by R-L-X

Immer mehr Uhrenhersteller experimentieren mit neuen Materialien und Legierungen. Auch Roger Dubuis ist auf diesem Sektor umtriebig. Doch die Excalibur Quatuor Cobalt Micro-Melt ist auch aus anderen Gründen außergewöhnlich. 

Zurückhaltend und dezent – Worte, die dem Betrachter beim Anblick des stattlichen 48 Millimeter Gehäuses der farbenfrohen Excalibur Quatuor Cobalt Micro-Melt wahrscheinlich nicht als allererstes in den Sinn kommen. 

Im Gegenteil. Roger Dubuis’ im Vorfeld des vergangenen SIHH vorgestellte und auf gerade einmal acht Stück limitierte Neuheit hat eine gewaltige Präsenz, sei es durch das strahlend blaue Alligator-Lederband mit roter Naht, die blauen PVD-beschichteten Brücken und Werkteile oder den roten Rehautring. 

Auffällig strahlend: das Gehäusematerial. Erster Gedanke: Platin. Falsch. Denn was hier zum Einsatz kommt, ist eine Cobalt-Chrom-Legierung, die im sogenannten Micro-Melt-Verfahren hergestellt wird. Normalerweise werden solche Legierungen in der Luftfahrt und der Medizin genutzt, etwa für orthopädische Implantate. 

Vorteile: hart, dennoch elastisch und völlig korrosionsfrei. Ziel des Micro-Melt, entwickelt von Carpenter Powder Products ist es, ein reines Metallpulver ohne jedwede Verunreinigungen zu erhalten.

Die Grundlegierung wird dafür in einer Vakuumkammer geschmolzen und dann unter Hochdruck in einen Gasstrom injiziert. Resultat ist ein feines, gleichmäßiges Metallpulver, welches dann unter Druck und Hitze in Barren geformt wird. 

Doch das spezielle Metall ist nicht das Einzige, was an dieser Roger Dubuis außergewöhnlich ist. Denn die Quatuor zeichnet sich durch den Einsatz eines ganz besonderen Kalibers aus: das RD 101. 

Vier Hemmungen arbeiten hierbei gleichzeitig, die vier Unruhen sind im Winkel von 45° angeordnet. Hierdurch sollen die Gravitationseffekte ausgehebelt werden. Durch insgesamt sieben Differenziale bildet die Uhr dann im Endeffekt den Gangdurchschnitt der vier Lagen ab. 

Das Handaufzug-Kaliber RD101 besteht aus insgesamt 590 Teilen und trägt das Genfer Siegel. Es durch die vier Aussparungen im Zifferblatt zu beobachten ist wirklich großes Kino. Rund 2.400 Arbeitsstunden fließen in das Quatuor RD101, davon entfallen allein 720 Stunden auf die Anforderungen des Genfer Siegels. 

Mein Fazit: Roger Dubuis’ Excalibur Quatuor Cobalt Micro-Melt ist allein schon durch ihre geringe Auflage und einen Preis von über 450.000 Euro alles andere als gewöhnlich. Material, Herstellungsverfahren und das besondere Uhrwerk mit seinen vier Unruhen machen sie zu einer der spannendsten Neuheiten des Uhrenjahrs 2017. 

Datenblatt:

  • Modell: Roger Dubuis Excalibur Quatuor Cobalt Micro-Melt, Ref. RDDBEX0571
  • Gehäuse: 48mm, Chrom Cobalt Micro-Melt, wasserdicht bis 5 bar (50 Meter), entspiegeltes Saphirglas, Sichtboden mit Saphirglas.
  • Zifferblatt: Skelettiert, PVD-beschichtet
  • Armband: Alligator-Lederband, blau mit roter Kontrastnaht, Faltschließe aus Titan
  • Uhrwerk: Kaliber RD101, Manufakturkaliber, Handaufzug, 4x 28.800 A/h (4x 4 Hz), 40 Stunden Gangreserve
  • Funktionen: Stunde, Minute, Gangreserve
  • Auflage: 8 Stück
  • Preis: 455.000 Euro (UVP für Deutschland)

 

 

Fotos & Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2017

 

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