Bei IWC arbeitet man auf Hochtouren an der Fertigstellung der Neuheiten für das Jahr 2020. Und da der bislang Jahr für Jahr stets im Januar stattfindende SIHH (Salon International de la Haute Horlogerie) nun der neuen Watches & Wonders Geneva Ende April weicht, hat man in Schaffhausen dafür somit sogar gut drei Monate länger Zeit als sonst.

IWC Portugieser Chronograph, Ref. IW371604

Was wir 2020 so alles zu sehen bekommen, das ist noch streng geheim. Eine Neuheit allerdings, die ließ man bereits vergangene Woche aus dem Sack: den neuen IWC Portugieser Chronograph, Ref. 3716.

Der neue IWC Portugieser Chronograph IW3716

Bei meinem ersten Blick auf die neuen Modelle jedoch kommt mir zunächst einmal die Frage in den Sinn, was genau an der Uhr eigentlich nun so neu ist. Denn das, was da vor mir liegt, sieht aus wie die gute, altbekannte Ref. 3714. Und die gibt es immerhin bereits seit 1998.

IWC Portugieser Chronograph, Ref. IW371611

In einer Politik von stetigen Modellwechseln, wie dies von IWC in den vergangenen Jahren betrieben wurde, ist eine Uhr, die seit nunmehr 22 Jahren nahezu unverändert am Markt besteht, schon eine Sensation für sich. 22 Jahre in IWC-Modellzyklen, das kommt einem vor wie sechs bis sieben Jahrzehnte bei anderen Herstellern.

IWC Portguieser Chronograph „150 Years“, Ref. IW371602 von 2018

IW3716 – so richtig neu ist auch die Referenznummer der Neuheit nicht. Denn es gab bereits zwei Uhren mit jener Referenz: die beiden IWC Portugieser Chronographen nämlich, die im Rahmen der „150 Years“ IWC Jubiläumskollektion (hier mehr dazu) vor zwei Jahren präsentiert wurden.

IWC Portugieser Chronograph, Ref. IW371606

Chrono mit Manufakturkaliber und Glasboden

Wie jene beiden auf jeweils 2.000 Stück limitierten Sondermodelle, sind auch die nun präsentierten sechs Uhren der regulären Kollektion mit dem neuen Manufakturkaliber 69355 ausgestattet. Damit man diesen Unterschied auch optisch wahrnehmen kann, spendierte IWC dem Chrono einen Glasboden.

„Manufakturkaliber“ – kaum ein Wort wurde in der Uhrenbranche im Laufe der letzten Jahre so inflationär gebraucht, wie dieses. Mit ein Grund für die erfolgte Innovationsfreude der Uhrenhersteller ist das vor ein paar Jahren durch die ETA angekündigte Auslaufen der Belieferung konzernfremder Hersteller.

Eine Entscheidung der Wettbewerbskomission von Ende letzten Jahres, der der ETA nun faktisch verbietet, andere Schweizer Uhrenhersteller zu beliefern, hat die Situation für viele Hersteller noch einmal verschärft. Gut also, wenn man dem rechtzeitig vorgebaut hat.

IWC Schaffhausen Manufakturzentrum

Vorgebaut hat IWC. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn vor den Toren von Schaffhausen, genauer im Merishausertal, errichtete man ein in allen Bereichen mehr als beeindruckendes, neues Manufakturzentrum (einen Bericht dazu gibt es hier).

Kaliber entsteht im neuen Manufakturzentrum

In diesem wird nun auch das zur 2016 eingeführten Kaliberfamilie 69000 gehörende Kaliber 69355 gebaut. Auf der Homepage von IWC hält man sich mit dem Wort „Manufakturwerk“ dennoch ein wenig zurück. Man spricht stattdessen von einem „hausintern gefertigten Uhrwerk“. Eine meines Erachtens mehr als ehrliche Aussage.

Denn das 69355 ist zwar ein wirkliches In-House Kaliber, welches in Eigenregie im eigenen Hause entsteht, doch knüpft es in seiner Architektur an das bislang verbaute Kaliber 79350 an. Dieses wiederum basierte auf einem wahren Tausendsassa: dem Valjoux 7750.

Doch ist es genau dieser Schachzug, der es IWC ermöglicht, den fast schon ikonischen Portugieser Chrono auch weiterhin optisch unverändert anzubieten und ihn auf diesem Wege fit für die Zukunft zu machen.

IWC baut das 69355 im Gegensatz zum 7750 als Column-Wheel (Kolonnenrad) Chronographen und stattet es mit einem besonderen automatischen Aufzug aus. Dieser ähnelt mit seinem beidseitig aufziehenden Klinkensystem dem einst von Albert Pellaton erfundenen, gleichnamigen Pellaton-Aufzug. Die Gangreserve liegt beim IWC Kaliber nun zwar bei 46 statt 44 Stunden, man muss aber sagen, dass auch dieser Wert in heutigen Zeiten alles andere als überdurchschnittlich ist.

