Wir schreiben das Jahr 2022 und nach wie vor scheint sich die Uhrenwelt in erster Linie um ein Thema zu drehen: sportive Stahluhren mit integrierten Gliederarmbändern, kantigen Lünetten und vornehmlich blauen Blättern. Die neuste unter ihnen ist die Zenith Defy Skyline, die nun gleich in drei Zifferblattvarianten auf den Markt kommt.

Luxify Review Hands-on Zenith Defy Skyline LVMH Watch Week 2022

Neuheit 2022: Zenith Defy Skyline, Ref. 03.9300.3620/21.I001

Just another pretty Face? Hallo Zenith Defy Skyline!

Doch während die „üblichen Verdächtigen“ jener zuvor genannten Gattung für Normalsterbliche mittlerweile vollends außer Reichweite gerückt sind und ihre Preise auf dem Parallelmarkt Woche für Woche neue Höhen erreichen, verspricht der Neuzugang, frisch aus der Manufaktur in Le Locle, eine etwas entspanntere Gangart in Sachen Verfügbarkeit.

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Traum in Blau: Zenith Defy Skyline, Ref. 03.9300.3620/51.I001

Grund genug, einen näheren Blick auf jene Kollektion zu werfen, die im Rahmen der digitalen LVMH Watch Week vorgestellt wurde. Die Zifferblattfarben sind wohl weise gewählt. Weiß, Schwarz und natürlich Blau. Damit macht man sicherlich nichts falsch, doch vermisst man nach der Offensive an grünen Zifferblättern, die im vergangenen Jahr die Uhrenindustrie heimsuchte, denn fast schon ein solches.

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Bisserl Grün gefällig? Zenith Defy Skyline, Ref. 03.9300.3620/01.I001

Dafür aber gibt es zumindest ein khaki-grünes Kautschukband, das als Alternative zum Stahlband der Zenith Defy Skyline mit weißem Zifferblatt beigelegt wird. Doch dazu später mehr. Zunächst einmal, warum überhaupt Skyline? Das Design, so ist man bei Zenith überzeugt, erinnere an den scheinbar stillen Nachthimmel über einer geschäftigen Stadt, die niemals schlafe.

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Das Zifferblatt der Defy Skyline weiß zu begeistern

Gut, ganz so weit hätte mich meine eigene Fantasie nun nicht gerade geführt, doch die vielen kleinen, vierzackigen Sterne, die dem großen Zifferblatt die nötige Struktur geben, reichen mir als Legitimation bereits aus. Es erfreut, dass man hier einen eigenen Weg gegangen ist, anstatt das mittlerweile ja bereits reichlich überstrapazierte Waffelmuster zu bemühen. Das durch die Sterne entstehende Design glänzt durch bestmögliche Eigenständigkeit und gefällt bereits auf den ersten Blick.

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Dennoch muss die Defy Skyline mit einem bauartbedingten Problem kämpfen. Denn das Zifferblatt der 41 Millimeter großen Uhr bietet durch die recht schmale und nun an der Außenseite mit 12 Kanten versehenen Lünette, eine ziemlich große Fläche, die es zu befüllen gilt.

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Da Zenith, mit Ausnahme des eigenen Logos, komplett auf weitere Beschriftungen verzichtet, kann das Blatt, je nach Zeigerstellung, durchaus ein wenig leer wirken. Das gilt insbesondere für die rechte Hälfte des Blattes. Durch das bei 3 Uhr befindliche Datum (erfreulicherweise gedruckt auf eine Datumsscheibe in der jeweiligen Zifferblattfarbe), fehlt an jener Stelle einer der ansonsten sehr markanten Indexe.

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Großes Blatt mit wenig Schrift – ein Problem?

