by R-L-X

Der goldene Herbst – die ideale Zeit für einen ausgiebigen Roadtrip. Der führt uns dieses Mal ins Allgäu, das Engadin und den Schwarzwald. Perfekter Begleiter für die unzähligen sonnigen Passstraßen ist das brandneue Mercedes-AMG C 63S Cabriolet.

Einmal noch. Komm. Einmal geht noch. In ein paar Stunden wird er abgeholt, noch aber, noch gehört er dir. Also auf. Einmal noch Brötchen holen fahren, aber auf dem ganz langen Weg. Es muss sein.

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Ein schöner Rücken kann entzücken. Mercedes-AMG C 63S, unterwegs im Engadin

Vierzehn Tage, so sollte man meinen, reichen, um ein Auto ausgiebig kennen zu lernen, sich ein Bild davon machen zu können, um es dann wieder ruhigen Herzens zurückzugeben. Reicht normal auch. Aber was ist schon normal an diesem Auto? Nichts! Gar nichts.

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Hello, Darling! Besuch der Fellhornbahn in Oberstdorf

Das fängt schon damit an, dass S – CA 6310 der erste Testwagen ist, der es bei mir zu einem eigenen Spitznamen bringt. “Rotkäppchen”. Was sonst. Doch bereits beim ersten Blick auf “mein” Mercedes-AMG C 63S Cabriolet stellt sich mir die Frage, ob Rotkäppchen nicht eher der böse, (selenit-metallic-) graue Wolf ist.

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Rotkäppchen? Warum hast Du so einen großen Mund?

Montag Nachmittag. Die erste Fahrt. Aber wohin? Komplett egal. Das Wetter ist schön, perfekt für erste Fotos. Was man hat, hat man. Also einfach mal ziellos durch Rheingau und Taunus.

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Erste Vorfreude macht sich direkt nach dem Drehen des Zündschlüssels breit. Alle Anzeigen drehen kurz auf Maximum, ein animierter C 63 begrüßt mich im Display mit Lichthupe. Eine witzige und coole Idee.

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Doch dann: Enttäuschung. Der klingt ja gar nicht so bös, wie ich das in Erinnerung hatte. Ich Dummerchen! In Sport Plus wechseln und der Klappenauspuff wirkt direkt weitaus potenter. Jetzt noch den Schalter für die Performance Abgasanlage aktivieren und – da ist er, der typische AMG Sound. Oh wie ich den liebe!

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Schalter für Performance-Abgasanlage, Start-Stopp-Automatik und Gurtbringer

Es blubbert sonor und vielversprechend, als sich Rotkäppchen langsam in Bewegung setzt. Raus auf die Bundesstraße, beschleunigen. Und erschrecken. Denn die nun produzierte Fehlzündung habe ich nicht erwartet. Das “BARENTZ!”, was der C 63S bei jeder passenden Gelegenheit “dahinrotzt”, geht einem durch Mark und Bein. Ist das geil? Ich muss grinsen. Nein, eher laut loslachen. Hammer!

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Beschleunigung bis zur nächsten Kurve. Abbremsen, runterschalten, BARENTZ! Verdammt, diese Geräuschkulisse ist so unverschämt, klingt so verboten, so derart politisch unkorrekt, ein Glück bin ich allein auf der Straße.

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One man – one engine. Danke, Michael Merling!

Die erste Ortschaft, die erste Ampel. Im Rückspiegel: ein Mann, vermutlich Italiener, mittleres Alter, auf seiner Vespa. Er streckt den Daumen nach oben. Die Ampel wird grün, mein Vordermann schläft. Die Vespa überholt. “Geile Karre” ruft’s herüber. Ich muss wieder grinsen. Recht hat er.

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Und wie geil die ist. Zahlen? Gerne doch. 4,0 Liter V8 Biturbo, 510 PS, 700 Nm Drehmoment, 4,1 Sekunden von 0 auf 100, Spitze dank AMG Driver’s Package: 280 km/h. Klingt mächtig – und ist es auch.