Weiterentwicklung eines echten Uhrwerk-Klassikers

Die modulare Bauweise der Datumsfunktion innerhalb der Kaliberfamilie ermöglicht ein einfaches Weglassen jenes beim 69355, ohne etwa eine „Geisterfunktion“ beim Einstellen der Krone zu haben. Wie schon beim Vorgängerkaliber, sitzt auch beim neuen In-House-Movement die kleine Sekunde bei 6 Uhr statt, wie bei auf der 7750-Architektur basierenden Chronographen üblich, auf 9 Uhr.

Dies resultiert in jenem äußerst klaren Design, welches man seit Einführung des ersten IWC Portugieser Chronographen kennt. 1995 war das. Die damals vorgestellte Ref. 3712 kam allerdings noch als Schleppzeiger-Chronograph mit Handaufzug daher. Bis heute geblieben ist die Anordnung beider Hilfszifferblätter auf einer Linie mit den drei Zeigern der Mittelachse. Dazu gesellen sich zwei große, aber dennoch dezente Schriftzüge bei 3 und 9 Uhr. So kennt man den Portugieser Chrono. Das ist zeitloses Uhrendesign ohne Schnickschnack.

Unterstrichen wird das von dezenten Blattzeigern, deren Länge zur sehr guten Ablesbarkeit der Uhr beitragen. Ikonisch geradezu sind die arabischen Ziffern der Portugieser. Auch diese absolut schnörkellos. Die aufgesetzten Ziffern und Indexpunkte setzen sich wunderschön von den Zifferblättern ab, deren Sonnenschliff nur durch die konzentrischen Kreise der Hilfszifferblätter unterbrochen wird.

Atemberaubende Blätter mit feinen Details

Kleines, aber feines Detail: die auf dem Rehaut aufgebrachte Unterteilung der Sekunden erfolgt in Viererschritten. Bei einem Uhrwerk, welches mit einer Frequenz von 28.800 Halbschwingungen, arbeitet, eine perfekte Lösung, da der Zeiger so alle zwei Halbschwingungen auf einem Viertelsekundenstrich zum Stehen kommt.

Bei den Farben der Zifferblätter orientiert man sich bei der Vorgängerreferenz. Das argentéfarbene Zifferblatt gibt es wahlweise mit vergoldeten oder blauen Zeigern und Appliken, hinzu gesellen sich ein schwarzes und ein blaues Zifferblatt mit jeweils rhodinierten Zeigern und Appliken.

Neben den vier Stahl-Versionen gibt es auch wieder zwei Modelle in 18 Karat Rotgold. Hier stehen ein ardoisefarbenes und ein argentéfarbenes Zifferblatt zur Wahl. Bei beiden bestehen die Appliken aus 18-karätigem Gold, die Zeiger sind vergoldet.

IWC Portugieser Chronograph, Ref. IW371609

Die Stahlmodelle werden an einem Alligator-Lederarmband mit Doppelfaltschließe ausgeliefert. Bei den Modellen in 18 Karat Rotgold kommt das Alligator-Lederband sogar aus dem Hause Santoni, wird mittels einer goldenen Dornschließe geschlossen.

Der IWC Portugieser Chrono misst 41 Millimeter

Mit seinen 41 Millimetern Durchmesser ist der Chronograph für eine Portugieser geradezu „handlich“. Die Bauhöhe beträgt zwar nicht gerade ultraflache 13,1 Millimeter, doch wirkt die Uhr durch das sehr schlanke und schön geschwungene Gehäusemittelteil dennoch sehr elegant.

Auch die pilzförmigen, gut zu bedienenden Chronographen-Drücker unterstützen das klassische Erscheinungsbild. Hinzu kommt eine nicht verschraubte Aufzugskrone mit dem Probus Scafusia Logo und ein fein gewölbtes, beidseitig entspiegeltes Saphirglas.

Keine Neuerung bei der Wasserdichtigkeit

Der rundum gravierte Gehäuseboden ist mit einem Sichtfenster, ebenfalls aus Saphirglas, ausgestattet, durch das sich das schön finissierte neue In-House-Werk denn auch wie bereits erwähnt beobachten lässt. Befestigt wird der Boden auf dem Gehäusemittelteil mittels vier Schrauben.

Mag es nun an der Bodenkonstruktion, der unverschraubten Krone oder den Drückern liegen, die Wasserdichtigkeit wird auch beim neuen IWC Portugieser Chronograph wieder mit 3 bar angegeben. Für eine Uhr, deren Geschichte stark mit der der Seefahrt verbunden ist, hätte ich mir hier zumindest mal eine Verdoppelung der Druckbeständigkeit gewünscht. Obgleich eine Uhr am Lederband nun auch nicht gerade dazu herausfordert, mit ihr Schwimmen zu gehen.

