant.

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Die faszinierenden Leuchter des Serenissima

Das Ambiente dort erinnert fast schon an einen italienischen Palast. Frische Farben und sehenswerte Leuchter versprühen ein tolles Flair. Neben den obligatorischen 2er-Tischen findet man hier auch große runde Tische für sechs Personen.

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Zweimal war ich auf meinen bisherigen Reisen im Serenissima bereits essen, zweimal kam das Gebotene nicht ganz an die anderen Restaurants an Bord heran. Dazu trug vor allem der Service bei. Man konnte ihn liebevoll als italienisch-chaotisch bezeichnen, auf jeden Fall aber passte er nicht so ganz zu dem extrem hohen Standard, den die Europa 2 sonst verkörpert.

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Carpaccio all’ Aceto Balsamico

Doch auch hier hat sich einiges geändert seit meinem letzten Besuch. Der Service ist sehr aufmerksam, auf den Punkt, das Essen sowieso fantastisch. War ich bisher der Meinung, einen Besuch im Serenissima könne man sich am ehesten sparen, so muss ich diese Meinung nun ganz deutlich revidieren.

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Hausgemachte Trüffelnudeln in heller Rahmsauce

Die Gerichte: natürlich typisch italienisch. Sizilianische Tomatensuppe, Carpaccio, Caprese, Risotto, Tagliatelle con Gamberoni, Tiramisu, dazu täglich wechselnde Gerichte. Mein Tipp: Saltimbocca. Keinesfalls verzichten sollte man auf das Sorbet vor dem Hauptgang, wahlweise aufgegossen mit Duval Leroy Champagner oder Wodka Moskovskaja.

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Sorbet mit Champagner

Gegenüber dem Serenissima liegt das Elements. Es bietet asiatische Küche. Asiatische Köche sorgen dafür, dass diese auch so authentisch wie möglich auf den Tisch kommt. Das bedeutet aber auch, dass gerade die Hauptspeisen manchmal nicht ganz dem entsprechen, was man von der eingedeutschten asiatischen Küche daheim gewohnt ist.

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Wem die Gerichte wie etwa die pikanten Rinderfiletstreifen oder das Yellow Musseman Chicken Curry nicht scharf genug sind, der kann mit der kleinen Gewürzbank, die auf jedem Tisch bereit steht, noch einmal nachhelfen. Besonders in Erinnerung bleiben mir das Som Tam, sie Spezialität im Elements, sowie die gebratenen Eiernudeln mit krosser Entenbrust und Chilimarmelade.

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Som Tam – die Spezialität im Elements: Karotten- und Papayastreifen mit Hummer in Tamarindendressing

Sehr gelungen ist auch im Elements wieder das Ambiente, für das sich Partner Ship Design aus Hamburg verantwortlich zeichnet. Schon im Vorraum wird man von drei Porzellanskulpturen und einem Buddha begrüßt. Dunkel geht es im eigentlichen Restaurant weiter. Viel Holz, Gold und spannende Hängeleuchten tauchen den Raum in ein ganz besonderes Licht.

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Nach einer Zitronengras-Joghurt Panna Cotta im sehr leckeren Mandelkörbchen und der obligatorischen Pralinenauswahl schließt ein Glückskeks das Dinner ab. Bei meinem diesjährigen Besuch ist der Service zwar gewohnt herzlich, allerdings nicht ganz so aufmerksam wie in den Jahren zuvor. Sicherlich, wahrscheinlich, hoffentlich aber nur eine Ausnahme.

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“Aus Indonesien” – Gebratene Eiernudeln mit Gemüse, Ingwer, krosser Entenbrust und milder Chilimarmelade

Mein Highlight bei jeder Tour auf der Europa 2 ist ein Abendessen im Tarragon, dem französischen Restaurant an Bord.

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Blick vom Tarragon in die angrenzende Weinbar

Schon optisch sticht das Tarragon mit seinen gekachelten Wänden und den großen Bildern heraus, was Service und Speisen angeht ist es das Gourmetrestaurant unter den Gourmetrestaurants an Bord – schlichtweg die Krönung.

