Ist das einstige Clubschiff erwachsen geworden? Auf dieser Reise tendiere ich zu einem klaren Ja. Berichte der erfahrenen AIDA Club Mitglieder (die Wiederholerquote an Bord scheint schier unermesslich) deuten eher auf ein Jein hin. Vieles habe sich in den vergangenen Jahren geändert, nicht alles so, wie das die ursprüngliche Peergroup auch gutheißt, vieles sei aber nach wie vor typisch AIDA.

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Den Mitbewerb im Visier

Egal wie, diese Kreuzfahrt jedenfalls ist kreuzfahrt-typischer als so manche typische Kreuzfahrt. Und um ehrlich zu sein – ich mag das, obgleich es so überhaupt nicht zu meinen zu bestätigenden Vorurteilen passen will.

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Typisch Kreuzfahrt – Obstschnitzereien im Bella Donna Restaurant

Genau, was machen die eigentlich? Nun, nicht viel eigentlich. Die sind schon am ersten Tag über Bord gegangen. Die meisten zumindest. Denn die Besteck-Ständer und Papier-Servietten, die gibt es tatsächlich immer noch. Und – Traditionen hin oder her – die werden dem ansonsten wirklich ausgesprochen hochwertigen Ambiente des Schiffes nicht gerecht.

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Besteck-Ständer im East Restaurant – hier heute mit Stoffservietten

Genau so wie die nur wenig hochwertig wirkende Bettwäsche, die nicht vorhandene Mini-Bar in den Kabinen oder der fehlende Turn-down Service. „Würde nicht ins Konzept passen“, höre ich. Wirklich? Ich sage – doch. Würde es. Denn AIDA ist ein Premium Produkt.

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Oha! Dass so etwas einmal über meine Lippen kommen würde. Das war ja eigentlich so gar nicht die Intension meines Besuches. Aber es stimmt nunmal und da kann ich nun auch nichts dran ändern. Und eben solche kleinen Aufmerksamkeiten würden diesem Premium Produkt noch die Krone aufsetzen.

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Vinothek

Premium ist auf jedem Fall der Service. Freundlich, zuvorkommend, extrem aufmerksam ist er, dabei aber niemals aufdringlich. Getränkeanimation? Fehlanzeige.

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Sonstige überbordende Kaffeefahrt-Mentalität? Nada. Sehr sympathisch, auch wenn ich das bei den zum Teil doch recht günstigen Passagepreisen anders vermutet hätte.

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Beach Bar

Diese sind übrigens ab und an Thema unter den Gästen und die auf Grund der ein wenig unübersichtlichen Tarifstruktur, sowie extremer Sonderangebote für Spätentschlossene, sehr unterschiedlichen Endpreise für ein und die selbe Reise sorgen hier und da für Kritik.

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Cool bleiben – Eingang zum East

Keine Kritik, jedenfalls von mir, gibt es für die Preise der Getränke an Bord. Sie sind äußerst fair, getoppt von 125 Euro für die Flasche Dom Pérignon. Dafür gibt’s die mitunter nicht einmal daheim im Fachhandel. Respekt.

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Vorratsräume – verdursten muss hier keiner

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Bleibt Passagieren normal verborgen: Papenburg Road, Hauptschlagader der AIDAsol

Meine Vorurteile, sie platzen, sie lösen sich in Luft auf. Eines nach dem anderen schmilzt dahin im unendlichen Sonnenschein. Denn auch das Wetter ist fern von jenem, welches man Mitte September rund um die Nordsee erwarten würde.

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Sonne – von morgens bis abends

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Die Sonne scheint die ganze Woche, es ist warm, ja schon sommerlich heiß, und meine Badehosen ziehen neidische Blicke der Mitreisenden auf sich. Nicht, weil es welche von Vilebrequin sind, nein, allein die Tatsache, dass ich welche dabei habe reicht aus. Denn die meisten hier haben sich beim Koffer packen wohl eher auf grauen Herbst eingestellt oder gar schon die dicke Winterjacke mitgenommen.