Die kleine Sekunde, die sich gegenüber bei 9 Uhr zwischen Mittelachse und Indexstrichen geradezu formatfüllend einpresst, verstärkt die optische Asymmetrie noch einmal zusätzlich. Nun wissen wir aber nicht erst seit einer Patek Philippe Nautilus 5712 oder einer Audemars Piguet Royal Oak Dual Time, dass eine, auf den ersten Blick recht offensichtlich ausgeprägte Unausgewogenheit, durchaus auch ihren Reiz haben kann. Weswegen ich eben jenes „Problem“ an dieser Stelle letztlich als ein dann doch zutiefst subjektives einordne.

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Unbestritten aber sind neben dem spannenden Sternenmuster die etwas tiefer sitzende Minuterie, die großen, aufgesetzten Indexe und die markanten Zeiger für eine alles in allem sehr, sehr spannende Optik verantwortlich. Doch Zenith überrascht im Falle der Defy Skyline noch mit etwas anderem. Denn was auf den Bildern wie eine Standard-Drei-Zeiger-Uhr mit kleiner Sekunde ausschaut, ist in Wirklichkeit viel mehr als das. Die „10“ auf dem Hilfszifferblatt lässt es, gerade in Verbindung mit der Geschichte der Marke, bereits erahnen: der kleine Sekundenzeiger vollzieht seine komplette Drehung nicht etwa minütlich, sondern gar alle zehn Sekunden!

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Möglich macht das der Umstieg auf eine andere Uhrwerksfamilie. Während das bereits bekannte, ebenfalls 41 Millimeter große Schwestermodell Zenith Defy Classic von einem Manufakturkaliber des Typs Elite mit 28.800 Halbschwingungen angetrieben wird, setzt die Zenith Defy Skyline auf ein, ebenfalls manufaktureigenes, El Primero Kaliber mit 36.000 Halbschwingungen.

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Die Zenith Defy Skyline vertraut auf das El Primero

Das neue Kaliber 3620 ähnelt dem bekannten Kaliber 3600, kommt aber ohne dessen 1/10-Sekunden-Chronograph aus. Stattdessen wird der Zeiger der kleinen Zehntelsekunde direkt von der Hemmung aus gesteuert. Resultat ist in jedem Fall eine gehörige Portion Alleinstellungsmerkmal in der Riege jener sportiven Stahluhren mit integrierten Gliederarmbändern, kantigen Lünetten und vornehmlich blauen Blättern. Den kleinen Sekundenzeiger derart geschäftig über das Blatt schweben zu sehen ist gleichermaßen ungewohnt wie auch ein Stück weit faszinierend.

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Mich als, ich nenne es jetzt einmal „Uhrennerd“, quälen beim Anblick allerdings gleich zwei Fragen. Zum Einen: ist ein El Primero ohne Chronographen-Funktion überhaupt ein El Primero? Denn geschichtlich betrachtet gab ja gerade die erstmalige Integration des Chronographen in ein Automatikkaliber dem El Primero überhaupt erst seinen Namen.

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Die Tatsache, dass Zenith es aber unterlassen hat, den El Primero Schriftzug auf das Zifferblatt zu drucken, lässt mich zum Schluss kommen, hier nicht päpstlicher sein zu wollen als der Papst. Das El Primero ist ein Kult-Kaliber und daraus eine Drei-Zeiger-Variante herauskonstruiert zu haben, passt dann schon irgendwie. Zumal es das Gehäuse noch dazu deutlich prominenter ausfüllt, als das Elite dazu in der Lage gewesen wäre. Ein nicht zu vernachlässigender Punkt, gerade bei einer Uhr mit Glasboden.

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Die Zehntelsekunde und die bohrende Frage nach dem tieferen Sinn

Punkt Zwei allerdings beschäftigt mich hingegen nun schon seit Tagen. Es ist die Frage nach dem „wozu“. Wozu braucht man eine Zehntel-Sekunde. Im Falle eines Chronographen ergibt das für mich vollkommen Sinn. Gerade bei einem Werk, welches mit einer Frequenz von 5 Hz pulsiert. Das Messen der Zehntelsekunde ist unbestritten ein schönes Feature.

