by R-L-X

Den Geburtstag einmal nicht daheim verbringen. Das war der Plan. Doch wo dann? Zum Beispiel – auf einem Kreuzfahrtschiff. Bericht über einen ganz besonderen Tag an Bord der AIDAperla.

Feiern oder Wegfahren? Sich der Realität stellen oder vor ihr flüchten? Die Frage, wie – bzw. wo man seinen Geburtstag verbringt, ist eine, die sich mit zunehmendem Alter wohl die meisten von uns irgendwann einmal stellen. Für mich war das bislang nie ein Problem. Wiesbaden oder Wien, am liebsten sowohl als auch, dort zelebrierte ich alle meine bisherigen Ehrentage.

AIDAperla – neustes Mitglied der AIDA-Flotte

Was genau zur Entscheidung geführt hat, genau das dieses Jahr erstmalig nicht so zu handhaben, ich kann es gar nicht genau sagen. Vielleicht will ich aber auch einfach nicht weiter darüber nachdenken, denn “man wird halt alt” darf als Argument ja jetzt nun wirklich noch nicht ziehen, oder doch?

Geburtstagssonnenuntergang an Deck

Nur, wo verbringt man seinen Geburtstag, wenn nicht daheim? Für mich ist die Sache da schnell relativ klar. Auf einem Schiff natürlich. Einziges Problem dabei: mein Geburtstag ist im November. Und da Kreuzfahrtschiffe für gewöhnlich der Sonne, der Wärme folgen, sind sie zu dem Zeitpunkt meist schon längst in Richtung Asien, Karibik, Dubai oder Kanaren aufgebrochen. Ein bisschen weit weg für “mal eben schnell Geburtstag feiern”.

Gleich geht es an Bord

Doch halt. Zwei Schiffe gibt es, die extra dafür gebaut wurden, ganzjährig in Kontinentaleuropäischen Gefilden unterwegs zu sein. Zum einen die im letzten Jahr in Dienst gestellte AIDAprima (hier geht’s zum Review), zum anderen deren brandneues Schwesterschiff, die AIDAperla. Und genau die ist über meinen Geburtstag auf ihrer wöchentlichen Route im westlichen Mittelmeer unterwegs. Na das klingt doch ziemlich perfekt!

Cheers! 

Ihre Route führt die Perla von Palma de Mallorca über Civitaveccia (Rom), Livorno (Florenz/Pisa), Marseille und Barcelona zurück nach Palma. Mein Geburtstag fällt auf den Hafentag in Marseille, was letztlich aber sowieso egal ist, denn meinen Geburtstag, den will ich schließlich wirklich an Bord verbringen. Also ab in den Flieger und rauf auf das neuste Schiff der Kussmundflotte.

Marseille in der Abendsonne

Und wie startet man jetzt so einen Geburtstag an Bord standesgemäß? Zunächst einmal mit einem Glas Champagner um Mitternacht. Wie sonst? Gar nicht mal so einfach, wie sich herausstellt. Zwar stehen die Champagner der “Hausmarke” J.M. Gobillard & Fils überall auf der Karte, doch wird dieser anscheinend so wenig nachgefragt, dass man ihn nur sehr ungern glasweise ausschenkt.

Pooldeck und überdachter Beachclub

Für meinen Geburtstag macht man allerdings eine Ausnahme. Soll ja auch nicht nur bei einem Glas bleiben. Da ich mir für meinen Geburtstagsauftakt die AIDA Bar im Beach Club auf Deck 15 ausgesucht habe und Glas im Badebereich nicht ganz so gut kommt, wird mir mein Rosé stilecht in einem Plastikglas serviert. Tut dem Geschmack allerdings weit weniger Abbruch als ich das befürchtet hatte. Nein, das Zeug ist wirklich richtig gut!

