Antarktis – wer mich kennt, der weiß, Traumziel – das klingt für mich anders. Für ein paar Tage auf die Kanaren fliegen? Gerne doch. Oder im östlichen Mittelmeer die aktuellen Errungenschaften der derzeit so vielgescholtenen seegestützten Tourismusindustrie testen. Ja, das ist schon sehr viel eher meins. Die Sonne, die Wärme, der Sommer? Jederzeit! Das ewige Eis? Nein. Das nun wirklich nicht!
Antarktis? „Tu es“, haben sie gesagt!
Doch mein Umfeld war hartnäckig. „Tu es“ haben sie gesagt. Reihenweise. Wer? So ziemlich jeder, dem ich im Vorfeld von meinen potenziellen Reiseplänen erzählte. Einmal im Leben müsse man das gemacht haben. Sagten jene, die selbiges eben schon einmal im Leben gemacht hatten. Und auch die Anderen, denen jenes Erlebnis noch nicht vergönnt war, rieten mir eindringlich dazu. Na dann – auf nach Südamerika.
Mein Trip beginnt in Chile. Dort startet die Seabourn Quest auf ihre letzte „Ultimate Antarctica and Patagonia“ Reise der Saison 2018/19. Für gewöhnlich begibt sich das Schiff, mit welchem ich ja schon einmal die Küste Großbritanniens bereist hatte (mehr dazu hier) viermal pro Saison gen Antarktis, dieses Jahr ist eine Reise mehr geplant. Meine. Wir sind also verhältnismäßig spät dran.
Die ultimative Patagonien & Antarktis Reise dauert drei Wochen
Die Kreuzfahrt dauert ganze drei Wochen. Das ist für typische Antarktisreisen relativ lang. Die meisten Reedereien beginnen ihre meist 10-12-tägigen Touren im argentinischen Ushuaia. Seabourn startet im chilenischen San Antonio mit Endpunkt in Buenos Aires bzw. vice versa. Dazwischen, Patagonien, die Falklandinseln und, natürlich, das ewige Eis.
Lediglich sechs Hafentage sind in den drei Wochen geplant. Das ist relativ wenig. Dazu aber wartet gleich zweimal die für ihre schwere See berüchtigte Drake Passage. Nicht, dass ich es nicht mögen würde, wenn ein Schiff mal ein wenig mehr schaukelt, dennoch – Traumurlaub, der schaut für mich nun wirklich anders aus.
Antarktis deluxe – mit der Seabourn Quest
Was hingegen meinen Geschmack deutlich mehr trifft, ist das Schiff selbst. Nicht umsonst gilt Seabourn Cruise Line bereits seit Ende der 1980er Jahre als Pionier der Luxus-Kreuzfahrt. Entsprechend ist die Seabourn Quest mit die luxuriöseste Art und Weise, die Antarktis zu bereisen. Rund 330 Crewmitglieder umsorgen die bis zu 450 Gäste.
Damit ist die Seabourn Quest eines der größten Schiffe, welches in der Antarktis anlanden darf. An Bord gilt: All Inclusive. Selbst Champagner, Kaviar oder andere Leckereien sind zu jeder Tages- und Nachtzeit überall erhältlich.
Das ewige Eis – für die meisten die Erfüllung eines großen Traumes
Für die meisten der Mitreisenden an Bord geht mit dieser Reise ein lange gehegter Traum in Erfüllung. Die Antarktis, das ist eben doch kein alltägliches Reiseziel. Außer mir sind nur wenige allein reisende Gäste an Bord. Doch so richtig allein bleibt man bei Seabourn sowieso nicht lange.
Dank vieler Events lernt man binnen kürzester Zeit das halbe Schiff kennen. Neben den USA und Kanada sind dieses Mal viele Australier an Bord. Auch die Gruppe deutsch sprechender Passagiere ist erstaunlich hoch.