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Traum von Amsterdam

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Was macht man so den ganzen Tag auf der AIDAsol, will man die angebotenen Landausflüge nicht in Anspruch nehmen? Beispielsweise die Wellness Oase besuchen. Diese befindet sich auf Deck 14 vorne, erstreckt sich über insgesamt zwei Decks und bietet ein ausfahrbares großes Glasdach, Whirlpool, privates Sonnendeck, Entspannungsliegen und Erlebnisdusche. Der Tagespass kostet 25 Euro und empfiehlt sich besonders an vollen Seetagen.

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Whirlpools und Pool Bar auf Deck 12

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Kostenfrei kann man die im Body & Soul Bereich befindliche Sauna benutzen. Sie ist äußerst großzügig und bietet freien Blick aufs Mittelmeer, nein, in dem Fall die Nordsee. Aufgüsse gibt es um 5 nach 5 und um 6 nach 6, an Seetagen auch um 4 nach 4. Klingt komisch, lässt sich aber erstaunlich gut merken. Unangenehm: auf – zugegeben optisch wenig ansprechende – Gummimatten in der Sauna wurde verzichtet, sodass man sich beim Betreten und Verlassen dieser mitunter wie ein Fakir beim Lauf über glühende Kohlen fühlt.

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Eingang zum Body & Soul Sportbereich

Etwas seltsam fühlt man sich anschließend auch bei der Nutzung des FKK Freidecks. Erstens grenzt dieses nicht direkt an den Saunabereich, sodass der Weg zunächst durch den Textilbereich führt, zweitens sind die Scheiben nicht durchgängig in Milchglas gehalten, sodass die anderen Gäste von ihren Liegen aus ungewollte – oder vielleicht gerade doch sehr wohl beabsichtigte – Einblicke erhaschen. Das muss nicht sein und bleibt mir ein wenig unverständlich.

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AIDA Lounge

Neben Sauna und Wellness Oase bietet AIDAs Body & Soul auch eine große Auswahl an Massagen. Zum Einsatz kommen Produkte von Ligne St Barth. Die Massagerituale aus aller Welt sind fair bepreist und liegen meist bei 47 Euro für 25 Minuten, 89 Euro für 50 Minuten und 119 Euro für 80 Minuten.

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Rund um das Theatrium

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Privates Fitnesstraining, Yogastunden, TRX und Power Plate Pakete runden das Body & Soul Angebot ab. Das Fitness Center auf Deck 11 hat eine ordentliche Größe und – mehr kann ich da grad nicht zu schreiben, da ich es außer für ein paar Fotos nicht weiter aufsuche. Schande über mich, es ist einfach keine Zeit. Ich schwöre es! 😉

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Time Out Bar und Sol Bar

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Workshops, Tanzkurse, Spieletreffs, Klassiker wie Shuffleboard und Darts, Volleyball auf dem Sportdeck hinter dem Schornstein, 4D Kino, Landausflugsvorstellungen, Cocktail-Workshops, Fruit-Carving, das Angebot an Bord lässt das Tagesprogramm im DIN-A5 Format regelmäßig fast schon bersten. Langweilig wird es einem hier jedenfalls nicht. Wenn man das denn will.

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Kunst an Bord

Wenn nicht, genießt man einfach seine Ruhe. An Deck oder auf dem Balkon seiner Kabine. Wobei mir einfällt, dass ich über jene bisher ja noch kein Wort verloren habe!

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Shopping darf nicht fehlen

Gestatten, Kabine 8237, Balkonkabine der Kategorie BC, gelegen auf Deck 8 mittschiffs, direkt unterhalb des Theatriums. Ist das laut? Wenn man sich denn während der Shows in der Kabine aufhält sind die Bässe von obendrüber deutlich wahrnehmbar, ansonsten aber ist sie gut isoliert.

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Kategorie BC gehört zu den kleineren, reinen 2-Bett Kabinen an Bord. 14 Quadratmeter plus 3 Quadratmeter Balkon. 14 Quadratmeter, damit ist sie nur unwesentlich größer als die Veranda meiner kurz zuvor bewohnten Spa Suite auf MS Europa 2 alleine!

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Entsprechend schmunzeln muss ich auch, als ich die Kabine das erste Mal betrete. „Schon klein“, denke ich mir. Andererseits, alles da, was man braucht. Außer einer Minibar vielleicht, aber das hatten wir ja schon. Ansonsten, TV, Fön, Safe, eine halbwegs ausreichende Anzahl an Steckdosen – ok, es sind zwei, aber immerhin – drei Schränke und ordentlich Regalfläche.