Beachclub, Deck 16

Es ist Discozeit und ordentlich was los im überdachten und dadurch sehr angenehm temperierten Beach Club. Punkt Mitternacht spielt der DJ Stevie Wonders “Happy Birthday to you”. Gut, bei rund 3.500 Gästen an Bord kommen wir schon rein statistisch jeden Tag auf fast zehn Geburtstagskinder, dennoch, ich bin mir sicher, das jetzt, das war NUR FÜR MICH!

Discotime!

Ein wenig schaue ich mir das Treiben rund um die zwei Bars, die große Bühne und den Pool noch an, ehe die Müdigkeit siegt. Ab in die Kabine. Und die ist glücklicherweise gar nicht so weit entfernt.

Panorama-Kabine 16220

Kabine Nummer 16220 (Ähnlichkeiten mit Rolex Referenznummern wären rein zufällig) ist eine so genannte Panoramakabine und liegt auf Deck 16. Sie ist sicherlich eine der skurrilsten Kabinen an Bord, denn um sie zu finden, muss man ein wenig detektivisches Gespür an den Tag legen. Den Gang entlang lässt man die Kabinen 16217 und 16218 hinter sich, steht dann vor Kabine 16219 und – wundert sich. Eine 16220 ist weit und breit nicht zu sehen. Stattdessen nur eine unscheinbare, beige Tür mit einem Kartenleser.

17 Quadratmeter, gehalten in Grün

Diese Tür führt zu einem kleinen Vorraum, an den sich dann wiederum die Tür zu Kabine 16220 anschließt. Eine Inkognito-Kabine also. Witzig. Ansonsten zeichnen sich die Kabinen der Kategorie VP durch einen größeren Balkon aus, es gibt eine Kaffeemaschine und – Zugang zum ebenfalls auf Deck 16 gelegenen Patio Deck.

Patio Bar auf dem Patio Deck

Dieses ist der für mich vielleicht schönste Bereich des Schiffes, leider aber lediglich mit Sonnen- nicht aber mit Wetterschutz versehen und dadurch bei Wind und Temperaturen, wie sie in Marseille im November herrschen, nicht wirklich groß nutzbar. Ein wenig Schade eigentlich, denn hier könnte man echt viel Zeit verbringen.

Ein Hauch von Privatyacht: Patio Deck

Ein Blick vom Balkon hinüber auf das Lichtermeer von Marseille, dann ist aber wirklich Schlafenszeit. Schließlich wartet mein Geburtstag an Bord. Und wie beginnt man den am Morgen? Natürlich mit gemütlichem Ausschlafen. Jenes wird allerdings durch einen schrillen Ton zur Sicherheitsübung der Crew jäh unterbrochen. Gut, ist schließlich auch schon zehn Uhr. Zeit fürs Frühstück.

Beach-Club und AIDA Bar bei Tag

Das kann man an Bord auf verschiedene Arten begehen. Diverse Buffetrestaurants haben geöffnet, meist bis 10:30 oder 11:00 Uhr, dazu gibt es ein Gourmetfrühstück im Buffalo Steakhouse. Das ist für Suitengäste inklusive, ansonsten kostenpflichtig zubuchbar. Ich entscheide mich heute allerdings für die Brasserie “French Kiss”, eines der Bedien-Restaurants an Bord. In jenen sind die Getränke kostenpflichtig, die Speisen sind aber durch den Passagepreis abgedeckt, spezielle Wünsche kosten jedoch extra.

Brasserie French Kiss

Wem die großen Selbstbedienungsrestaurants zu hektisch sind, der findet im French Kiss ein wenig Ruhe. Die Croissants kommen ofenfrisch (oder zumindest frisch gewärmt) auf den Tisch, eine Wurst- und Käseauswahl wird auf einer Etagere serviert. Sehr nett.

Zünftige Alternative am Abend: das Brauhaus

Anschließend ein wenig über die Außendecks schlendern um dann – mit einem Glas Gobillard Rosé aus der AIDA Bar natürlich – zurück in die Kabine zu gehen. Da liegt auch schon ein Geburtstagsgruß in Form eines Muffins und eines AIDA Schlüsselanhängers auf dem Bett. Dazu eine Flasche AIDA Sekt. Super nette Geste!