Entlang der Küste Südamerikas
Vom Starthafen, rund zwei Autostunden von Santiago de Chile entfernt, ist es noch ein weiter Weg bis zur Antarktis. Dieser führt zunächst immer an der Küste Chiles entlang gen Süden. Das nach dem ehemaligen Präsidenten Manuel Montt benannte Puerto Montt ist erstes Zwischenziel der Reise.
Danach steht das an der Panamericana gelegene Castro auf dem Programm der Quest, ehe das Schiff dann den offenen Pazifik wieder verlässt und in den langgezogenen Fjorden der Chilenischen Nationalparks die ersten richtigen Highlights warten.
Das erste Eis – das erste Highlight
Als ich an Tag Sechs meiner Reise in aller Früh meinen Balkon betrete, haben die Außentemperaturen schon merklich abgebaut. Es ist ordentlich frisch, als der Morgennebel langsam den Blick auf die das Schiff umgebenden Berge freigibt. Der ein oder andere Wasserfall ist zu sehen.
Wir befinden uns im Asia Fjord, einen Seitenarm des Sarmiento-Kanals. Einem der Hauptwasserwege der Region Patagoniens also. Das Wasser ist nahezu spiegelglatt. Stille begleitet die Szenerie. Dann plötzlich, wie aus dem Nichts, tauchen auf einmal Eisschollen auf. Erst eine, dann eine Zweite, dann immer mehr. Die erste Begegnung mit Eis auf dieser Reise, sie wirkt fast schon gespenstisch.
Gänsehautmomente am El Brujo Gletscher
Immer weiter lichtet sich der Nebel. Plötzlich: ein blaues Schimmern in der Ferne. Wir erreichen den El Brujo Gletscher. Sein unvorstellbares Eisfeld reicht bis hinunter ins Wasser. Das Eis leuchtet Blau. In einer Kraft, wie ich dies niemals für möglich gehalten hätte. Die Spiegelungen des Wassers lassen den Anblick noch einmal gigantischer wirken.
Als dann auch noch die Sonne kurz durch die Wolkendecke bricht und sich ihr orange-gelber Schimmer zum majestätischen Blau gesellt ist klar: das hier, das ist der erste ganz ganz große Gänsehautmoment dieser Reise. Und das nicht nur auf Grund der Temperaturen.
Kleiner Koffercheck: was braucht man in der Antarktis?
Um jener Kälte auf so einer Antarctic Experience zu trotzen, wartet übrigens schon am ersten Tag der Reise ein zweiteiliger Arctic Parka, sowie eine warme Mütze auf der Kabine. Jene Utensilien kann man am Ende der Reise ebenso als Andenken mit nach Hause nehmen, wie den Seabourn Rucksack, ein Buch über die Antarktis und Literatur zur Erkennung der dort beheimateten Tiere.
Was benötigt man sonst noch für so eine Reise? Gummistiefel, das vielleicht wichtigste Accessoire der kommenden Tage, kann man sich an Bord leihen. Für Thermounterwäsche, eine wasserdichte Hose und wasserdichte Handschuhe gibt es in den nun folgenden zwei Häfen noch reichlich Einkaufsmöglichkeiten.
Punta Arenas und die ersten Pinguine
Der erste davon ist Punta Arenas. Die Stadt liegt an der Magellanstraße. Vom spanischen Generalkapitän Fernão de Magalhães einst mehr durch Zufall entdeckt, entwickelte sich die Meeresenge zwischen südamerikanischem Festland und Feuerland zu einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Erst mit Bau des Panamakanals verlor die Region an Bedeutung.
Zu den größten Sehenswürdigkeiten gehört heute die Pinguin-Kolonie von Magdalena Island. Dorthin führt mich mein erster, organisierter Landausflug dieser Reise. Bei Sonnenaufgang geht es zunächst per Bus an einen kleinen Hafen. Dort wartet ein Speedboat. Ein wenig sieht dieses so aus, als stamme es aus alten Armeebeständen. Im Inneren ist es recht ungemütlich und der Geruch von Benzin raubt einem die Sinne.
