by R-L-X

1957 erblickten drei Omega Modelle das Licht der Welt, die die Marke aus Biel bis heute prägen. Zum 60-jährigen Jubiläum wird diese Trilogie nun noch einmal aufgelegt. Streng limitiert. Ein Review.

Ganz ehrlich, ich kann mich an wenige Reviews der letzten Jahre erinnern, die mir so schwer gefallen sind wie dieses hier zur Neuauflage der ersten Speed-, Sea- und Railmaster aus 1957. 

Omega 1957 Trilogy Set

Bei der ersten Begegnung im Schaufenster des Omega Messestands in Basel musste ich überlegen: waren das, was dort in einer roten Dreierbox gezeigt wurde nun neue Modelle? Oder die historischen Originale? Dass solche alten Stücke auf Messen als Vergleich herhalten, passiert ja recht häufig. 

Original und Neuauflage von Railmaster…

Bei genauem Hinschauen aber gab es dann kein Zweifel. Das hier sind drei neue Modelle, die allesamt so aussehen, als seien sie 1957 in den Safe gelegt und 60 Jahre später wieder hervorgezaubert worden. 

… Seamaster…

Nun halte ich all zu heftiges Retro Design bei aktuellen Modellen oftmals für die Kapitulation jeglicher Kreativität im Uhrendesign. Doch das hier, das ist kein Retro Design. Das sind nahezu exakte Nachbauten der Originale. Und ganz ehrlich, so eine Entwicklung kann man nicht allen Ernstes gutheißen. Nein, eigentlich ist das aus Sammlersicht fast schon unverschämt. 

… und Speedmaster

Meine Meinung zur Omega Trilogy 1957 war also schon weitestgehend gefestigt, als ich tags drauf zur Produktpräsentation geladen war. Mit den drei Modellen, so der Plan, beschäftigst du dich nur kurz am Rande, gibt ja auch 2017 wieder genug andere Neuheiten bei Omega. 

Vintage Style trifft modernen Uhrenbau

Doch dann passierte etwas Merkwürdiges. Denn schon das erste der drei Pseudo-Vintage Modelle, übte eine gewisse Faszination aus. Wohlgemerkt, wir sprechen hier von der Railmaster, der für mich mit Abstand Unspannendsten der Drei. Eigentlich. 

Die Ref. 220.10.38.20.01.002 kommt in einem 38 Millimetergehäuse, das bis 60 Meter (6 bar) wasserdicht ist. Ihre Maße entsprechen nahezu exakt denen der ersten Railmaster von 1957, der CK2914. 

Omega ist für seine 1957 Trilogy Limited Editions neue Wege gegangen. Um der Optik der Originale so nahe wie möglich zu kommen erzeugte man mittels Digitalscannern eine hochpräzise Darstellung der Originaluhren. Zusammen mit Originalzeichnungen der damaligen Zeit dienten diese Daten als Vorlage für die neuen Modelle. 

Das mag sich technisch spannend anhören, emotional aber klingt das wenig leidenschaftlich – nach klonen. Ganz so ist es allerdings nicht. Omega passte die Trilogy Neuauflage durchaus den Anforderungen an moderne Uhren an. 

So verfügt die neue “alte” Railmaster über ein Saphir- statt eines Hesalithglases und mit dem Kaliber 8806 kommt ein modernes Master-Chronometerwerk zum Einsatz, auf welches Omega, wie auf die gesamte Uhr, eine Garantie von vier Jahren gibt. 

Gleiches gilt auch für das zweite Modell der Trilogy Reihe, die Omega Seamaster, Ref. 234.10.39.20.01.001, ebenfalls mit dem Kaliber 8806 mit 55 Stunden Gangreserve ausgestattet. Wie das Original, die CK 2913, misst das aktuelle Modell 39 Millimeter und ist bis 300 Meter (30 bar) wasserdicht. 

Auch auf kleinste Details aus der Vergangenheit hat Omega geachtet. Zwar trägt die Seamaster 300 nun ebenfalls ein Saphirglas statt eines solchen aus Hesalith, doch das Naïdad-Zeichen auf der Krone rückt sie wiederum nahe an den berühmten Vorfahren.  

Spannend: als Lünette wählte man bei Omega die Countdown-Lünette, deren Beschriftung aus heutiger Sicht irgendwie “falsch herum” scheint. Drehbar ist sie in beide Richtungen. 

Natürlich darf auch das Seepferdchen-Symbol auf dem Rückendeckel nicht fehlen. Auch dieses entspricht laut Omega exakt dem Emblem des Modells von 1957. Massiv und verschraubt hingegen ist das Band, dessen (Retro-) Schließe mit einer modernen Tauchverlängerung aufwarten kann.