Geburtstagsgrüße

Meine Kabine liegt heute wirklich optimal. Auf der Sonnenseite und komplett windgeschützt. Es gibt keinen besseren Ort. Ok, vielleicht im riesigen Spa Bereich, für den man einen Aufenthalt ebenfalls hinzubuchen kann. Aber nein, der Balkon meiner Kabine, das ist heute meine allererste Wahl.

Doppelte Veranda, noch ohne Sonne

Der seltsame Vorraum und die Tatsache, dass meine Kabine dadurch einem Geheimversteck gleicht, ist nicht die einzige Skurrilität, die die 16220 zu bieten hat. Die zweite Besonderheit wartet auf der Veranda. Denn davon gibt es – gleich derer zwei! Bauliche Eigenart des Schiffes? Versehen? Egal! Von meiner eh schon großen Veranda also führt eine Stufe auf die noch einmal genauso große zweite Veranda. Insgesamt rund 14 Quadratmeter Balkonfläche – das haben selbst 5-Sterne-Plus Schiffe nur in ihren größeren Suiten zu bieten.

Nichts für Passagiere mit Höhenangst: Blick hinunter auf das Freideck der AIDA Lounge

Und so genieße ich die Sonne, die an diesem Tag über Marseille strahlt, mal vom einen, mal vom anderen Balkon. Einmal allerdings kurzfristig auch vom “normalen” Sonnendeck auf Deck 17. Dann nämlich, als die kleinere AIDAblu direkt neben uns aus dem Werftdock der Chantiers de Naval Marseille geschleppt wird und sich, frisch renoviert, auf den Weg nach Mallorca macht – großes Hupkonzert seitens AIDAperla inklusive. Gänsehautmomente, zumindest für so einen Schiffsnerd wie mich.

Bye Bye, AIDAblu

Lust auf eine Stärkung? Einen tatsächlich sehr leckeren Chickenburger aus dem Fuego Restaurant zum Beispiel? Passt. Denn bis zu meiner Tischreservierung im Buffalo Steak House am Abend sind es noch ein paar Stunden. Zeit, die man damit verbringen kann, das Schiff weiter zu erkunden. AIDAperla ist weitestgehend baugleich zu AIDAprima und so brauche ich nur sehr kurz, um mich zurecht zu finden.

AIDA Plaza auf Deck 6 und 7

Absolut bemerkenswert auch dieses Mal: selbst bei rund 3500 Passagieren an Bord wirken die Räumlichkeiten zwar gut gefüllt, aber nie wirklich übervoll. Selbst in den Restaurants gibt es noch freie Tische, wenngleich die Crew sichtlich Mühe hat, mit dem Abräumen dieser hinterherzukommen.

Perla Bar auf Deck 6

Die Raumkonzepte, die AIDA mit den neuen Schiffen eingeführt hat, kann man wirklich als gelungen bezeichnen. Viele schöne, offene Bars und Sitzmöglichkeiten, einzig im Bereich der Sonnendecks habe ich angesichts der Anzahl an Liegen (meist sind es dort sowieso nur Liegestühle) meine Bedenken, wie das alles bei wärmeren Temperaturen ausschaut. Heute aber hat man auch hier die freie Wahl.

Sonnenuntergang in Marseille

Nach einem herrlichen Sonnenuntergang gönne ich mir, quasi zum Aperitiv, eine Flasche Dom Pérignon. Der ist hier an Bord sogar günstiger zu bekommen, als in den meisten Feinkostgeschäften daheim. Im Vergleich zu Restaurants und Bars an Land sind die 145 Euro pro Flasche dann sogar wirklich schon ein Schnäppchen. Klar dass das jetzt sein muss. An so einem Tag!