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Das Tarragon, hier eingedeckt für den Mittagstisch

Die Spezialität hier ist und bleibt das Beef Tartar du Chef, frisch am Tisch zubereitet.

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Frisch angemachtes Beef Tartar du Chef

Aber auch die Gänseleberterrine mit exotischen Chutneys, Spinat mit Ei und Trüffel, die Barbarie-Entenbrust mit Sauerkirschen oder der Hummer mit Morchel und Topinambur-Püree sind eine Sünde wert.

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Hummer mit Morcheln und Topinambur-Püree

Was immer ich hier bisher bestellt habe, jedes Mal übertrifft das Erlebnis die ohnehin hohen Erwartungen. Sensationell. Und so ein Beef Tartar, das darf es dann gerne auch einmal zwischendurch zu Mittag sein. Ach was. Am besten – jeden Tag.

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Zum Dinner schaut es im Tarragon dann so aus

Ein ausgezeichnetes Beef Tartar erhält man an Bord der Europa 2 übrigens ebenfalls im Hauptrestaurant, dem Weltmeere.

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Restaurant Weltmeere

Wechseln auch hier die Karten täglich, gehört das Beef Tartar zu jenen Gerichten, die man immer bestellen kann. Genauso wie die gegrillte Gänseleber mit Trüffelsauce, das perfekte Filetsteak, oder – Klassiker – das Wiener Schnitzel.

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Beef Tartar im Restaurant Weltmeere, serviert mit klassischen Beilagen und Wachtelei

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Gegrillte Gänseleber auf Kartoffelmousseline und Trüffelsauce

Auf besonderen Wunsch gibt’s zu dem dann auch mal einen Gurkensalat. Man stelle sich solche Sonderwünsche im Hauptrestaurant eines x-tausend Passagierschiffes vor. Unmöglich.

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Traditionelles Wiener Schnitzel…

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… und Beilage nach Sonderwunsch

An Bord der Europa 2 gibt es weder feste Tischzeiten noch fix zugewiesene Plätze. Auf Wünsche wird natürlich, soweit möglich, immer und überall eingegangen. Ein romantischer Zweiertisch am Fenster? Eine größere Tafel für den Abend mit den neuen Reisebekanntschaften? Gerne doch.

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Kapitänstisch im Weltmeere

Und wer es komplett ungezwungen liebt, der ist mit dem Yacht-Club bestens bedient. Das Buffet-Restaurant liegt auf Deck 9 und bietet eine große Anzahl an Plätzen drinnen wie draußen.

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Der Yacht-Club am Tag…

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 … und am Abend

Keiner meiner Berichte, in dem ich nicht darauf anspiele, dass mir das Konzept von Buffets zutiefst zuwider ist und so möchte ich dies auch an dieser Stelle liebend gerne noch einmal erwähnen. Ich hasse Buffets. Wirklich. Ehrlich. Aus tiefstem Herzen.

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Geräucherter Aal auf Kartoffel-Lauchsalat, dahinter Taubenbrust auf Krautsalat mit Cumberlandsauce und Orangenkompott

Den Yacht-Club aber, den liebe ich. Warum? Zum einen ist da das Ambiente. Hell und freundlich, lichtdurchflutet und spätestens, wenn die tiefstehende Abendsonne das ganze Restaurant in ihr goldenes Licht taucht, kann man sich kaum einen schöneren Platz zum Dinieren vorstellen.

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Auch geht es hier nicht ganz so hektisch zu, wie man das sonst von Buffets gewohnt ist. Die Gänge sind breit, die Stationen recht logisch angeordnet. Und schlendert man so dahin, vom gerade frisch aufgeschnittenen Parmaschinken zu den Austern, hat man das Gefühl, dass hier mehr Servicekräfte denn Passagiere zugange sind.