Vergleicht man die drei Modelle direkt miteinander, fallen beim genauen Hinsehen die unterschiedlichen aufgesetzten Omega Logos auf den Zifferblättern auf. Sie stellen noch einmal heraus, auf welch unterschiedliche Art die verschiedenen damaligen Zulieferer das Markensymbol interpretierten – und mit wieviel Detailverliebtheit Omega bei der Neuauflage 2017 doch zugange war. 

Drittes Modell im Bunde ist – natürlich – die Speedmaster. Die Referenz 311.10.39.30.01.001 entspricht in ihrer Form und Größe (38,6 Millimeter) der damaligen CK2915. 

Anders wie ihre beiden Geschwister ist die Speedy der Trilogy Reihe aber auch anno 2017 wieder mit einem Hesalith-Glas mit Omega-Logo ausgerüstet. Statt des Kalibers 321 allerdings arbeitet heute das 1861 in der Uhr. 

Besonderes Augenmerk setzte man auf die Lünette, respektive deren Typographie. So ist dort das Wort “Tachymètre” mit Akzent zu lesen. Zur Erinnerung: die Omega Speedmaster war der erste Chronograph weltweit, der die Tachymeterskala nicht mehr gedruckt auf dem Zifferblatt sondern, zur besseren Ablesbarkeit, auf der Lünette trug. 

Wie ihre beiden Schwestern, so ist auch die Speedmaster Trilogy mit Broad Arrow Zeigern und einem so genannten “Tropic” Zifferblatt ausgestattet, welches die Einflüsse von 60 Jahren UV-Strahlung auf die Originalblätter nachahmt. 

Gleiches gilt für die beige Leuchtmasse, für die heute natürlich gefärbtes Super-Luminova statt radioaktiven Materials zum Einsatz kommt. Einzig die Position der “SWISS MADE” Schriftzüge weicht vom Vorbild ab.

Um das Vintage-Gefühl noch perfekter zu machen, sind sogar die mitgelieferten Boxen an denen von 1957 orientiert. Sie tragen ein Seepferdchen auf dem Deckel, und sind mit einem Retrologo, sowie rotem Cord ausgekleidet. Neben zwei Ersatzbändern (Leder und Nato) liegt den Editionsuhren auch ein Bandwechselwerkzeug bei. 

Gleich drei Nato- und drei Lederbänder enthält das Trilogy Set

Jede der drei Uhren ist in einer Auflage von jeweils 3.557 Exemplaren erhältlich. Die unverbindlichen Preisempfehlungen für Deutschland lauten wie folgt: 

  • Omega Railmaster 60th Anniversary Limited Edition Master Chronometer: EUR 6.200
  • Omega Seamaster 300 – 60th Anniversary Limited Edition Master Chronometer: EUR 6.400
  • Omega Speedmaster 60th Anniversary Limited Edition: EUR 6.600

Darüber hinaus ist das Trilogy Set mit allen drei Modellen und einer speziellen Geschenkbox aus Schweizer Eichenholz in einer einmaligen Auflage von 557 Exemplaren für EUR 19.700 erhältlich. 

Anzumerken ist, dass die Uhren des Sets sich in einem speziellen Zifferblattaufdruck von den oben gezeigten Modellen unterscheiden. Oberhalb der Zeigeraufnahme ist dort “Trilogy”, sowie die Limitierungsnummer zu lesen. Dieses zusätzliche “Feature” sorgte in Basel unter Sammlern für teils gemischte Gefühle und so ganz nachvollziehbar ist es auch für mich nicht, dass damit ausgerechnet das teurere und exklusivere Set stärker vom Original abweicht als die Einzeleditionen. Bei den normalen Modellen jedenfalls ist die individuelle Limitierungsnummer einzig am Bodendeckel zu finden. 

Mein Fazit: um es mit Shakespeare zu sagen: “Zwei Herzen schlagen ach in meiner Brust.” Mit Hilfe von Digitalscannern geklonte Gehäuse, auf Alt getrimmte Zifferblätter und Leuchtmasse, eigentlich kann, ja darf man sowas nicht gutheißen. Doch so gerne ich die Neuauflage der Trilogy allein schon aus Prinzip in Grund und Boden reden würde, nach meiner ersten Begegnung ist mir das schlichtweg nicht mehr möglich. Denn jene Uhren-Trilogie, die Omega da präsentiert hat, zieht den Betrachter live dann doch binnen Sekunden in ihren Bann. Entkommen? Zwecklos. Speedmaster, Seamaster und Railmaster sind eben auch 2017 das, was sie schon 60 Jahre zuvor waren: einfach wunderschöne Uhren.

 

Fotos: © Omega (5), JBK (1), PCS (18)
Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2017

 

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