Eine Woche ist es nun schon wieder her, dass ich in Barcelona an Bord von MS Europa 2 ging. Nach Korsika, Saint-Tropez und Portofino waren zuletzt Livorno mit Pisa und Florenz, sowie Elba meine Ziele. Heute endet die Reise in der italienischen Hafenstadt Civitaveccia.

Was fällt mir ein, wenn ich an Civitaveccia denke? Ach, ehrlich gesagt habe ich gar keine Lust mehr auf dieses Spiel. Heute ist der Tag der Abreise, heute bin ich traurig. Heute bin ich nicht zum Spielen aufgelegt. Aber gut. Bei Civitaveccia fällt mir einzig und allein das Thema Kreuzfahrtschiffe ein. Und Rom natürlich. Und bei Rom? Das Kolosseum, der Papst, der Trevi-Brunnen, die spanische Treppe und Erinnerungen an eine ziemlich bösartige Klassenfahrt.

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Im Hafen von Civitaveccia heißt es Abschied nehmen

Was sagt Wikipedia? Über die Klassenfahrt mal nichts. Glücklicherweise, denn bei dem, was da damals so alles abging, hätte mich ein eigener Eintrag nicht gewundert. Gut, dass es damals noch kein Internet gab. Und sonst so? Rom ist die Hauptstadt Italiens, hat 2,7 Millionen Einwohner, ist außerordentlich reich an bedeutenden Bauten und das Ziel zahlreicher Touristen.

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Die spanische Treppe – ohne Pandas

Eine Woche MS Europa 2 ist vorbei. Das Schiff liegt im Hafen von Civitaveccia, zusammen mit der Celebrity Equinox, der Norwegian Spirit und einem Schiff von Royal Caribbean, welches aber so verdeckt ist, dass ich den Namen nicht erkennen kann. Eigentlich sollte mich die Anzahl der Schiffe freuen, doch mich freut heut‘ nix. Es geht von Bord und das ist ein Gefühl, das ich generell nicht mag – und hier noch viel weniger.

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Impressionen aus Rom bei besserem Wetter

Ein Shuttlebus bringt mich vom Hafen in die Farewell Lounge. Von hier aus sind es nur wenige Meter bis zum Bahnhof. Wenige Meter, die gepflastert sind mit dem undankbarsten Trottoire, welches man sich für Multiwheel Koffer nur denken kann. Die Koffer hier entlang zu ziehen ist unglaublich beschwerlich. Besser wird’s auch im Bahnhof nicht. Menschenmassen warten hier, um ein Zugticket nach Rom zu erwerben.

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Nur gut, dass ich – Achtung Tipp – das schon von daheim aus online gemacht habe. So kann ich direkt weiter zum schlecht ausgeschilderten Bahnsteig. Treppab, treppauf, das ganze mit mehreren Koffern, schon stehe ich inmitten tausender Gäste der anderen Kreuzfahrtschiffe, der Zug hat eine halbe Stunde Verspätung, es ist kalt und zu allem Überfluss beginnt es auch noch zu regnen. Back to life – back to reality.

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Piazza Colonna

Auch in Rom hält der Regen an, lange Schlangen vor den Taxis, ein freundlicher Mann besorgt mir trotzdem eines, der Taxameter bleibt aus, der Fahrer kommuniziert nicht, der Fahrpreis für die kurze Strecke der reinste Wucher. Abgezockt. Willkommen in der Hauptstadt Italiens. Klassiker.

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Pantheon

Zu allem Überfluss entpuppt sich auch noch das gebuchte Hotel als Reinfall und so lege ich mich erst einmal hin, ziehe die Decke über den Kopf und bete, dass der Albtraum bald ein Ende hat. Ich will zurück aufs Schiff. Menno.

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Stunden später erbarmt sich der Wettergott meiner und ich beginne meine Erkundungstour. Es zeigt sich auch, dass zumindest die Lage des Hotels so schlecht nicht ist. Die spanische Treppe ist nur wenige Minuten entfernt, von dort aus direkt weiter in der Via Condotti.

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Mein persönlicher Held auf der Piazza Navona

Rom ist gut besucht an diesem Tag, aber bei weitem nicht überfüllt. Piazza Colonna, Piazza della Rotonda, das Pantheon, was als kleiner erster Ausflug geplant ist, nimmt immer größere Dimensionen an. Zu verlockend sind die vielen Sehenswürdigkeiten.

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Dies noch, das noch, Piazza Navona, Pizza essen (endlich!) bei Il Fico in der Via di Monte Giordano, weiter zur Seufzerbrücke – nein natürlich nicht denn die ist ja in Venedig.