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Die ersten Bilder sind schnell im Kasten. Eigentlich könnte ich noch eine Weile weiterfahren, aber morgen ist auch noch ein Tag. Und da beginnt: der Roadtrip.

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Dieser führt mich zunächst ins Allgäu, genauer nach Balderschwang. Was muss man wissen über Balderschwang? Es liegt ein wenig ab vom Schuss und um dorthin zu gelangen muss man, von Fischen kommend, über den Riedbergpass. Und der Riedbergpass ist – welch glücklicher Zufall – Deutschlands höchster befahrbarer Gebirgspass. Lucky me!

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Perfekt für den Pass: AMG Keramik Hochleistungs-Verbundbremse

16 Kilometer Kurven, erst 646 Höhenmeter hinauf, dann wieder 363 hinab. Bei bis zu 16% Steigung, respektive Gefälle. Was es bedeutet, diese Strecke bei relativ wenig Verkehr in einem Mercedes-AMG C 63S Cabriolet zu bewältigen, lässt sich nicht in Worte fassen. BARENTZ! Vor jeder Kurve. Ein Riesenspaß, und das ist noch weit untertrieben.

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Dass ich in den kommenden 48 Stunden den Riedbergpass insgesamt ganze vier Mal passieren muss, ist angesichts des Fahrspaßes natürlich äußerst tragisch. Tragisch, dass es nur vier Mal sind.

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Bei strahlendem Sonnenschein verschwindet Rotkäppchens rotes Käppchen natürlich sofort im Kofferraum. Etwa 20 Sekunden dauert das und erinnert ein wenig an eine perfekt einstudierte Ballett-Choreographie.

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Offen gibt sich der Innenraum erstaunlich zugfrei, das Windschott-System Aircap, bei dem auch oberhalb der Windschutzscheibe ein Abweiser ausfährt, kommt da wenn, dann eher den Fondpassagieren zu Gute.

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Zusätzlich bietet Mercedes noch eine Kopfraumheizung namens Airscarf an, auf die mein Rotkäppchen allerdings zu Gunsten der sehr gut anpassbaren AMG Performance Sitze verzichtet.

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AMG Performance Sitz: mit den zwei kleinen Wippen lassen sich die Sitzwangen anpassen

Ist das Verdeck erst einmal zurückgeklappt, schrumpft das Volumen des Kofferraums von 355 auf 260 Liter. Ist das jetzt wenig? Für einen zweiwöchigen Trip habe ich da anfangs tatsächlich Bedenken. Doch zwei Rimowa Bord-Trolleys plus drei Keepalls lassen sich völlig mühelos platzieren, ohne dass man auf sein Freiluftvergnügen verzichten müsste. Hinzu kommt auch noch jede Menge Platz auf der Rückbank. Das reicht auf alle Fälle.

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Kofferraum: sogar für den Hut ist noch Platz

Auf der Rückbank könnten, statt Gepäck, natürlich auch zwei weitere Mitfahrer Platz nehmen. Lange Strecken würde ich jenen allerdings nur ungern zumuten wollen.

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Abgesehen davon, dass so Mitfahrer ja auch wiegen. Und zusätzliches Gewicht braucht’s bei einem Leergewicht von knapp unter zwei Tonnen (1.925 kg) ja nun auch nicht, womit wir wieder beim Riedbergpass wären bzw. mitten auf diesem. Turn 4 sozusagen und der Weg zum nächsten Ziel des Roadtrips: Schwangau.

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Großer Zufall auch hier wieder – der von mir ausgewählte Weg führt über den Oberjochpass. Doch welch Ärgernis: die Zufahrt dorthin ist gesperrt. Da sich nun auch noch das Wetter zusehends verschlechtert, wechsle ich kurzerhand auf die vom Navi vorgeschlagene Route über die A7.

