Meine erste Rolex war eine Submariner. Im Alter von 20 Jahren erfüllte ich mir den Wunsch nach meiner Traumuhr. Und löste mit jenem Kauf in meinem Umfeld so etwas wie eine Lawine los. Mitschüler, Kommilitonen, die ihr gesamtes Erspartes bislang eher in das Modifizieren ihrer fahrbaren Untersätze investierten, kamen auf einmal auf den Geschmack. Einer nach dem Anderen rannte zum örtlichen Konzessionär und wurde zum Rolex Träger.

Rolex Oyster Perpetual Sea-Dweller in Rolesor, Ref. 126603

Da gab es die Bond Jünger, die ebenfalls zur Submariner griffen, und die Magnum Fans mit ihrem Hang zur blau-roten GMT-Master. Es gab diejenigen, die sich die Explorer II kauften, weil die ja nicht auf den ersten Blick aussähe wie eine Rolex, und die Freunde der Datejust, dem Klassiker schlechthin.

Sea-Dweller Besitzer waren schon immer irgendwie – anders

Ja, und dann gab es da noch – die Leute mit einer Rolex Sea-Dweller. Jener Uhr, die aussah wie eine Submariner, allerdings kleiner wirkte, weil sie ohne Lupe daherkam. Ein dicker Klumpen Stahl, schwer und kopflastig.

Cerachrom Keramik-Inlay, Chromalight Leuchtmasse

Nun war ich damals schon der Meinung, jeder solle mit genau der Uhr glücklich werden, die zu ihm passt, die er mag, die in ihm irgendetwas auslöst. Doch die Sea-Dweller-Träger, sie waren irgendwie anders. Nicht alle, das wäre jetzt übertrieben, doch überdurchschnittlich viele kamen nicht umher, jedem, der es hören wollte – oder auch nicht – zu erklären, wie viel besser doch ihre Uhr sei als eine Submariner. Wie viel tiefer sie tauchen könne. Und dass es streng genommen doch die einzige, richtige Toolwatch sei.

Mein Weg zur Sea-Dweller

Waren es jene Sprüche, die mir eben das Modell so sehr verleideten? Oder doch die Unförmigkeit, die Untragbarkeit? Die fehlende Lupe gar? Ich kann es zuverlässig nicht mehr genau sagen. Welch Freude allerdings, als Rolex vorvergangenes Jahr eine neue Sea-Dweller herausbrachte. Eine, die nicht mehr aussah, wie eine Sea-Dweller. Eine, die im Erscheinungsbild nichts Anderes war, als eine große Submariner Date (das Hands-on gibt es hier noch einmal zum Nachlesen)!

43 Millimeter Uhr vom Feinsten

Ein Raunen ging durch die Fanbase. Mehr noch. Ein Beben! Wie konnten sie in Genf nur sowas tun? Eine Sea-Dweller mit Lupe! Um Himmels Willen. Ich hingegen fand das gut. Die 126600 (hier mehr zur Uhr und warum man sie besser nicht kaufen sollte) war bei mir Liebe auf den ersten Blick. Und obgleich ich seit über einem Jahr die neue Pepsi GMT-Master II 126710 BLRO (mehr zu ihr hier) meiner „Little Big Red Sub“ getauften Sea-Dweller vorziehe, bin ich noch immer der festen Überzeugung: die 126600 ist die beste Uhr, die Rolex jemals gebaut hat.

Rolex 126603 – der ganz große Frevel

Zwei Jahre hatten die Hardcore-Fans der Sea-Dweller Zeit, sich von jenem Schock zu erholen. Dann kam die Baselworld 2019 und mit ihr ein Modell, was zwar im Gerüchte Thread unseres Forums schon seit Jahren die Runde machte, in Wahrheit aber dennoch niemand für möglich hielt: die 126603.

Kombination aus Oystersteel Edelstahl und 18-karätigem Gelbgold

Nach der Sache mit der Lupe geht Rolex nun also noch einen Schritt weiter. Die erste Sea-Dweller in Bicolor, in Rolesor jaune, einer Mischung also aus dem Rolex Oystersteel 904L und 18-karätigem Gelbgold! Ja gibt’s das? Eine Stahl-Gold-Sea-Dweller? O tempora, o mores! Ein größerer Frevel war allen diplomierten Badewannentauchern wohl kaum zu unterbreiten.

Eine Sea-Dweller in Stahl-Gold, ja warum eigentlich nicht?

Und einmal mehr frage ich mich: warum die Aufruhr? Was spricht eigentlich dagegen? Schließlich gab es sogar von der einstigen Rekorduhr Professor Auguste Piccards, der vor 65 Jahren vorgestellten Deep-Sea Special, Modelle in jener Materialkombination. Zumindest, was deren Band betrifft.