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Austern, Miesmuscheln, Königskrabbenbeine, Gekochter halber Hummer, Chili-Garnelen, Shrimpscocktail und vieles mehr

Nie sind Speisen an den Stationen auch nur ansatzweise leer, permanent wird neu aufgetischt. Passagieren, die etwas schlechter zu Fuß sind, wird der Teller an den Tisch gebracht, niemals kommt man in die Verlegenheit, eine Servicekraft für eine Bestellung rufen zu müssen, man fühlt sich permanent perfekt umsorgt.

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Schinkenauswahl im Yacht-Club

Das war in den vergangenen Jahren schon perfekt, doch dieses Jahr macht das Zusammenspiel im Service einfach nur sprachlos. Ein Beispiel gefällig? Gerne doch. Ein Beispiel von vielen.

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Wie wäre es mit Pizza? Heute zum Beispiel mit Muschelfleisch oder Schwarzwälder Schinken und Spargel

Es gibt im Außenbereich eine Station, an der Pizza und Pasta nach dem Wunsch des Gastes zubereitet wird, an der anderen Station werden Steaks, Lachs etc. gegrillt. Mit einem solchen, herrlichen Steak begebe ich mich zurück an meinen Platz und setze mich.

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Die Grill-Station des Yacht-Club

Keine zehn Sekunden später liegt schon ein Steakmesser neben mir. Die Aufmerksamkeit ist tatsächlich beeindruckend. Sie ist, wie ich gerade merke, auch schwer zu beschreiben, man muss sie einfach selbst erleben.

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Mindestens einmal pro Reise gibt es Kaviar satt

Fassen wir doch an dieser Stelle einmal zusammen. Wir haben an Bord der Europa 2 den Yacht Club als Buffetrestaurant. Wir haben das Weltmeere als Hauptrestaurant, das Sakura Sushi Restaurant, das Tarragon, das Elements und das Serenissima.

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Weinbar

Neben Frühstück, Mittag- und Abendessen gibt es die Grill Station im Yacht Club, die bis Nachmittags ihre Spezialitäten anbietet, wir haben einen Nachmittagscafé in der Belvedere Lounge und – hach – die schon legendären frischen Waffeln an der Pool Bar, die man auf Wunsch natürlich auch an den eigenen Liegestuhl an Deck serviert bekommt, die gibt es ja auch noch und sollten keinesfalls unerwähnt bleiben. Und wem diese Auswahl noch nicht reicht, dem steht darüber hinaus selbstverständlich auch noch der Roomservice zur Verfügung.

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Erfrischung gefällig?

Sollte reichen, oder? Und doch, man kennt das ja, so gegen Mitternacht, da kommt er dann doch nochmal vorbei um Hallo zu sagen: der kleine Hunger. Kein Drama, denn hungrig muss hier nun wirklich niemand ins Bett gehen. Abhilfe gibt es in der Sansibar.

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David und Melike servieren Sonnenuntergangs-Snacks in der Sansibar

Gegen Mitternacht werden hier Currywurst, Flammkuchen und Sandwiches gereicht. Und die sind einfach nur verdammt lecker. Namensgeber der Sansibar ist natürlich Herbert Secklers bekannte Holzhütte auf der Deutschen Lieblingsinsel.

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Mitternachts-Sandwich in der Sansibar

Eingangs schrieb ich von zwei offensichtlicheren Umbauten, die im Rahmen des Werftaufenthalts erfolgten. Die zweite Neuerung betrifft die Sansibar. Sie wirkt nun noch gemütlicher als vorher und ist einfach der “Place to be” am Abend. Wer an Bord nicht komplett für sich bleiben will, der trifft sich hier und findet sehr schnell den ein oder anderen spannenden Gesprächspartner.

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Umgebaute Sansibar an Bord der Europa 2

Hier endet so ziemlich jeder Abend an Bord und hier endet auch Teil 1 meines “Kulinarik-Reports”. Doch wie sieht es hinter den Kulissen des besten Kreuzfahrtschiffs der Welt aus? Wie funktioniert das mit den verschiedenen Restaurants und Küchen? Was wird an Bord selbst hergestellt, was zugekauft? Woher kommen die Waren? Die Antworten gibt es in Teil 2.

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Fotos & Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2015

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