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Der C63 vor Schloss Neuschwanstein

Hier hilft übrigens mein iPhone, genauer die mercedes.me App, die zuvor mit Rotkäppchen gekoppelt wurde. Navigationspunkte können damit schon daheim vom Sofa aus via App gesetzt und dann einfach vom Handy ans Auto gesendet werden. Dort warten sie beim Losfahren nur noch auf eine kurze Bestätigung.

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Sinnvoll auch, dass der Zustand des Fahrzeugs jederzeit vom Smartphone aus kontrolliert werden kann. Wieviel Benzin ist noch drin? Wie sieht’s mit dem Reifendruck aus? Muss ich demnächst Wischwasser auffüllen? Hatte ich die Feststellbremse angezogen? Und wo hab’ ich das Ding gestern Abend nur wieder abgestellt? Antworten auf solche Fragen liefert die App auf einen Blick.

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Sollte man einmal vergessen haben, seinen Mercedes zu verschließen, kann man dies mit einem Klick übrigens auch nachholen. Recht genial, einzig dass man für die Aktivierung jeder einzelnen Funktion zunächst irgendwelche AGBs akzeptieren muss, nervt bei der Erstnutzung ein wenig.

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Elektrisch einstellbarer Sitz mit Memory-Funktion

Das Ziel ist gesetzt, die A7 weitestgehend frei. Zeit für ein wenig – Geschwindigkeit! Wie schon Limousine, T-Modell und Coupé gibt es auch das Cabriolet des C 63 bzw. C 63S ausschließlich mit Heckantrieb. Eine 4matic Version ist nicht erhältlich.

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Aufgeräumte Mittelkonsole

Das finde ich nach wie vor ein wenig schade, allerdings kann ich, zumindest bei eingeschaltetem ESP, über mangelnde Traktion nicht klagen. Im Sport Plus Modus sind kleinere Quersteher ebenso erwünscht wie ein kurzes Durchdrehen, betätigt man selbst jenseits der 100 km/h nochmal den Kickdown. Das macht Spaß, bringt den C 63S aber keinesfalls in die Nähe kritischer Situationen.

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Fahrprogramme des AMG C 63 S

Mit dem Race-Mood lässt sich der Einfluss elektronischer Helfer auf ein Minimum reduzieren, dies sei aber nur denjenigen empfohlen, die genau wissen, was sie da tun. Mercedes-AMG legt die Nutzung denn auch nur auf abgesperrten Rennstrecken nahe. Gleiches übrigens gilt auch für die Race-Start Funktion, bei der der C 63 aus dem Stand mit Maximalpower antritt.

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Auf dem Berninapass

Der Schwangau glänzt noch einmal mit ein paar Stunden Sonnenschein, ehe ich vom ersten Schauer überrascht werde. Mit offenem Verdeck natürlich. Ein Glück kann man dieses auch während der Fahrt (bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h) bedienen. Rotkäppchen lässt mich somit also nicht im Regen stehen.

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Auf Schlössertour im Schwangau

Ich ihn umgekehrt allerdings schon. So darf sich mein automobiler Begleiter in den kommenden vier Tagen Dauerregen erst einmal eine Verschnaufpause gönnen. Draußen. Welch trostloser Anblick. Wenigstens einen Tiefgaragenplatz hätte ich ihm gönnen sollen. Wäre ja das Mindeste.

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Das Akustik-Verdeck – gibt’s neben Dunkelrot übrigens auch noch in Dunkelbraun, Dunkelblau und Schwarz – kann sowas natürlich ab und glänzt darüber hinaus auch noch mit einem erhöhten Klima- und Geräuschkomfort.

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Regen, Regen, Regen. Keine idealen Voraussetzungen für einen Roadtrip im Cabrio. Wie es weitergeht, das lesen Sie in Teil 2

 

Fotos & Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2016

 

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