Ganz so tief wie jene Uhr, die es an der Außenseite der Trieste im Marianengraben einst bis auf 10.916 Meter schaffte, taucht die 126603 nicht. Wie alle Sea-Dweller Modelle seit den 80er Jahren (mit Ausnahme der Deepsea Modelle), liegt auch das Limit der Stahl-Gold Version bei 4.000 Fuß oder 1.220 Metern.

43 Millimeter Technik vom Feinsten

Ihr Gehäuse ist das ebenfalls bereits seit 2017 bekannte Oyster Gehäuse mit 43 Millimetern Durchmesser, 22 Millimetern Anstoßbreite und Helium-Auslassventil. Alles beim Alten also – und doch wirkt auf einmal alles ganz anders. Und das nicht nur durch den nun wie aus Goldstaub erscheinenden Sea-Dweller Schriftzug.

Ein Schriftzug, wie aus Goldstaub

Die Bicolor Sea-Dweller ist optisch noch mehr Submariner Date, denn dies bei der reinen Stahl-Version sowieso schon der Fall war. Das mag hauptsächlich daran liegen, dass eben diese Materialkombination in jenem Erscheinungsbild über Jahrzehnte der kleineren und kommerziell wohl deutlich erfolgreicheren Schwester vorbehalten war, das Hirn dem Betrachter nach so viel Eingewöhnung also schlichtweg einen Streich spielt.

Weil sie es können

Warum überhaupt eine Sea-Dweller in Stahl-Gold? Nun, wer Rolex kennt der weiß, eine 100%ige Antwort darauf wird man wohl nie erfahren und wie bei Einführung der Lupe könnte „weil wir es können“ recht weit vorne liegen. Aber auch aus strategischer Sicht ergibt das neue Modell durchaus Sinn.

Perfekte Ecken und Kanten

Denn Stahl-Gold erlebt seit einigen Jahren wieder eine Art Renaissance. Den interessierten Kunden nun also der 40 Millimeter großen Submariner Date eine optisch ähnliche, aber größere Variante in 43 Millimetern zur Seite zu stellen, könnte somit eine Käuferschicht locken, die bislang maximal bei der Yacht-Master II fündig wurde.

Die beste Rolex aller Zeiten – nur in Bicolor

Was sie mit der 126603 bekommen, ist nichts weniger als die beste Rolex aller Zeiten – nur eben in Bicolor. Eine Uhr mit für ihre Größe perfekten Proportionen, hervorragender Qualität und einem Manufakturwerk der neusten Generation. Eben eine große Submariner. Eine aber, die viel tiefer tauchen kann. Und überhaupt: eben die einzige, echte Toolwatch. Zumindest unter den Stahl-Gold-Uhren…

Die kleine Krone bei 6 Uhr ist Erkennungszeichen des Next Generation Uhrwerks

Fazit

Mein Fazit: wer auf den speziellen Look von Stahl-Gold steht und für wen die bisherige Submariner Date in jener Material-Kombination zu klein war, der ist bei der neuen Rolex Sea-Dweller genau richtig. Mit der 126603 erhält er eine perfekt proportionierte, ausgeklügelte Taucheruhr. Eine Uhr für alle Fälle, nur eben ein wenig schmuckvoller als in reinem Oystersteel. Die große Frage, die bleibt: wann sehen wir die erste Sea-Dweller in Vollgold, eine 126608 also? Möglich scheint diesbezüglich ja mittlerweile alles zu sein. Und vermutlich würde das die früheren, wahren Sea-Dweller Fans nun auch nicht mehr groß schockieren.

Datenblatt:

  • Modell: Rolex Oyster Perpetual Sea-Dweller Rolesor, Ref. 126603
  • Gehäuse: 43 mm Oyster, Edelstahl Oystersteel, mit Heliumventil und Kronenschutz, wasserdicht bis 1.220 Meter. Verschraubbare Aufzugskrone in 18kt Gelbgold, einseitig drehbare Lünette aus 18kt Gelbgold mit Cerachrom Keramik-Zahlenscheibe. Kratzfestes Saphirglas mit entspiegelter Zykloplupe
  • Zifferblatt: mattschwarz, Indexe und Zeiger Gelbgold mit Chromalight Leuchtmasse
  • Armband: Oyster, dreireihig, flache Elemente, Rolesor gelb (Kombination aus Edelstahl Oystersteel und 18 Karat Gelbgold). Oysterlock-Sicherheitsfaltschließe mit Rolex Glidelock-Verlängerungssystem
  • Uhrwerk: Manufakturwerk, Kaliber 3235. Automatik, beidseitig aufziehend, 28.800 A/h (4 Hz), 70 Stunden Gangreserve
  • Funktionen: Stunde, Minute, Zentralsekunde mit Sekundenstopp. Fensterdatum bei 3 Uhr mit Schnellkorrektur
  • Limitierung: keine
  • Preis: 14.600 Euro (DE) 14.700 Euro (AT)
  • Link zum Hersteller: https://www.rolex.com/de/watches/sea-dweller/m126603-0001.html

Fotos: © PCS 2019

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