Alligatorbänder für den IWC Portugieser Chrono

Apropos Bänder: auf den Vorlageuhren, die auf den Bildern zu sehen sind, sind zum Teil Lederbänder in Alligator-Optik statt der originalen Alligator-Lederbänder zu sehen. Dies hängt mit zollrechtlichen Vorschriften zusammen, da die Uhren zu Shootings in Länder auch außerhalb der EU versendet werden. Also nicht davon täuschen lassen.

Mit welchem Band auch immer, am Handgelenk gibt sich der IWC Portugieser Chrono genau so zeitlos, so elegant, so schlicht und schön, wie sich das erwarten ließ, bzw. man das seit gut zwei Jahrzehnten bereits kennt. Zwar lässt der recht hoch bauende Boden das Gehäuse ein wenig vom Armrücken abstehen, macht es dadurch der Hemdmanschette leicht, sich darunter zu schieben, doch tut das dem klassischen Erscheinungsbild der Uhr keinen Abbruch.

Ein technisch schönes, optisch kaum festzustellendes Upgrade also für den klassischen IWC Portugieser Chronograph. Bleibt die Frage, wie sich IWC den Wechsel hin zum neuen Werk – ob man es nun hausintern gefertigt oder Manufaktur nennen mag – bezahlen lässt. Bei 7.600 Euro für die Stahl- bzw. 17.400 Euro für die Rotgold-Version lagen wir bislang. Bei 7.850 Euro bzw. 17.700 Euro landen wir mit der Neuauflage. Ein mehr als fairer Anstieg von 250 bzw. 300 Euro also.

Fazit

Mein Fazit: obgleich ich, gerade was die Anordnung der Hilfszifferblätter angeht, der großen Portugieser Automatic, Ref. 5007, immer den Vorzug gegenüber dem Portugieser Chronograph gegeben habe, ist Letztere eine Uhr, deren schlichte Schönheit mit jeder Betrachtung immer weiter wächst. Und IWC tat gut daran, diesen wahren Klassiker im eigenen Modellprogramm optisch nicht zu verändern. Nun, mit neuem In-House-Kaliber, ist sie – mehr denn je – der perfekte Einstieg in die beeindruckende Welt der IWC Portugieser Familie.

Datenblatt:

  • Modell: IWC Portugieser Chronograph, Ref. 3716 (IW3716)
  • Gehäuse: 41 mm, wasserdicht bis 3 bar (30 Meter), gewölbtes, beidseitig entspiegeltes Saphirglas, Boden geschraubt mit Saphirglas
  • Varianten: Ref. IW371604: Gehäuse aus Edelstahl, argentéfarbenes Zifferblatt, vergoldete Zeiger und Appliken, schwarzes Alligatorlederarmband; Ref. IW371605: Gehäuse aus Edelstahl, argentéfarbenes Zifferblatt, blaue Zeiger und Appliken, blaues Alligatorlederarmband; Ref. IW371606: Gehäuse aus Edelstahl, blaues Zifferblatt, rhodinierte Zeiger und Appliken, schwarzes Alligatorlederarmband; Ref. IW371609: Gehäuse aus Edelstahl, schwarzes Zifferblatt, rhodinierte Zeiger und Appliken, schwarzes Alligatorlederarmband; Ref. IW371610: Gehäuse aus 18 Karat Rotgold, schwarzes Zifferblatt, vergoldete Zeiger, Appliken aus 18 Karat Gold, schwarzes Alligatorlederarmband von Santoni; Ref. IW371611: Gehäuse aus 18 Karat Rotgold, argentéfarbenes Zifferblatt, vergoldete Zeiger, Appliken aus 18 Karat Gold, braunes Alligatorlederarmband von Santoni
  • Uhrwerk: Manufakturwerk, Kaliber 69355, Automatik, 28.800 A/h (4 Hz), ca. 46h Gangreserve
  • Funktionen: Stunde, Minute, kleine Sekunde bei 6 Uhr, Chronograph mit zentraler Stoppsekunde und 30-Minuten-Zähler bei 12 Uhr
  • Preis: Modelle in Edelstahl: 7.850 Euro; Modelle in 18 Karat Rotgold: 17.700 Euro
  • Link zum Hersteller: https://www.iwc.com/de/de/specials/portugieser-chronographs-new-line.html

Hinweis zur Transparenz

IWC ist Kooperations- und Werbepartner von Luxify. Die Einladung zum Shooting der Uhr erfolgte auf Kosten des Herstellers. Eine redaktionelle Einflussnahme auf diesen Artikel fand nicht statt.

Fotos: © PCS

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