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Ah! Der war wohl auch schonmal in Pisa!

Korrekterweise ist es natürlich die Engelsbrücke. Schön. Verdammt schön. Castel Sant‘ Angelo und, ist das da vorne wirklich schon der Vatikan? Dann nehm‘ ich den doch auch noch mit.

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Der Petersplatz ist leer, die untergehende Sonne taucht die Gegend in ihr spezielles Licht, die Stimmung ist traumhaft. Dazu diese erhabene Ruhe, die dieser Platz ausstrahlt. Atemberaubend. Rom hat mich wieder.

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Vergessen der Stress vom Morgen und die Touristenabzocke im Taxi. Ich bin zurück in der ewigen Stadt. Nach 20 Jahren. Und es ist alles noch so viel schöner als ich das in Erinnerung hatte. Mit der U-Bahn geht es zurück zur Piazza Barberini und, ach komm, den Trevibrunnen, den nimmst du auch noch mit.

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In den vielen Restaurants von Via in Arcione und Via del Lavatore ist jetzt ordentlich was los. Ein Glück bin ich noch gut gesättigt von der hervorragenden Pizza im Il Fico am Nachmittag. Kleine Enttäuschung am Trevi-Brunnen selbst, dieser wird derzeit renoviert, eignet sich somit nicht zum klassischen Fotomotiv. Geld schmeißen die Touristen trotzdem über den gläsernen Bauzaun. Ich auch. Man will ja wiederkommen oder was war noch gleich der Sinn dahinter?

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Einsamer Wachmann am Trevi-Brunnen

Eine ganze Weile noch genieße ich das Treiben in den Gassen rund um die Fontana die Trevi, ehe es mich wieder ins Hotel verschlägt. So viele touristische Klassiker an einem Tag sind schließlich anstrengend. Und nervenaufreibend.

Ganz klassisch geht das Touristenprogramm auch am nächsten Morgen weiter.  Das Kolosseum ist das erste Ziel. Tausende Menschen stehen Schlange, um sich die Ruinen von innen anzuschauen. Will ich mich da anstellen? Nein. Definitiv nicht.

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Alternative? Das gegenüberliegende Forum Romanum. Hier sind die Schlangen an der Kasse praktisch nicht vorhanden. Vielleicht drei Personen stehen an jeder der vier Kassen an. Das ist machbar.

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Zu meiner Überraschung und als weiteren Tipp, der echt Gold wert ist, gilt die Eintrittskarte (12 Euro) für das Forum Romanum auch für das Kolosseum!

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Nach Besuch der berühmten und immer wieder aufs Neue absolut atemberaubenden Ausgrabungen, in deren Mitte man sich zeitweise wirklich um zweieinhalbtausend Jahre zurückversetzt fühlt, marschiere ich so an den gesamten wartenden Menschenmassen vorbei, zeige meine Karte vor und bin innerhalb von zwei Minuten im Inneren des Amphitheaters. Strike!!

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Sieht das Kolosseum von außen schon groß aus, so wird man sich der Dimensionen im Inneren noch viel mehr bewusst. Ich schließe kurz meine Augen und stelle mir vor, wie es hier wohl ausgesehen hat. Damals. Vermutlich habe ich aber auch einfach nur zu viele Filme gesehen.

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Konstantinsbogen

So oder so, zwei weitere Klassiker – abgehakt. Und weiter. Über den Circus Maximus und die Ponte Palatino hinüber nach Trastevere. Hier war ich damals nicht und wäre dies, ohne die Tipps unserer R-L-X Community, auch diesmal nicht.

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Circus Maximus

Es wäre ein Fehler gewesen, denn hier fühlt man sich auf einmal wie in einer anderen Stadt. Menschenmassen? Touristen? Hier nicht.

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Ponte Palatino

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Man wähnt sich in der vielleicht urigsten und italienischsten Stadt überhaupt. Ich setze mich in eine der Kneipen am Straßenrand und beobachte das Treiben am heute stattfindenden Flohmarkt. Wohlgemerkt, hier bieten Einheimische ihre Produkte an, und keine organisierten Gruppen wie im Rest der Stadt.

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Trastevere

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Das Rasten tut gut, doch ein paar Eckpunkte des touristischen Programms fehlen noch – und die Zeit ist kurz. Ponte Garibaldi, Campo dì Fiori, Largo di Torre Argentina, Monumento di Vittorio Emanuele II, Trajanssäule, Quirinalsplatz, Palazzo Barberini. Klingt nach Gehetze? Ist es auch.