Verhaltensregeln der besonderen Art
Etwa eine Stunde dauert die Fahrt hinaus zur Insel. Viel Zeit für ein umfassendes Briefing über den Umgang mit Pinguinen. Die wichtigsten Punkte kurz zusammengefasst: Pinguine haben Vorfahrt. Immer. Man möge sich ihnen daher nicht in den Weg stellen und sie nicht behindern, speziell wenn sie auf ihren „Penguin-Highways“ unterwegs sind. Immer mindestens fünf Meter Abstand sollte man einhalten und die abgesteckten Pfade keinesfalls verlassen. Bitte nicht füttern, nicht auf den Arm nehmen und: keine Selfies. Auch wenn es noch so verlockend sei.
Nun, jeder kennt Pinguine. Sei es von Zoobesuchen oder aus Reportagen im Fernsehen. Doch die erste Begegnung mit ihnen in freier Wildbahn ist etwas vollkommen Anderes. Und ein Erlebnis, an das ich wohl mein ganzes Leben zurückdenken werde. Unweigerlich kommt binnen allerkürzester Zeit die Frage auf, wer hier in Wirklichkeit eigentlich wen neugierig beobachtet. Oder auf arroganteste Art und Weise ignoriert.
Ushuaia: Willkommen am Ende der Welt!
Die nächste Station der Reise heißt Ushuaia. Während der Fahrt entlang des Beagle Kanals wechseln wir von Chile nach Argentinien. Die südlichste Stadt der Welt erreichen wir erst gegen Mittag. Das Wetter ist fantastisch.
Bei sommerlichen Temperaturen, fast schon im zweistelligen Bereich, führt mich mein heutiger Ausflug mit einem Katamaran zu einigen Inseln entlang der argentinisch-chilenischen Grenze.
Wie Sommer im Auenland
Die klare Luft lässt die umliegenden Berge extrem imposant wirken. Der Himmel über uns ist so blau-weiß wie die Flagge Argentiniens. Robben sonnen sich auf den wärmenden Steinen der kleinen Inseln, tausende Vögel tummeln sich auf den Felsen.
Der Leuchtturm Faro Les Éclaireurs ist eines der Wahrzeichen Ushuaias. Er steht auf einem unbewohnten Felsen und ist deutlich kleiner, als man das erwarten würde. Unbewohnter Felsen, so ganz stimmt diese Umschreibung allerdings dann doch nicht. Denn hunderte von arktischen Kormoranen haben hier ihr Zuhause gefunden.
Ist das noch real – oder ein Traum?
In der Ferne zieht derweil ein Unwetter vorbei. Es umrahmt den östlichen Ausgang des Beagle Kanals. Als dann auch noch ein Regenbogen hervortritt, fragt man sich unweigerlich, ob das alles überhaupt real sein kann.
In imposanter Abendstimmung verlassen wir „das Ende der Welt“. So wird Feuerland allgemein genannt. Und auch in Ushuaia trifft man überall auf diese Redewendung. Ganz streng genommen liegt jenes Ende aber noch ein ganzes Stück südlicher, nämlich auf Kap Hoorn. Jene Insel passieren wir allerdings erst einige Stunden später.
Abschied: die Drake Passage wartet
Der Abschied von Ushuaia ist ein besonderer, ein eigenartiger Moment. Ein wenig komme ich mir dabei vor, wie einer jener großen Entdecker, die einst von hier aus aufbrachen, ins kalte Unbekannte.
Die Reise ans Ende der Welt geht weiter: in Teil 2 dieses Reiseberichts.
Hinweis zur Transparenz
Der Bericht entstand auf Einladung von Seabourn Cruises. Eine redaktionelle Einflussnahme auf diesen Artikel fand nicht statt.
Fotos: © PCS 2019
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