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Nein, in der Kabine lässt es sich gut aushalten. Die Farben sind freundlich, der Grundriss perfekt durchdacht. Meyer Werft eben, bzw. die Spezialisten vom Hamburger Partner Ship Design, die sich übrigens auch für die Innenarchitektur eben jener Europa 2 verantwortlich zeichnen.

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Mann mit Fernglas – in klein auch auf der Europa 2 zu finden

Kabine 8237 erstrahlt in Orange-, Gelb- und Grüntönen, wirkt hell und optisch größer, als sie eigentlich ist. Die zwei Stühle auf dem kleinen Balkon sind in strahlendem Gelb gehalten, dazu gibt es noch einen kleinen Tisch und auf Wunsch eine rote Hängematte.

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Von meinem Balkon blicke ich auch am darauffolgenden Samstag wieder auf die Hamburger Hafencity und das Cruise Terminal. Eine Woche AIDAsol ist vorbei. Kaum zu glauben, die Zeit verging wie im Flug und von meinen Vorurteilen ist auch nix mehr übrig geblieben.

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Zeit für mein Fazit. „Du Idiot!“ So heißt ein Song, welcher bei der Poolparty am vorletzten Abend gespielt wurde. Das passt. 18 Jahre lang habe ich mich auf meinen Vorurteilen ausgeruht. Mensch, was ich in der Zeit doch alles an Spaß hätte haben können, an Bord von AIDA Schiffen. Doch noch ist nicht aller Tage Abend, denn AIDA bietet, auch das ist nach dieser Reise klar, Kreuzfahrten für alle Altersklassen. In sofern noch einmal Glück gehabt.

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General Manager Konstantin Burkämper und Entertainment Manager Stephan Hartmann mit der Crew der AIDAsol

Wer Wert auf guten Service legt, Deutsch als Bordsprache schätzt, wer auf ungezwungenes Reisen steht und Buffetrestaurants mag, wer ein top Entertainment Programm liebt und statt der meist etwas teureren All-Inclusive Konzepte lieber niedrigere Passagepreise bevorzugt, der ist auf einem Schiff der AIDA Flotte sehr gut aufgehoben.

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Eine Woche AIDA, das ist erstaunlich erholsam und verbindet klassische Kreuzfahrt und Cluburlaub auf faszinierend unverbindliche, dennoch professionelle Art und Weise. Die hohe Wiederholerquote an Bord, mich wundert sie nach meiner „Jungfernfahrt“ nicht.

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Die Route Nordeuropa 1 bzw. Metropolenroute 4 wird auch 2015 wieder angeboten. Ab März kreuzt zunächst AIDAmar, von Mai bis September übernimmt dann AIDAbella die Route. 2016 beginnt die Saison mit AIDAmar bereits Ende Februar, bis Ende April die neue AIDAprima in der Nordsee eingesetzt wird.

Die Preise beginnen bei 595 Euro für die 2-Bett Innenkabine, 840 Euro für die Balkonkabine und 1.250 Euro für die Suite (pro Person auf AIDAmar bei Abfahrt 27.02.2016, Stand 12.11.2014). Weitere Infos unter www.aida.de.

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Southampton und Amsterdam – zwei Destinationen der Nordeuropa 1 Tour

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Nachtrag: Ein Punkt, der in meinen Bericht nicht wirklich passte, der mir aber dennoch sehr am Herzen liegt ist die Seenotrettungsübung. Noch auf keinem Schiff habe ich diese so umfassend und professionell erlebt, wie hier.

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Crew-Drill im Rahmen der Seenotrettungsübung

Die Passagiere lernen, exakt den Weg zu benutzen, der auch im Ernstfall ihr kürzester Weg zum jeweiligen Rettungsboot ist. Sprich, je nach Lage der Kabine auch durch die Treppenhäuser der Crew. Die Seenotrettungsübung von AIDA Cruises ist vorbildlich und für mich zukünftig das Maß, an dem sich alle anderen Reedereien werden messen müssen.

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Bis zum nächsten Mal… 

Fotos & Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2014

 

 

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