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Doch bei der Zenith Defy Skyline wird genau – nichts – gemessen. Sie zeigt einfach nur die Uhrzeit an. Und das tut sie, meiner Meinung nach, eben gerade durch jenes Feature weitaus ungenauer, als dies mit einer herkömmlichen kleinen Sekunde der Fall wäre.

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Denn letztlich weiß man beim Blick auf die Uhr nie die wirklich exakte Zeit. Ich kann die Stunde und die Minute ablesen. Bei ganz genauer Begutachtung des Minutenzeigers kann ich vielleicht auch noch erkennen, ob sich dessen Spitze exakt auf einem Minutenstrich befindet oder irgendwo dazwischen. Doch ob wir jetzt beispielsweise 12 Uhr, 39 Minuten und 20 Sekunden, 30 Sekunden oder 40 Sekunden haben, das Ablesen dieser manchmal ja doch recht interessanten Information ist Dank der Zehntelsekunde eben gerade nicht möglich.

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Möchte man somit also exakt wissen, wann man sich auf das Öffnen der Flasche Geburtstagschampagners oder das Hineinrutschen ins neue Jahr vorbereiten muss, stellt dies im Vergleich mit herkömmlichen Zeitanzeigern eine wahre Herausforderung dar. Und damit stellt sich mir eben diese Frage. Folgt hier noch die Form der Funktion? Oder muss sich vielmehr die Funktion einem zugegebenermaßen ganz netten Feature geschlagen geben?

Ganz abgesehen davon, dass mit einer Zehntelsekundenanzeige deutlich mehr auf der Uhr passiert, das Betrachten jener dadurch deutlich unruhiger ist als beim sonst üblichen, sanften Lauf einer herkömmlichen Sekunde. Auch das aber vielleicht nur eine Sache der Gewöhnung. Wer weiß.

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Das Gehäuse der Zenith Defy Skyline

Obgleich das „Key-Feature“ der Zenith Defy Skyline also nicht ganz in der Lage ist, mich zu überzeugen, der Rest der Uhr vermag dies wohl. Verlassen wir also – nach mittlerweile fast zweieinhalb Seiten des Lamentierens – das Zifferblatt und wenden uns dem Gehäuse zu.

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41 Millimeter ist es groß und scheint dennoch deutlich größer, präsenter, als das der gleich großen Schwester Defy Classic. Das Gehäuse wirkt auf den ersten Blick recht wuchtig, doch am Arm relativieren sich die rund 11,2 Millimeter Bauhöhe erstaunlich gut. Die Defy Skyline wirkt gut proportioniert, wenngleich natürlich alles andere als ultraflach.

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Das Zusammenspiel von polierten und satinierten Flächen und Kanten ist wunderbar ausgewogen, die Ausführung auf sehr hohem Niveau. Gleiches gilt für das Gliederarmband mit versteckter Doppelfaltschließe.

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Bewundert man, wie gut das Band in das Gehäuse integriert ist, mag man sich daher auch erst einmal kaum vorstellen, dass Zenith die Defy Skyline mit einem Band-Schnellwechselsystem ausgestattet hat. Mit einem Druck des jeweiligen Knopfes auf der Unterseite lassen sich die Bandhälften mühelos abziehen und wieder anbringen.

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Ein Bandwechsel-System, das Freude macht

Das funktioniert gleichermaßen schnell wie zuverlässig und lässt sich dank des jeder Version beiliegenden Kautschukbandes auch besonders eindrucksvoll ausprobieren. Die Bänder, bei den Modellen mit schwarzem und blauem Zifferblatt jeweils in passender Farbe, beim weißen Modell in grün, verändern das Erscheinungsbild der Defy Skyline komplett. Aus einer eleganten Dresswatch wird eine richtige Sportuhr. Diese Wandlungsfähigkeit ist wahrhaft beeindruckend.

