by R-L-X

Nach Gelbgold kommt Weißgold, nach Weißgold kommt Rotgold, nach Rotgold kommt Platin. Die Reihenfolge, in der Patek Philippe seine Modellvarianten vorstellt, ist nicht wirklich neu. Warum die Platin-Version des Chronographen 5170 dennoch eine große Überraschung ist…

Kurz vor Jahresende stellte ich meine Top 5 des Jahres 2017 vor. Eine Neuheit, so wurde alsbald bemängelt, fehle in meiner Auflistung: die 5170P von Patek Philippe. Kein Wunder allerdings, denn bislang war dieses Modell noch nicht Thema eines meiner Reviews. Höchste Zeit also, dass sich das zum neuen Jahr ändert.

Vorgestellt auf der Baselworld 2017: Patek Philippe 5170P

Die 5170 ist eine ganz besondere Uhr für Patek Philippe. Denn jene Referenz war die erste (Herren-) Uhr, die sich am neuen In-House Chronographenkaliber CH 29-535 PS bedienen durfte. In diesem Jahr ist das nun auch schon wieder acht Jahre her.

Schon einmal war die 5170 Hauptakteur eines Luxify Reviews. Damals hatte ich die Möglichkeit, eines der letzten erhältlichen Exemplare der 5170J zu fotografieren. Jene Gelbgold-Version, 2010 auf den Markt gekommen, wurde rund drei Jahre später wieder eingestellt, nachdem die weißgoldene 5170G vorgestellt wurde. Aktuell ist der Chronograph in zwei Rotgold-Versionen erhältlich, als 5170R-001 mit weißem, und als 5170R-010 mit schwarzem Blatt.

Urversion mit Inhouse-Kaliber: die 5170J, präsentiert im Jahr 2010

Seit 2017 nun gibt es die 5170 erstmalig also endlich auch in einer Platin-Version. Und diese unterscheidet sich in ihrem Auftreten ganz extrem von ihren bisherigen Schwester-Modellen. Denn während die Ausführungen in Weißgold und Rotgold mit ihren aufgesetzten Breguet-Ziffern sehr klassisch daherkamen, wirkt die Platin Variante geradezu sportlich.

Das liegt in erster Linie an den Strichindexen, inklusive Doppelindex bei der 12. Wie schon beim Jubiläumsmodell der Nautilus 5711/1P (hier geht’s zum Review), sind jene Strichindexe in Wirklichkeit Diamant-Baguettes, und eben wie bei der Nautilus erkennt man das auch bei der 5170P erst bei ganz genauem Hinsehen. Dezenter kann man Diamanten nicht verbauen.

Die neun Baguettes mit gesamt etwa 0,23 Karat sind aber längst nicht das einzige Highlight des Blattes der Platinversion. “Zifferblatt blau mit Sonnenschliff, Schwarz-Verlauf” nennt es die Patek Philippe Homepage. Worte, die nicht im Geringsten die Wirkung beschreiben können, die dieses Blatt hat. Es wirkt mysteriös, verändert seine Farbe permanent, wirkt mal schwarz, mal nachtblau, mal schon leicht petrol. Unheimlich schwer zu beschreiben, noch schwerer im Bild festzuhalten. Man muss es einfach einmal live sehen, denn dieses Blatt ist wirklich unglaublich.

Und noch eine Neuerung gibt es: waren die bisherigen 5170 Modelle nur mit Eisenbahnminuterie oder – im Fall der 5170J-001 und 5170G-001 – Pulsations-Skala erhältlich, kann die 5170P-001 sowohl mit einer 1/5 Sekunden-Einteilung als auch mit einer Tachymeter-Anzeige aufwarten. Beide sehr fein und dezent aufgedruckt.

Wie bei allen 5170 Modellen, so sind auch hier die zwei Hilfszifferblätter für die kleine Sekunde (bei 9 Uhr) und für den Minutentotalisator (bei 3 Uhr) etwas tiefer ins Zifferblatt eingelassen. Neu sind die mit Leuchtmasse belegten Dauphinezeiger für Stunde und Minute, die ebenfalls zum moderneren, sportlichen Erscheinungsbild der Platin-Version beitragen.

Gleich geblieben sind die Gehäuseproportionen. Die 5170P verfügt über 39,4 Millimeter Durchmesser bei einer Bauhöhe von 10,9 Millimetern. Die Druckfestigkeit beträgt weiterhin 3 bar. Ebenfalls keine Änderungen gibt es am Werk. Das Inhouse-Handaufzugkaliber CH 29-535 PS debütierte 2009 in den Ladies First Chronographen, besteht aus 269 Teilen, darunter auch die Gyromax-Unruh, und arbeitet mit einer Frequenz von 28.800 Halbschwingungen. Die Gangreserve beträgt 65 Stunden. Weitere Informationen zum Uhrwerk gibt es im Review der 5170J.

Mein Fazit: Patek Philippes erster Chronograph mit Manufakturkaliber ist in jeder Variante eine Augenweide. Doch das Zifferblatt, welches man sich in Genf für die 5170P-001 ausgedacht hat, stellt noch einmal alles Dagewesene in den Schatten. Es ist für mich eines der schönsten Modelle, welches Patek Philippe jemals herausgebracht hat. Nur gut, dass meine Top 5 Liste für 2017 schon geschrieben ist. Ansonsten hätte ich jetzt wirklich ein Problem.

Datenblatt:

  • Modell: Patek Philippe Chronograph, Ref. 5170P-001
  • Gehäuse: 39,4 mm, Platin, wasserdicht bis 3 bar (30 Meter), Sichtboden mit Saphirglas
  • Zifferblatt: Blau mit Sonnenschliff und Schwarz-Verlauf, Baguette-Diamant-Indexe (ca. 0,23 ct), Tachymeter-Skala
  • Armband: Alligator-Lederband, schwarz glänzend, mit Faltschließe in Platin
  • Uhrwerk: Manufakturwerk, Kaliber CH 29-535 PS, Handaufzug, 28.800 A/h (4 Hz), 65 Stunden Gangreserve, Gyromax Unruh, Breguet Spirale
  • Funktionen: Stunde, Minute, kleine Sekunde, Chronograph mit zentralem Sekundenzeiger und 30-Minuten-Totalisator
  • Preis: 86.720 Euro (Deutschland)

 

Fotos & Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2017

 

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