Leider nur Deko: Dom Pérignon in Mathusalem Größe

Die Flasche bestellt man standesgemäß am besten in der Spray Bar by Moët & Chandon. Hier gibt es so ziemlich alles, was den Fan dieser Marke in tiefste Verzückung versetzt. Allein, heute findet hier ein Auslauf-Event statt, welches ich im Vorfeld buchen hätte müssen. Macht aber nichts, denn Champagner Flaschenweise kann man wirklich an jeder Bar bestellen und da im Theatrium, dem zentralen Punkt der Aktivitäten an Bord, gerade die Captain’s Night beginnt, mache ich es mir an der Sunset Bar auf Deck 8 gemütlich.

Der Moët Pinguin weist den Weg in die Spray Bar

Unser Kapitän auf dieser Reise ist kein Geringerer als Boris Becker, was zunächst erstmal für etwas Verwirrung sorgt. Außer dem Namen eint ihn aber recht wenig mit dem bekannten Tennisspieler. Kapitän Becker hat die letzten Jahre in Japan gelebt und dort den Bau der beiden Schwesterschiffe Prima und Perla überwacht. Mit Fertigstellung der Perla endete seine Zeit in Japan und so war er es auch, der mit dem neuen Schiff von Nagasaki aus in See stach, Kurs Palma de Mallorca.

Moët Ice Rosé gibt’s auch

In jener Woche ist das exakt ein halbes Jahr her und somit Grund genug, ein paar Anekdoten aus dieser Zeit preiszugeben. Von seltsam anmutenden Kimonos, von viel zu dünnem Toilettpapier, von Atemschutzmasken, von Werftarbeitern, die ihm nachts aufs Bett stiegen, weil grad der Vollasttest der Klimaanlage in Gang war und und und.

Theatrium auf den Decks 6 bis 8

Boris Becker entpuppt sich spätestens an diesem Abend als großartiger Entertainer und durch seinen dokumentierten DJ Auftritt im Hoodie auch als einer der lässigsten Kapitäne überhaupt. Die Captain’s Night mit ihm – definitiv Pflichtprogramm!

Boris Becker bei seiner Captain’s Night

Dann ist’s auch schon Zeit für meinen Tisch im Steak House, nur ein paar Meter neben der Sunset Bar. Die Karte bietet eine gute Auswahl an Weinen. Viele davon sind auch glasweise zu bekommen. Dazu Dry Aged Beef, klassische Steaks, Surf & Turf, etc.

Carpaccio zur Vorspeise

Meine Wahl fällt auf einen Cesars Salad, gefolgt von Carpaccio, einem Filetsteak und Créme Brullée. Schnell, fast schon zu schnell, kommen die Speisen an den Tisch, was vielleicht auch daran liegt, dass das Restaurant heute gerade einmal zu einem Drittel besetzt ist. Das Buffalo Steak House, es ist definitiv mein bevorzugtes Restaurant an Bord. Hier könnte ich jeden Abend speisen, alternativ natürlich auch im Rossini, dem Gourmetrestaurant.

Filetsteak im Buffalo Steak House

Langsam aber sicher neigt sich mein Geburtstag dem Ende zu. Etwas über anderthalb Stunden noch. Und die verbringe ich erneut an der AIDA Bar im Beach Club. Heute singen hier Band und Crewmitglieder gemeinsam, ein ganz großer Spaß. Auch die Bar-Crew ist wieder allerbester Laune. Der perfekte Platz also, um den Ehrentag ausklingen zu lassen.

22:30 – bald ist der Geburtstag vorbei

Um Mitternacht dann – diesmal kein “Happy Birthday”. War also wirklich nur für mich, gestern. Wusste ich es doch! 😉

Lasershow zum Abschluss

Mein Fazit: den eigenen Geburtstag mal nicht daheim verbringen? Kann man machen! Und was böte sich da besser an, als ein Kreuzfahrtschiff. Ein Schiff wie die AIDAperla bietet unglaublich viele Möglichkeiten, einen solchen Tag ganz nach den eigenen, individuellen Wünschen zu verbringen. Meine Geburtstagsplanungen für 2018 jedenfalls, sie können beginnen.

Vielen Dank an AIDA Cruises für die Möglichkeit der Mitreise.

Fotos & Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2017

 

 

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