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Dank einer Wasserdichtigkeit von 10 bar hält die Uhr auch das, was ihr sportlicher Auftritt verspricht. Auch dies ist ja keineswegs selbstverständlich in jener Riege sportiver Stahluhren mit integrierten Gliederarmbändern, kantigen Lünetten und vornehmlich blauen Blättern. So kann die Defy Skyline ihren Trumpf als echter Allrounder perfekt ausspielen. Dresswatch, Sportuhr. Zwei Wochen Urlaub ohne Zweituhr sind mit ihr kein Problem. Erst recht, wenn Zenith die Möglichkeiten zusätzlicher Armbänder noch ausweiten sollte.

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Doch bereits die Kautschukbänder sind ein echtes Highlight und lassen das, was bei anderen Herstellern so am Markt vorkommt, ziemlich blass aussehen. Der stark dreidimensional ausgeprägte Bereich um den Anstoß scheint sich förmlich in das Gehäuse hineinzufressen, die vom Zifferblatt übernommenen vierzackigen Sterne, nun ausgeführt allerdings als Positiv-Relief, lassen auf den langen Flächen keinerlei Langeweile aufkommen.

Lediglich die auch hier verbaute Doppelfaltschließe empfinde ich als ein wenig zu prominent und umständlich, hätte mir stattdessen eine einfache Dornschließe gewünscht. Aber auch das ist ja, wie so vieles, Geschmacksache.

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Fazit

Und damit kommen wir auch schon zu meinem Fazit. Zenith ist es mit der Defy Skyline gelungen, frischen Wind ins Marktsegment der sportiven Stahluhren mit integrierten Gliederarmbändern, kantigen Lünetten und vornehmlich blauen Blättern zu bringen. Die Uhr ist nicht einfach ein weiteres Me-too-Produkt. Sie überzeugt mit einer gehörigen Portion Eigenständigkeit, perfekter Verarbeitung, erfrischender Wandlungsfähigkeit und einem trotzdem noch einigermaßen fairen Preis.

Ihr Alleinstellungsmerkmal ist sicherlich die Zehntelsekunde, über welche man dennoch geteilter Meinung sein darf. Alles in Allem ist die Zenith Defy Skyline eine gelungene Erweiterung der Defy Kollektion und man darf schon jetzt gespannt sein, was wir zur kommenden Watches & Wonders noch so zu sehen bekommen werden.

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Datenblatt:

  • Modell: Zenith Defy Skyline, Ref. 03.9300.3620/51.I001
  • Gehäuse: 41 Millimeter, Edelstahl, wasserdicht bis 10 bar (100 Meter), Saphirglas, Edelstahlboden mit Saphirglas
  • Zifferblatt: gebläut mit Sonnenschliff und Sternmuster, rhodinierte, facettierte und mit Super-LumiNova beschichtete Stundenindizes, zentraler Stunden- und Minuten-Zeiger ebenfalls mit Super-LumiNova beschichtet, kleine 1/10-Sekunde
  • Armband: Edelstahlarmband mit Doppelfaltschließe und blaues Kautschukband mit Sternmuster und Doppelfaltschließe
  • Uhrwerk: Manufakturwerk, Kaliber Zenith El Primero 3620, Automatik, 36.000 A/h (5 Hz), min. 60 Stunden Gangreserve
  • Funktionen: Stunde, Minute, kleine 1/10-Sekunde, Fensterdatum
  • Limitierung: keine
  • Garantie: 2 Jahre (zzgl. ein weiteres Jahr bei Online-Registrierung)
  • Preis: EUR 8.300
  • Verfügbarkeit: Neuheit Februar 2022
  • Link zum Hersteller: https://www.zenith-watches.com/de_de/product/defy-skyline-03-9300-3620-51-i001
  • Varianten: Ref. 03.9300.3620/01.I001 mit silberfarbenem Blatt und khakigrünem Kautschukband; Ref. 03.9300.3620/21.I001 mit schwarzem Blatt und schwarzem Kautschukband (jeweils zusätzlich zum Stahlband)
Fotos: © PCS 2022

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