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Impressionen aus Trastevere

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Doch seien wir ehrlich. Der menschliche Körper, er ist nicht unbegrenzt belastbar. Die Füße schmerzen, doch überall, hinter jeder Ecke, verbergen sich neue Sehenswürdigkeiten und mit jedem Weg, den man einschlägt, entscheidet man sich gleichzeitig gegen einen anderen, der vielleicht an noch viel bedeutenderen Bauwerken vorbeiführt.

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Touristisches auf dem Campo dì Fiori

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Largo di Torre Argentina

Anderthalb Tage Rom, das ist nichts. Das ist gar nichts. Idiotisch. Hätte ich vorher wissen müssen. Nächstes Mal dann.

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Monumento di Vittorio Emanuele II

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Mein schmerzverzerrtes Gesicht (Symbolfoto)

Tags zuvor entdeckte ich in der Via del Lavatore, das ist die Gasse, die zum Trevi-Brunnen führt, eine kleine Pizzeria namens Piccolo Buco. Hier soll es heute hingehen und trotz einsetzendem Regens, übrigens höchst beeindruckend, wie schnell die unzähligen Straßenverkäufer ihr Portfolio dem jeweiligen Wetter anpassen, bekomme ich noch einen Platz. Die Pizza ist erwartungsgemäß großartig, wobei die tags zuvor im Il Fico mir noch eine Spur mehr zusagte.

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Klassiker, auch in Rom: die Pizza (hier bei Il Fico)

Am nächsten Morgen dann heißt es Abschied nehmen von Rom. Der Taxifahrer zum Flughafen Fiumicino rettet die Ehre seines Berufsstandes mit fairer Flatrate Bepreisung und entpuppt sich auch noch als Fremdenführer. Die Fahrt wird zur Sightseeing-Tour und ich bin glücklich, doch die zwei Nächte „drangehängt“ zu haben.

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Kirche Santa Maria in Cosmedin

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Tempel für Ercole Vincitore (links) und für Portunus (mitte)

Woran denke ich nun, wenn ich Civitaveccia höre? An schreckliche Straßen und einen überfüllten Bahnhof. Und bei Rom? An die einmalige Abendstimmung auf dem Petersplatz, den wunderschönen Nachmittag in Trastevere, an das Gefühl, inmitten des Forum Romanum zu stehen, an das geschäftige Treiben abends rund um den Trevi-Brunnen und an die Hoffnung, wiederzukommen.

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Kirche San Gregorio Magno al Celio

 

Westliches Mittelmeer. Ein echter Klassiker der Kreuzfahrtbranche, der 25 Jahre komplett an mir vorbei ging. Mein Fazit? Ich hatte ja keine Ahnung, was ich bisher verpasst habe. Hier gibt es verdammt viel zu sehen, so viel, dass man auch ohne weiteres zwei Wochen unterwegs sein könnte. Das Wetter gibt sich zwar etwas launiger als beispielsweise im Gebiet der griechischen Inseln, dafür ist die Mischung der verschiedenen Städte, Dörfer und Inseln hier aber noch vielfältiger.

Nahezu jede Reederei hat dieses Kreuzfahrtgebiet in seinem Portfolio, sodass auch jeder Interessierte sein optimales Kreuzfahrtschiff finden wird. Wer auf legeren Luxus steht, auf den meisten Platz, das fantastischste Essen, den besten Service und die wohl längsten Liegezeiten, auch an ausgefalleneren Zielen, der allerdings wird an der Europa 2 nicht vorbei kommen.

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MS Europa 2 – hier im Hafen von Portoferraio, Elba

MS Europa 2 befährt auch 2015 wieder das westliche Mittelmeer. Die Tour Barcelona – Rom wird im Juli und August gleich viermal angeboten. Statt Livorno allerdings, weicht das Schiff auf Viareggio aus, also eine weitere eher ungewöhnliche Destination für Kreuzfahrtschiffe. Statt Elba wird ein zusätzlicher Stopp in Monte-Carlo eingelegt.

Die Reisen können auch als 14-Tages-Touren in Kombination mit der Rückroute Civitaveccia – Capri – Bonifacio – Menorca – Cartagena – Valencia – Barcelona gebucht werden. Die Preise beginnen bei 4.390 Euro p.P. für die 7-Tages- und 7.990 Euro p.P. für die 14-Tages-Tour. Kinder bis einschließlich 11 Jahren reisen bei Unterbringung in der Kabine vollzahlender Erwachsener kostenlos, von 12 bis 15 Jahren wird eine Pauschale von 50 Euro pro Nacht erhoben.

Mehr Details und natürlich eine Vielzahl weiterer Destinationen gibt es auf der Website von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten.

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Bis zum nächsten Mal. Man sieht sich an Bord…

 

Fotos & Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2014

 

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